Tages-Anzeiger
Ausgabe vom 03.05.96

Experten mit VPM-Nähe

Was führt Fachleute aus England und Deutschland dazu, als Experten für das Aargauer Schulleitbild aufzutreten? Der gemeinsame Nenner: Verbindungen zum VPM.

VON HUGO STAMM

Der Kanton Aargau gibt sich international. Um ein neues Leitbild für die Schule zu erarbeiten, sollen zwei ausländische Experten die Parlamentsmitglieder beraten: Prof. Wolfgang Brezinka von der Universität Konstanz und der Brite Stewart Deuchar von der Organisation Campaign for real education (CRE). Mit von der Partie ist auch Prof. Fritz-Peter Hager von der Uni Zürich. Die drei kennen sich persönlich: Auf Einladung von VPM-Anhängern haben alle wiederholt am Kongress "Mut zur Ethik" teilgenommen. Auch sonst pflegen sie guten Kontakt zum VPM. Hager zum Beispiel ist in die Schlagzeilen geraten, weil seine Nähe zu VPM-Studenten für Konflikte am Pädagogischen Seminar der Uni Zürich gesorgt hatten.

Der Brite Deuchar ist Vizepräsident der CRE, die vehement gegen Schulreformen in England kämpft - etwa so wie der VPM in der Schweiz. Die CRE macht bei der Arbeitsgemeinschaft "Mut zur Ethik" mit, die von VPM-Anhängern initiiert wurde. Offiziell ist der VPM zwar nur eine von etwa zwei Dutzend Organisationen der Arbeitsgemeinschaft "Mut zur Ethik", in Wirklichkeit ist er aber die bestimmende Kraft.

Zwei Hinweise dazu: Das Kongressbüro befindet sich beim VPM in Zürich, obwohl die Veranstaltungen in Vorarlberg stattfinden. Ausserdem gab der VPM am 8. Januar in einer Mitteilung selbst zu: "Die VPM-Mitglieder haben u. a. dem Wertezerfall in unserer Gesellschaft mit den Kongressen "Mut zur Ethik" etwas entgegengesetzt." Es scheint, dass nun "seine" Referenten den "Wertezerfall" im Kanton Aargau aufhalten sollen.