Sachsens Stasi-Beauftragter üebersteht Abwahlantrag
Dresden, 22. April (AFP) - Sachsens umstrittener Stasi-Beauftragter
Siegmar Faust bleibt im Amt. Die SPD-Landtagsfraktion scheiterte am
Mittwoch in Dresden mit einem Antrag, Faust wegen seiner Kontakte zum
Verein für Psychologische Menschenkenntnisse (VPM) abzuberufen. Für
den Antrag stimmten 42 Landtagsabgeordnete, dagegen 61. Die SPD war
bereits vor einem Monat mit einem Dringlichkeitsantrag zur Abberufung
Fausts gescheitert; damals hatte es die CDU aus formalen Gruenden
abgelehnt, den Antrag kurzfristig im Landtag zu behandeln. Nach
Auffassung der SPD ist der seit 1996 amtierende Stasi-Beauftragte des
Freistaates durch seine Nähe zum VPM, einer mutmasslichen
Psychosekte, nicht länger tragbar.
Nach Angaben des sächsischen Justizministeriums nahm die
Bund-Länder-Kommission den VPM 1993 in einem unveröffentlichten
Bericht in die Kategorie der "Sekten und Psycho-Gruppen" auf, vor
deren Aktivitäten und Praktiken die Bundesregierung warnt. Einer
Antwort des Ministeriums auf eine Kleine SPD-Anfrage zufolge nahm
Faust im Maerz 1997 an einer Schulungswoche des VPM in Zürich teil
und war dort auch selbst Referent. Der Landesbeauftragte plante für
dieses Jahr ein Seminar in Dresden, an dem auch dem VPM angehörende
oder nahestehende Lehrer aus der Schweiz und Süddeutschland
teilnehmen sollten. Faust bestritt eine Zusammenarbeit mit dem VPM
und stellte die Planungen ein.
syx/pin
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