II. Die Lehre und das Führungssystem der Munbewegung

  1. Die religiöse Zielsetzung der Lehre Muns
  2. Die autoritäre Führergestalt Muns und die Hierarchie in der Munbewegung
  3. Das Elitebewußtsein der Gruppe
    1. Die stark vereinfachte Weltsicht
    2. Die überwindung der satanischen Umwelt
    3. Die Gruppensprache und die Rituale
  4. Ehe und Familie
  5. Die Bindung an die Gruppe
    1. Die Methoden der Anwerbung
    2. Die Integration und die Unterwerfung
    3. Die Lösung von der Gruppe


1) Die religiöse Zielsetzung der Lehre Muns

Die Lehre der Vereinigungsbewegung basiert im wesentlichen auf den "Göttlichen Prinzipien", den Offenbarungen Muns, die in den verschiedenen Ausgaben niedergelegt sind, und den Reden Muns ("Master Speaks"). Die "Göttlichen Prinzipien" gelten als die von Mun offenbarte Wahrheit für unsere Zeit. (37)

Mun sieht in allem Sein eine polare Struktur enthalten. Aus der allgemeinen Beobachtung, daß viele Dinge der Welt aus Gegensatzpaaren bestehen (z.B.: Mann und Frau, positiv und negativ) (38), folgert Mun, daß auch Gott in sich das männliche (Subjekt) und das weibliche (Objekt) vereinige. Gott soll das "Innere, das männliche Subjekt" sein, während ihm die Schöpfung als "weibliches Objekt" gegenüberstehe. Zwischen den beiden Polen Gottes gebe es einen ständigen Austausch, ein "Geben und Nehmen". Dies sei die Grundlage der ewigen göttlichen Existenz.

Gott soll die Menschen Adam und Eva geschaffen haben, damit sie ein vollkommenes und sündloses Gegenüber zum Göttlichen bilden. Durch ihre Vollkommenheit sollten sie die Verwirklichung des dreifachen Segens erreichen. Die drei zur Vollkommenheit führenden Segnungen Gottes entnimmt Mun dem biblischen Ausspruch: "Seid fruchtbar und mehret Euch, füllet die Erde und machet sie Euch untertan" (1. Mose 1,28).

Der erste Segen "seid fruchtbar" soll zur Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit, der zweite "und mehret Euch" zur Vervollkommnung der Familie führen. Der dritte Segen beinhaltet die Vervollkommnung der Herrschaft über die Schöpfung. (39)

Gott habe mit dem sündlosen Paar eine Trinität bilden wollen. Sein Ziel sei es gewesen, ein Paradies auf Erden zu errichten. Dieses Ziel sei jedoch durch den Sündenfall vereitelt worden. Nach Mun'scher Auffassung soll der Sündenfall dadurch eingetreten sein, daß Eva von Satan verführt worden sei und die Menschen dadurch auf den Weg des Bösen gelangt seien. Das Paradies habe sich in eine sündige Welt verwandelt, und Satan sei zum Herrn der Welt geworden. (40)

Laut Mun ist es Gottes Ziel, seinen ursprünglichen Plan, das Himmelreich auf Erden, wiederherzustellen. Bei diesem Prozeß soll auch der Mensch eine entscheidende Rolle spielen. Er müsse seine Verbindung zu Gott durch "Wiedergutmachung" wiederherstellen. Da das Individuum dazu aus eigener Kraft nicht in der Lage sei, brauche es die Hilfe des "Herrn der Wiederkunft", des "Messias". (41)

Dessen vorrangige Aufgabe sei es, als sündloser Adams eine sündlose Eva zu ehelichen und damit die erste sündlose und von Satan unabhängige "wahre Familie" zu gründen. Die Anhänger werden durch eine Adoptionszeremonie zu Kindern der "wahren Eltern" und Mitglieder der "wahren Familie". Als solche können sie sündlose Kinder zeugen. (42)

Zwar habe Gott bereits mehrfach versucht, seine Idealvorstellungen z.B. durch die Entsendung von Jesus als "zweiten Adam" auf die Erde zu verwirklichen, doch habe dieser versagt. Durch seinen frühzeitigen Kreuzestod sei es Jesus nicht gelungen, die physische Wiederherstellung zu vollenden. Er habe es nicht geschafft, eine Frau prinzipiengemäß wiederherzustellen und sündlose Kinder zu zeugen. (43) Folglich wird nach der Lehre der Vereinigungsbewegung ein "dritter Adam" gebraucht. Dieser sei Mun, der in Korea wiedergeborene Messias, der von seinen Anhängern als "wahrer Vater" verehrt wird. (44)

Eine wichtige Bestätigung, daß Mun der Messias sei, war für seine Anhänger die Hochzeit im Jahr 1960 mit der Studentin HakJa Han. Durch diese sogenannte "Hochzeit des Lammes", die als die Vereinigung des sündlosen Adam mit der sündlosen Eva gewertet wird, gilt Mun als Mittler zwischen Gott und Menschheit. (45) Er wurde zu der Zentralfigur, auf die alle anderen Religionen angeblich schon lange gewartet haben. "Deshalb werden alle Religionen vereinigt werden, indem sie sich dabei auf das Christentum ausrichten." Das gelte selbstverständlich auch für Hinduismus, Buddhismus und Islam. (46) Mun und seine Frau werden fortan als die "wahren Eltern" der Gemeinschaft betrachtet. Die Mitglieder der Gemeinschaft werden ihre "wahre Familie". (47)

Ziel der religiösen Ideologie Muns ist die Errichtung eines Himmelreichs auf Erden, d.h. die Vereinigung aller Religionen unter seiner Herrschaft. Mun versteht den Begriff "Vereinigung" nie als gleichberechtigtes Nebeneinander verschiedener Glaubensrichtungen, sondern als die absolute Unterwerfung unter seinen Maßstab.

"Das Himmelreich wird zuerst auf Erden errichtet. Die Menschen sehnen sich nach einer vereinigten Welt. Die Welt braucht eine Ideologie und einen Vater... Die Welt wird zu einem einzigen Land. Wenn alle Nationen miteinander vereinigt sind, bilden sie ein Volk unter der Herrschaft Gottes." (48)

Damit wird deutlich, daß Mun nicht nur die religiöse, sondern auch die politische Herrschaft anstrebt.

Die Lehre Muns wurde überwiegend aus Elementen anderer Weltanschauungen zusammengefügt. In Korea ist ein solcher Synkretismus (49) keinesfalls ungewöhnlich. Von Kritikern (50) wird behauptet, schon die "Göttlichen Prinzipien" seien ein Plagiat des Buches "Basic Principles For Christianity" von BaekMun Kim, dem Gründer und Leiter des IsraelOrdens, dem Mun für eine Weile beigetreten war. (51) Neben einer gewissen ähnlichkeit des Titels soll das Buch auch inhaltliche Parallelen aufweisen. (52)

Aus der christlichen Vorstellung ist u.a. die bildhafte Darstellung des Paradieses mit Adam und Eva entlehnt. Der auch in der Bibel dargestellte Sündenfall erfährt allerdings eine abweichende Interpretation. In der Bibel wird der Sündenfall durch den Ungehorsam der ersten Menschen Adam und Eva ausgelöst, weil sie trotz des göttlichen Verbots äpfel vom Baum der Erkenntnis gegessen haben sollen. Mun hingegen sieht den Sündenfall darin, daß Eva von Satan sexuell verführt worden sei. Diese Auffassung des Sündenfalls wurde zuvor schon von dem 1688 in London geborenen Naturforscher und Theosophen Emanuel Swedenborg und seinen Anhängern vertreten. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Mun bereits während seiner Gymnasialzeit in Seoul Kontakte zu Pfingstgemeinden und Ordensgründern wie Yong Do Lee unterhielt, die Anhänger der Ideen Swedenborgs waren. (53)

Das stark messianische Sendungsbewußtsein der Lehre findet sich in etlichen korearischen u.a. auch bei BaekMun Kim wieder. (54)

Neben den genannten Elementen prägten auch östliche Weisheiten die Ideologie Muns. So wird teilweise behauptet, Muns Auffassung über die Polarität aller Dinge entspreche dem Yin und Yang des Konfuzianismus. (55)

2) Die autoritäre Führergestalt Muns und die Hierarchie der Munbewegung

Innerhalb der Vereinigungsbewegung gilt Mun als absolute Autorität. (56) Mun, der von seinen Anhängern als der "wahre Vater" verehrt wird, ist von seiner Rolle als Messias vollkommen überzeugt:

"..Gott berief mich in seinem Auftrag als sein Instrument. Ich wurde gerufen, um Seine Wahrheit für Ihn zu offenbaren ich wurde ausersehen, mit Jesus Christus und dem Lebendigen Gott direkt in Verbindung zu treten." (57)

Zur 40JahrFeier (1994) seiner Bewegung verkündete er: "Es ist der Messias, der als wahre Eltern kommt ... Gott berief mich, um diese Mission zu erfüllen." (58)

Mun selbst sieht sich als vollkommenen Menschen, der wie Gott fühlt und daher nie sündigt. "Dieser Mensch ... wird daher zum Tempel Gottes und somit zu einem göttlichen Wesen. Er hat also göttlichen Wert." (59) Damit ist er nach seiner Ansicht gleichzeitig befähigt, das gesamte Universum zu regieren. (60)

Zu seiner Unterstützung dienen ihm die Männer der ersten 36 von ihm gesegneten Familien, überwiegend Koreaner, die sich in fast allen Spitzenpositionen seiner Unternehmungen befinden. Die Kinder der Familien werden soweit möglich nur in diesem Zirkel untereinander verheiratet. (61)

Seit 1992 erscheint auch Frau Mun vermehrt in der öffentlichkeit, überwiegend in der "Frauenföderation für Weltfrieden", deren Präsidentin des Weltverbandes sie wurde.

Der älteste Sohn Muns, HyoJin wurde zum Präsidenten der CARP-Weltvereinigung ernannt und organisiert dort die studentischen Sportund Weltkongresse.

In den Ländern stehen den "Vereinigungskirchen" Landesväter oder Landeseltern vor, denen noch ein Berater aus den "36 Familien" zur Seite gestellt werden kann. Auf der Ebene darunter befinden sich die Bezirksleiter. Diesen sind die Zentrumsleiter unterstellt.

Das einfache Mitglied hat sich seinem Zentrumsleiter oder höherrangigen Mitgliedern vollständig zu unterwerfen. Es ist "Objekt". (62)

Die Ausbildung der Leiterkader erfolgt auf dem "Unification Theological Seminary" in Barrytown, New York, der eigenen Schulungsstätte. Die Absolventen werden überwiegend in "Fundraising" (Geldbeschaffung) und "Hausmission" trainiert. (63)

3) Das Elitebewußtsein der Gruppe

Die Anhänger der Vereinigungsbewegung glauben, den einzigen Schlüssel zu einem erfüllten Leben zu besitzen. Sie verstehen sich als Auserwählte ("Champion Gottes" oder "Soldaten Gottes") (64), die dazu beitragen, das Reich Gottes auf Erden zu errichten. Diese Aufgabe hebt sie in ihren Augen deutlich vom Rest der Welt ab. (65)

Jedes Mitglied glaubt, einen Beitrag zur Welterrettung leisten zu können, wenn es die Bedingungen der Gruppe erfüllt und zum Dank für seine Bemühungen durch Mun adoptiert wird. (66)

Das Elitebewußtsein führt zu einer deutlichen Distanz zur Umwelt und zu einer Exklusivität der Gruppe, die sich in bestimmten Lebensund Verhaltenskonzepten äußert:

a) Stark vereinfachte Weltsicht

Die Vereinigungslehre vermittelt ihren Anhängern eine sehr vereinfachte Weltsicht. Entsprechend dem "Polaritätsprinzip" gibt es nur die Unterscheidung in "Gut" oder "Böse", "Für die Bewegung" oder "Dagegen". Kompromisse sind nicht möglich. Die Anhänger Muns als "Streiter Gottes" stehen immer auf der Seite des Guten, während die Menschheit außerhalb der Bewegung zum Untergang verurteilt ist. (67) Kritik an Mun und seiner Lehre wird als satanischer Angriff bewertet. (68)

Das Gelingen des Endziels wird dem gruppenkonformen Handeln des einzelnen zugeschrieben, nie der Gruppe selbst. Mißerfolg bedeutet somit mangelnden Glauben oder zu wenig persönliches Engagement in der Bewegung. (69) Kommt es zu Konflikten im zwischenmenschlichen Bereich, gibt es stets eine einfache Lösung: die Unterwerfung unter die Gruppe, d.h. unter die höherrangigen Gruppenmitglieder. Andere Wege führen in die Arme Satans und gefährden das Ziel der Bewegung. (70)

Ein weiteres Mittel, Konformität in den Gruppen durchzusetzen, ist die Technik des "Gedankenstopps". Dazu gehören sehr intensives Beten, Singen, Summen oder Meditieren. Diese Methoden finden auch im psychotherapeutischen Bereich Anwendung. In der Vereinigungsbewegung werden sie aber derart trainiert, daß die Mitglieder sie automatisch anwenden, um kritische oder gruppenfeindliche Gedanken abzuwehren. (71)

b) Die Überwindung der satanischen Umwelt mit Hilfe der "himmlischen Täuschung"


Zur Wiederherstellung des Himmelreichs auf Erden sind nach der Auffassung Muns alle Mittel erlaubt, um Satan zu überlisten und ihm seine Besitztümer Stück für Stück zu entreißen. (72) Jeder Gegenstand, jede Person oder jedes Grundstück, das für die Ziele der Vereinigungsbewegung vereinnahmt werden kann, bedeutet einen Sieg über das Böse. Daher müssen ungeahnte Kräfte mobilisiert werden, um dem Plan Gottes Geltung zu verschaffen. (73)

Von Aussteigern wurde immer wieder berichtet, daß sie beim "Fundraising" und bei der Anwerbung die Gesprächspartner über ihre wahren Ziele und Hintergründe getäuscht haben. Dieses Verhalten wird von Mun als "himmlische Täuschung" (heavenly deception) bezeichnet, die er aus der Bibel und dem Verhalten Gottes rechtfertigt.

Gott habe die Täuschung des Jakob zur Erlangung des Erstgeburtsrechts für richtig erachtet, weil sie seinen Zielen diente (vgl. Altes Testament, 2. Moses). (74) Die Täuschung der Umwelt über die wahren Ziele der Vereinigungsbewegung sei daher ein legales Mittel.

Die "himmlische Täuschung" durchzieht alle Aktivitäten der Vereinigungsbewegung:

das Fundraising (Geldbeschaffung)

Die Vereinigungsbewegung versteht darunter den finanziellen Kampf gegen Satan.

Jeder Geldbetrag, der gesammelt werden kann, bedeutet eine Verminderung der satanischen Einflußsphäre. Gleichzeitig sollen sich die Spender einen Anteil an der himmlischen Erlösung erkaufen. Die Methoden der Strategie soll Mun in Japan erprobt und entwickelt haben. (75)

Die Mitglieder werden in Sammelteams von zehn bis zwölf Personen eingeteilt, die in Gruppen von meist zwei oder drei Personen als Verkäufer von Billigprodukten aus den Mun'schen Betrieben tätig werden. Sie täuschen vor, für soziale Einrichtungen, Seniorenfeste, Kindergärten, zur Unterstützung junger Musiker o.a. zu sammeln. (76)

Während der 60er und 70er Jahre gab es innerhalb der MunBewegung eine eigene Organisation, die "International One World Crusade" (EineWeltKreuzzug), die sich ausschließlich mit den weltweiten Einsätzen der FundraisingTeams befaßte. Hunderte von Mitgliedern wurden zu ihren Einsätzen in der ganzen Welt geflogen. Sie blieben einige Wochen vor Ort, um dann zu weiteren Einsätzen zu wechseln. Dabei konnte es sich auch um die Einteilung zu politischen Demonstrationen handeln, die Mun besonders in Amerika zur Verfolgung seiner Ziele initiierte. (77)

Nach dem Untersuchungsbericht der amerikanischen Regierung von 1978 (FraserReport), konnten die Mittelbeschaffungsteams der Vereinigungsbewegung netto $ 1.000, pro Tag aufbringen. (78)

Ein Aussteiger berichtete, daß er in seiner mehr als sechsjährigen Zugehörigkeit zur Munbewegung den Betrag von 600.000 Dollar gesammelt hat. Das entspricht einer durchschnittlichen Tageseinnahme von $ 256,-- !

die Anwerbung (Missionierung)

Jedes Mitglied der Vereinigungsbewegung muß durch die Anwerbung "geistiger Kinder" den eigenen spirituellen Entwicklungsstandard demonstrieren und gleichzeitig die Welt Satans schmälern (79). Dabei kommt es nicht darauf an, das Ziel der Anwerbung sofort deutlich werden zu lassen. Durch gezielte "himmlische Täuschung" kann versucht werden, das potentielle Opfer zu Vorträgen, Gruppenessen oder Workshops zu lotsen (80). Ist ein neues Mitglied erst einmal in einem Gruppenzentrum, wird es so vereinnahmt (sogenanntes "Love Bombing"), daß ein Ausstieg nur schwer möglich ist. (81).

Die Mobilisierung einer neuen Kraft gegen Satan und das Anwachsen der Bewegung heiligen jedes Mittel! (82)

politische, kulturelle und wirtschaftliche Aktionen

Mun selbst benutzt das Prinzip der "himmlischen Täuschung", um seine politischen Ziele vor der öffentlichkeit zu verschleiern. Vor einer Demonstration gegen den Rückzug von UNTruppen aus Korea im Jahre 1974 sagte er:

"Sie müssen daran denken, daß ihre Aussagen nie politischen Charakter haben dürfen. Sie müssen sagen, 'Wir sind nicht an politischen Dingen interessiert. Wir tun dies nicht aus politischen Gründen, sondern aus humanitären'." (83).

Auch im kulturellen Bereich wurde das Prinzip der "himmlischen Täuschung" erfolgreich angewandt. Der FraserReport wies nach, daß die koreanische Ballettgruppe "Little Angels" zum Devisenschmuggel mißbraucht wurde. Genauso versuchte man über die Gruppe Zugang zu politischen Entscheidungsträgern zu gewinnen. (84)

"Wenn man nach den Little Angels fragt, sagen Sie einfach, daß Moon der Initiator der Gründung der Little Angels war. Wenn wir die Little Angels zu offensichtlich zur Unterstützung unseres Meisters und der Kirche einsetzen, wird der Satan angreifen, indem er sagt, daß Moon diese Kinder für seinen eigenen Ruhm einsetzt." (Vorstandsinformation 1973)

Im Rundbrief der Vereinigungsbewegung österreich wurde mit Stolz berichtet, daß durch das von Mun gegründete "Religious Youth Service Project" (Tagungen in aller Welt für 20 bis 30 Jährige) hunderte Menschen um eine "substantielle Vision des Weltfriedens" bereichert worden seien. Diese Teilnehmer würden jetzt "in verantwortungsvollen Aufgaben Vaters Ideale weitergeben, ohne den theologischen Aspekt der göttlichen Prinzipien zu kennen oder gar Mitglied der Vereinigungskirche geworden zu sein." (85)

Innerhalb der wirtschaftlichen Aktivitäten der Vereinigungsbewegung wird der Anschein erweckt, die Firmen agierten unabhängig voneinander. Oft kann nur über die Führungskader eine Verbindung zur Bewegung nachgewiesen werden.

So kam z.B. der Spitzenfunktionär der Vereinigungsbewegung Dr. Kae Hwan Kim 1962 als Stipendiat in die Bundesrepublik, studierte Volkswirtschaft und machte seinen Abschluß 'summa cum laude'. Er arbeitete an der RuhrUniversität Bochum als wissenschaftlicher Assistent. 1979 gründete er in Düsseldorf die Sae Il Ex und Import GmbH für Maschinenerzeugnisse. Erst 1980 wurde bekannt, daß Dr. Kim einer der Führungskader Muns war. Er war auch als Geschäftsführer der MunFirma Wanderer in Gießen eingesetzt. (86)

c) Die Gruppensprache und die Rituale

Oberflächlich betrachtet zeigen sich in der Sprache der Vereinigungsbewegung kaum Unterschiede zur Normalsprache. Versucht der Außenstehende aber, den Sinn des Gesagten zu verstehen, dann wird deutlich, daß Alltagsbegriffe mit anderen Sinndeutungen unterlegt wurden.

"Geben und Nehmen" oder "Subjekt und Objekt" sind Begriffe aus der Gruppenhierarchie. Der Unterlegene ist immer der "Gebende" oder das Objekt. Subjekt und "Nehmer" kann nur der Höherstehende sein.

Das "KainAbelProblem" ist ein weiterer Begriff aus dem Bereich der persönlichen Bindungen. Das untergeordnete Mitglied ist immer in der Rolle des Kain. Da Kain den Abel erschlagen hat, muß er sich als "Wiedergutmachung" dem schwächeren Abel unterwerfen. Damit kann er sich von den satanischen Einflüssen befreien. Die Lösung eines Konflikts liegt immer in der Unterordnung.

Auch der "Isaak" ist ein Begriff aus der Wiedergutmachungslehre Muns. Die Anhänger werden in die Position des "Abraham" versetzt und müssen ihrem Führer den "Isaak" opfern. Meist handelt es sich um letzte private Gegenstände, Verbindungen zu Eltern, Freunden, Bekannten oder liebgewordene Lektüre.

Die amerikanische Aussteigerin B. Underwood berichtete, daß ein Mitglied den Kontakt zu einem leiblichen Kind opfern sollte, das nicht aus einer von Mun gesegneten Beziehung stammte. (87)

"Engelsgleich" bedeutet schlicht "böse sein", denn Satan war ein gefallener Engel.

"Wahre Christen" sind im Sprachgebrauch der Bewegung nur die Anhänger Muns. Durch die geistige Wiedergeburt während der Adoption werden sie als "wahre Menschen" und Kinder der "wahren Eltern" wiedergeboren. (88)

Durch den Gebrauch der Wortgebilde verlernt das Mitglied im Laufe der Zeit seine Normalsprache und kann die Begriffe aus der Umwelt, die nicht ins Sprach und Denkschema passen, nicht mehr zuordnen. (89)

Zu einer weiteren Ausgrenzung der Umwelt und zur Förderung des Elitebewußtseins trägt die Ritualisierung des täglichen Lebens der Vereinigungsmitglieder bei. ==========================================================. (Schwärzung lt. Gerichtsbeschluß)

das Gelöbnis

muß jeden Sonntagmorgen um 5 Uhr, an jedem Monatsersten und an jedem Feiertag der Bewegung gesprochen werden. Die Zeremonie ist genau geregelt. über die Festschreibung der Hand oder Fußbewegungen, die Kleidung, die Haltung, die Verbeugungen, die Ausstattung des Raums und die Ausstattung des Altars gibt es genaue Anweisungen. Der Wortlaut des Gelöbnisses muß jedem Teilnehmer zum Mitlesen verfügbar sein, wenn möglich sollte der Text auf koreanisch gelesen werden. Wird der Gelöbnisschwur gebrochen, sollen das Mitglied und seine Familie Satan anheimfallen. (90)


Das Gelöbnis der Munbewegung

My Pledge

1. Als das Zentrum des Kosmos will ich den Willen unseres Vaters, den Zweck der Schöpfung, erfüllen, sowie die Verantwortlichkeit, die Er mir zum Erreichen der eigenen Vollkommenheit übertrug. Ich will ein getreuer Sohn (eine getreue Tochter) und ein Kind des Guten werden, um in aller Ewigkeit hilfreich in Seiner Nähe zu sein in der vollkommenen Welt der Schöpfung, indem ich Freude und Herrlichkeit ihm bereite.
Das gelobe ich.
2. Ich will völlig auf mich nehmen den Willen Gottes, die gesamte Schöpfung mir als Erbe zu übergeben. Er hat mir sein Wort gegeben, seine Persönlichkeit und Sein Herz ruft mich, der ich gestorben war, zu neuem Leben, indem Er mich eins werden läßt mit Sich und mich zu Seinem wahren Kind erhebt. Um dies zu erreichen, ging unser Vater sechstausend Jahre unbeirrt den Opferweg des Kreuzes.
Das gelobe ich.
3. Als ein wahrer Sohn (als ein wahre Tochter) will ich dem Vorbild unseres Vaters folgen und mutig das Lager der Feinde angreifen, bis ich sie völlig gerichtet habe mit den Waffen, mit denen Er für mich den Verlauf der Geschichte hindurch den Feind, Satan, besiegt hat und durch das Säen von Schweiß für die Erde, Tränen für den Menschen und Blut für den Himmel als ein Diener, aber mit dem Herzen eines Vaters, um Seine Kinder und das Universum, verloren an Satan, wiederherzustellen.
Das gelobe ich.
4. Der Mensch, die Familie, die Gesellschaft, die Nation, die Welt und der Kosmos, die bereit sind, unserem Vater zu dienen, der die Quelle ist des Friedens, der Glückseligkeit, der Freiheit und aller Ideale, werden die vollkommene Welt des einen Herzens in dem einen Körper verwirklichen, indem sie ihre ursprüngliche Natur wiederherstellen. Um dies zu tun, werde ich ein wahrer Sohn (eine wahre Tochter) werden und unserem Vater Freude und Befriedigung bringen, und als unseres Vaters Repräsentant werde ich auf die Schöpfung Frieden, Glückseligkeit, Freiheit und alle Ideale des Herzens übertragen.
Das gelobe ich.
5. Ich bin stolz auf die eine Herrschaft, stolz auf das eine Volk, stolz auf die eine Sprache und Kultur, die Gott als Mittelpunkt haben. Ich bin stolz, das Kind des einen Wahren Elternpaares zu werden; stolz auf die Familie, die die eine Tradition erben wird; stolz darauf, als Arbeiter mitzuwirken bei der Errichtung der einen Welt des Herzens.
Ich werde unter dem Einsatz meines Lebens kämpfen. Ich werde verantwortlich sein, meine Pflicht und meine Mission zu erfüllen.
Das gelobe und schwöre ich.
Das gelobe und schwöre ich.
Das gelobe und schwöre ich.

Der 5. Abschnitt sollte immer in koreanisch gesprochen werden!

die Feiertage

In der Vereinigungsbewegung gibt es eine Reihe eigener Feiertage und Jubiläumsfeiern, die meist nach dem Mondkalender gefeiert werden. Nur der Neujahrstag "God's Day" wird nach dem Sonnenkalender begangen. Zu jedem Feiertag gehört auch eine freiwillige Spende zugunsten der wahren Eltern. (91)

das Heilige Salz

Der Gedanke, die Welt und die Menschen von satanischen Einflüssen retten zu müssen, beherrscht die Handlungen der MunAnhänger. Neben allgemeinen Bedingungen wie Beten, Fasten oder besondere Sammelaktionen gibt es daher spezielle Reinigungsrituale mit Kerzen und Heiligem Salz. Die Handlungsabläufe sind genau beschrieben. Alle Gegenstände, die von außen in ein Zentrum oder eine Wohnung hineingetragen werden, müssen mit Salz bestreut oder Kerzenrauch bepustet werden. Damit sind sie Satans Einfluß entzogen. Fühlt sich eine Person durch besondere satanische Einflüsse bedrängt, kann sie sich ebenfalls mit Salz bewerfen. Die Kleidung ist damit gereinigt und bietet Schutz vor weiteren Attacken. (92)

das "Matching" und die "Segnung" (blessing)

Beim "Matching" werden anhand von Fotografien die zukünftigen Partner bestimmt, die von Mun gesegnet werden sollen. Während der "Holy Wine Ceremony" (Weinzeremonie) vor der Segnung wird durch das Trinken von "Blut" (ein von Mun zusammengestellter Trank) die satanische Blutslinie gelöscht und das Mitglied geistig als "wahrer Christ" und "wahres Kind" der "wahren Eltern Mun" wiedergeboren. (93)

Nach der Segnung von 360.000 Paaren am 25.08.95 beabsichtigt Mun im November 1997 die Massentrauung von 3,6 Millionen Paaren in Washington/USA. (94)

4. Ehe und Familie

In der Lehre der Vereinigungsbewegung sind die Ehe und die Familie die zentralen Institutionen. Mun betont in allen Reden immer wieder die Bedeutung von Ehe und Familie. (95) Aber sein Verständnis dieser Institution ist kaum mit dem im Grundgesetz verankerten Familienbegriff vereinbar.

Mun versteht unter "Familie" nicht die Familie im herkömmlichen Sinne, sondern die "wahre Familie", d.h. seine Anhänger, als deren "wahrer Vater" er sich sieht. Diese "wahre Familie" hat vor allen anderen Bindungen Vorrang, weil sie für die Ewigkeit angelegt wurde.

Um eine neue sündlose Menschenfamilie zu schaffen, führt Mun Massenhochzeiten durch, bei denen er Paare, die er zusammengestellt hat, segnet.

Hierzu wählt er nach eingesandten Fotos Partner aus verschiedenen Nationen aus, um sie miteinander zu "verheiraten". Der von Mun getroffenen Wahl kann in Einzelfällen widersprochen werden, in aller Regel ist aber davon auszugehen, daß die Entscheidung "akzeptiert" wird. (96)

Die Akzeptanz beruht einerseits darauf, daß die Anhänger glauben, Mun verfüge über die hellseherische Fähigkeit, schon beim Betrachten der Fotos die richtige Partnerseele zu erkennen. Andererseits darf nicht verkannt werden, daß der Gruppendruck und die Angst, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden und Satan anheimzufallen, enorm sind. (97)

So hat das Amtsgericht Hamburg eine von Mun "gematchte" Ehe gemäß §34 Ehegesetz aufgehoben, weil es durch die Anhörung der Ehefrau zu der überzeugung gelangte, daß diese durch Drohungen der Gemeinschaft in eine Zwangslage versetzt worden war, die einem freien Entschluß zur Eingehung der Ehe entgegenstand. (98)

Die Segnung durch Mun (sogenanntes "Blessing") beinhaltet aber nicht nur die "Eheschließung". Wesentliches Element der Segnung ist die paarweise Adoption durch Mun in die "wahre Familie". (99)

Bemerkenswert ist, daß sich die Partner vor der Segnung teilweise noch nie gesehen haben.

In Film und Fernsehberichten wurde gezeigt, daß von einigen "Ehegatten" nur ein Partner anwesend war, der während der Zeremonie ein Bildnis seines Partners trug. Anscheinend ist auch die Segnung eines lebenden mit einem verstorbenen MunAnhänger möglich. (100)

Das von den Ehepartnern bei der Segnung abgegebene Versprechen ist im wesentlichen ein Gelöbnis an Mun. Die Partner geloben, seine Grundsätze zu befolgen und übernehmen die Verantwortung für das Gelingen der Beziehung. (101)

Erst nach einer Bewährungszeit zwischen 40 Tagen bis zu drei Jahren ist es den Eheleuten erlaubt, intim miteinander zu verkehren. Nach Berichten aus Korea soll das erste sexuelle Zusammensein stark ritualisiert und im Detail vorgeschrieben sein (z.B. die Position von Mann und Frau als Verkörperung von Adam und Eva). (102)

Ziel der Rituale ist die Vermehrung der Anhänger Muns, d.h. die Erzeugung "sündloser" nicht der satanischen Blutslinie verfallener "wahrer Christen".

Nur aus der Unterordnung der Individualität und aller persönlicher Beziehungen unter das höherrangige Ziel ist ein noch drastischerer Eingriff in das Familienleben nachvollziehbar. Mun soll von seinen Anhängern verlangen, "wahre Kinder" an andere Ehepaare abzugeben, die aus Alters- oder Gesundheitsgründen nicht in der Lage sind, eigene Kinder zu bekommen. Zuvor sollte man aber ein Kind gebären und behalten. (105)

Auf das Gebären und die Aufzucht der Kinder reduziert sich die Rolle der Frau in der Vereinigungsbewegung. Selbst das Familienleben und die Fürsorgepflicht gegenüber den Kindern sind dem Ziel der Bewegung untergeordnet. (103)

Aus dem Brief einer MunAnhängerin geht hervor, daß Kleinkinder anderen zur Betreuung überlassen werden, damit ein reibungsloser Ablauf der Missionstätigkeit gewährleistet bleibt:

"Als ich Lissabon in Richtung Prag verließ, ließ ich unsere Kinder zurück. David hatte noch von der Brust getrunken. Was mir sehr half, waren Vaters Worte aus einer Rede: '... um nicht sentimental zu werden, vermied ich es, Bilder meiner Kinder anzuschauen und ich konzentrierte mich auf Gottes Arbeit...' So tat ich dasselbe. Ich hatte nur ein Foto bei mir und schaute es fast nie an. In dieser Zeit hatte David einen Unfall... Ich hoffe, daß er eines Tages stolz darauf sein kann, weil er als ein Opferdienen konnte." (104)

Aus dem Brief geht weiter hervor, daß auch der Vater der Kinder gleichzeitig mindestens fünf Monate im Auslandseinsatz unterwegs war.

5. Die Bindung an die Gruppe

Der Einstieg in die Vereinigungsbewegung erfolgt in mehreren Phasen, in denen sich die Bekehrung vollzieht.

Das neue Mitglied durchläuft bestimmte Kontrollmechanismen, die darauf abzielen, sein Bewußtsein, sein Verhalten, seine Informationsquellen und seine Gedanken unter die Kontrolle der Bewegung zu bringen. Ziel ist ein neuer Mensch, der die eigene Persönlichkeit durch die Identität der Gruppe ersetzt.

Wie derartige Persönlichkeitsveränderungen funktionieren, veranschaulichte der Amerikaner Gary Scharff, früher selbst Direktor der Studentenorganisation CARP und nach seinem Ausstieg Leiter des "Freedom of Thought Rehabilitationszentrums" (u.a. Behandlung ehemaliger Sektenangehöriger) während eines Gerichtsverfahrens:

"Trennen Sie einen Menschen von seinem Elternhaus und seinen Freunden. Schalten Sie mit einem durchorganisierten Programm ohne Freizeit, das von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts dauert und keinerlei Eigenbeschäftigung erlaubt nicht einmal beim Waschen und Essen sein eigenes Bewußtsein aus. Fügen Sie diesen Faktoren eine Flut religiöser Vorstellungen hinzu, die den Teilnehmer so verwirren und ermüden, daß er nicht mehr weiß, was gesagt wurde, mit der Ausnahme der Tatsache, daß er böse ist, wenn er eine von ihnen anzweifelt oder es nicht schafft, den Vorträgen vollkommen zu folgen. Mangel an Schlaf und proteinarme Nahrung verstärken den Prozeß, indem sie den Menschen körperlich auf Sparflamme setzen." (106)

a) Die Methoden der Anwerbung

In den 70er und 80er Jahren fiel die Vereinigungsbewegung durch besonders aufdringliche Werbemethoden auf. (107) Die Mitglieder versuchten durch die verschiedensten Methoden auf aggressive Weise Interessenten in die Zentren und Wohngemeinschaften zu locken.

Innerhalb kürzester Zeit entstand in der deutschen öffentlichkeit gegenüber der Gruppierung eine stark ablehnende Haltung, so daß diese daraufhin ihre Missionsmethoden änderte. Es wurde die sogenannte "Home Church Mission" (Hausmission) eingeführt.

Dabei werden einem Mitglied oder einer Familie bestimmte Wohnbezirke zugeteilt, die dann zu missionieren sind. über freundschaftliche Kontakte und Hilfeleistungen z.B. beim Kinder beaufsichtigen oder der Unterstützung hilfsbedürftiger Personen werden zwischenmenschliche Beziehungen geknüpft, die schließlich zu einer neuen Mitgliedschaft führen sollen. (108)

Seit der Wiedervereinigung lebt die Straßenmission verstärkt wieder auf. Die Bewegung errichtet Informationsstände in den Fußgängerzonen der Großstädte, die unter den verschiedensten Bezeichnungen angemeldet werden. (109)

Hierbei wurden in den letzten Jahren bereits die Kinder der ersten Generation (im Alter zwischen 16 und 21 Jahren) als Werber eingesetzt. (110)

Ziel aller Kampagnen sind überwiegend junge Menschen. Mit der Gewinnung junger, gebildeter Anhänger erhofft sich die Bewegung zunehmenden Einfluß auf die Gesellschaft.

In einem Rundbrief der österreichischen Abteilung heißt es:

"... Unsere Hauptzielgruppe waren Studenten, die wir u.a. am Mozarteum erreichten.... Unseren Bücher und Informationsstand stellten wir auch gerne auf dem Alten Markt auf, zumal die juristische, theologische und geisteswissenschaftliche Fakultät nicht weit weg sind..." (111)

Eine der wichtigsten Anwerbegruppen an den Universitäten ist die C A R P (Collegiate for the Research of Principles).

Sie wirbt an den Hochschulen aller Länder mit der Durchführung von Weltstudentenkongressen (z.B. in B Bangkok), Sportveranstaltungen, Vorträgen und Einladungen zu Mittagessen. (112) In Korea und Japan ist die CARP nach eigenen Aussagen im Studentenparlament aller Universitäten vertreten und führt verschiedentlich den Vorsitz. (113)

Aus der Satzung der CARP wird deutlich, warum die Anwerbung von Studenten für die Ziele der Vereinigungsbewegung von großer Wichtigkeit ist. Hauptzweck der Organisation ist die

"Förderung des Erziehungswesens, ausgehend vom universitären Bereich, und der Lehrerausbildung, um damit das Erziehungswesen insgesamt zu erneuern."

Weitere in den Statuten genannte Ziele sind: die Neubelebung des christlichen Fundaments der Demokratie, die Vereinigung von Religion und Wissenschaft, von östlichen und westlichen Kulturen, die Kritik am Kommunismus und die Förderung der Information über das Universitätssystem.

Aus der Satzung ergibt sich lediglich, daß "theoretische Grundlage für die unter Punkt 4 angegebenen Aktivitäten" die Vereinigungsphilosophie ("Unification Thought") ist. Der Inhalt der Philosophie wird aber nicht näher erläutert. Der unbedarfte Interessent erkennt nicht, daß CARP eine Unterorganisation der Vereinigungsbewegung ist. (114)

Von den CARPStudenten wird erwartet, daß sie sich an die Universitäten verteilen und dort neue Untergruppen gründen, um studentische Entscheidungen zu beeinflussen. Diese Untergruppen sind dem Gesamtvorstand gegenüber rechenschaftspflichtig (Punkt 11 und 12 der Satzung). Gleichzeitig ist CARP eine Unterorganisation der politischen Vereinigung CAUSA (Confederation of Associations für the Unity of the Societies of the Americas).

b) Die Integration und die Unterwerfung

Aus früheren Jahren gibt es etliche im wesentlichen übereinstimmende Aussteigerberichte, die die von Schaff dargestellten Manipulations- und Kontrolltechniken bestätigen. (115)

Tatsächlich verschwanden damals neue Gruppenmitglieder aus den Augen ihrer Umwelt, weil sie in Trainingszentren oder Wohngemeinschaften verweilten oder sich mobilen Missionierungsteams anschlossen. Sie hatten keinen Kontakt zu Familienangehörigen oder Freunden. Es wurde immer öfter über "Gehirnwäsche" und "Menschenraub" im Zusammenhang mit der Vereinigungsbewegung berichtet.

Der Lösungsprozeß von der Umwelt wurde von der Bewegung dadurch unterstützt, daß am Beginn der Mitgliedschaft die Kontaktaufnahme kontrolliert und reguliert, d.h. gegebenenfalls auch verhindert wurde. (116) Hierbei ist sogar Post von Verwandten und Freunden unterschlagen worden. Bei den Workshops, die der Einführung der Neuen dienten, sind Münzfernsprecher überwacht und bei Bedarf abgestellt worden. (117)

Das neue Mitglied wurde derart für die Ziele der Bewegung eingespannt, daß für eigenständiges Nachdenken keine Zeit mehr blieb. Beruf und Studium wurden häufig aufgegeben oder vernachlässigt, um sich ganz den Zielen der Bewegung widmen zu können.

Getreu den unifikatorischen Grundsätzen, daß der Erfolg der Arbeit gleichzeitig ein Spiegel der Glaubenstreue und spirituellen Entwicklung sei, wurden die Mitglieder weltweit zu Missionseinsätzen eingeteilt. Die Mitglieder waren "... der festen überzeugung, mit ihrem Opfer an Zeit, Geld und Mühe zur Erlösung der Welt beizutragen". ( 118)

Die Gruppenmitglieder hatten kaum Zeit zum Lesen. Die Bücher aus dem Privatbesitz wurden "geopfert". Durch die Abschottung der Anhänger von Literatur, Rundfunk und Fernsehen und die Beschränkung der Gesprächspartner auf Gruppenzugehörige erfolgte eine "Informationskontrolle". Diese führte dazu, daß keine kritischen Gedanken gegenüber der Gruppe und der Lehre auftraten. (119)

Die Abhängigkeit des einzelnen von der Gemeinschaft wurde u.a. dadurch verstärkt, daß Mitglieder ihr persönliches Eigentum der Gruppe übereigneten. Das reichte von den Ersparnissen über das Auto bis hin zum Bankkonto. (120)

Die Folgen der Kontroll und Manipulationstechniken verdeutlicht die Aussage in einem Gerichtsverfahren:

"Was immer deine 'Zentralfigur' dir sagt, ist die Wahrheit, nur das ist die Wahrheit. Darüber kann es keine Zweifel geben. Sie sagen dauernd: 'Vertraue, wo du nicht verstehst.' Man versucht schließlich ganz automatisch zu antworten. Je automatischer man antwortet, um so vertrauenswürdiger ist man." (121)

In der neueren Zeit wird von einer scheinbaren Liberalisierung des deutschen Zweigs der Munbewegung berichtet. Dem steht entgegen, daß insbesondere aus den neuen Bundesländern berichtet wird, daß die Vereinigungsbewegung nach wie vor versucht, Mitglieder nach der Anwerbung zum "Fundraising" in verschiedene Länder Europas zu schicken, um "Geld für den wahren Vater zu machen". (122)

Eine Aussteigerin erzählt, man habe von ihr sogar verlangt, ihre Wohnung aufzugeben, um sich für fünf Wochen zum Geldsammeln zu begeben. (123)

Hierdurch wird deutlich, daß die Mitglieder, die zum Fundraising eingesetzt werden, in finanzielle Abhängigkeit von der Gruppe geraten können.

c) Die Lösung von der Gruppe

Das einzelne Mitglied kann sich kaum allein aus dem Zwang der Gruppe lösen. Die Mechanismen, die es in die Gruppe brachten, verhindern umgekehrt auch, daß es sich davon lösen kann. Die Isolierung von der Außenwelt erschwert die Wiederaufnahme von Kontakten zu anderen. Die Angst vor dem Ausgestoßensein verhindert oder verzögert Ablösungen. Der Austritt kann für das Mitglied schwerwiegende soziale und finanzielle Folgen haben. (124)

Ein deutscher Aussteiger aus dem amerikanischen Zweig schildert seine Erfahrungen folgendermaßen:

"Es ist faszinierend und erschreckend wie intelligente, kritisch denkende Menschen in fanatische Sektenanhänger ohne kritisches Denkvermögen umgewandelt werden können. Das ist mir passiert, und viele meiner Freunde in der Munsekte haben selbst nach 10 Jahren heute noch nicht den Absprung geschafft. Ich hatte großes Glück, doch was ist mit denen, die nicht solch ein liebevolles und unterstützendes Elternhaus wie ich haben?" (125)

Die größten Chancen aus der Vereinigungsbewegung auszusteigen, haben diejenigen Mitglieder, deren Eltern oder Freunde auch gegen den Widerstand der Gruppe die Kontakte aufrecht erhalten.