Vereinigungskirche (Mun)

I. Geschichte der Munbewegung und ihres Gründers

  1. Werdegang Muns, Entstehung und Entwicklung seiner Bewegung
  2. Die Vereinigungsbewegung in Deutschland


1) Werdegang Muns, Entstehung und Entwicklung seiner Bewegung

Die "Mun oder Vereinigungsbewegung" ist die Sammelbezeichnung für die 1954 von dem Koreaner San Myung Mun (engl. Schreibweise: Sun Myung Moon) gegründete Bewegung mit ihren zahlreichen Unterorganisationen, von denen die bekanntesten in Deutschland sind die "Vereinigungskirche e.V." (kirchlicher Bereich der Organisation), die Hochschul und Studentenorganisation "CARP" (Collegiate Association for the Research of Principles) und die politische Organisation "CAUSA" (Confederation of Associations for the Unity of the Societies of the Americas) mit dem "Forum für geistige Führung". (1)

San Myung Mun wurde am 25.02.1920 (nach dem Mondkalender am 06.01.1920) als Sohn einer Bauernfamilie in der stark christianisierten Provinz Pyon Puhto in Nordkorea geboren. (2) Seine Eltern traten erst 1930 zum Christentum über. Nach der legendenhaft erscheinenden Lebensbeschreibung der Vereinigungsbewegung war der junge Mun ein religiös Suchender, für den der Ubertritt der Eltern zum presbyterianischen Christentum nicht die abschließende Klärung der eigenen religiösen Fragen bedeutete. (3)

Sein Leben als "normaler" Mensch soll Mun dann durch die sogenannte "Ostervision" des Jahres 1936 beendet haben. Mun will am Ostermorgen auf einem koreanischen Berg, tief ins Gebet versunken, eine Erscheinung gehabt haben. Jesus habe ihn dabei beauftragt, seine vor 2.000 Jahren gescheiterte Mission zu beenden und das Himmelreich auf Erden einzurichten. Nach längerem Sträuben habe er die Aufgabe akzeptiert. (4)

Der Inhalt der ihm erteilten Aufgabe soll Mun erst in den auf die Ostervision folgenden Jahren klar geworden sein. Nach neunjährigem ununterbrochenen und Ringen, in denen Mun sich in einen Dialog mit der Geisterwelt begeben haben soll, will er die Wahrheit Gottes in seinen Händen gehalten haben. (5)

Während dieser Zeit beendete er seine Gymnasialausbildung, nahm Kontakt zu verschiedenen religiösen Strömungen auf, studierte einige Semester Elektrotechnik in Japan und wirkte einige Zeit im japanischen Untergrund. Er kehrte ohne Universitätsabschluß nach Korea zurück. (6)

Etwa ein Jahr nach der Befreiung Koreas durch die Alliierten begann der 26jährige in Pyöngyang, der Hauptstadt des von der damaligen Sowjetunion besetzten Nordkoreas, eine neue Lehre zu verbreiten. Er gewann die ersten Anhänger und heiratete zum ersten Mal. (7)

Im Jahr 1946 schloß sich Mun eine Zeitlang dem messianischen "IsraelOrden" (IsraelSooDoWon) an, dessen Ordensmeister sich selbst für den Messias hielt. (8)

Am 11.08.1947 wurde Mun angeblich wegen seiner Missionstätigkeit festgenommen und nach einer erneuten Verhaftung im Jahr 1948 zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt. Der Grund der Verurteilung ist umstritten. Teilweise wird behauptet, Mun sei wegen Bigamie angeklagt und verurteilt worden. Er habe eine blutjunge Anhängerin geheiratet, obwohl er noch verheiratet gewesen sei. (9) Nach anderen Quellen soll der Vorwurf der Bigamie später fallengelassen worden sein. Die Verurteilung sei lediglich wegen Unruhestiftung erfolgt. (10)

Unbestritten ist, daß Mun 1948 von den presbyterianischen Kirchen Koreas wegen sektiererischer Umtriebe ausgeschlossen wurde. (11)

Im Herbst 1950 wurde Mun von den Streitkräften der Vereinten Nationen während des Koreakrieges aus dem Arbeitslager Hung Nam befreit. (12) Er begab sich in die Hafenstadt Pusan in Südkorea, wo er seine Missionstätigkeit wieder aufnahm. (13) Dort traf Mun auch auf Hyo Won Yon (späterer Präsident der Vereinigungskirche Koreas), der als Verfasser zumindest eines Teils der "Göttlichen Prinzipien", der Zusammenfassung der Lehre Muns, gilt. (14)

Im Mai 1954 gründete Mun die "Holy Spirit Association for the Unification of World Christianity" (Unification Church) und verlegte das Zentrum der Bewegung nach Seoul.

1955 wurde Mun in Südkorea erneut verhaftet und wegen Freiheitsberaubung und sexueller Nötigung angeklagt. (15) Im Hintergrund der Verhaftung stand die Anwerbung der Religionsdozentin Young Oon Kim und einiger Studentinnen der renommierten EhwaFrauenuniversität sowie die Auseinandersetzung mit den etablierten Kirchen Koreas. Als Folge des Verfahrens mußten die Anhänger Muns die Universität verlassen, während das Verfahren gegen ihn selbst nach kurzer Zeit eingestellt wurde. (16) Nach dieser Affäre ließ sich Muns erste Frau scheiden. Er heiratete daraufhin erneut. (17)

1959 begann Mun sich wirtschaftlich zu betätigen. Er gründete die erste seiner zahlreichen Firmen, die heutige Tong Il Company in Seoul. Sie produzierte damals Luftgewehre, heute auch Mörser und schwere Geschütze. (18)

Nach einer weiteren Scheidung heiratete Mun im Jahr 1960 seine jetzige Frau HakJa Han. Diese Hochzeit ("Hochzeit des Lammes") hat für Mun und seine Anhänger eine besondere und grundlegende Bedeutung. Damit soll ein neues Zeitalter der Menschheit angebrochen sein.

Anfang der 60er Jahre begann die Auslandsmission der Bewegung, zunächst mit der Entsendung von Missionaren nach Japan und dann in die USA. (19)

1965 unternahm Mun seine erste Weltreise durch 40 Länder, u.a. auch in die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland. Während dieser Reise segnete Mun 120 Grundstücke als "Heiligen Grund der Vereinigungsbewegung". Höhepunkt der Reise war ein kurzer Empfang durch den ehemaligen Präsidenten Eisenhower, der von der koreanischen Botschaft vermittelt wurde. (20)

1971 verlegte Mun seinen Wohnsitz in die USA und begann mit der planmäßigen weltweiten Verbreitung seiner Lehre. Er startete 1972 mit einer "DayofHopeTour" durch sieben Städte. 1973 folgte eine 21StädteTour und 1974 eine Reise durch 32 Städte. Höhepunkt war eine Ansprache Muns 1974 im Madison Square Garden, New York, vor 50.000 Besuchern. Ein weiterer Höhepunkt und vorläufiger Abschluß seiner Redekampagne war eine Ansprache im Jahre 1976 in Washington am WashingtonMonument. (21)

Aufgrund politischer Spannungen zwischen Amerika und Korea wurde 1978 ein Untersuchungsausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses eingesetzt. Leiter war der Abgeordnete Donald Fraser. Der Ausschuß deckte viele Hintergründe der amerikanischkoreanischen Beziehungen auf und stieß dabei auch auf die Rolle der Vereinigungsbewegung. Es wurde erstmals eine enge religiöse, wirtschaftliche und politische Verflechtung der Ziele der Vereinigungsbewegung offensichtlich. (22)

1982 wurde Mun in den Vereinigten Staaten wegen Steuerhinterziehung zu dreizehn Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe trat er 1984 an. (23)

Im Jahr 1990 empfing der Präsident der damaligen Sowjetunion, Michail S. Gorbatschow, Mun persönlich während der 11.Weltmedienkonferenz in Moskau. Die Veranstaltung war von Mun zur Vereinigung der Medienlandschaft gegründet worden und fand erstmals im kommunistischen Machtbereich statt. Während die Vereinigungsbewegung behauptet, der Empfang habe stattgefunden, weil Gorbatschow die Wichtigkeit Muns erkannt habe, schien bei Gorbatschow der Grund für dieses Treffen in der wirtschaftlichen Finanzkraft des Geschäftspartners und den damit verbundenen Hoffnungen auf wirtschaftliche Unterstützung zu bestehen. (24)

1995 unternahm das Ehepaar Mun eine weitere Missionsreise in mehrere Länder, u.a. nach Rußland, Afrika und Südamerika.

2) Entstehung und Entwicklung der Vereinigungsbewegung in Deutschland

Die ersten deutschen Mitglieder der Vereinigungsbewegung wurden 1963 in Kalifornien angeworben und schon 1964 als Missionare nach Deutschland und Osterreich gesandt. (25)

Die "Göttlichen Prinzipien", die Grundlage der Lehre Muns, wurden in die deutsche Sprache übersetzt und ein erstes Zentrum der Bewegung in Frankfurt am Main gegründet. (26)

Im November 1964 hat sich die Bewegung als "Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums" in Frankfurt/Main registrieren lassen. (27)

In den ersten Jahren war die Expansion in der Bundesrepublik zunächst gering. Nach einem Besuch Muns im Jahr 1969, bei dem ein neuer Landesleiter für den deutschen Zweig der Vereinigung berufen wurde, änderte sich dies. Es kam es zu Firmengründungen (Druckerei, Fotolabor, Importfirma zum Vertrieb von Ginseng-Produkten usw.), und erste deutschsprachige Zeitungen wurden gedruckt und verteilt. Von den Mitgliedern wurde erwartet, daß sie in Wohngemeinschaften lebten und finanzielle Beiträge zum Erhalt der Gemeinschaft leisteten.

Auch der Stil der Missionsarbeit wandelte sich. Während in den ersten Jahren Einladungen zu Vorträgen auf der Straße verteilt wurden, wandte man jetzt aufdringlichere Methoden an. Die Mitglieder nutzten z.B. die Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln, um aus den "Prinzipien" zu lesen oder laut zu predigen. Seit 1971 gibt es in der Vereinigungsbewegung in Deutschland auch Vollzeitmissionare. (28)

Bis Mitte der 70er Jahre erwarb die Vereinigungsbewegung zwei Trainingszentren: die Neumühle bei Camberg in Hessen und die Regelsmühle in Franken. (29) 1975 erfolgte die Umbenennung in "Vereinigungskirche e.V." (30)

1976 griff die CARP (eine Hochschul und Studentenorganisation der Vereinigungsbewegung) massiv in den Bundestagswahlkampf ein, was ihr bald gerichtlich untersagt wurde. Die Wahlplakate der CARP hetzten gegen den Kommunismus und Sozialismus. (31)

Die Negativschlagzeilen in der Presse verschlechterten innerhalb kurzer Zeit das Image der Vereinigungsbewegung. Sie versuchte, dem entgegenzuwirken: Die Pressearbeit wurde verbessert, die Straßenmission wurde fast vollständig aufgegeben, die sogenannte "Hausmission" eingeführt, (32) und die Kontakte zu den Eltern der Mitglieder wurden durch Vorträge verstärkt. (33)

1984 wurden an der damaligen Berliner Mauer Vereinigungskampagnen durchgeführt. Die CARP weihte "Heilige Gründe" und berief internationale Treffen ein. (34)

Im August 1987 wurde ein im Vorfeld heftig umstrittener 4. WeltKongreß der CARP in Berlin abgehalten. Es kam zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Demonstranten gegen Mun. Aufgrund dieser CARPAktivitäten in Berlin behauptete Mun heute, daß es nur dem Einfluß der Vereinigungsbewegung zu verdanken sei, daß Deutschland wiedervereinigt wurde und die "Mauer" fallen konnte. (35)

Im Jahr 1992, dem "Jahr der Frau", gab es in der Bundesrepublik eine neue Gründung innerhalb der Vereinigungsbewegung:, die "Frauenföderation für den Weltfrieden". Sie hat die Vereinigung aller Frauen der Welt unter der Ideologie Muns zum Ziel. Präsidentin der Weltvereinigung ist die Ehefrau Muns, HakJa Han. Sie kam jeweils 1992 und 1993 nach Frankfurt, um vor geladenem Publikum ihre Ansprachen zu halten. Frau Mun trat hierbei eindeutig als "Botschafterin" der Lehre Muns auf. (36)