DIALOG & APOLOGETIK

Jehovas Zeugen an der Haustür - Ratschläge zum Gespräch (II)

von Thomas Gandow

Im Umgang mit Sektenvertretern und Werbern von religiösen und pseudoreligiösen Gemeinschaften und Organisationen kann es zu Situationen kommen, die Fragen aufwerfen. Mitarbeiter des BERLINER DIALOG geben Hilfen und Ratschläge zur religiösen Begegnung.
- Fragen und Problemstellungen können an die Redaktion eingesandt werden.

Frage: "Zeugen Jehovas waren mehrfach bei mir. Sie kommen immer wieder. Als Christ fühle ich mich verpflichtet, gastfreundlich zu sein, aber auch Rede und Antwort zu stehen. Wie kann ich solch ein Gespräch führen?"

Antwort: Sektenwerber, besonders die Zeugen Jehovas, sprechen oft auch bei Christen vor. Sie versuchen, als Bibellehrer aufzutreten. Diese Anmaßung sollte man freundlich aber bestimmt zurückweisen (vgl. BERLINER DIALOG 3-96, S. 17 zur Sache).

Es wäre kein gutes Zeichen, wenn Christen besonders unfreundlich auf die Haustürwerber reagieren würden. Es ist aber auch kein besonderes Zeichen von Christlichkeit, wenn man sich durch die geschulten Wachtturm-Vertreter den Fuß in die Tür stellen läßt.

Freundliche Worte und gleichzeitige deutliche Ablehnung der Wachtturm-Lehren und - Vorgehensweisen sind übrigens keine Gegensätze, sondern können zusammen ebenfalls ein Zeichen der Liebe sein.

Wir sollten zwar versuchen, zu den oft mitgeschleppten kleinen Kindern freundlich zu sein - aber ohne auf den Trick hereinzufallen, mit dem sie schulungsgemäß und nach Anweisung als Türöffner mißbraucht werden. Unsere christliche Gastfreundschaft verpflichtet uns nämlich keinesfalls dazu, die Abgesandten der Wachtturm-Organisation in unsere Wohnung oder ins Haus zu bitten. Genau darauf legen sie es aber an - denn sind sie erst einmal in unserer Wohnung, werden wir sie vielleicht schwer wieder los, ohne einen neuen Besuchtstermin vereinbart zu haben. (Dieser Ratschlag zur Zurückhaltung gilt natürlich und ausdrücklich nicht für Pfarr- und Gemeindehäuser oder Kirchen.)

Übrigens: Auch ein Glas Wasser oder ein Becher Kaffee an der Haustür bei Hitze oder großer Kälte kann schon ein gut evangelisches Zeichen der Gastfreundschaft sein. Genauso wie ein paar Ostereier oder Weihnachtsplätzchen für die Kinder, die so etwas nämlich von ihren Eltern nicht bekommen.

Meist werden wir für diese Besucher sonst nicht viel tun können - aber in unser Gebet können wir sie immer einschließen.

Gesprächsversuche

Manchmal sind wir stark genug, selbst etwas von unserem Glauben und unserer Kirche zu sagen oder fühlen uns sogar innerlich regelrecht dazu gedrängt, ein Gespräch zu führen. Um unsererseits ein wirkliches Gespräch in Gang zu bringen, müssen wir aber versuchen, eine persönliche Wendung in die Begegnung zu bringen.

x Wer das tun will, sollte sich als erstes bei den ungebetenen Besuchern nach deren Namen erkundigen - unser eigener Name ist ihnen ja schon vom Klingelschild bekannt. Und wo wir wohnen, wissen sie auch schon, weil sie ja vor unserer Wohnungstür stehen. Darum als erstes die Gleichheit im Gespräch herstellen und die anonymen Werber um ihren Namen und ihre Anschrift bitten! Dann könnten wir die Besucher ganz persönlich mit ihrem Namen ansprechen und zum Beispiel sagen:
"Liebe Frau Meier, Sie gehören also zu "Jehovas Zeugen"? Dann wird es sie sicherlich interessieren, wenn ich Ihnen einmal etwas über meinen evangelischen (orthodoxen...) Glauben und unsere Kirche erzähle!"

x Zu einem echten Gespräch gehören Rede und Gegenrede, aber nicht das onkelhafte oder oberlehrerartige "Einräumen der Gelegenheit zur Antwort". Darum sollten wir uns nicht an den "vorgeschriebenen" und eingeübten Gesprächsablauf halten, sondern auf gleicher Redezeit bestehen.

x Übrigens empfiehlt es sich, im Voraus eine Gesprächszeit - vielleicht eine Viertelstunde oder zwanzig Minuten zu vereinbaren.

x Das Gespräch können wir ganz zwanglos jederzeit beenden, indem wir z.B. sagen: "So, nun ist unsere Zeit um; (jetzt muß ich wieder an meine Hausarbeit...); seien Sie Gott befohlen!"

Einladung zum christlichen Gottesdienst

x Wenn wir unseren Besuchern einen besonderen Dienst tun wollen, können wir abschließend auch sagen: "Daß Sie sich um mich solche Mühe gemacht haben, finde ich bemerkenswert. Nun möchte ich Ihnen auch etwas Gutes tun. Ich werde Sie am Sonntag um halb zehn abholen (wir haben ja zu Beginn des Gesprächs Name und Wohnanschrift erfragt) und Sie mit in unsere Kirche nehmen. Denn für uns in der Kirche ist der Gottesdienst das Wichtigste. Da sollen Sie mal hören, wie unsere Pastorin das Evangelium predigt und wie schön die Gemeinde singt. Das wird Ihnen gefallen!"

Ob dies wirklich etwas nützt? Diese Ratschläge sollen keine Rezeptsammlung mit unfehlbaren Methoden, die immer funktionieren, sein. Ich weiß aber von Fällen, wo freundliche Wohnungsinhaber an der eigenen Wohnungstür mit ihrer Einladung in den Gottesdienst (und der echten Bereitschaft, die Einladung umzusetzen) eine wunderbare Veränderung angestoßen haben.

Weitere gute Hinweise zum Gespräch
mit Jehovas Zeugen gibt Band 608 der
Münchener Reihe: "Jehovas Zeugen" von
F.W. Haack, ISBN 3-583-50608-1.

Die Zeitschrift BERLINER DIALOG aus dem
Wichern-Verlag, Bachstr. 1-2,
D-10555 Berlin, ISSN 0948-0390,
berichtet regelmäßig über neue Entwicklungen in der
Wachtturm-Organisation, die für Gespräche wichtig sein können.

Informationsschriften und Hilfen erhalten Sie auch über Ihren
kirchlichen Sektenbeauftragten oder über das "Provinzialpfarramt für
Sekten- und Weltanschauungsfragen Berlin-Brandenburg".

Nachdruck gestattet bei Quellenhinweis:

"Aus BERLINER DIALOG 4-96, (c) 1996
Pfr. Th. Gandow, Provinzialpfarramt für
Sekten- und Weltanschauungsfragen,
Heimat 27, D-14165 Berlin,

Fax 030 / 815 47 96"


Zurück