Tagebuch der Belästigungen

Paulette Cooper (1982)

Teil 11: Der Zusammenbruch
Die Anmerkungen der Bearbeitung von 1997 sind in [eckige Klammern] gesetzt.

Im Verlaufe des Sommers [ich stand als Folge der gegen mich gerichteten Machenschaften von Scientology unter Anklage] nahmen die Sorgen, die Furcht und Verzweiflung unkontrollierbar überhand.

So konnte ich mitten in der Nacht schweissgebadet aus einem schlechten Traum aufschrecken (falls ich am Abend nicht genug getrunken hatte um mich selber zu betäuben), oft träumte ich von Gefängnissen, Konzentrationslagern und Waisenhäusern.

Ich war durch das Nachdenken über das, was sich abspielte [dass mir niemand meine Unschuld glaubte, dass ich für etwas was ich nicht getan hatte mit einem Gerichtsverfahren konfrontiert wurde, dass die Gerichtsverhandlungen von den Zeitungen genau verfolgt würden und dass alles, was ich je gesagt oder getan hatte durch das Verfahren und dann durch die Zeitungen an die Öffentlichkeit kommen könnte] so besorgt und beängstigt, dass ich oft die ganze Nacht aufbleiben wollte (rauchend) (und manchmal mehr trinkend), um sechs Uhr früh einickend um dann etwa um neun mit Übelkeitsgefühlen (was für die ganze Zeitdauer chronisch war) und akuten Angstanfällen aufzuwachen, wissend dass Jay [mein Anwalt] gerne um diese Zeit anrief um mit weiteren schlechten juristischen Neuigkeiten aufzuwarten. (Manchmal musste ich bis zwei Wochen abwarten um etwas zu erfahren, da ich die ganze Zeit das Läuten des Telefons fürchtete.)

Ich verspürte ständig Übelkeit. Etwa vom Mai bis Oktober musste ich mich stets zwingen, zum Frühstück jeweils ein oder zwei Eier zu essen und jeden Abend etwa einen halben Liter Saft zu trinken. Ich rauchte um die vier Päckchen Zigaretten im Tag, manchmal auch mehr.

Etwa seit Juni jedoch trank ich am Abend nicht mehr um nur zu einigen Stunden dringend benötigtem Schlaf zu kommen. Ich begann zu trinken wenn immer ich Angstzustände hatte, und das begann mit dem morgendlichen Erwachen.

Und als der Wodka (gerade eine halbe Flasche täglich) die Sorgen nicht mehr zu lösen vermochte, kombinierte ich ihn mit Valium vom Schwarzmarkt. Und ich hielt mir auch etwas Valium zum Gebrauch kurz vor den Gerichtsverhandlungen bereit, da ich fühlte, dass ich eine derart demütigende Tortur einfach nicht durchstehen konnte.