Angestellter der Kirche und Gegner werden aufgefordert, voneinander Abstand zu halten.

Ein Richter ordnet einem Kritiker von Scientology an, sich von Liegenschaften der Kirche fernzuhalten; ein Angestellter muss sich vom Kritiker fernhalten.

Von THOMAS C. TOBIN

© St. Petersburg Times, 3. Dezember 1999

ST. PETERSBURG -- Ein Richter verlangte nach einem Ende der "Hahnenkämpfe" in Clearwater, den verhöhnenden, heissblütigen und hautnahen Zusammenstössen, die in den letzten Monaten zwischen Mitarbeitern der Scientology Kirche und ihrer Nemesis, dem Millionär Robert Minton aus New England, ausbrachen.

In einem Erlass vom Donnerstag erklärte Richter Thomas E. Penick Jr. des Bezirks Pinellas-Pasco Minton und Richard Howd, einem Angestellten von Scientology, dass sie sich "beidseitig zurückhalten müssen" nach einer Auseinandersetzung in der Halloween Nacht.

Minton muss bei 17 Liegenschaften von Scientology in Clearwater mindestens 10 feet (rund 3 m) Abstand einhalten. Und Howd darf sich Minton nicht weniger als 20 feet (rund 6 m) nähern.

Danach herrschte aber Verwirrung bezüglich verschiedener Punkte. Zum Beispiel: Hatte der Richter die Absicht, Minton von allen öffentlichen Gehwegen vor den Gebäuden von Scientology zu verbannen?

Die Anwälte der Kirche und Minton verliessen das Bezirksgericht in St. Petersburg mit unterschiedlichen Interpretationen von Penicks Befehl, alles im Vorfeld von am kommenden Wochenende geplanten Protesten gegen Scientology in Clearwater.

Penick erliess sein Urteil nachdem er am Montag einer neunstündigen Anhörung beiwohnen musste. Er visionierte sieben Videobänder von Demonstrationen gegen Scientology, an den meisten davon war Minton beteiligt.

Eines davon zeigte einen Zusammenstoss von letztem Jahr in Boston, wo Minton und ein Begleiter in eine ruchlose und lautstarke Debatte mit zwei Angestellten von Scientology verwickelt wurden. Mit Herumschubsen, Stossen mit den Schultern und Anbrüllen Nase an Nase. Ein Angestellter von Scientology war zu beobachten, wie er Minton anschrie wegzugehen, seine Lippen höchstens 5 cm von Mintons Ohr entfernt.

Minton wurde nach dem Zusammenstoss verhaftet, eine Anklage wegen Körperverletzung wurde aber später eingestellt.

Penick sagte, dass sich beide Seiten "in gefährlicher und bedrohlicher Weise daran beteiligten, festzustellen wie nahe man dem Anderen kommen kann während jeder seine diesbezüglichen verfassungsmässigen Rechte ausübte".

Er meinte, dass die beiden Verhaftungen von Minton aus dieser Handlungsweise, die er "Hahnenkämpfe" nannte, resultierten.

Minton wurde am 1. Nov. verhaftet und wegen Körperangriff angeklagt, da er Howd mit der Tafel seines Demonstrationsschilds verletzte.

Howd, ein Angestellter des Sicherheitsdienstes von Scientology, erlitt Schrammen nahe bei seinem linken Auge. Howd verfolgte nahezu den ganzen Tag Mintons Wagen und hielt sich mit einer Videokamera nahe bei Minton auf als sich der Zwischenfall vor Scientologys Fort Harrison Hotel in Clearwater ereignete.

Zur Anhörung vom Donnerstag war der Gerichtssaal gedrängt voll. Eine Menge von über 70 Leuten sass versteinert da, in selbstauferlegter Trennung, wie Familien an einer Hochzeit.

Auf der einen Seite sassen etwa 40 hiesige Scientologen hinter einem von Howd, Offiziellen von Scientology und zwei Anwälten der Kirche belegten Tisch.

Auf der anderen Seite, hinter Minton und drei Anwälten, waren etwa 30 Kritiker von Scientology aus dem ganzen Land, einige von ihnen ehemalige Scientologen.

Der Entscheid von Penick ist sechs Monate gültig, muss aber voraussichtlich umadressiert werden.

Minton, der in Boston und New Hampshire Häuser besitzt, erklärte er werde seine Operationsbasis nach Clearwater verlegen. Er teilte mit, er habe einen Kaufvertrag für ein Bürogebäude im Zentrum in der Nähe der Einrichtungen der Kirche und er plane, eine Organisation zu bilden, die Scientology herausfordern wird.

Er sagte auch, er habe über 2,5 Millionen Dollars für einen Kreuzzug gegen Scientology ausgegeben, der vor rund zwei Jahren begann.

Es herrschte am Donnerstag Unstimmigkeit darüber, wie weit die Anordnungen von Penick gehen.

Sein Befehl, dass sich Minton 10 feet von Liegenschaften der Kirche fernhalten muss, wurde von Scientology dahin interpretiert, Minton könne die Gehwege vor den Gebäuden der Kirche nicht benutzen. Der Anwalt von Minton, Denis deVlaming, meinte auf den Gehwegen sei genug Platz für ihn für eine Demonstration.

DeVlaming erklärte auch, der Befehl verlange von allen Scientologen, nicht nur von Howd, gegenüber Minton einen Abstand von 20 feet einzuhalten. Scientology Anwälte widersprachen, hielten jedoch fest, die Mitglieder der Kirche wollen sowieso nicht in der Nähe von Minton sein so lange er seine Distanz einhält.