- Ende mit Schrecken oder ... -

Genau zur selben Zeit des Führungswechsels in der Hamburger Org (März 1995) schrieben meine Eltern eine deutliche Forderung auf "Hilfe, oder Geld zurück" an das DSA (Department of Special affairs, auch 'OSA' ) Deutschland unter der Leitung des durch Fernsehen bekannten Franz Riedl.
Daraufhin kam es am 25.3.1995 zu einem Gespräch in Hamburg zwischen Herrn Riedl, dem sog. "Kaplan" der Hamburger "Kirche" R. Kretzschmar, der eine Fliesenfirma (Fliesen-Rolf) nach scientologischen Grundsätzen leitet, 2 weiteren Mitarbeitern von DSA, meinen Eltern und mir. Mein Vater setzte sich so sehr für mich ein, dass man gnädigerweise anbot, mir die schon vor 5 Jahren bei Herrn Gross eingezahlten Leistungen in Höhe von DM 22'300.- bei der Hamburger Org auch endlich zu geben!
Ich war damals wirklich richtig dankbar und dachte, jetzt würde ich wieder in den Kreis der Ehrenwerten Gesellschaft aufgenommen werden.

Dieses Geld wurde in Auditing-Sessions umgewandelt, wofür ich noch einmal DM 320.- für den Folder Transfer, d.h das Beschaffen der Unterlagen per Delta Airlines aus Flag, einzahlen musste. Als diese dann endlich kamen, waren die 37 1/2 Stunden Auditing, die ich noch zwischen Mai 95 und Oktober 95 bekommen habe, fast verbraucht.

Inkompetenz, Stümperei und Verantwortungslosigkeit beschreiben auch da das Verhalten vieler, sicher nicht aller Kirchenmitarbeiter. Es gab sicherlich wenn auch halbherziges Bemühen, aber das hat in meinem Falle eben nicht gereicht.

Mein Vater war sehr besorgt um mich, glaubte aber lange Zeit an Scientology. Er meinte "Die Weisen Leute" würden mich schon [hin]richten und es läge doch alles irgendwie an mir. Er hat zusammen mit meiner Mutter sogar im Jahre 1992 eine HQS ("Hubbard Qualifizierter Scientologe") Kurs besucht, aber mittendrin abgebrochen, weil sie, wie sie mir später erzählten, die Übungen teilweise schwachsinnig fanden.
Im Jahre 94 kam es zu mehreren Treffen zwischen meinen Eltern und dem sog. Kaplan der Kirche Hamburg, Herrn Rolf Kretzschmar. Was da genau besprochen wurde, weiss ich nicht. Der Erfolg war jedenfalls, dass mein Vater mir, als er nach Hause kam, Stellen aus dem 'Ethik der Scientology' Buch von Hubbard anstrich.
In diesen Stellen war von der unsozialen Person, quasi dem Antichristen der Scientology die Rede: "Wenn der Mensch feststellt, dass er zu viel Böses tut ... macht er sich, ohne dass irgend jemand anderes dabei nachhilft, selbst fertig".
Mein Vater war nun sicher, dass ich wohl zu dieser Kategorie gehörte. So verstanden es die Mitarbeiter, einen Keil in unsere Familie zu treiben, und das geschah in voller Absicht!

Meine Meinung zu Scientology aus heutiger Sicht:

Ich habe jahrelang tatsächlich versucht, die Lösung für mich in der Verbesserung der Technologie zu suchen, indem ich Reporte an dies höchsten Stellen geschickt habe, wie die Menschen im Dritten Reich an den Führer geschrieben haben.
Ich bin nunmehr der Überzeugung, dass nicht das geringste Interesse von niemandem in der Hierarchie der Scientology besteht, irgendetwas zu verbessern!
Das einzige Interesse der IAS und des Int Managements ist, die gut laufenden Fälle, wenn es solche gibt, und Celebrities (Künstler, Stars) zu propagieren oder zu erfinden, deren Geld zu zählen, und die Abgefallenen zu diskreditieren und zu diskriminieren. Es passt eben nicht ins Weltbild der 'Hoffnung-verkaufenden' Seelendealer, wenn der PC keinen Erfolgsbericht schreibt, sondern in massive Schwierigkeiten gerät.
Sie finden dann schnell Formulierungen und Referenzen von LRH, die bestätigen: "Bei dem konnte es ja gar nicht funkionieren". Er kann sich natürlich auf eigene Kosten therapieren lassen, wenn er noch nicht kurzerhand unbürokratisch zum PTS erklärt wird, der ja für Auditing gar nicht zugelassen werden darf.
LRH: "Wenn die Ethik nicht drin ist, greift die Tech nicht". Was Ethik ist, entscheiden meist schlecht gelaunte "Offiziere" nach eigenem Gusto. Wehe, wenn der/die E/O schlecht oder gar nicht geschlafen hat, dann bist du verratzt!

In Narconon wurden gerade seit einem Monat vom Heroin losgekommene Junkies hektisch zu E/O's "ausgebildet", da man keine Leute hatte. Solche Individuen können dann über Gedeih und Verderb eines Studenten entscheiden, und tun es wahrscheinlich gar nicht so ungerne. Machtgehabe, Statistikenbeschönigung und Zynismus charakterisieren den Wert und die Achtung, die dem "PC" (Preclear = noch nicht Clear) zugemessen wird.
Ich bin kein Versuchskaninchen der noch "jungen Religion".

Da wird Hoffnung auf die Unsterblichkeit der Seele in einer Weise verkauft, die verdammt an Klinkenputzermanier und Abzockerei erinnert. Ich weiss nicht, ob L. Ron Hubbard das so gemeint hat, oder ob es nur Irrtümer oder die böse Absicht einzelner ist.
Ich fühle mich auch nicht verpflichtet, das herauszufinden.

Meiner Ansicht und Wahrnehmung nach ist der Kirche (oder soll man besser Firma sagen) der "Schutz der Technologie" (KSW Serie 1) (KSW = Keep Scientology Working = Haltet die Scientology funktionsfähig) wichtiger als der einzelne, Geld wichtiger als Hilfe, und sie geht über Leichen, wenn es darum geht, sich selbst, die Internationale Organisation IAS und das dubiose Vermächtnis von L. Ron Hubbard ins Recht, und Einzelpersonen ins Unrecht zu setzen.

Der Ausstieg

Im November 1995 hatte ich das grosse Glück, einen sehr gut ausgebildeten Psychologen aus Berlin kennenzulernen, mit dem ich zwei längere Gespräche hatte:
Er hat nicht einmal besonders gedrängt, ich sollte aussteigen.
Er stellte mir eine einfache Frage:
"Wenn zu Dir jemand käme, und Dir die ganze (also meine Scientology) Story erzählen würde, was würdest Du ihm raten?"
Ich sagte ohne zu zögern: "Ich würde sagen : Vergiss es!"

- Epilog -

Falls Informationen aus meinem Ethik- bzw. Auditing-Folder an die Aussenwelt gelangen sollten, würde das zu einer Schadensersatzklage in siebenstelliger Höhe gegen die Kirche meinerseits führen.

gez. Jürgen B.

Anmerkung:
Alle in diesem Bericht genannten Beträge sind ungefähre Angaben, also etwa auf +/- 5% genau.
Alle genannten Personen existieren wirklich.
Alle Ereignisse sind genauso geschehen.
Alles ist kein Alptraum und keine Fantasy, sondern geschieht hier in unserem Lande, täglich!

Braunschweig im Juli 1996