02.12.99
Urteil in St. Petersburg

Am nächsten Tag, am 02.12.99, waren dann nahezu alle Teilnehmer an diesem Picketing versammelt. Mittags machte sich ein Großteil auf, um an der Urteilsverkündung in der Sache Howd/Minton in St. Petersburg teilzunehmen. Peter Widmer hat den Artikel aus SP-Times ja schon übersetzt, insofern erspare ich mir das hier. Spannend war es schon. 40 Scienos rechts von der Eingangstür, fast so viele Kritiker links. Der Richter verlas zunächst einmal die Vorgeschichte, und die Art der Darstellung ließ zunächst nichts gutes ahnen. Als er aber dann nach einer kurzen Kunstpause mit dem Wort "However" fortfuhr und dabei auf die "scientologische" Seite nahezu strafend schaute, war uns in etwa klar, was kommen würde...
3 TV-Sender waren anwesend und haben die Parteien später vor dem Court interviewt. Rinder sah aus wie ein Schulbub, der zur Strafe in die Ecke gestellt wurde. Ich hoffe, ich habe ein gutes Foto davon. Die Filme sind zur Zeit im Labor.

Gutgelaunt machten wir uns dann auf den Weg zum Fort Homicide. Ich hatte ein T-Shirt mitgebracht, auf dessen Vorderseite stand: "Caution for $cientologists: Don't read, if I turn round." Auf der Rückseite war zu lesen "OT 20: L. Ron Hubbard is an Implant".

Nach und nach ordneten wir unseren Bewachern Namen zu; das machte die ganze Sache persönlicher. Mindestens einer beobachtete uns immer vom Dach des Ft. Harrison. Ihn nannten wir z. B. Vince (frei nach "Vinzenz, der Falke" aus einem Film mit Jerry Lewis). Ein anderer in grüner Jacke (Jacke!), dessen Gesicht schon aus den Vorjahren bekannt war, erhielt den Namen Croc. Croc filmte uns überall, ohne ein Wort zu sagen. Ich möchte nicht wissen, wieviel Kilometer Videoband er verbraucht hat, ganz abgesehen von den Kopien, die sie mit Sicherheit erstellt haben. Was für eine Verschwendung von "Kirchen"geldern!!!

Mittlerweile waren einige von uns mit Scannern ausgerüstet, was den Spaß an der Sache noch deutlich erhöhte. Wenn z.B. unsere "Verfolger" per Sprechfunk der Zentrale meldeten, daß sie den Sichtkontakt zu uns verloren hatten, haben wir freundlich auf sie gewartet und auf uns aufmerksam gemacht.