Dialog Zentrum in Berlin gegründet
Gandow: "Interreligiöser Dialog setzt von christlicher Seite ein
glaubwürdiges Zeugnis voraus"
Zur Orientierung und zum Gespräch in einer immer diffuser werdenden
religiösen und weltanschaulichen Szenerie wurde im Zusammenhang mit dem
20. Jahrestag der Selbstverbrennung zweier Mitglieder der
Ananda-Marga-Gurubewegung an der Berliner
Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche am Montag, 9. Februar das DIALOG
ZENTRUM BERLIN als Verein konstituiert.
Das Dialogzentrum ist der deutschsprachige Teil des "Dialog Center
International (DCI)" in Aarhus/Dänemark, einer interkonfessionellen
Bewegung innerhalb der christlichen Kirche, das vor 25 Jahren von dem
dänischen Theologen und Religionswissenschaftler Prof. Dr. Johannes
Aagaard gegründet wurde und heute mit Zentren in Indien, Irland,
England, Dänemark, Serbien, Lettland, Bulgarien, der Slowakei, Rußland
und Deutschland zusammenarbeitet. Es sieht seine Aufgabe im
standpunktorientierten, christlichen Dialog mit allen gesprächsbereiten
Vertretern authentischer Religionen, aber auch in der kritischen
Auseinandersetzung mit den religiösen Herausforderungen unserer Zeit.
Das Dialog Zentrum Berlin will darum Kenntnisse über Hinduismus und
Buddhismus und andere Religionen sowie über neureligiöse und
pseudoreligiöse Bewegungen, Sekten, Sondergemeinschaften und
Weltanschauungen vermitteln und Kirchen und Kirchengemeinden mit
Information, Beratung und Ausbildung für Begegnung, Auseinandersetzung
und Dialog in der multireligiösen Wirklichkeit unterstützen.
"Weil die Glaubens- Gewissens- und Bekenntnisfreiheit sowie die
Informationsfreiheit unabdingbare Voraussetzungen der
Religionsfreiheit und des Dialogs sind, engagieren wir uns auch in der
Auseinandersetzung um totalitäre Kulte und Psychogruppen" sagte Pfr.
Thomas Gandow als Sprecher des neuen Zentrums.
Bei der Gründungsveranstaltung wurde der Berliner Pfarrer Th. Gandow zum
Vorsitzenden gewählt. Zum Vorstand gehört auch der Kasseler
Sektenbeauftragte Pfr. Eduard Trenkel, der Weltanschauungsbeauftragte
der Pommerschen Kirche, Friedrich von Kymmel sowie das Göttinger
Mitglied der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages, Ingolf
Christiansen.
"Interreligiöser Dialog setzt von christlicher Seite ein glaubwürdiges
Zeugnis voraus" sagte Gandow zur Konstituierung des Vereins. Darum will
das Dialog Zentrum Berlin besonders mit der Zeitschrift "BERLINER
DIALOG - Informationen und Standpunkte zur religiösen Begegnung" einer
regelmäßig erscheinenden internationalen Zeitschrift in deutscher
Sprache, den "offenen Dialog in Auseinandersetzung" fördern.
Das neugegründete Zentrum eröffnete seine Tätigkeit unmittelbar nach der
Gründungssitzung mit einem Vortrag in der Berliner Urania, zu dem das
Dialog Zentrum und die Urania Berlin den Religionswissenschaftler Prof.
Dr. Hartmut Zinser, FU Berlin, eingeladen hatten. Zur Erinnerung an
den 20. Jahrestag der Selbstverbrennung der Ananda-Marga-Mitglieder
Erika Ruppert und Helmut Kleinknecht am 8. Februar 1978 vor der
Gedächtniskirche in Berlin sprach Prof. Zinser vor einem überfüllten
Auditorium über "Selbstmord, Tod und Töten in neureligiösen Bewegungen".
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