Tagebuch der Belästigungen

Paulette Cooper (1982)

Teil 6: Die Briefe mit der Bombendrohung
Die Anmerkungen der Bearbeitung von 1997 sind in [eckige Klammern] gesetzt.

In der Nacht vor der Hauptverhandlung, die ungefähr im April stattfand, sah ich endlich zum ersten Mal die beiden Briefe. Ich war wirklich erleichtert, sie waren so dumm und grammatikalisch falsch, offensichtlich nicht meinem Stil entsprechend. Der erste Brief versuchte zudem auf sehr plumpe Art mich nachzuahmen, es war sogleich offenkundig, dass jemand versuchte mich in etwas zu verwickeln, entweder um mich fertigzumachen oder um selbst ohne viel zu riskieren Scientology Bombendrohungen zuzustellen mit dem Versuch mich dafür zu bezichtigen. (1)

Der erste Brief begann mit "diese verdammten Bücher, die mich bedrängen", so dass unmittelbar feststand, dass die diesen Brief schreibende Person entweder selbst Bücher verfasst oder jemand ist, dessen Wohnung voller Bücherwände ist, was für mich auch zutraf. Er erwähnte auch "ich schade -- meinem Unternehmen" und das liess den ersten Verdacht aufkeimen -- und der wurde später zur fixen Idee -- gegen Nibs (L.Ron Hubbard jun.). Und wiederum war da die falsche Erwähnung "meine Zunge ist angeschwollen", die bereits im Verleumdungsbrief an meine Hausbewohner erschien.

Der zweite Brief, scheinbar am 13. Dezember erhalten (unerklärlicherweise ging er nie den normalen Postweg, und wie wir später feststellten, waren die einzigen Fingerabdrücke auf dem Umschlag verdächtigerweise von Meisler) erregte mein erstes Misstrauen gegen meinen guten Freund Bob Kaufman, der ebenfalls ein Buch gegen Scientology schrieb. Meine Anwälte wurden später ihm gegenüber höchst misstrauisch, besonders da er nachdem er in Scientology war einen Nervenzusammenbruch erlitt und in eine Klinik eingeliefert wurde. Der Brief hörte sich nach ihm an (2), allerdings klang dieser "mehr nach Meisler, da er sagte dass "Hitler - Hubbard - Meisler vernichtet werden müssten". (Ich ahnte, dass die einzige Person, die dumm genug war um Meisler gemeinsam mit Hitler oder seinem Gegenpart Hubbard zu nennen nur Meisler selbst sein konnte.)

[Fussnoten:]

(1) Gordon [der Staatanwalt in diesem Verfahren]*
erlaubte sich, mir das zweifelhafte Kompliment zu machen indem er sagte, er denke dass ich es tat weil die Briefe so blöd waren, dass sie nur von einer intelligenten Person geschrieben sein konnten und er nicht denke, dass Meisler so klug war. Gordon hatte auch einige andere Dinge meinen Anwälten zu sagen, was meine Frustration und meinen Zorn über den Gang der Dinge nur verstärkte. Als meine Anwälte herausstrichen, ich hätte gar keine Motive gehabt für Bombendrohungen, da ja meine Klage in NY gegen Meisler und Sci für mich äusserst gut verlief [eine Zeile fehlt, wahrscheinlich "Gordon sagte, dass Leute die Bombendrohungen versenden verrückt seien und darum"] überhaupt keine Motive benötigten. Als wir betonten, dass ich wohl kaum einen Brief an das Haus schreiben würde, in das ich soeben eingezogen war um zu versuchen mich rauswerfen zu lassen, und wegen der "angeschwollenen Zunge" beide durch dieselbe Person geschrieben schienen, erzählte Gordon meinen Anwälten, dass Leute die Bombendrohungen versenden geistig gestört seien und deshalb alles tun würden. Als wir später unterstrichen, dass ich nie einen anonymen Brief an meine Eltern senden würde um sie zu verletzen, besonders einer der besagt, ich wäre keine gute Schriftstellerin weil sie mich unterstützten, brachte er das gleiche Argument vor.

Der Staat glänzte auch mit der Schlussfolgerung, dass der Schreiber der Briefe Jude war. Aber sie ignorierten das Argument meiner Anwälte, dass Meisler ja auch Jude war -- und falls es meinerseits ein Komplott war, wurde es nur gemacht um mich wie eine jüdische Person erscheinen zu lassen.

(2) Der Brief liess an Kaufman denken, da er mit "James" begann und Bob der einzige war, der Jim Meisler "James" nannte. Er erwähnte auch "einen explodierenden Vulkan", ein wichtiges Bild in Scientology und das auch in Bob Kaufmans Buch diskutiert wurde. Aber ich glaubte nicht, dass Bob "ein explodierender" gesagt hätte, er ist jedenfalls sehr klug und wusste sicherlich dass Vulkane ausbrechen und nicht explodieren.

[Staatsanwälte steigen oft den Fällen nach, von denen sie denken, durch sie bekannt zu werden, selbst wenn sie Beweise für die Unschuld der Person haben. Nachdem das FBI bei Scientology eine Razzia durchfürte und die Dokumente über mich fanden und in den Zeitungen die Geschichte dieser Machenschaften erschien, sandte einer meiner Freunde, Dr. Stephen Barrett, der selbst gegen die Kurpfuscherei sehr aktiv ist, dem Staatsanwalt die Nachrichten über das Komplott und schrieb folgenden Brief:

7/5/1978

Sehr geehrter Mr. Gordon

Unsere Aufzeichnungen zeigen, dass sie der Anwalt der Anklage waren im Strafverfahren gegen Paulette Cooper, eine der wenigen Personen in Amerika, die den Mut hatte gegen Scientology aufzutreten.

Wir nehmen an, dass sie in dieser Angelegenheit noch mehr erfahren werden als bereits bekannt ist. Inzwischen sollten sie sich gründlich schämen.

Hochachtungsvoll

Stephen Barrett, M.D.]