Tagebuch der Belästigungen

Paulette Cooper (1982)

Teil 3: Der Fall mit der Pistole
Die Anmerkungen der Bearbeitung von 1997 sind in [eckige Klammern] gesetzt.

Die wirklich schrecklichen Belästigungen begannen etwa im Oktober jenes Jahres, als ich den unglaublich gemeinen anonymen Verleumdungsbrief erhielt, der auf den typischen Lügen beruhte die Scientology gegenüber ihren Feinden vorbringt (Hure, Diebin, sexuell pervers), sowie einige ungeheuerliche Verdrehungen von Informationen, die meinem ehemaligen Freund bekannt waren, der mich 1968 in Scientology bringen wollte.

Ungefähr ab Oktober bis am 15. Dezember (als ich, wie später erwähnt, umzog) gab es auch eine gewaltige Menge persönlicher Belästigungen. Ich erhielt eine Anzahl obszöner Anrufe (erst als ich Jahre später die Washingtoner Dokumente sah, wurde mir klar, dass die Scientologen meinen Namen und meine Telefonnummer im Graffitistil an allen möglichen Wänden anbrachten), missbräuchliche Anrufe (manchmal bis elfmal täglich), offensichtlich um mich beim Schreiben zu stören, Leute die spät in der Nacht an meine Wohnungstüre kamen und einzudringen versuchten usw. Es wurde mir langsam beängstigend.

Meine Cousine Joy schlief damals einige Blöcke weiter in der Wohnung ihres Freundes, hatte aber ihre Sachen bei mir in der Wohnung und schaute jeden Tag nach der Arbeit kurz herein. Am 6. Dezember kam ein rätselhaftes Mädchen namens Margie Shepherd mit einer Petition zur Unterstützung der "United Farm Workers" vorbei für meine Unterschrift. Ich gab ihr einen kleinen Scheck. Sie blieb etwa eine halbe Stunde (Joy und ihr Freund waren während einem Teil dieser Zeit auch anwesend) und bat mich um ein Glas Wasser. Sie war nicht lange allein und ich erkannte die Bedeutung des folgenden Geschehens erst mehr als ein Jahr später. Aber als Joy nach der Arbeit zu mir kam, wollte sie einen Luftpostbrief an ihre Mutter in Kalifornien schreiben. Ich brauchte die blanken Briefbogen selbst nie, ärgerte mich aber stets, weil sie diese auf dem Kaffeetisch liegen liess. So warf ich jeden Tag, nachdem sie weggegangen war, die Gegenstände auf dem Kaffeetisch auf ihren Couch. Margie sass gleich neben diesem Tisch.

Auf jeden Fall begann ich [sic] zu merken, dass ich wegen den Belästigungen durch Scientology an einen sichereren Ort umziehen sollte. Ich wohnte im Parterre eines Gebäudes ohne Hauswart. Obwohl ich es mir eigentlich nicht leisten konnte, entschloss ich mich zu verändern und in das Haus zu ziehen, das schon immer das Gebäude meiner Traumwohnung war (und wo ich immer noch wohne).

Damals begann für mich gefühlsmässig eine schlechte Zeit wegen dem Verleumdungsbrief, den belästigenden Anrufen, den unerklärlichen Versuchen von Leuten, in meine Wohnung zu gelangen usw. Die Beziehung zu meinem Freund der letzten paar Jahre, Bob ... begann auch zu schwanken. Obschon sie bis etwa Oktober ernsthaft war, gefielen ihm die andauernden Belästigungen nicht, und ganz besonders die Tatsache nicht, dass ich mir das geschehen liess.

Am 19. Dezember, vier Tage nachdem ich heimlich umzog und Joy meine alte Wohnung übernahm (aber ihr Name noch nicht an der Tür anbrachte), erschien ein junger Schwarzer an meiner Tür (dass es nun die von Joy war konnte er noch nicht wissen, und ähnlich wie ich damals war Joy eine schlanke, kurzhaarige Brünette). Er läutete an der Türklingel als ob er überprüfen wollte, ob jemand zuhause sei. Ein Schwarzer in diese Umgebung war höchst unüblich, aber Joy wurde immer noch nicht misstrauisch als etwa 15 Minuten später ein zweiter Schwarzer mit Blumen kam und an "meiner" Klingel läutete. Als Joy die Tür öffnete wickelte er die "Blumen" aus -- es waren nur einige wenige Zweige um eine Pistole zu tarnen.

Er hielt die Pistole an ihren Kopf, drückte ab, aber die Pistole war entweder nicht geladen oder hatte eine Ladestörung. Dann begann er Joy zu würgen, aber sie konnte sich ihm entwinden und begann zu schreien worauf er floh. Der Angriff wurde der Polizei angezeigt (die dessen Rätselhaftigkeit betonte). Als ich später davon hörte, war ich darüber ebenso verängstigt wie Joy es war (trotzallem unverständlich, Bob wollte nicht verstehen warum ich mich darüber aufregen sollte).