03.12.99
Citizens und Polizei

Ich muß gestehen, daß ich mich auf dem Weg zu meinem ersten Picketing seit vielen Jahren ("zu meiner Zeit" hieß das noch Demo) nicht ganz wohl fühlte. Ich erwartete Repressalien und eine Bevölkerung, die zumindest kritischen Abstand zu uns hielt. Die amerikanischen Cops sind ja auch für ihre, nun, sagen wir mal, "stringente" Vorgehensweise bekannt. Vorsichtshalber habe ich zuhause hinterlassen, aus welchem Knast man mich möglicherweise auslösen müßte....

Oh, wie hatte ich mich da getäuscht. Während wir an den Straßen standen und unsere Schilder (je nachdem, wie stark der Wind war) mehr oder weniger hoch hielten, haben wir soviel Zustimmung erhalten, wie ich niemals erwartet hätte. Mindestens 30 % der Autoinsassen begrüßten uns mit kurzen Hupzeichen, erhobenem Daumen oder winkten uns zu. Ein Autofahrer hielt neben mir und steckte mir einen Dollar zu, von dem wir uns Pepsi kaufen sollten. Fußgänger zeigten entweder deutlich ihren Beifall oder flüsterten uns im Vorbeigehen zu "We agree totally with you".
Einige, die von uns in der Zeitung gelesen oder uns im TV gesehen hatten, baten um ein Picket sign und gesellten sich über Stunden zu uns.

Manchmal zeigte man uns allerdings auch den Stinkefinger. Wir nahmen es gelassen und grüßten freundlich zurück.

Das Polizeiaufgebot war beeindruckend. An jeder Ecke jeder Kreuzung standen mindestens ein, zwei Polizisten, die darauf achteten, daß wir die Gehwege nicht blockierten und es zu keiner Konfrontation kam. Viel hatten sie nicht zu tun, alles glich eher einer Friedensdemo, und sie langweilten sich zu Tode. Ein Polizist fragte verzweifelt einen Picketer, ob er nicht vielleicht bitte eine Flasche auf die Straße werfen wolle...
Wir fühlten uns von ihnen weniger beobachtet als beschützt. Wenn sich die Gelegenheit ergab, sich mehr oder weniger unbeobachtet auszutauschen, wurde bald klar, was sie von der Belagerung Clearwaters durch die $C hielten. Dennoch geschah es am letzten Tag des öfteren, daß wir ärgerlich an Streifenwagen herangewinkt wurden - weil sie immer noch darauf warteten, endlich die längst versprochene Gelegenheit zu erhalten, die neuen T-Shirts zu kaufen. Patricia hat versprochen, sich in diesen Tagen darum zu kümmern.