BERLINER DIALOG Heft 2-97

Neues vom Weißen Rössel

von Wolfgang Behnk

Veränderungen beim Universellen Leben

Im UL gibt es seit einigen Monaten Neuerungen, die zur Frage führen, ob sich der Charakter der Sekte verändert hat. Die als "Innere Geist = Christus-Kirchen" (IGCK) firmierenden UL-Niederlassungen wurden in "Kosmische Lebensschule" umbenannt; in den UL-Publikationen wird als Lehrgestalt zunehmend nicht mehr "die Prophetin" Gabriele Wittek auf, sondern "der Prophet"" genannt, und drittens wurde der Name des Zentralorgans "Christusstaat" durch "Das weiße Pferd" ersetzt.
Was steckt dahinter?

Der Name "Kosmische Lebensschule" für die UL-Sammelbecken ist gegenüber der Bezeichnung "IGCK" unverfänglicher und werbewirksamer. Er wendet sich an allgemein esoterisch Interessierte, die nicht von vornherein durch die Organisationsstrukturen abgeschreckt werden sollen.

Der bisherige Zeitungsname "Christusstaat" konnte die Vermutung von Kritikern nach politischen Zielsetzungen untermauern. Auch korrespondiert die UL-Führung nicht nur in verbissener ideologischer Streitsucht mit deutschen Regierungen und Parlamenten, sondern ist kommunalpolitisch in Unterfranken bereits mit der "Wählerinitiative 'Die Urdemokraten. Bürger für Recht und Gerechtigkeit'" erfolgreich.

Apokalyptisches Pferd oder Pegasus?

Der neue Titel "Das weiße Pferd - Den 'Geheimnissen Gottes' auf der Spur - Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft" für die zweiwöchentlich erscheinende Zeitung soll nach außen hin Assoziationen an das geflügelte Pferd der griechischen Mythologie wecken, d.h. an den Pegasus, das im kulturellen Bewußtsein der Gesellschaft positiv behaftete Dichterroß denken lassen. Manche Sachkenner befürchten daher, das Dichterroß signalisiere eine weitere Verstärkung des Schreibflusses bei den "Urchristen" und eine Zunahme der Veröffentlichungen aus dem Verlag "Wort Bild und Ton".

Das weiße Pferd sei ein Symbol für das Wort Gottes, heißt es aus der Organisation. Damit nimmt die Wittek-Organisation dann aber Bezug auf den ersten der sogenannten "Vier apokalyptischen Reiter", der auf einem weißen Pferd reitet (Offenbarung 6,2). Es ist also nach dem Scheitern der Pläne zur Errichtung eines "Christusstaates" wieder mit einer stärkere Endzeitausrichtung zu rechnen.

Erinnerungen an Mairadi

Das apokalyptische Szenario der Sekte hat nichts mit der biblisch-christlichen Symbolik zu tun, dafür um so mehr mit der gefährlichen Endzeithysterie eines spekulativen UFO-Spiritismus. Denn die durch "telepathische" Vermittlung von Gabriele Wittek zustandegekommenen "Offenbarungs"-Belehrungen durch den Raumschiff-Kommandanten "Mairadi", der mit seinen außerirdischen "Geschwistern" die Gläubigen "aus diesem Sonnensystem bergen" will, wurden im UL nie revidiert.

Wenn bei den ideologischen UL-Belehrungen neuerdings mehr "der Prophet" als "die Prophetin" zum publizistischen Einsatz kommt, dann bedeutet dies nicht, daß Gabriele Wittek als Sprachrohr abgelöst ist.

Ihre Rolle im UL wurde jedoch bereits in den letzten Jahren kräftig dahingehend relativiert, daß die früher von ihr proklamierte Ablehnung jeder institutionellen Organisation inzwischen durch die expansive Organisationstätigkeit des UL-Managements widerlegt wird. Der bisher lediglich in Frankfurt a.M. eingetragene Verein "Universelles Leben e.V." erscheint neuerdings an vielen Orten im Bundesgebiet. Der gegenwärtige Rückgriff der Sektenführung auf Verlautbarungen "des Propheten" bedeutet, daß die Bedeutung der bisher zentralen Person Gabriele Witteks als einer einzigartigen göttlichen Geist-Inkarnation und "absoluten" "Lehrprophetin" durch eine austauschbare "prophetische" Instanz abgelöst wird. Mit dieser Maßnahme bereitet sich die UL-Führung auf die von Frau Wittek selbst angekündigte Nach-Wittek-Zeit vor. Auch wenn jetzt als "neue Generation" des UL die "Mitarbeiter" der - kommerziellen -"Christusbetriebe" ausgerufen werden, soll aus optischen Gründen der "prophetische" - d.h. der religiös zu schützende - Anspruch des Psychokonzerns gewahrt bleiben.

Lebensfilmspule und Umprogrammierung

Im UL ist neuerdings auch - ähnlich wie zum Beispiel bei Scientology - davon die Rede, daß man die "Lebensfilmspule" des Menschen mit all ihren "positiven und negativen Engrammen löschen" müsse, damit bei den Anhängern die propagierte "Umprogrammierung der Gehirnzellen" erfolgen kann.

Eine substantielle Änderung des totalitär und kommerziell ausgerichteten Charakters der Psychoorganisation kann jedoch nicht festgestellt werden. Bei den derzeitigen Veränderungen handelt es sich wohl vielmehr um Anpassungen des Designs.

Pfr. Dr. Wolfgang Behnk, 47,
promovierte mit einer Arbeit über Luthers Lehre vom freien
und unfreien Willen und ist seit 1991 Beauftragter für Sekten-
und Weltanschauungsfragen der Evang.-Luth. Kirche in Bayern