Kapitel 1

Von Dianetik zu Scientology

In Scientology geht die Sonne nie unter
-- aus "The Aims of Scientology"

Im Jahre 1950 eroberte eine neue Masche, "Dianetik" genannt, wie ein Hurrikan Amerika, hunderttausende von Leuten anziehend, ganz besonders an der Westküste, indem ihnen versprochen wurde, sie von allen ihren Problemen zu befreien ohne sie den bei der Psychoanalyse benötigten unzähligen langweiligen Stunden auszusetzen. Um die Ursache all ihrer Probleme zu verstehen und sie zu behandeln war das Lesen eines von einem Science-Fiction Autor namens L. Ron Hubbard geschriebenen Buches alles was sie zu unternehmen hatten. Aber zusätzlich zur Anleitung zum eigenen Behandeln bot das Buch jenen Leuten etwas, die immer schon insgeheim Arzt sein wollten um andere zu behandeln. Es ermöglichte ihnen, dies zu tun ohne ein langjähriges Studium vorauszusetzen. Alles was sie zu unternehmen hatten war das Lesen des Buches von Hubbard.

Die Wirkung von diesem Buch "Dianetik: Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" war unglaublich. Überall entstanden Dianetik-Clubs. Die Leute bezogen sich auf Hubbards Buch ganz einfach als "Das Buch", und dachten dabei mehr an "Die Bibel". Tausende gaben Dianetik-Parties und durchlebten erneut ihre Geburt (die Philosophie von Dianetik befolgend, welche besagt, dass viele der heutigen Probleme einer Person durch deren vorgeburtliche Erfahrungen hervorgerufen werden). Was einst eine Seance war wurde nun zur Wissenschaft.

Aber dann, gerade als jedermann sein Vergnügen hatte, kam einige Kritik auf und zerstörte alles. Dianetik wurde von den gelernten Ärzten und ihren Organisationen in Zweifel gezogen, und Amerika liess Dianetik im Stich und machte sich stattdessen auf die Suche nach Bridey Murphy (die irische Frau, die von sich sagte dass sie reinkarniert wurde).

Dianetik erfuhr daraufhin in aller Stille eine Neukonzeption.
Erstens konnten die Leute nicht mehr länger nur durch den Kauf von Hubbards Buch "Doktor" werden. Stattdessen mussten sie für Kurse an seiner Institution zahlen bevor sie "professionelle" Kurse belegen konnten.
Zweitens änderte Hubbard die "Wissenschaft" der Dianetik in eine "Religion".
Zuletzt nannte er diese Religion um in "Scientology".

Diese Änderungen wurden nicht von jedermann gutgeheissen. Ein Kritiker bemerkte, dass der Name "Scientology" kaum eindrucksvoller sei als wenn sich der Inhaber eines Früchteladens entschliesst, sich "Fruchtologe" zu nennen. Aber die meisten Einwände und der Argwohn wendeten sich weniger gegen den Namen als gegen die "Religion". Agnostiker schienen die Religion übelzunehmen, und die Religiösen könnten sich über den Agnostizismus geärgert haben.

Scientologen akkzeptierten die Idee von Gott, aber sie glaubten dass Gott in jedem Mensch als "Thetan" existiert, was ungefähr mit dem "Geist" oder der "Seele" vergleichbar ist. Sie verkündeten daher, dass der Mensch keine Seele und keinen Geist habe, sondern ein "Thetan" genannter Geist sei. Falls Gott erwähnt wurde, wurde er manchmal auch "Big Thetan" genannt. Zusätzlich zum Verehren dieser "Gottheit" hat Scientology auch einige Elemente aus anderen Religionen übernommen. Ihre Anhänger waren erfüllt von einer missionarischen Leidenschaft, eifrig weiter zu marschieren und das Evangelium nach Hubbard zu verbreiten. Dazu kam, dass die Anhänger stets alles glaubten was Hubbard sagte. Und zuletzt, L. Ron Hubbard oder "Ron" wie die Gläubigen ihn nannten, der westliche Guru, Erfinder, Führer und Förderer von Dianetik und Scientology, obwohl nie zum Gott erklärt, wurde durch seine Anhänger in eine beinahe ebenbürtige Stellung erhoben.

Viele Leute blieben misstrauisch gegenüber der Umwandlung von Dianetik in eine Religion, vielleicht weil die "Wissenschaft" Dianetik in so viele Schwierigkeiten geraten war, so dass der Umbau in eine Religion und das Umbenennen wie der Versuch erschien, den bedrängenden Problemen aus dem Weg zu gehen.
Das erste Problem war der Ausstieg von einem der ersten und bedeutendsten Anhängern von Dianetik, Dr. J. A. Winter. Winter schrieb das Vorwort zu Hubbards Buch und war der Direktor von Hubbards Dianetik Institut. Nachdem er seine Beziehungen mit Dianetik abbrach, schrieb er das Buch "A Doctors Report on Dianetics", welches nicht nur Hubbards "Forschungen" und Methoden kritisierte, sondern auch klar aussagte, dass Dianetik die Ursache für die Entstehung von Psychosen ist. Er diskutierte den Fall einer Person, die im Dianetik Institut behandelt wurde und daraufhin verschwand, und später zurückkehrend erklärte, dass sie "einen von ihren Jüngern, den Heilige Simon..." bei sich hätte.

Im Januar 1951 leitete das New Jersey Board of Medical Examiners Gerichtsverfahren gegen Hubbards Dianetic Organisation in die Wege, da er eine nichtlizenzierte Medizinschule betrieb und den Leuten ermöglichte, die Buchstaben "M.D." an ihre Namen anzuhängen, was nicht etwa "Medical Doctor" sondern "Master of Dianetics" bedeutete. Ebenso hatte Hubbard einige philosophische Differenzen mit einer "Dianetic Foundation", die er in Kalifornien gegründet hatte, und er trennte sich von ihr. Hubbards Wichita Stiftung eröffnete am 21. Februar 1951 den Konkurs. Einige von Hubbards weiteren Organisations in Phoenix, Philadelphia und London waren erfolgreicher, aber er geriet später in Washington in Schwierigkeiten, als er dort "The Founding Church of Scientology" gründete. Und dann, um alle Hochs und Tiefs zu ergänzen, brachte er Scientology ins Ausland.

Im März 1959 verlegte Hubbard das gesamte Unternehmen nach England, nach Saint Hill Manor in East Grinstead, Sussex, ausserhalb von London. Er verliess Amerika, gemäss der London Times "weil die Atmosphäre durch nukleare Experimente vergiftet werde". Zur der Zeit als er Amerika verliess, hatte er dort 153 lizenzierte Auditoren. Eine "Lizenz" klingt befremdend für eine Gruppe, die stets darauf beharrt eine Kirche zu sein, kann aber auch erklären warum sie diese neustens in "Mission" umbenannten. Es spielt keine Rolle ob man sie nun Missionen oder Lizenzen nennt. Was aber eine Rolle spielt ist, dass sie ohne Ausnahme zehn Prozent von ihrem Bruttoeinkommen an Hubbard abliefern müssen. Dazu kommt zurzeit, dass er Hauptquartiere oder "Orgs", wie sie sie nennen (kurz für Organisationen), in verschiedenen Teilen von Australien, Afrika, Neuseeland und Europa eröffnete, die ebenfalls zehn Prozent ihres Einkommens an Hubbard abliefern müssen.

Wenn auch solche Abkommen beneidenswert erscheinen mögen, Hubbards Schwierigkeiten begannen nun erst. Die Briten waren alles andere als begeistert von Scientology. Sie verweigerten Saint Hill die Anerkennung als Kirche, Hubbard konnte nur beanspruchen, eine Bildungsanstalt zu sein. Dann weigerten sie sich, den "Studenten" von Scientology Visas zu erteilen, um zum Studium und Arbeiten in Saint Hill ins Land einzureisen. Schlussendlich entschieden sie auch noch, eine Untersuchung über Scientology erstellen zu lassen.

Falls diese Untersuchung den bereits vorliegenden Ermittlungen inetwa ähnlich ist, dann sind Hubbard Probleme noch lange nicht vorüber. Nachdem Victoria ind Australien seine Untersuchung vervollständigte, wurde Scientology verboten und ihre Praktiken strafbar gemacht mit Bussen bis $500 und zwei Jahren Gefängnis. In Südaustralien wurde Scientology und der Gebrauch des E-Meters, dem einem Lügendetektor ähnlichen Gerät, als ungesetzlich erklärt. In Westaustralien wurde Scientology ebenfalls verboten. In Neuseeland führten die Behörden eine Untersuchung über Scientology durch, entschieden aber Scientology nicht zu verbieten da sie fanden, sie habe sich geändert (obschon sie einige von ihren früheren Methoden kritisierten und Besorgnis über bestimmte Praktiken in Scientology ausdrückten). Scientology wurde in New South Wales nicht verboten, kann sich doch dort jedermann selbst als beratender Psychologe erklären (ein Mann aus New South Wales, der wegen Kidnapping und Mord angeklagt war, bezeichnete sich an einer Stelle seiner Karriere als Therapeut). Und auch in Südafrika, wo zurzeit auch eine Untersuchung im Gange ist, schaut es nicht hoffnungsvoll aus. Ein Zeuge soll ausgesagt haben, dass die Scientologen planten 5000 Afrikans zu bewaffnen und die Kontrolle über die Regierung zu ergreifen. Ein Mitglied des Südafrikanischen Parlamentes bezeichnete Scientology als ein "Krebsgeschwür wie der Kommunismus, das Südafrika vernichten könnte". Und dennoch, trotz all den Untersuchungen, trotz all den Verboten und trotz aller negativen Publizität schätzen Aussenstehende, dass Scientology wahrscheinlich einige hunderttausend Mitglieder in Amerika haben (möglicherweise eine Viertelmillion allein in Kalifornien), in England können es Hunderttausend sein und vermutlich zwei bis drei Millionen auf der Welt. Die Zahlen der Scientologen sind sogar noch leuchtender; sie behaupten mindestens vier Millionen Mitglieder in Amerika und wahrscheinlich fünf Millionen auf der Erde zu haben. Eines ist gewiss, Scientology wächst, und verdreifachte oder vervierfachte seine Mitglieder in den letzten paar Jahren.

Und wie sieht die Zukunft von Scientology aus? Werden ihre Anhänger Dianetik wiederbeleben, wie sie es bereits in Amerika und England machen, wenn sie in immer grössere Schwierigkeiten geraten? Werden sie ihre Behauptungen eine Wissenschaft zu sein wiederholen, oder werden sie ihre Behauptungen, dass sie eine Religion sind mit noch grösserem Nachdruck vorbringen? In einem Brief mit dem Titel "Scientology 1970" schrieb Hubbard, dass überall auf der Welt Scientology auf religiöser Basis geplant werde. Der Brief folgerte: "Das wird in keiner Weise die gewohnten Aktivitäten irgend einer Organisation umstossen. Es ist gänzlich eine Angelegenheit für Buchhalter und Rechtsberater."