III. Der Universale Machtanspruch

  1. Die wirtschaftlichen Unternehmungen
  2. Die kulturellen Unternehmungen
  3. Die militärischen Ambitionen
  4. Die politischen Bestrebungen


Muns erklärtes Ziel ist die Vereinigung der Welt unter seiner Herrschaft. Die "Göttlichen Prinzipien" schließen mit dem Satz:

"Damit die ideale Welt der einen großen Familie unter dem Herrn der Wiederkunft als dem wahren Vater errichtet werden kann, müssen alle Sprachen miteinander vereinigt werden." (126)

Die Vereinigungsbewegung behauptet, unter der Schaffung der idealen Welt verstehe Mun nicht die Errichtung einer politischen Weltordnung, sondern es handele sich um eine bildhafte, der Sprache der Bibel vergleichbare Darstellung.

Diese Behauptung ist schon deshalb zweifelhaft, weil nach den "Göttlichen Prinzipien" der Weg zur Herstellung der idealen Welt ein dritter Weltkrieg sein solle, der entweder geistigideologisch oder physischmilitärisch ausgefochten wird. In diesem dritten Weltkrieg soll die Welt Satans (d.h. der Kommunismus) unterworfen werden. (127)

Weder Wortwahl noch Darstellung dieses dritten Weltkrieges lassen den Eindruck entstehen, es handele sich um eine "mythische Theologie". Vielmehr deutet die Beschreibung handfester Vorstellungen auf die Durchsetzung weltlicher Ziele hin.

Nach der gültigen Lehre der Vereinigungsbewegung endete der vorhergesagte 3. Weltkrieg durch die geistigideologische überwindung des Kommunismus. Zeichen dieses Sieges waren Muns Treffen mit Gorbatschow (1990) und Kim Il Sung (1991). Sie sollten die ideologische Vernichtung der "KainTypen" symbolisieren, und der 3. Weltkrieg wurde geistig für vollendet erklärt. Seit 1990 begann für die Vereinigungsbewegung die letzte vollständige Vereinigung der "Neuen Menschheit". (128)

Nach Aussagen ehemaliger Gruppenmitglieder (129) sowie nach in der Literatur vertretenen Auffassungen (130) und insbesondere nach Erkenntnissen des FraserReports (131) plant Mun die Schaffung einer weltweiten Theokratie, d.h. einer Weltordnung, die die Trennung zwischen Kirche und Staat abschafft. Im FraserReport wird aus verschiedenen Schriften und Reden Muns zitiert, in denen er seine Ambitionen, die Weltherrschaft zu übernehmen, in aller Deutlichkeit vorträgt.

"Die Zeit wird kommen, wo ohne mein Zutun, meine Worte nahezu Gesetz sein werden. wenn ich etwas wünsche, wird es getan. Wenn ich etwas nicht wünsche, wird es unterbleiben. wenn ich einen bestimmten Botschafterfür ein bestimmtes Land empfehle und dann dieses Land und den Amtssitz dieses Botschafters besuche, wird er mich mit dem roten Teppich empfangen." (132)

"... mußte man im Mittelalter Kirche und Staat trennen, weil die Leute damals korrumpiert waren. In unserer Zeit müssen wir jedoch eine automatische Theokratie haben, um die Welt zu regieren. Daher können wir Politik und Religion nicht trennen... Eine Trennung zwischen Religion und Politik ist dem Satan am liebsten." (133)

Mun bringt seinen Führungsanspruch in einer in Amerika gehaltenen öffentlichen Rede zum Ausdruck. Er sagte:

"Die Welt hat keinen Führer. Weder die Russen noch die Amerikaner. Sie rufen nach ihrem wahren Führer. Glaubt ihr, daß der Führer, nach dem sie rufen, der Mann aus Asien ist, Mun genannt?" (134)

1. Die wirtschaftlichen Unternehmungen

Zur Verwirklichung seiner Ziele benötigt Mun erhebliche finanzielle Mittel. Eine seiner Quellen sind seine Anhänger, die mit ihren "Spenden", ihrer Arbeitskraft und ihren Sammelbeträgen beträchtliche Summen aufbringen.

Darüber hinaus hat Mun sich eine weitere Einnahmequelle erschlossen, indem er weltweit diverse Wirtschaftsunternehmen betreibt.

Bereits 1959 gründete Mun die "Yeohwa Shotgun", anfangs eine Luftgewehrfabrik, die sich später zu einem der Hauptlieferanten für Waffen an die koreanische Regierung entwickelte. (135)

Heute stellt sich diese Gründung als "Tong Il Company" dar, die als internationaler Konzern für Werkzeugmaschinen auch verschiedene Firmen in Deutschland übernommen hat. (136)

Die erste Firmengründung nach Muns übersiedlung in die USA war 1973 die Gründung der Tong Il Enterprises in New York. Zweck des Unternehmens war anfangs der Im und Export von Marmorvasen und GinsengProdukten. Zwischenzeitlich bestehen neben der Mutterfirma in Korea Zweigniederlassungen in aller Welt und Agreements mit amerikanischen, japanischen, britischen und deutschen Firmen. Mun soll zeitweise bis zu 80% des Ginsenghandels beherrscht haben. (137)

Heute gehören zur Vereinigungsbewegung eine Titan und Silizium Company, Reedereien, eine Thunfischflotte in Alaska, Fischverarbeitungsindustrien in Amerika, Kosmetikvertriebe, Karatestudios, Pizzerien, Blumenläden, Reisebüros und Sprachschulen für koreanisch. Letztere sind besonders wichtig, weil im Weltreich Muns nur noch koreanisch gesprochen werden soll! (138)

Mun versuchte seit Beginn seiner übersiedlung in die USA, dort eine der großen Banken (Diplomat National Bank) unter seine Kontrolle zu bringen. Damit wäre es ihm gelungen, Einfluß auf alle wirtschaftlichen Bereiche des Landes zu nehmen. Nachdem Mun und seine Funktionäre bereits 64 % der Anteile unter falschen Angaben in ihren Besitz gebracht hatten, gelang es der amerikanischen Regierung, diesen Plan zu vereiteln. (139)

Mehr Erfolg war Mun in Uruguay beschieden. Dort gelang es ihm in den 90er Jahren eine der Großbanken in seinen Besitz zu bringen. (140)

Gemeinsam ist allen Unternehmungen der Vereinigungsbewegung, daß die Firmenanteile nur von einem begrenzten Personenkreis gehalten werden, von Mun, seiner Frau, seinen Kindern und den Mitgliedern der "36 Familien". (141) Damit bleiben Geld und Macht auf einen engen Kreis konzentriert.

Die Finanzkraft des MunImperiums darf nicht unterschätzt werden. Zwar soll das Wirtschaftsimperium nicht zu den zehn größten Familiengesellschaften Koreas gehören, (142) doch Fachleute schätzen allein das Anlagevermögen Muns auf ca. 5 Milliarden Dollar. (143)

Wie groß die hinter Mun stehende Finanzmacht tatsächlich ist, vermag wohl niemand wirklich einzuschätzen.

Die Verflechtungen der Wirtschaftsunternehmungen der Vereinigungsbewegung sind kaum durchschaubar. Schon 1978 hat der FraserReport festgestellt:

"In der Vielfalt ihrer Funktionen und ihrem grundlegenden organisatorischen Aufbau ähnelt sie heute einer multinationalen, mit Fabrikation, internationalem Handel, Rüstungsaufträgen, Finanzierungen und sonstigen Geschäften befußten Gesellschaft. Ihre Tätigkeiten gehen jedoch insofern darüber hinaus, daß sie auch religiöse, bildungsmäßige, kulturelle, ideologische und politische Unternehmungen beinhaltet." (144)

Mun benutzt die Medien zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Deshalb erwarb er Anfang der 70er Jahre die "Washington Times". (145) Mun soll die Zeitung mit jährlich 35 Millionen Dollar subventionieren, um sich seinen Einfluß zu erhalten. (146)

In Deutschland übernimmt der KandoVerlag in Frankfurt am Main den Vertrieb der Publikationen der Vereinigungsbewegung. (147)

Mun besitzt außerdem eine der modernsten Druckereien Südamerikas in Montevideo/Uruguay. Dort ist geplant, eine Tageszeitung aufzulegen, die in 19 Staaten Nord und Südamerikas erscheinen soll. (148) Außerdem plant er in Südamerika die übernahme von Radio und Fernsehstationen. (149)

Mun macht kein Geheimnis daraus, daß er seine religiöse Lehre dazu benutzen will, auf die öffentliche Meinungsbildung einzuwirken. Er will in der Lage sein, marktwirtschaftliche Entwicklungen in seinem Sinne zu manipulieren:

"Dieses System sollte letztlich in einer Form dominieren, daß selbst in Japan und Deutschland die Menschen nicht mehr Produkte ihres Landes kaufen, sondern auf zentrale Anweisung hin kaufen werden. Mit welcher Art gedanklichem oder wirtschaftlichem System können derartige Anweisungen gegeben werden? Die Religion ist das einzige System, die dies vermag." (150)

Während früher die USA bevorzugter Investitionsstandort für Mun waren, scheint er nunmehr den Schwerpunkt der Aktivitäten nach Südamerika zu verlagern. Besonders in Argentinien, Paraguay, Uruguay und Brasilien zeichnet sich eine Verdichtung Mun'scher Investitionen ab. Ein Projekt in Argentinien im Umfang von 500 Millionen Dollar sieht z.B. die Gründung einer Kolonie im Nordwesten des Landes vor, in der Bauern und Fischer aus 160 armen Ländern angesiedelt werden sollen. (151)

Die Vereinigungsbewegung versucht auch in Afrika, den Staaten der ehemaligen "UdSSR", in China und Nordkorea wirtschaftlich Fuß zu fassen. In China sollen unter Mitwirkung Muns eine Automobilfabrik und ein Atomkraftwerk erbaut werden. In Nordkorea soll in der Nähe des Geburtsorts Muns ein Freizeitgelände entstehen, das 350 Millionen Dollar kosten soll. (152)

Ein weiteres, utopisches Zukunftsprojekt Muns ist der Bau einer internationalen Friedensautobahn, die alle Länder der Welt verbinden soll. Ausgangspunkt soll Tokio in Japan sein, das durch einen 190 km langen Tunnel mit dem koreanischen Festland verbunden werden soll. Angeblich arbeiten schon 100 Techniker an der Verwirklichung dieser Mun'schen Idee. (153)

2. Die kulturellen Unternehmungen

Eines der ersten Kulturprojekte Muns war die Gründung der "Korean Cultural and Freedom Foundation" (KCFF) im Jahre 1964. Hierzu gehörte u.a. die koreanische Ballettgruppe "Little Angels", die vor allen Staatsoberhäuptern und einflußreichen Persönlichkeiten der westlichen Welt auftraten. Der FraserReport stellte fest, daß die Mitglieder der Truppe z. B. zum Devisenschmuggel der Vereinigungsbewegung und Aktivitäten des koreanischen Geheimdienstes eingesetzt wurden. Untergruppen dieser Kulturstiftung waren Künstlervereinigungen, Tanzgruppen, Jazzbands, Orchester, Chöre usw. (154)

Im Bildungsbereich wurden ebenfalls internationale Organisationen mit dem Ziel der Beeinflussung gegründet. Eine der bekanntesten bei uns dürfte die "Professors World Peace Academy" (PWPA) sein. Zu ihren Mitgliedern gehören namhafte Professoren und Wissenschaftler aus allen Bereichen der Wissenschaft und Forschung, die sich zu jährlichen Symposien treffen. Die Kosten der Teilnehmer werden von der PWPA übernommen. (155)

Die Vereinigungsbewegung unterhält in Brasilien, Korea und den Vereinigten Staaten eigene Universitäten. Besonders die Hochschulen in den südamerikanischen Ländern bilden die Grundlage für die Rekrutierung neuer Anhänger auf breiter Front. (156)

Die Errichtung eigener Kindergärten soll die Ideologie der Vereinigungsbewegung über die Kinder in die Familien tragen. In Gießen wurde dem Kindergarten "Die Wichtel" allerdings keine städtische Förderung bewilligt.

ähnlich wird in österreich über Fortbildungsveranstaltungen des "Forum Ost" versucht, über die Lehrerfortbildung Einfluß auf die Erziehung und die Kinder zu nehmen. (157)

3. Die militärischen Ambitionen

Auch im militärischen Bereich ist Mun durchaus ambitioniert und interventionsfreudig. So verspricht er, seine Anhänger aus aller Welt im Namen Südkoreas einzusetzen. Falls Nordkorea einen Krieg gegen das südkoreanische Volk provoziere, so ist es nach Ansicht der Mitglieder der Vereinigungsbewegung Gottes Wille, daß sie ihr religiöses Vaterland bis zum letzten verteidigen, die vereinigte Kreuzfahrerarmee organisieren und zum Zwecke der Verteidigung Koreas und der freien Welt an diesem Krieg teilnehmen. (158)

Im FraserReport wurde 1978 abschließend zur Vereinigungsbewegung festgestellt: "Bei der Ausbildung und dem Einsatz von Mitgliedern der unteren Ränge ähnelt sie einer paramilitärischen Organisation, während sie in anderer Hinsicht die Eigenschaften einer streng disziplinierten Partei hat." (159)

4. Die politischen Bestrebungen

Muns politische Ansichten schon in den "Göttlichen Prinzipien" dargelegt. Er lehnt den Kommunismus, aber auch die Demokratie ab. Nach seinen Ausführungen soll sich der Wille des Volkes von Natur aus zum Christentum neigen. Wenn sich die Geschichte ihrer Erfüllung nähert, dann muß die demokratische Regierung, die den Willen des Volkes vertritt, der "christlichen" Regierungsform weichen. (160)

Wenn in einem Land folglich genügend Anhänger Muns leben, kann der Druck auf eine demokratische Regierung so verstärkt werden, daß diese sich letztlich der Ideologie der Vereinigungsbewegung beugen muß.

"Wir brauchen ein Minimum von 10.000 Mitgliedern in einem Land, damit die Wahren Eltern und die Vereinigungsbewegung ernst genommen werden." (161)

Die Demokratie ist für Mun kein politisches Ziel, sondern nur Mittel zum Zweck. Sie dient einzig dazu, als Vertreter der AbelSeite den Kommunismus zu beseitigen. Den Individualismus der Demokratie lehnt Mun grundsätzlich ab. (162)

Mun versucht mit seiner Vereinigungsbewegung ein staatenähnliches, weltweites Gebilde zu errichten. Er verfügt über Grundbesitz (z.B. neben Immobilien und Anlagevermögen die "Heiligen Gründe"), eine Flagge (weiß mit rotem Symbol der Vereinigungsbewegung), die bei allen Auftritten Muns im Hintergrund gehißt wird, ggfs. eine Hymne (es stünden ca. 8 der "Heiligen Songs" zur Auswahl). Die Nation der "wahren Christen" soll sein Staatsvolk sein.

Bei den "Heiligen Gründen" handelt es sich nicht nur um religiöse Gebetsstätten, sondern um Grundstücke, die für die Vereinigungsbewegung aufgekauft werden sollen. Die genaue Lage zu den Nachbargrundstücken muß angegeben und die Unterlagen sollen an die nationalen Zentralen weitergeleitet werden. (163) Es ist zu vermuten, daß über den Landerwerb Einflußmöglichkeiten im kommunalen Bereich geschaffen werden sollen.

Günstig für die politischen Ambitionen Muns war in den frühen 60er Jahren seine fanatische Ablehnung des Kommunismus, die ihm wirtschaftliche Vorteile unter der koreanischen Regierung des Präsidenten Park verschaffte. Zu dieser Bevorzugung kam noch seine Freundschaft mit dem Gründer des koreanischen Geheimdienstes, der einer seiner frühesten Anhänger war. Der FraserReport schloß damals nicht aus, daß der koreanische Geheimdienst die Grundorganisation der Vereinigungsbewegung geplant hat und für seine Dienste nutzen wollte. Die Vereinigungsbewegung unterhielt zeitweise antikommunistische Ausbildungscamps für koreanische Führungskräfte, die von der Regierung Park beschickt wurden. (164)

Mun behauptet heute, daß er für die Einsetzung der koreanischen Präsidenten zuständig sei, da er der gottgewollte Führer Koreas sei. Alle Präsidenten mußten bei ihrer politischen Aufgabe versagen, weil sie nicht bereit waren mit ihm zusammen zu arbeiten. (165)

Eine der treibenden Kräfte im politischen Geschehen der Vereinigungsbewegung ist die oben schon erwähnte CAUSA (Confederation of Assocations for the Unity of the Societies in the Americas), deren deutscher Zweig in Bonn ansässig ist.

CAUSA organisiert Seminare für Führungskräfte weltweit und propagiert ihre Philosophie des "Gottismus" und der "Headwings". Dies bedeutet nichts anderes als die Vereinigungslehre in militanter Form ohne die Mythologie der "Göttlichen Prinzipien". Unterorganisationen sind die studentische CARPVereinigung und das "Internationale Sicherheitskonzil" (International Security Council). Während der jährlichen Treffen des ISC vereinen sich namhafte Vertreter aus militärischen und wirtschaftlichen Kreisen zur Einschätzung der politischen Weltsituation. (166)

CAUSAFunktionäre versuchten u.a. in der Bundesrepublik eine eigene Partei zu gründen. Dies ist nicht gelungen. (167)

Mun und seine Funktionäre haben bis heute ganz gezielt versucht, Personen des öffentlichen Lebens für ihre Ziele einzuspannen. Am Rande der Veranstaltungen durch die MunOrganisationen im wirtschaftlichen oder kulturellen Bereich ergaben sich immer Gelegenheiten, sich mit Präsidenten, Abgeordneten, Showgrößen oder sonst bekannten Personen zu einem Interview oder Fototermin zu stellen. (168) Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten, Bush, und dessen Frau sind z.B. ständige Redner auf diesen Veranstaltungen und begleiteten Mun auch schon zu Vorträgen nach Japan. (169)

Die gewonnene Publicity nutzt Mun gegenüber der koreanischen Regierung, um seine Wichtigkeit in der westlichen Welt zu demonstrieren. Seine Anhänger macht er glauben, daß bereits viele Staatsoberhäupter seine Ideologie unterstützen und die vorausgesagten änderungen der Gesellschaft sowie die Verwirklichung der Ziele der Vereinigungsbewegung kurz bevorstünden. (170)