Kapitel 6

Die "Org"

Treten sie ein in die spannende Welt der totalen Freiheit.
Anzeige von Scientology in der UBahn

Wenn jemand einer dieser Methoden erliegt, so ist sein erster offizieller Kontakt mit Scientology gewöhnlich im Hauptquartier, von ihnen Org genannt, mit einem kostenlosen Vortrag mit Film und einem Persönlichkeitstest, die ersten beiden um zu sehen ob er Scientology mag, der letztere um abzuklären ob er sie benötigt. Jeden Abend erscheinen in Manhattan einige Dutzend Leute für diesen Vorgang in der Hauptorg, die im Grossen Ballsaal des Hotels Martinique an der zweiunddreissigsten Strasse und Broadway untergebracht ist. Die Atmosphäre in der Scientology Sektion des Hotels wurde als der im Verteidigungsdepartement entsprechend beschrieben. Für gewisse Bereiche ist der Zutritt verboten, es darf auch nicht fotografiert werden, aber ein Schriftsteller wurde während seinem Interview bei jeder Antwort fotografiert wie für ein geplantes Poster. Einer anderen wurde geantwortet, dass ihre Geschichte "auf Genauigkeit überprüft" werden müsse bevor die Scientologen "erlauben würden, sie zu veröffentlichen". Einem weiterer Autor, der ein eigenes Bandaufnahmegerät für ein Interview mitbrachte, wurde nicht nur untersagt, dieses zu benutzen, sondern um dem Unrecht auch noch eine Beleidigung hinzuzufügen, benutzten die Scientologen ihr eigenes Bandgerät und nahmen ihn auf. Und schliesslich, niemand kann die Org betreten bevor er seinen Namen mit Adresse aufgeschrieben hat, Hubbards Anordnung einhaltend "jedermann zu registrieren, auch den Briefträger".

Ab dem Zeitpunkt da sich jemand registrierte kann er gegen siebzig Exemplare vervielfältigte Briefe, bis vier Jahre zurückreichend, bekommen. Die meisten dieser Briefe existieren gemäss Hubbards Grundsatz, dass Quantität viel wichtiger ist als Qualität. Die Scientologen darum zu bitten, den Namen von der Liste zu streichen bringt meistens nichts. Die Australier berichteten, wenn jemand schrieb um seinen Namen entfernt zu haben, dann schrieben ihm die Scientologen zurück dass ihnen der Inhalt des Schreibens nicht ganz klar sei.

Ein Schauspieler aus Manhattan, der ein Weekend in Scientology verbrachte und gleich ernüchtert wurde weil sie ihn in der Nacht vor dem ersten Kurs anriefen und zu weiteren Kursen überreden wollten, Versuchte klarzustellen, dass er die ständigen Telefonanrufe und Briefe nicht haben wollte, denen einer seiner Scientology Freunde ausgesetzt war. Die Scientologen sagten ihm, er soll dies dem "Student Examiner" erzählen, aber als er dies tat, wurde er aufgehetzt den Namen seines Freundes zu verraten. Als er sich weigerte, wurde er zum Ethik Offizier "begleitet", der ihn wiederum unter Druck setzte um den Namen seines Freundes zu bekommen, der sich über die Anrufe beschwert hatte, damit sie "ihn anrufen und mit über dies ihm sprechen" könnten.

Nachdem der mögliche Bekehrte oder um Hubbard zu zitieren, das "rohe Fleisch" sich registrierte, wird er in einen Klassenraum geleitet um einen Vortrag über Scientology zu hören, der sich inetwa wie eine Kreuzung zwischen einer aufmunternden Rede eines Zeugen Jehovas über den jüngsten Tag mit dem Gequassel eines Gebrauchtwagenverkäufers anhört. In England ist der Vortrag anscheinend nicht besser. Dort applaudierten die Zuhörer während einem Vortrag jedesmal, wenn jemand den Mut hatte zu gähnen oder wegzugehen. Schliesslich stand ein Mann auf und sagte "wenn Scientology so gut ist, warum haben sie denn keine bessere Redner?". Er ging unter dem lautesten Applaus des Abends weg.

Anschliessend an den Vortrag und die Verkaufsmasche wird den möglichen Bekehrten ein alter Film von Hubbard gezeigt und der "American Personality Test" angeboten. Dieser Test wurde von einer Scientologin mit einem B.Sen., D.Sen. und D.D. Titel geschrieben. Wenn jemand dies nur schnell überfliegt könnte er annehmen, dass diese Person bestens qualifiziert war um einen solchen Test zu entwickeln, mit einem "Bachelor of Science", einem "Doctor of Science". Aber diese Titel stehen in Wirklichkeit nur für "Bachelor of Scientology", "Doctor of Scientology" und "Doctor of Divinity" in der Scientology Kirche. Die Autorin hat auch einen B.A., was aber selbst in Scientology nicht unbedingt einem akademischen Gegenstück entspricht. Eine Scientologin gab zu, dass ihr B.A. für "Basic Administrator" und "Book Auditor" stand. Um "Book Auditor" zu werden musste sie nur eines von Hubbards Büchern kaufen, die Regeln an einer anderen Person anwenden und einen Bericht darüber einsenden um ihre Bescheinigung zu bekommen.

Manchmal werden die Resultate des Persönlichkeitstests dem Absolventen weniger dazu unterbreitet, ihn über seine Schwierigkeiten und Probleme aufzuklären als ihn darüber aufzuklären, was Scientology für ihn tun kann. Während der Auswertung des Tests, wies Hubbard seine Anhänger an, sollen Bemerkungen wie "Scientology kann das beeinflussen" oder "Auditing kann das beheben" usw. angebracht werden, und er fügte hinzu: "Wir werden den Aberglauben der Leute bezüglich Vorhersagen voll ausnützen". Hubbard erklärte auch, dass sie eine Stellungnahme zum niedrigen Resultat eines einzelnen Items nie mit "machen sie sich keine Sorgen" oder so einleiten sollen, weil "das den Anstoss rückgängig macht".

Zusätzlich zur "Aufklärung" wurde der Test auch zur Einschüchterung von Leuten benutzt, damit diese sich Scientology anschliessen. Die australische Untersuchung berichtet von einem Jungen, der den Test machte und danach versichterte, dass sie ihm erzählten, einen geistesgestörten Charakter zu haben, geistig labil sei und einen psychischen Zusammenbruch erleiden werde, falls er sich nicht Scientology anschliesse. (Sie unterstelltem ihm auch, homosexuelle Neigungen zu haben.) Als er den Beitritt trotzallem verweigerte, schrieben ihm Leute aus der Org ein Jahr lang abwechlungsweise persönliche Briefe, um ihn an seine durch den Test aufgezeigten Schwierigkeiten zu erinnern und an die Notwendigkeit, sich ihnen für eine Besserung anzuschliessen.

Wenn eine Person den Test durchgeführt hat, "verpflichtet" er sich nicht für einen Kurs in Scientology, er "schliesst sich an", wie der Autor William Burrows ausführt. Jeder der sich an diesem Abend für den Anschluss an die Scientology Kirche entscheidet muss einen Vertrag unterschreiben, der seinen Namen enthält bevor er überhaupt zustimmt ihn anzusehen. "Wenn sich eine Person länger als fünf Minuten bei ihnen aufhält, tragen sie ihn in ein Vollzugsformular ein", schrieb Hubbard. "Falls er dieses nicht unterschreiben will, dann wird er ihnen nur Unannehmlichkeiten bereiten, also schaffen sie ihn sich gleich vom Halse." Dieses Formular besteht aus einer Anzahl von Fragen, und während unwahre Antworten später zu unverzüglichem Ausschluss von Scientology führten können, gewährleiten wahrheitsgetreue Antworten nicht unbedingt die Aufnahme. Das Folgende ist eine Zusammenstellung des Inhaltes einiger dieser während Jahren verwendeten Formulare:

1. Die Person wird befragt, ob sie je in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde, mit Elektroschocks behandelt wurde oder von Psychologen oder Psychiatern betreut wurde.
2. Sie wollen wissen, ob er seinen Körper je Drogen aussetzte oder alkoholsüchtig ist (Scientologen dürfen kein Marijuana , LSD usw. nehmen noch ist ihnen während einer bestimmten Zeit vor dem Auditing erlaubt, zu trinken oder auch nur Aspirin zu nehmen).
3. Sie fragen ob eine Person zusätzliche Kurse oder Stunden absolvieren und bezahlen will, die der Ethik Offizier von ihnen verlangt.
4. Sie wollen wissen, ob die Person volljährig ist (sonst wird die Zustimmung der Eltern benötigt).
5. Sie behaupten, dass er sein Geld zurück bekommen kann, falls er mit einem Scientology Kurs unzufrieden ist, üblicherweise innerhalb von dreissig Tagen. Er darf allerdings keine weiteren Scientology Kurse mehr nehmen, nachdem er eine Rückerstattung verlangte.
6. Sie fragen ob er vorbestraft ist;
7. Ob er gegenwärtig in ärztlicher Behandlung ist;
8. Ob er mit den erklärten Zielen von Scientology einverstanden ist und nicht dagegen arbeitet und auch keiner gegnerischen Gruppe angehört.
9. Dass er sich einverstanden erklärt, sich jedem E-Metertest zu unterziehen, der für ihn angeordnet wird.
10. Dass er sich einverstanden erklärt, "jede und alle der obgenannten Organisationen und Gesellschaften und jeder und alle von deren Angestellten, Leitungsmitgliedern oder Mitarbeitern von jeglicher Haftung für alle Folgen zu entbinden, die durch die von Scientology erteilte Schulung, Ausbildung oder durch Praktiken und Methoden des Prozessings auftreten können.

Nachdem man dies unterschreibt und den ersten Kurs bezahlt wird man ein Scientologe. Und wie sich Hubbard oft über diesen Zustand äussert, "werden sie nie mehr derselbe sein".