01.12.99
Der erste Tag

Am Abend zuvor war ich recht spät im Hotel angekommen und bin gleich ins Bett gesprungen. Mit anderen Worten, da Tilman erst später anreisen würde, mußte ich schauen, ob ich irgendwo im Hotel die Menschen finden würde, die ich bisher nur vom Namen her kannte.

Das Problem löste sich schnell. In der Lobby saß Stacy Brooks, die mich zu der bereits frühstückenden Gruppe führte. Mein Englisch muß doch noch schlechter sein, als ich dachte, da sich später herausstellte, daß sie mich für eine Reporterin der deutschen Presse hielten.

Hier machte ich dann auch gleich die erste - und letzte - schlechte Erfahrung, nämlich als ich das Frühstück bestellte. Leute, ein guter Tip, falls Ihr mal nach Clearwater fahren solltet: nehmt Euch Instant-Kaffee mit. Die Brühe, die es dort im Hotel zu trinken gibt, hat niemals im Leben eine Kaffeebohne zu sehen bekommen. Im Grunde genommen saß unsere Gruppe allein im Restaurant - bis auf zwei "unauffällige" Männer, die sich im hinteren Teil niedergelassen hatten.; so unauffällig, daß ich mich veranlaßt sah, schnell ein paar Fotos von ihnen zu schießen.

Unsere Bedienung fragte die Herren, wer sie seien, und sie gaben sich als PI's aus. "Really?? You are private investigators? I can't believe it! Really??" Sie machte für uns eine echte Show daraus. Später, als sie ihnen das Frühstück brachte, fragten sie die Kellnerin, ob sie unsere Namen wüßte. "Sure", antwortete sie. Soweit sie wüßte, würden wir alle Skippy heißen.....

Überhaupt folgten uns fremdengagierte PI's oder Staff member in den nächsten Tagen auf Schritt und Tritt. Falls sie vorhatten, unerkannt zu bleiben, so muß ich sagen, daß es sich hier um eine wirklich schwache Vorstellung handelte. Mag aber auch sein, daß sie uns spüren lassen wollten, daß sie jederzeit über uns informiert sind.

Nach dem Frühstück wurden dann die Picket Signs hervorgekramt, und wir machten uns auf den Weg zum ersten Picketing. Wer die Bilder von Xenu-TV kennt, die Patricia aufgenommen hat, weiß, wie die Bürgersteige zugerichtet waren. Das Ft. Harrison selbst war 2-3 Stockwerke hoch mit dem gleichen Kunststoff bedeckt, der Bürgersteig komplett nicht nutzbar.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatte die $C auf voller Länge des Ft. Harrison einen Tunnel errichtet; die Wände grün bespannt, Spanplatten als Dach. Zwischen diesem Tunnel und der Straße befindet sich ein ca. 1 m breiter Grünstreifen. Damit wir diesen Streifen für die Demo nicht nutzen konnten, war auch er an beiden Seiten mit je 2 Böcken, wie sie auf dem Bau benutzt werden, und einem gelben Band dazwischen abgesperrt. Aber das hält Picketer nicht auf.

(übrigens: auch jetzt, in diesem Moment, in dem ich dies auf dem Flughafen in Tampa schreibe, sitzt mir ein Mann gegenüber, den ich schon im Hotel und in einem Restaurant gesehen habe. Ausdauer haben die Jungs ja!)

Später wurde der gesamte Bereich des Grünstreifens mit Barrikaden vollgestopft. Die Polizei ließ diese entfernen und stellte dafür Eisengitter auf, weil es für die Picketer wegen des Straßenverkehrs zu gefährlich sei, sich auf dieser Fläche zu bewegen.

Gregg Hagglund nahm eine Probe des grünen Stoffs und stellte fest, daß er sich so schnell wie Papier entzündete und mit heller Flamme vollständig verbrannte. Man stelle sich vor, welche Gefahr die $C damit für sich und Passanten im Tunnel heraufbeschwor!

Am späten Nachmittag, nach einem weiteren Picketing, haben Duncan und ich dann Tilman vom Airport abgeholt. Zu später Stunde haben einige von uns - just for training - noch zu einem mitternächtlichen Picketing aufgemacht. Niemand kann behaupten, daß wir unsere Zeit nicht ausgiebig genutzt hätten....