Kirche will ihren Führer schützen

Scientology will, dass David Miscavige von der Anklage wegen fahrlässiger Tötung befreit wird.

Von ANITA KUMAR

© St. Petersburg Times, 19. April 2000 CLEARWATER -- Mit Einsprachen an Richter auf beiden Seiten von Tampa Bay setzt die Scientology Kirche ihren Kampf fort, um ihren weltweiten Führer aus dem Rechtsstreit über den Tod der Scientologin Lisa McPherson im Jahr 1995 herauszuhalten.

Die Kirche kam heute Morgen zum Gericht um von einem Richter von Hillsborough zu verlangen, David Miscavige als Angeklagter im Prozess wegen fahrlässiger Tötung zu streichen. Mit einer separaten Handlung reichte die Kirche beim Bezirksgericht von Pinellas eine Klage ein, die behauptet, dass die Erben von McPherson mit dem Einbeziehen von Miscavige an erster Stelle in der Klage eine Vereinbarung von 1997 brachen.

Im Dezember erstaunte der Bezirksrichter James S. Moody Jr. die Kirche und ihre Anwälte indem er erlaubte, Miscavige, seit 1986 Führer der in Los Angeles niedergelassenen Kirche, in die Klage miteinzubeziehen.

Miscaviges Anwälte werden am heutigen Hearing die Ansicht vertreten, dass ihr Klient nicht als Angeklagter aufgeführt werden sollte, zum Teil weil McPhersons Erben 1997 zustimmten, den Prozess wegen fahrlässiger Tötung auf die Scientology Kirche von Clearwater zu begrenzen und nicht auf weitere Einrichtungen von Scientology und deren Offiziere auszudehnen.

Die Klage in Pinellas bezieht sich ebenfalls das die Vereinbarung von 1997. Die Erben werden beschuldigt, den Vertrag gebrochen zu haben und vorsätzlich zu beeinträchtigen durch den Versuch, den engen Spielraum der ursprünglichen Vereinbarung zu erweitern.

McPherson starb am 5. Dezember 1995 nachdem sie 17 Tage in der Obhut von Scientology Mitarbeitern in Clearwater verbrachte. Ein fünfwöchiges Zivilverfahren ist im Juni geplant.

Ken Dandar, der McPhersons Familie vertritt, beschrieb die jüngste Klage der Kirche als leichtfertig und erklärte, die Kirche versuche nur ihn bei seiner Arbeit an der Klage wegen fahrlässiger Tötung zu stören.

Die Klage der Kirche, die sich auch gegen Dandar und Dell Liebreich richtet, McPhersons Tante die persönliche Vertreterin der Hinterlassenen von McPherson ist, will von den Erben die Bezahlung der Kosten verlangen, die durch das Bekämpfen der Veränderungen des Vertrags entstehen, einschliesslich alle Anwaltskosten von Miscavige, sagte der Scientology Anwalt Wallace Pope Jr.

In der getrennten Angelegenheit in Hillsborough County zählten die Anwälte von Miscavige verschiedene Gründe auf, warum er im Prozess wegen fahrlässiger Tötung nicht genannt werden sollte: Die Hinterlassenen von McPherson warteten zwei Jahre bis sie ihn einbezogen; Miscavige hat nicht genügend Vorbereitungszeit für das Verfahren im Juni; und seine Beteiligung würde das Enthüllen von Details über seine "kirchliche Autorität" erfordern in Verletzung des First Amendment.

Miscavige "kontrolliert total" und "beherrscht jede Kleinigkeit in der gesamten Scientology", und seine kirchliche Rolle ist Teil eines ausführlichen Plans, Scientology und ihre Führer vor der Verantwortung zu schützen, wie der Prozesses wegen fahrlässiger Tötung aufzeigt.

Diese Anklage erklärt ausserdem, dass die Untergebenen von Miscavige ihn über den sich verschlechternden Zustand von McPherson informierten und gemäss seinen Anweisungen handelten als sie psychotisch wurde und durch Mitarbeiter der Kirche eingesperrt wurde.

Aber die Offiziellen der Kirche sagen, Miscaviges Autorität in Scientology sei auf kirchliche Angelegenheiten begrenzt. Sie meinen, der Vertrag von 1997 beabsichtige klar, Miscavige, den Vorsitzenden des Religious Technology Center (RTC), dem kirchlichen Arm von Scientology, von der Anklage auszuschliessen. Er führt auch die Sea Organisation an, die das Personal der Kirche stellt.

- Staff writer Thomas C. Tobin contributed to this report.

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