Tagebuch der Belästigungen

Paulette Cooper (1982)

Teil 11: Abseits gestellt
Die Anmerkungen der Bearbeitung von 1997 sind in [eckige Klammern] gesetzt.

Etwa um diese Zeit begann ich mich davor äusserst zu fürchten, ins Gefängnis zu kommen und ich hatte von da an stets wiederkehrende Gefängnisträume, die mich bis heute plagen. Jay [mein Anwalt], der stets die schlimmsten Ereignisse prophezeite, sagte wenn ein Fingerabdruck von mir vorhanden sei (1) [...], dann würde ich mit fünfundneunzigprozentiger Sicherheit verurteilt. Er glaubte auch, dass ich eine geringe Chance auf eine kurze Haftstrafe hatte ("hoffentlich" fügte er bei), aber ich bekam Angst vor den körperlichen und sexuellen Bedrohungen, denen ich bedingt durch meine kleine Figur nur schwer entgegentreten konnte.

Doch meine grösste Befürchtung, die mir die meisten Sorgen bereitete war, dass die Story von meiner Anklage und Verhaftung der Presse bekannt werden könnte, ganz besonders da die Allgemeinheit in der Regel den Unterschied zwischen jemandem der angeklagt ist und jemandem der schuldig ist nicht kennt. Ich fürchtete um meine Karriere, die so wunderschöne Fortschritte gemacht hatte. Aber ganz bestimmt wird kein Herausgeber jemandem je einen Auftrag erteilen, der für das Senden von Bombendrohungen an Leute, die durch ihn blossgestellt wurden, angeklagt war. Und falls ich gezwungen worden wäre, die freiberufliche Schriftstellerei aufzugeben, für deren Erfolg ich so hart gearbeitet hatte [damals hatte ich mit dreissig Jahren bereits vier Bücher herausgegeben], und ich war eine der wenigen Personen denen dies gelang, so zweifelte ich daran, dass es für mich leicht sein würde wieder eine Beschäftigung dieser Art zu bekommen, falls alles publiziert würde.

Diese Befürchtungen verfolgten mich während Jahren, wie auch die ständige Angst vor möglicher öffentlicher Demütigung -- und die Tatsache, dass alles so bizarr war machte es geeignet für eine ausführliche Berichterstattung in der Presse -- von mir und meinen Eltern. Ich wollte kaum, dass jedes Detail meines Lebens in den Zeitungen erschien solange ich wie eine Kriminelle erschien und am schlimmsten litt ich darunter wegen meinen armen [Adoptiv] Eltern. Alles was ich in meinem Leben je unternahm sollte dazu dienen, dass sie stolz auf mich sein konnten und nicht dazu, dass sie meine Adoption als falsch empfanden. Und nun waren wir alle dabei, öffentlich verletzt und in Verlegenheit gebracht zu werden.

[Fussnoten von 1997:]

(1) Der Fingerabdruck war ebenfalls seltsam, weil es nur gerade die Grösse eines Viertels meines dritten Fingers nur auf einer Seite des Blattes war. Das stimmte damit nicht überein, wie ich ein einzelnes Papierstück halte (in diesem Falle wäre auf beiden Seiten ein Fingerabdruck gewesen) wie die Regierung behauptete.

Ich stellte indessen erst viel später fest, dass dies dem Ergreifen eines Stapels Briefbogen entsprach, wenn ich diesen auf Joys Seite warf, was ich häufig mit ihrem Briefpapier tat, das sich in meinem Teil der Wohnung anhäufte.

Ausserdem wunderte ich mich später, ob Margie Shepherd [die geheimnisvolle Frau, die mich kurz vor dem Absenden der Bombendrohungen in meiner Wohnung besuchte] das Papier nicht unter dem Clipboard angebracht hatte, das ich beim Unterzeichnen der Petition hielt (was auch [Zeile unleserlich, aber wahrscheinlich "erklären würde, warum der Fingerabdruck nur einem Viertel eines Fingers entsprach und nur auf einer Seite war."]