Tagebuch der Belästigungen

Paulette Cooper (1982)

Teil 12: Selbstmordgedanken
Die Anmerkungen der Bearbeitung von 1997 sind in [eckige Klammern] gesetzt.

Im Laufe der Zeit wuchs bei mir der Gedanke an Selbstmord. Ich war wütend über die offensichtliche Ungerechtigkeit der Ereignisse [für ein Vergehen angeklagt zu sein, das ich nicht beging und dafür vor Gericht zu stehen] und darüber, wie die Angelegenheit immer schlimmer wurde.

Es schien nichts anderes übrig zu bleiben als die Qual einer öffentlichen Gerichtsverhandlung um meine Unschuld zu beweisen, mit ihrer grossen Publizität und der Blossstellung von mir und meinen Eltern. Selbst im Falle eines Freispruchs wusste ich, war mein Leben und meine Karriere ruiniert. Und die Alternativen waren noch schlimmer.

In der Nacht meines dreissigsten Geburtstags [...] war ich auf meinem tiefsten Punkt angelangt, kurz vor dem Selbstmord. An diesem Tag liefen eine Anzahl wichtige Dinge schief. (1) Ich entschied, nicht bis zur Gerichtsverhandlung warten [Ich dachte bereits in der vorangehenden Nacht daran, mich umzubringen], sondern mir und meinen Eltern jede weitere Qual zu ersparen.

Ich war sagenhaft betrunken und begann einen Abschiedsbrief an meine Eltern zu schreiben und versuchte ihnen zu erklären, dass ich die seelischen Leiden einfach nicht mehr länger ertragen könne. Während ich den Brief schrieb, da rief mich glücklicherweise eine gute alte Freundin an um mir zum Geburtstag zu gratulieren. Und obwohl ich ihr nichts von dem geplanten Selbstmord erzählte, stellte sie gleich fest, dass ich in sehr schlechter Verfassung war. Sie hielt mich für Stunden am Telefon fest und konnte mich schlussendlich zur Ruhe bringen. Ich brach aus Erschöpfung und durch den Alkohol und das Valium zusammen.

Ich war mir bewusst, dass ich einen Nervenzusammenbruch hatte. Aber ich fürchtete mich zu einem Psychiater zu gehen, weil ich wusste, dass es an der Gerichtsverhandlung auskommen könnte. (Die Behauptung des Staates, dass Leute die Bombendrohungen verschicken geisteskrank sind, könnte durch die Konsultation eines Psychiaters bestärkt werden.)

Es hätte mir auch sehr gut getan verreisen zu können, aber ich konnte nicht. Ich hatte kein Geld übrig und meine Eltern um mehr Geld zu bitten fand ich nicht gerecht in Hinblick auf das, was sie bereits für meine Gerichtshonorare ausgaben, [*] ich konnte auch nicht um eine freie Reise nachsuchen und dann darüber schreiben (wie ich es in den frühen 70ern tat und nun wieder damit beginne) weil mir das Schreiben sehr schwer fiel. [Ich konnte mich alle diese Jahre nicht auf das Schreiben konzentrieren.]

Hauptsächlich war ich aber so etwas ähnliches wie bedingt entlassen oder auf Bewährung bis zur Gerichtsverhandlung und es war mir nicht erlaubt, ohne Erlaubnis des Gerichts den Staat New York zu verlassen. Die Vorstellung, selbst um nach New Jersey zu gehen die Regierung fragen zu müssen war so demütigend, dass ich gehorsam zuhause blieb.

[Fussnoten:]

(1) Als erstes war vorgesehen, dass Bob [mein Freund] mich an meinem Geburtstag treffen sollte, aber er sagte ab. Ich wusste, dass er bei meinem Zustand nicht mit mir sein wollte, und ich ging zu weit vorzutäuschen glücklich zu sein, was er stets von mir verlangte.

Zweitens, mein viertes Buch "The Medical Detectives", welches später schwärmerische Kritiken bekam und eine Spezialauszeichnung gewann [es bekam eine Spezialauszeichnung der 'Mystery Writers of Amerika', welche die 'Edgar Allan Poe Auszeichnung' für das beste Buch über Kriminalfälle verleiht] hatte die erste Kritik des Tages -- die einzige von zwei schlechten Kritiken unter hunderten. Ich dachte, dass das ein schlechtes Vorzeichen war.

Zudem wurde ich nun 30 und war immer noch ledig [...] **

[Fussnoten von 1997:]

[* Ich glaube die Honorare waren schliesslich $19'000 allein für den Hauptanwalt -- was heute etwa $40'000 entsprechen würde -- und dass das Total für alle Anwälte, Tests usw. $28'000 war -- in 1973 Dollars.
Und dann verklagte mein Hauptanwalt meinen Vater und mich um zu versuchen, mehr Geld von uns zu erhalten! Bastarde. (Tatsächlich übernahm einer meiner beiden Hauptanwälte, Charles, einige Jahre später die Verteidigung von Reverend Moon.)]

[** Einige von euch werden nun verstehen, warum ich jede Jahresangabe zu einem Ereignis im Tagebuch herausschnitt wenn gleichzeitig mein Alter auf derselben Zeile stand. Sicher kann jedermann mein Alter aus diesem Tagebuch berechnen -- auch diejenigen die meine Beteuerungen kennen, dass ich ihm keine Bedeutung zumesse. Da dieses Tagebuch jedoch archiviert ist und ich meine Schriftstellergeschäfte mit Herausgebern usw. über das Netz abwickle, und jederzeit Einsicht genommen werden kann, möchte ich lieber nicht, dass mein Alter die erste Sache ist die zur Kenntnis genommen wird.]