Tagebuch der Belästigungen

Paulette Cooper (1982)

Teil 7: Die Hauptverhandlung
Die Anmerkungen der Bearbeitung von 1997 sind in [eckige Klammern] gesetzt.

So war es nicht erstaunlich, als ich aus der Gerichtsverhandlung kam war ich wie versteinert. Meine Anwälte und ich hatten keine Ahnung über das Beweismaterial, zudem waren wir so ziemlich überzeugt, dass dafür meine Schreibmaschine benutzt wurde. [für die Bombendrohungen, die der Scientology PR Direktor in New York erhalten haben wollte]

Den ganzen Nachmittag [an der Gerichtsverhandlung] versuchte ich verzweifelt, jede Frage so wahrheitsgetreu wie ich konnte zu beantworten, im falschen Glauben, dadurch würde jeder Idiot sehen, dass ich unschuldig war. (Ich glaubte fälschlicherweise auch, ich könnte nicht wegen Meineid angeklagt werden, wenn ich die Wahrheit erzähle.)

Zum ersten Mal sah ich nun die originalen Briefe (die vom verhergehenden Abend waren nur Kopien) und ich hatte nie zuvor diese Art von Luftpost Briefpapier gesehen (und ich wunderte mich auch warum Luftpostpapier benutzt wurde, um innerhalb New York einen Brief zu senden). (1)

Ich wurde gefragt, ob ich das Briefpapier schon gesehen habe (nein), ob ich es berührt habe (nein), beschrieben habe (nein), irgendeine Idee habe, wer darauf schrieb (Meisler) usw. Ich beantwortete während Stunden alle Fragen wahrheitsgetreu und verweigerte keine Auskunft. Aber ich wusste, dass ich trotzdem in Schwierigkeiten war, als Gordon [der stellvertretende Staatsanwalt in diesem Verfahren] mich später nach meiner Sozialversicherungsnummer fragte, ob ich unter Drogen stehe, ob ich verstehe, was sich hier abspiele usw.

Dann beugte er sich vor und fragte so etwas wie "nun gut, können sie erklären wie ihre Fingerabdrücke auf den zweiten Brief kamen?" Ich hatte beinahe einen Zusammenbruch. Ich fühlte mich, als wäre ein grosses Klavier auf meinen Kopf gestürzt und der Raum begann sich zu drehen (Ich fiel gewissermassen aufrechtsitzend in Ohnmacht).

Äusserlich erschien ich zwar noch gefasst, aber darauf war ich vollständig unvorbereitet, und ich hatte wirklich keine Erklärung. (Obschon ich später wünschte, ich hätte gesagt, dass in der Kriminalistik ein Fingerabdruck auf einem Stück Papier nicht mit einem Fingerabdruck auf einem Piano verglichen werden darf. Ein Stück Papier kann leicht umhergetragen werden und somit Fingerabdrücke enthalten, bevor jemand etwas darauf schreibt.)

Stattdessen begann ich meinen Verdacht gegen Nibs [L. Ron Hubbard Jun., für den ich vor etwa sechs Monaten während einem Monat einige schriftliche Arbeiten erledigte] zu äussern und erklärte, dass er freien Zugang zu meiner Wohnung hatte.

An diesem Abend war ich trotz dem Desaster an dem Tag sehr erleichtert, überzeugt alles würde gut werden, da ich so offensichtlich die Wahrheit sagte. Darum war ich am nächsten Tag entsetzt und wie gelähmt, als Gorden zu Jay [meinem Hauptanwalt] sagte, er denke dass ich lüge und ich wegen Meineid wie auch für das Senden der beiden Bombendrohungen angeklagt werde.

Gordon anerbot auch, den ganzen Fall einzustellen, wenn ich zurück an das Gericht ginge und meine Zeugenaussage ändere, und er versprach, für immer alles unter Verschluss und geheim zu halten. (2)

(1) Nach der Gerichtsverhandlung fragte ich Joy* telefonisch, ob sie "rot und blau umrandetes Luftpost Briefpapier habe, was sie verneinte. Ich beschrieb es jedoch falsch. Es war nicht ganz umrandet -- nur auf einer Seite, das verwirrte sie.

*[Ich weiss nicht ob ich das früher schon erklärte. Joy, eine entfernte Cousine (sie wurde auch einmal angegriffen, die Attacke war scheinbar mir zugedacht), kam einige Monate früher von Kalifornien nach New York und verbrachte ihre Nächte bei ihrem Freund (Bob U., ein Rechtsanwalt) einige Blöcke weiter.
Damit ihre Mutter nicht herausfinden konnte, dass sie mit einem Mann schlief -- es war 1972, und damals waren solche Sachen verpönt -- liess sie einige von ihren Sachen in meiner Wohnung und kam jeden Tag nach der Arbeit vorbei um mit mir zu plaudern, ihre Mutter anzurufen oder ihren Freunden in Kalifornien zu schreiben (Telefonanrufe waren teuer und das Internet gab es noch nicht). Dann verliess sie mich jeweils um den Rest der Nacht mit ihrem Freund Bob zu verbringen.]

(2) Ich war aus moralischen Gründen dagegen (Ich glaubte damals ehrlich nicht, dass ich vor einem Gericht unter Eid lügen könnte), aber auch aus Ärger (warum sollte ich unter Eid lügen und ein Verbrechen zugeben, das ich nicht begangen hatte, nur damit der Staat trotz den gemachten Fehlern sein Gesicht wahren konnte).
Bob [S..., damals mein Freund, er war Rechtsanwalt] war aus praktischen Gründen dagegen. Er betonte, wenn ich sagte dass ich eine Bombendrohung gesandt hätte, selbst wenn die Angelegenheit unter Verschluss bleibe, dann würde jedesmal, wenn in New York eine Bombendrohung erscheint, das FBI bei mir an der Tür stehen. Trotzallem, einmal damit belastet, wurde ich davon die ganze Zeit seit meiner Anklage bis 1977 bedrängt.