Gegner von Scientology beziehen Räume nahe bei der Kirche

Der Leiter des Lisa McPherson Trust erklärt, er wolle die Leute über die Kirche unterrichten. Aber ein Sprecher meint "Sie bringen dieser Stadt absolut nichts"

Von THOMAS C. TOBIN

St. Petersburg Times, 6. Januar 2000

CLEARWATER -- Eine Organisation die von sich sagt, sie wolle die Scientology Kirche erneuern brachte ihre Pläne voran, im Epizentrum der Welt von Scientology ein Hauptquartier zu eröffnen.

Die Gruppe, angeführt vom Millionär Robert S. Minton aus New England, kaufte am Dienstag ein kleines Bürogebäude an der 33 N Fort Harrison Ave., gerade 10 m von einem Hauptgebäude von Scientology im Zentrum entfernt. Minton und ein fünfköpfiges Team erklärten, das Aufklären der örtlichen Einwohner - eingeschlossen aktive Scientologen - über die Missbräuche innerhalb der Kirche zu planen.

Scientology reagierte am Mittwoch mit harten Worten.

"Diese Kerle sind Nobodies", sagte der Vertreter der Kirche Marty Rathbun. "Sie bringen dieser Stadt absolut nichts."

Er verglich es mit der Eröffnung eines Büros des Ku Klux Klan in North Greenwood, in der Nachbarschaft von Clearwater mit grösstenteils schwarzen Einwohnern.

Er meinte, die Idee dass eine Gruppe von Aussenseitern Scientology erneuern will sei Absurd. Die Unterstützung der Kirche durch ihre Mitglieder ist stärker denn je, sagte Rathbun. Er erklärte auch, Scientology habe hart gearbeitet um die Beziehungen in Clearwater zu normalisieren, wo die Beamten der Stadt die Kirche in die Diskussion um die Sanierung des Zentrums zum ersten Mal seit ihrer kontroversen Ankunft in Clearwater in den späten 70er Jahren mit einbezogen.

Heute ist Clearwater das "Mekka" von Scientology, ein Ziel für Kirchenglieder, die von überall in der Welt kommen um hier Scientology Beratung auszuüben.

"Es wurden viele Fortschritte gemacht, aber dadurch werden diese beeinträchtigt", sagte Rathbun.

"Der wahre Grund warum sie hier sind ist die Leute zu belästigen", äusserte er sich. "Sie wissen besser als irgend jemand, dass kein aktive Scientologe an ihren Informationen interessiert ist."

Mintons Gruppe hat da eine andere Ansicht. Er und sein Team, das vier ehemalige Scientologen umfasst, sagten, von Ortsansässigen wie auch von einigen gegenwärtigen Kirchenmitgliedern herzlichst angenommen worden zu sein.

"Wo ich hingehe treffe ich in der Stadt auf Leute die sagen 'Gottseidank sind sie hier'", erklärte Stacy Brooks, eine ehemalige Scientologin die Minton bei der Leitung der neuen Gruppe helfen wird. "Die Leute sind hungrig auf Informationen über Scientology: 'Was machen die eigentlich? Warum benehmen die sich so geheimtuerisch?'"

Am Mittwoch Nachmittag vereinbarte ein schwärmender Minton, für ein zweistöckiges 700 Quaddratmeter grosses Gebäude 325'000 Dollars zu zahlen. Die Telefone wurden angeschlossen und eine Internet Webseite wurde diese Woche installiert.

Ein benachbarter Besitzer eines Restaurants, der Minton unterstützt, hiess ihn im Quartier mit einem festlichen Bruschettakorb und einer Flasche 1998 Merlot willkommen

Das neue Hauptquartier liegt zwei Hausnummern nördlich eines Hauptgebäudes von Scientology in Clearwater, einer renovierten Bank an der Cleveland Street, die eine der ersten Landkäufe der Kirche Mitte der 70er Jahre war.

Dort sind die Public Affairs Büros der Kirche untergebracht und zwei grosse Speiseräume, wo täglich mehr als 1'000 uniformierte Mitarbeiter von Scientology essen.

Am Dienstag bot die Kirche an, das an Minton verkaufte Gebäude zurückzukaufen, was der Verkäufer CPA Scott Brauer zurückwies.

Rathbun sagte, die Kirche sei über die Anwesenheit Mintons besorgt, im allgemeinen jedoch werde sie versuchen ihn zu ignorieren.

Die neue Gruppe, The Lisa McPherson Trust, ist nach der 36jährigen Scientologin genannt, die 1995 unter der Pflege durch Mitarbeiter von Scientology umkam. Ihr Tod führte zu Strafklagen gegen die Kirche und zu einem Prozess wegen Todschlag durch die Familie von McPherson.

Minton, ein 53jähriger Anlagebankier im Ruhestand, finanziert den Prozess und sagt, er habe 2.5 Millionen Dollars für Aktionen gegen Scientology gespendet.

Er erklärte, der Trust habe keinen Einwand gegen die Glaubensgrundlagen von Scientology. "Es ist die Art des Umgangs mit Kritik", sagte Minton, "der wir widersprechen."

Er erklärte auch, dass das Ethiksystem der Kirche missbräuchlich und schädlich für die Mitglieder ist.

Minton gab bekannt, dass verschiedene aktive Scientologen mit ihm zusammenarbeiten und daran interessiert sind, die Kirche zu erneuern. Er lehnte ab ihre Namen zu nennen, da sie Repressionen durch die Kirche zu befürchten haben.

Rathbun wies diese Behauptung zurück indem er sagte, das Ethiksystem der Kirche sei die "Grundlage für ein reines, glückliches spirituelles Leben", kein Scientologe würde daran denken darauf zu verzichten. Das System ist so grundlegend zur Ausübung von Scientology dass es nie weggetrennt werden könnte, meinte er.

Diejenigen die sich nicht an den ethischen Kode halten wollen können ihn von innen her erneuern oder die Kirche verlassen, sagte er, hinzufügend dass es für einen Aussenseiter wie Minton anmassend war so etwas zu versuchen.

Rathbun sagte auch, dass einige der Anhänger Mintons, eingeschlossen Stacy Brooks, nicht länger in Scientology sind weil sie der Scientology Ethik nicht gewachsen waren.

Er bemerkte, dass Minton zweimal bei Zusammenstössen mit Scientologen verhaftet wurde.

Rathbun und andere Offizielle der Kirche behaupten auch, dass Minton und seine Mitarbeiter in Clearwater sind um Scientologen gewaltsam zu "deprogrammieren".

Minton und seine Mitarbeiter meinen, dass die Kirche übertreibt. Sie sagen, sie wollen Informationen vermitteln und "Ausstiegsberatung" anbieten für Kirchen Mitglieder, die zu ihnen kommen.

Minton erklärte, er hoffe Scientology dazu zu bringen, "wie eine Kirche zu handeln".

* * *

Copyright 2000 St. Petersburg Times. All rights reserved.