Tagebuch der Belästigungen

Paulette Cooper (1982)

Teil 19: Verrat durch Jerry, usw.
Die Anmerkungen der Bearbeitung von 1997 sind in [eckige Klammern] gesetzt.

Ende September, als die Tortur einer Gerichtsverhandlung unausweichlich schien (diese war auf den 31. Oktober 1973 angesetzt), liess mich irgend etwas meine im vergangenen Jahr ausgestellten Schecks durchsehen. Als ich den Scheck zuerst sah dachte ich mir nichts besonderes, aber wie ich das Datum bemerkte, erstarrte ich.

Ich hatte am 6. Dezember einen Scheck für die 'United Farm Workers' ausgestellt und an Margie Shepherd übergeben. Das war in der Nacht bevor die erste Bombendrohung verschickt wurde.

Ich hatte ihren Besuch total vergessen -- und nun erinnerte ich mich plötzlich an ein Detail. Während der halben Stunde, die sie in meiner gut geheizten Wohnung sass, trug sie ständig ihren Mantel und zog auch die Handschuhe nie aus. Auch Joy erinnerte sich daran, als ich sie anrief und fragte, ob sie sich an Margery erinneren könne. [****]

Meine Anwälte waren begeistert als ich ihnen die Entdeckung mitteilte und sie sagten mir, sofort die Listen mit den Scientologen durchzugehen, weil es zumindest sehr hilfreich sein könnte wenn wir beweisen konnten, dass jemand, dem der Kläger (Meisler) [der PR-Mann von Scientology, der behauptete die Bombendrohungen erhalten zu haben und mich als mögliche Verdächtige nannte] bekannt sein dürfte, in der Nacht bevor die erste Bombendrohung verschickt wurde in meiner Wohnung war.

Ich ging die Listen von John Seffern [*] durch, ohne Erfolg bezüglich Margie, als ich beinahe umfiel. Dort, auf einer Liste von hochrangigen Scientologen war der Name "Jerry Levin" -- derselbe Mann der während mindestens sechs Monaten in meiner Wohnung lebte.

Ich wollte dies einfach nicht glauben. Barbara [meine beste Freundin, eine Schriftstellerin, die im gleichen Haus wohnte] und ich konfrontierten Jerry damit, der betonte zurecht, dass dies ein geläufiger Name sei, besonders in New York, und er wendete sich gegen mich. Nach allem was er für mich getan hatte, wie konnte ich ihn beschuldigen, ein Scientologe zu sein?

Er konnte mich nahezu völlig davon überzeugen, so verrückt geworden zu sein, dass ich nun jedermann misstraute. Ich fühlte mich nun schuldig, ihn angezweifelt und beschuldigt zu haben, um so mehr als er kurz darauf auszog.

Dieser schwere Verdacht des Betrugs [**] belastete zusätzlich meine schlechte psychische Verfassung ebenso wie auch die Tatsache, dass ich nach seinem Weggehen allein war. Wenn ich im Unrecht war, dann hatte ich in selbstzerstörerischer Weise jemanden vertrieben, auf den ich mich während dem Gerichtsverfahren hätte stützen können. (Tatsächlich hatte Jerry angeboten, beim Prozess Zeuge für mich zu sein, heute schaudert es mich wenn ich mir das Szenarium vorstelle falls dies eingetreten wäre!)

Beinahe jedermann liess mich allein. Bob [mein Freund] verliess mich etwa im August endgültig nachdem er eines Abends vorbei kam, aber ich war zu depressiv um mich herzurichten oder auch nur die Wohnung vor seinem Erscheinen aufzuräumen. Paula [***] war weg. Jerry war weg. Die meisten meiner Freunde mieden mich, da ich alles andere als ein angenehmer Kumpel war. (1)


[Fussnoten:]

1) Wie mir einer meiner ehemaligen guten Freunde erklärte konnte er einfach nicht mit mir über das was sich ereignete sprechen weil alles so schrecklich war, dass er jedesmal nachdem wir uns sahen während Tagen bedrückt war.

[* John Seffern war ein Anwalt, der einen Fall gegen Scientology ausgefochten hatte. Er und seine ehemalige Frau waren einst Scientologen und blieben während mehr als 20 Jahren auf deren Liste, bekamen 'Freedom' usw. Er bewahrte diese für mich auf, so dass wir regelmässig bei der Suche nach Scientologen die Namen durchgehen konnten.]

[** beachten sie das Wort "Verdacht". Ich weigerte mich einfach zu glauben dass Jerry ein Scientologe war bis ich etwa acht Jahre später die Washingtoner Dokumente sah.]

[*** Paula Tyler, mir unbekannt, war ebenfalls eine Scientologin, sie wurde mir durch Margie Shepherd vorgestellt und Paula stellte mir dann Jerry vor. So wurde das ganze für mich arrangiert: von Margie zu Paula zu Jerry.]

[**** Ich erwähnte bereits in einem früheren Eintrag, dass ich nun annahm, Margie habe das berührte Briefpapier auf der Rückseite des Clipboards (auf dem die Petition für die 'United Farm Workers' war, die ich unterzeichnete) befestigt and sie so zu meinem Fingerabdruck kamen.

Oder wahrscheinlicher, sie suchte ein Stück Briefpapier als ich ihr etwas zum Trinken holte, es war Joys Briefpapier das ich berührt hatte und so kamen sie zu meinem Fingerabdruck. Oder sie löste den kleinen Riegel an der Tür, so dass jemand später in meine Wohnung kommen und das Briefpapier nehmen konnte.

Gemäss dem FBI war Jerry derjenige, der das Briefpapier wirklich erhielt, entweder übergab sie es ihm, oder er drang in meiner Abwesenheit in meine Wohnung ein und suchte nach Papier.]