Wurzeln von Scientology, Teil 3


Mystik und Geheimwissenschaft

Wohl aufgrund der Popularität futuristischer Sujets im Amerika der späten
40er Jahre präsentierte der als Science-fiction-Autor eher unbedeutende
Hubbard seine Weltdeutungs- und Verschwörungstheorien mit Vorliebe als
kosmische Enthüllungsstories. Nicht selten ließ er seiner Fantasie dabei
freien Lauf: So habe "Xenu, ein Herrscher aus einer fremden Galaxie", als
er vor 75 Millionen Jahren auf die Erde gekommen sei, unzählige böse
Geister, die "Body Thetans", hinterlassen, die sich seither "an den
Körper der Menschen anheften" (1). Auf dem Wege der Seelenwanderung durch
Reinkarnation seien sie seit Äonen verantwortlich für unvernünftiges
Verhalten, Kriege und viele Krankheiten.
In vielen "Erfahrungsberichten" hat Hubbard sein angebliches kosmisches
Wissen zur Schau gestellt: In seinem Vortrag Role of Earth (2) sprach er
von einer Invasionsflotte aus einem anderen Sonnensystem, die vor 8200
Jahren im Himalaya, "etwa 72 Meilen nordwestlich des Khyber-Passes" (3),
ein Bataillon extraterrestrischer Soldaten abgesetzt hätte, das
anschließend von einer rivalisierenden Armada Außerirdischer überfallen
und besiegt worden sei. Seither werde die Erde als "Gefängnis" benutzt,
aus dem die Menschen nur dann entkommen könnten, wenn sie "Operierende
Thetanen" seien. Scientology sei deshalb die einzige Technik, mit der die
Menschheit befreit werden könne - ein Anspruch, aus dem Hubbard im
gleichen Atemzug sein Recht auf Welterlösung ableitete.
Scientology weist zahlreiche dieser utopischen Elemente (4) auf. Und das
Management der Bewegung zitiert den Gründer oft mit den Worten:
"Science-fiction [...] ist die dringende Bitte, daß jemand an der Zukunft
arbeiten möge. Sie ist der Traum, der der Dämmerung vorausgeht, wenn der
Erfinder oder Wissenschaftler erwacht und [...] sagt: ,Ich frage mich, ob
ich diesen Traum in der Welt der realen Wissenschaften wohl wahr werden
lassen kann?'" (5).
Doch die absurde Space Opera ist nur Fassade. Sie ist Bestandteil eines
ausgeklügelten Systems pseudowissenschaftlicher Tarnargumente, mit deren
Hilfe die Bewegung ihre Ziele und die Herkunft ihrer Ideologie
verschleiern will. Die maßgeblichen Quellen Hubbards waren indes
esoterische und ariosophische Werke aus dem 19. und frühen 20.
Jahrhundert sowie die Schriften der hermetischen Wissenschaft, zu denen
er zeitweilig Zugang hatte.

Gnostische Tendenzen
Hubbards Weltmodell erinnert bisweilen an das Corpus Hermeticum, das die
Menschen als Marionetten in einem Krieg kosmischer Mächte darstellte.
Schon vorchristliche Gnostiker, in deren Glaubenskonzept das Corpus als
Fundament diente, gingen davon aus (6), daß es einen höheren Gott gebe,
der aufgrund eines Denkfehlers im physischen Teil des Universums gefangen
sei. Sie interpretierten die alttestamentarische Schöpfungsgeschichte als
Schilderung der Taten des dämonischen Gottes der Juden Yaldobaoth, der
die Seelen der Menschen in deren Körpern gefangenhalte. Um sie aus dieser
Falle zu befreien, würde der höchste Gott einen Erlöser zur Erde senden,
der die Menschen über ihre wahre Herkunft aufklären werde. Wer diese
gnostische Offenbarung erkenne, dem winke ein ewiges Leben im Reich
Gottes. (7)
Bereits in den frühen fünfziger Jahren hatte Hubbard die Menschen als
"Figuren im Spiel des Lebens" (8) bezeichnet. Vermutlich entnahm er
diesen Teil seines Weltbilds der Lehre des Valentinus (9), von der sich
auch Aleister Crowley (10), der spätere Vorsteher des Geheimordens "Ordo
Templi Orientis" (O.T.O.) (11), und Helena Petrovna Blavatsky (12), die
Vordenkerin der Ariosophie, inspirieren ließen. Dafür spricht etwa ein
"geheimes Forschungsprojekt" (13), das Hubbard im Jahre 1976 ins Leben
rief. Dessen Ziel war es, die Lehren gnostischer Gruppen zu ergründen.
Schon zuvor hatte Hubbard die Mannschaft seines Schiffes (14) -
gnostischer Auffassung folgend - in "Soldaten des Lichts" und "Soldaten
der Dunkelheit" einteilen lassen.
Eine weitere Parallele zu frühgnostischen Lehren ist Hubbards Spaltung
des Universums in zwei Bestandteile: das materielle und das geistige.
Letztes bleibe dem Menschen verschlossen, es sei denn, er entwickelte
sich durch das Studium scientologischen Wissens zum "Operierenden
Thetan", der auch das geistige Universum betreten könne. Die Vermittlung
dieses Wissens müsse aber durch einen "himmlischen Boten" erfolgen, wie
Giovanni Filoramo den Glauben der Gnostiker beschrieben hat: "[The]
divine reality cannot be known through the ordinary faculties of the
mind. Illumination, revelation, the intervention of a celestial mediator
is required." (15) In einigen Schriften stellt Hubbard sich selbst als
dieser Vermittler dar.
Die strikte Geheimhaltung des Materials der höheren Scientology-Kurse ist
ebenfalls ein Indiz für gnostische Einflüsse: So befinden sich die
Anweisungen Hubbards zu dem zur Zeit höchsten Kurs "Operierender Thetan -
Stufe VIII" an Bord des Schiffes "Freewinds", und zwar in einer
verschlossenen Schatulle, die nur dann geöffnet werden kann, "wenn sie in
eine Lichtschranke gehalten wird". (16) Dies entspricht
Vorsichtsmaßnahmen, die auch von den Gnostikern angewandt wurden -
freilich ohne modernes technisches Gerät: Sie schrieben ihre Texte in
verschlüsselter Form, so daß nur Eingeweihte die Botschaft verstehen
konnten.
Dasselbe Prinzip wird - noch heute - im "Hermetic Order of the Golden
Dawn" und seinen zwei übergeordneten Geheimgesellschaften praktiziert. Er
gilt als "äußerer Orden", in dem die Mitglieder nur einen kleinen Teil
des vermeintlich magischen Wissens erlernen können. Nur wer die ersten
fünf Stufen der sprituellen Erleuchtung absolviert hat, kann in den
"inneren Orden" ("Ordo Rosae Rubae et Aurae Crucis") aufgenommen werden
und dort weiter aufsteigen. Im Kern der okkulten Gesellschaft schließlich
weilen die "Wächter der hermetischen Schriften" und behüten das
mysterienbehaftete Material, das dem Golden-Dawn-Gründer William
Westcott, einem engen Bekannten von Blavatsky, vor mehr als 100 Jahren
von einer geheimen deutschen Rosenkreuzer-Loge anvertraut worden sein
soll: die "Cipher Manuscripts".
Hubbard, der für kurze Zeit den Rosenkreuzern angehörte (17) und über
seine Verbindung zum O.T.O. auch Einblick in die Hierarchie des Golden
Dawn gehabt haben muß, hat die einer Zwiebel gleichende Schalenstruktur
(18) seiner Bewegung vermutlich aus eben diesen Vorbildern konstruiert.
So ist es nicht verwunderlich, daß die überwiegende Mehrheit der
Scientology-Anhänger nur einen Bruchteil der wirklichen Ziele Hubbards
kennt und sich mittels ausgefeilter Manipulationstechniken möglichst lang
- und für die Kasse der Bewegung lukrativ - in den äußeren Orbits der
scientologischen Zwiebel halten läßt. Die von Hubbard mitunter als
"Voodoo-Puppen" (19) bezeichneten, faszinierten Adepten geben
bereitwillig ihr letztes Hemd, um den Fortbestand von Scientology zu
sichern - Kapital, das das Management der Bewegung für die Mission "Clear
Planet" in den Reserven der "Sea Org" und anderswo hortet.

Schwarze Magie
Den Bezug zur Wirklichkeit hatte der Möchtegern-Messias aus Nebraska
spätestens Mitte der vierziger Jahre verloren, als er sich einem Ableger
des O.T.O. in den USA anschloß und sich mit Hingabe der Praxis "schwarzer
Magie" widmete. Um diese Neigung deuten zu können, ist eine Diskussion
der von Jon Atack in Hubbard and the Occult aufgestellten Thesen
notwendig: Atack geht davon aus, daß Scientology eine Art
verwissenschaftlichtes, systematisiertes Liber Al vel Legis (20)
darstellt - sozusagen eine angewandte Magie nach Crowley. Als Beleg führt
er unter anderem die dokumentierten Versuche Hubbards an, gemeinsam mit
dem O.T.O.-Mitglied Jack Parsons (21) sexualmagische, homophile Rituale
zu vollziehen. Diese von Atack ausführlich beschriebenen Praktiken (22)
entsprechen dem in Crowleys Buch Magick in Theory and Practice
geschilderten "geheimen Ritual des VIII. Grades", dessen Zweck es sei,
eine Frau herbeizurufen, mit der dann - im Ritual des IX. Grades - ein
Homunculus, ein halb göttliches, halb menschliches Wesen, gezeugt werden
solle.
Crowleys Rituale, die er zum Beispiel in der Erzählung Moonchild
veröffentlichte, haben ihre Wurzeln unter anderem in der altägyptischen
Mythologie und den daraus entstandenen hermetischen Wissenschaften, die
angeblich seit Jahrhunderten vom Rosenkreuz-Orden bewahrt werden, aus dem
der "Golden Dawn" hervorgegangen sein soll. Crowley kannte geheime
Schriften des "Golden Dawn" und hat sie als Grundlage seiner eigenen
Praktiken eingesetzt. (23) Da auch Hubbard Mitglied der Rosenkreuzer war,
erscheint eine enge Bande zwischen ihm und Crowley plausibel.
Indes: Während Crowley, der Hubbard in einem Brief an ein anderes
Mitglied des O.T.O. einst als "Stümper" bezeichnet hatte (24), neben
seinen selbstenthüllenden Büchern und den von breiten
Gesellschaftsschichten als abstoßend empfundenen Sexualritualen kaum
etwas zustandebrachte, gelang es Hubbard, wesentliche Elemente der
hermetischen Lehren als Fundament für die Scientology-Ideologie zu
übernehmen. So tauchen die höheren Grade der scientologischen "Brücke" in
Marsilio Ficinos Übersetzung des Corpus Hermeticum auf. (25) Danach habe
sich der Urmensch "mit der Natur vermählt, so daß die aus dieser Ehe
stammende Menschheit zugleich an Gottes Licht und an der ursprünglichen
Finsternis teilhat." (26) Die Erleuchtung ergebe sich aus der "Auffahrt
zu Gott", die das Corpus wie folgt darstellte: Zuerst werde der
materielle Körper aufgelöst, dann "entledigt sich die Seele der sieben
Laster und nimmt die achte Eigenschaft an, in der sie in Gott
wiedergeboren wird." (27)
Dieser Leiter der Erleuchtung entspricht nicht nur Hubbards Abstufung der
OT-Grade, sondern auch seine Einteilung der Welt in acht "Dynamiken": In
Hubbards Weltvorstellung dienen die ersten acht OT-Grade dazu, die
persönlich hemmenden Faktoren aus dem Menschen zu entfernen. Die Stufen
IX bis XV sollen "Operierenden Thetanen" dann übermenschliche, ins
Unendliche des geistigen Universums gerichtete Fähigkeiten verleihen.
Hubbard hat hier alte, überlieferte Ideen kopiert, verformt und in seine
Ideologie integriert.

Völkische Esoterik
Um zu erkennen, welche Ansichten und Weltvorstellungen Hubbard von den
europäischen Neognostikern wie Blavatsky und Crowley übernahm, ist ein
Exkurs in die völkisch-okkulte Szene Ende des 19. Jahrhunderts in
Deutschland und Österreich-Ungarn nötig: Dort finden sich Motive wie
"Licht und Dunkelheit" oder "Herren- und Untermenschen" etwa bei Jörg
Lanz von Liebenfels, einem eifrigen Leser von Blavatskys Werken. Der von
Wilfried Daim als "Mann, der Hitler die Ideen gab" (28), biografierte,
exkommunizierte Zisterzienser-Mönch hatte mit seinem Buch Theozoologie
oder die Kunde von den Sodoms-Äfflingen und dem Götterelektron (29) die
religiös-darwinistische Basis für die antisemitisch-völkische Szene im
Wien der Jahrhundertwende geschaffen.
Liebenfels teilte die Menschheit in zwei Gruppen ein: die "Asinge",
abgeleitet vom nordischen Geschlecht der Asen, und die "Tschandalen",
abgeleitet von Candala, den Mischrassen im alten Indien (30). Wie bei
Hubbard befanden sich auch bei ihm "bedeutende kosmische Prinzipien im
Kampf miteinander, und es konnte nur Sieg oder Vernichtung geben" (31).
Am 25. Dezember 1900 hatte Liebenfels den "Ordo Novi Templi" (O.N.T.)
(32) gegründet. Stark beeinflußt wurde er dabei von Blavatsky und dem
"Golden Dawn", deren theosophische sowie okkulte Theorien und Praktiken
in Liebenfels einen begierigen Schüler und Nachahmer gefunden hatten. Im
O.N.T. strandeten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche radikale
Vertreter der sogenannten völkischen Opposition, unter ihnen viele
spätere SS-Mitglieder. Auch Theodor Fritsch (33), in dessen Verlag
(Leipzig/München) Alfred Rosenberg die Protokolle der Weisen von Zion
veröffentlichte, gehörte dem O.N.T. an.
Fritsch war Mitbegründer des Germanenordens (1912 in Berlin gegründet),
aus dem später die Thule-Gesellschaft (34) entstand. Zugleich war er
Herausgeber der antisemitischen Hammer-Blätter für deutschen Sinn. Sie
waren die "mit 11.000 Abonnenten weitestverbreitete deutschvölkische
Zeitschrift" (35). Fritsch verfaßte außerdem das Handbuch der Judenfrage
(Auflage bis 1944: rund 330.000 Exemplare). Im Vorwort dazu hieß es: "Die
Judenfrage wird solange nicht erledigt sein, als das Judentum [...] aus
dem deutschen Volkskörper ausgeschieden ist." (36) Das Buch spielte bei
der rassistischen Indoktrination der deutschen Bevölkerung eine
bedeutende Rolle, da es eine gesellschaftswissenschaftliche
"Rechtfertigung" für den Holocaust liefern sollte.
Über den Generalstabschef der k.u.k. österreichisch-ungarischen Armee,
Gotthard von Scheuma (37), der dem Wiener Kreis der kosmischen
Philosophen angehörte, stand der O.N.T. schließlich in Verbindung mit dem
Theosophen Franz Hartmann, der 1906 den Ordo Templi Orientis gegründet
hatte, dem sich sechs Jahre später Aleister Crowley anschloß. Außerdem
bestand über Scheuma Kontakt zu Alfred Schuler, der die kosmischen
Philosophen ins Leben gerufen und Hitler zu dessen Wiener Zeit in seinem
kleinbürgerlich-chauvinistischen Antisemitismus nachhaltig geprägt hatte.
Hitler, der in Wien verschiedene geheime Zirkel, ariosophische und
okkulte Logen besuchte (38), saugte das in ihnen kultivierte mystische
Geheimwissen auf und nahm es nach München mit, wo er 1918 im Dunstkreis
der Thule-Gesellschaft wieder auftauchte. Etliche Mitglieder dieser
Gesellschaft waren Anhänger eines kruden theosophischen Glaubens, der aus
der ario-germanischen Religionskonstruktion Guido von Lists, der
Glazial-Kosmogonie Hanns Hörbigers (39), den neognostischen Vorstellungen
Blavatskys und dem anti-alttestamentarischen Urchristentum (Marcioniter)
(40) bestand. Auch Liebenfels war Thule-Mitglied und brachte sein
Gedankengut vor allem durch die Zeitschrift Ostara (41) darin ein.
In dem Blatt, das Hitler schon während seiner Wiener Zeit gelesen hatte
(42), nannte Liebenfels die Feinde der Arier "Affenmenschen" - eine
Bezeichnung, die Hubbard zur Stereotypisierung angeblich minderwertiger
Menschen ebenfalls benutzte. Er vertrat die Auffassung, daß die "Arier
von elektrischen Urwesen [abstammten], deren Leib aus einem elektrischen
Fluidum [bestünde]." (43) Sie hätten durch "gezielte Zuchtauswahl" die
Möglichkeit, den "Übermenschen" [vgl.: Hubbards "Operierender Thetan", d.
Verf.] zu erzeugen, der die "dunklen Mächte" schließlich besiegen werde.
Dieses Motiv diente in der nationalsozialistischen Ideologie einerseits
als "Rechtfertigung" inhumaner medizinischer Experimente und arischer
Zuchtstätten wie dem "Lebensborn", andererseits als mystische
"Begründung" für die "Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa" (44).
In der Thule-Gesellschaft gab es ferner eine esoterische Fraktion um Karl
Haushofer, den späteren Leiter des "Volksbundes für das Deutschtum im
Ausland" (VDA): die sogenannte Vril-Gesellschaft. (45) Deren Anhänger
glaubten an eine "Herrenrasse der lichten Gottmenschen, die vor 500
Millionen Jahren aufgrund einer kosmischen Katastrophe im Sonnensystem
Aldebaran" (46) auf der Suche nach neuem "Lebensraum" auf die Erde
gekommen sei. Jene Gottmenschen stünden nach wie vor mit den Menschen auf
der Erde in Kontakt. Und nach einem kommenden Weltkrieg, so glaubten die
Vril-Mitglieder, würde dann das "tausendjährige goldene Zeitalter" (47)
beginnen.
Offenbar hatten derlei obskure Szenarien die okkulten Kreise der frühen
Nationalsozialisten besonders fasziniert: So soll Karl Haushofer, der mit
dem verklärten Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß eng befreundet war, in
den zwanziger Jahren Kontakt zu einer in Berlin lebenden Kolonie
tibetanischer Mönche gehabt haben. Deren Mitglieder hätten die Legende
eines "jahrtausendealten Kampfes zwischen zwei extraterrestrischen
Völkern" (48) überliefert. Um dieser Geschichte nachzugehen, sei
Haushofer mehrmals nach Tibet und Indien gereist und nach seiner Rückkehr
dem Glauben verfallen, es gebe ein "unterirdisches Reich im Himalaya als
Ursprungsort der arischen Rasse" (49).Der Vril-Gedanke "scheint seinen
Ursprung in Deutschland gehabt zu haben" (50), wurde aber erstmals Mitte
des 19. Jahrhunderts vom englischen Schriftsteller Edward Bulwer-Lytton
(51) propagiert. Heute taucht er in post-nationalsozialistischen Gruppen
wieder auf - vor allem in Lateinamerika, Frankreich und Deutschland. (52)
Dort wird er mit Legenden von außerirdischen Besuchern, UFOs, neuen
kosmischen Energieformen oder - wie bei Hubbard - mit extraterrestrischen
Psychiatern, Reinkarnationsglauben und Welterlösungsplänen vermengt.
Derlei Mythen verbreitete seit etwa 1870 auch Helena Petrovna Blavatsky:
Sie behauptete, mysteriöse Botschaften außerirdischer Wesen erhalten zu
haben, die "[...] gewissen geheimen Mahatmas [anvertraut wurden]". (53)
Blavatsky hatte jene Boten angeblich in Tibet kennengelernt und war
überzeugt, es handelte sich um "spiritistische Adepten, die eines Tages
die Welt erneuern würden". (54) Ihre Botschaften goß die gebürtige Russin
in die Form einer Supra-Religion, die Theosophie, die Ende des 19.
Jahrhunderts Tausende von Anhängern in Europa, Indien und den USA fand.
Auf Blavatsky geht auch die Popularisierung des Wortes "Arier" zurück: Es
stammt ab vom altindischen Wort "aryas", was im Ur-Buddhismus (500 v.
Chr. bis 0) soviel bedeutete wie "edel" oder "heilig". (55)
Die Theosophie wurde zur populären Gegenbewegung des ausklingenden 19.
Jahrhunderts, von der sich zum einen romantische Schwärmer wie der
Dichter Stefan George, zum anderen aber auch Skeptiker der
fortschreitenden Industrialisierung wie Oswald Spengler inspirieren
ließen, die in den traditionellen westlichen Kirchen nicht mehr die
Erfüllung ihrer sprituellen Bedürfnisse fanden. Zwar hatte auch der
schwedische Ingenieur Emanual Swedenborg in der ersten Hälfte des 18.
Jahrhunderts seine eigene neue Kirche gegründet und von "Verbindungen mit
Engeln und Geistern" (56) gepredigt. Doch "der eigentliche
spiritualistische Anstoß dieser Zeit" (57) ging von Blavatsky aus: "In
ihrem Hauptwerk ,Isis Unveiled' lehrte [sie], wie man die zwischen
Menschen und die Astralleiber gelegten Schleier lüften könne. Adepten
denen es gelänge, den Schleier zu zerreißen, wären dann in der Lage,
alles bisher Gewußte beziehungsweise alles noch zu Erfahrende zu kennen.
Neben seinem eigenen physischen Leib besaß jeder Mensch noch einen
Astralleib, und dieser befähigte ihn, so er ein Adept war, mit dem
,Lebensgeist des Universums' in Verbindung zu treten. [...] Und konnte
ein Jünger außerdem mit einer Geheimlehre das unsichtbare Universum
erfassen, dann nahm die Idee des Karma[s] - des ewigen Kreislaufs von
Geburt und Wiedergeburt - dem Tod seinen Stachel." (58)
Zunächst war die Theosophie nicht rassistisch. Sie entwickelte sich aber
um die Jahrhundertwende in zwei grundsätzlich verschiedene Richtungen:
die esoterische, mutmaßlich pazifistisch eingestellte "Anthroposophie"
Rudolf Steiners (59) und die exoterische, rassistisch-imperialistische
"Ariosophie", die zunächst in Frankreich, dann aber vor allem in
Österreich-Ungarn und Deutschland keimte. Hier entstanden zahlreiche
"[...] Sekten mit ,völkischer', pangermanischer und antisemitischer
Tendenz. [Sie] bereicherten die religiöse Dimension des
Nationalsozialismus und lieferten ihm eine Kosmologie und eine eigene
Rechtfertigung für seine Rassenlehre." (60) Neben der rassenbiologischen
"Begründung" des Antisemitismus führte die Mystifizierung der angeblichen
"Herrenrasse" dazu, daß die Judenvernichtung von der deutschen
Bevölkerung als glaubensgegeben hingenommen oder gar gefordert wurde.
Durch die Erhebung des Nationalsozialismus in den Stand einer Religion
mit Hitler als Heilsbringer erhielt der Holocaust den Anstrich einer
inquisitorischen Maßnahme, die folglich gottgehorchend und somit ein
probates Mittel für den Erhalt der deutschen Nation sein mußte.
Im nationalsozialistischen Alltag nach der Machtergreifung war der
okkulte Unterbau des Systems allerdings kaum noch sichtbar, da Hitler
erkannt hatte, daß die Bevölkerung nicht mit sektiererischem Geheimwissen
und magischen Formeln für den von ihm geplanten imperialistischen,
antijüdischen Kreuzzug mobilisiert werden konnte. Statt dessen einte er
die "Volksmassen" unter dem scheinbar bedeutungsvollen Symbol des
Hakenkreuzes. Er vereinfachte damit den Hintergrund der Bewegung und
faßte dessen Mystik plakativ zusammen. Das Hakenkreuz wurde zum alles
überragenden Symbol seiner völkischen Ersatzreligion.
Nur ariosophischen Schwärmern wie Himmler, Heß oder Haushofer blieb es -
mit Einschränkungen - gestattet, ihren obskuren Fantasien nachzugehen.
Himmler etwa unterstand das "Amt für Ahnenerbe", eine
parawissenschaftliche Gruppe "verkrachter Existenzen" (61), die 1938/39
eine Expedition nach Tibet unternahm und dort den Ursprung der arischen
Rasse aufspüren wollte, die aber ebenso beteiligt war an den
"rassebiologischen" Menschenversuchen in den Konzentrationslagern. (62)
Auch die "Wewelsburg", eine Kaderschmiede der SS, war ein Produkt
Himmlers, der dort unter anderem die Führungselite für seinen geplanten
Arierstaat "Burgund" ausbilden wollte. (63)
Wie absonderlich die okkulten Rituale der SS-Elite bisweilen ausfielen,
zeigt eine damalige Empfehlung, SS-Mitglieder sollten "ihren Nachwuchs
auf den Grabsteinen berühmter Deutscher [...] zeugen, auf daß die Kinder
etwas von den Tugenden der toten Helden in sich aufnähmen. [...] Dieser
Vorstellung wurde immerhin soviel Gewicht beigemessen, daß im offiziellen
SS-Organ Listen von Grabsteinen veröffentlicht wurden, die als
Kopulationsort in Frage kamen". (64)
Wenngleich viele dieser Darstellungen eher in den Bereich der Sagen und
Mythen fallen, ist klar, daß die Thule-Gesellschaft und die in ihr
gesammelten okkulten Strömungen bei der Entstehung des
Nationalsozialismus eine bedeutende Rolle spielten: Zum einen stammten
aus ihren Reihen bekannte Nazis, etwa der spätere "Reichsminister für die
besetzen Ostgebiete", Alfred Rosenberg, der Hitler-Sekretär und
stellvertretende NSDAP-Vorsitzende (bis 1941), Rudolf Heß, und der
rhetorische Mentor Hitlers, Dietrich Eckart. Zum anderen war die
Gesellschaft maßgeblich an der Zerschlagung der Münchener Räterepublik
durch nationalistisch-antikommunistische Freikorps beteiligt, aus denen
sich später die nationalsozialistische "Schutzabteilung" (SA) bildete.
Sicher ist ebenso, daß die Nationalsozialisten etliche Inhalte des
ideologischen Repertoires der Thule-Gesellschaft übernommen haben,
darunter das Führerprinzip, das Hakenkreuz und die SS-Runen. Hitler
selbst hat schließlich "[...] aus den völkischen Zaubertränken griffige
Inhalte destilliert und die Symbole plakativ vereinfacht." (65)
Dieselben Inhalte und Symbole sind bis heute im Einsatz: einerseits bei
zahlreichen völkisch-radikalen Gruppen in Deutschland, Österreich, den
USA und Südamerika, andererseits als Doktrin, Embleme und Codices der
Scientology-Bewegung. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Nach dem
Zweiten Weltkrieg transferierten Thule-Mitglieder ihr "Geheimwissen" nach
Südamerika und in die USA, wo es letztlich auch bei Hubbard landete. (66)
Der bis dahin gebeutelte Schriftsteller wollte nun selbst das goldene
Zeitalter einläuten - und nebenbei seine Finanzen aufbessern. Er hatte
bereits magisches und mystisches "Geheimwissen" kennengelernt, das
Aleister Crowley aus dem "Golden Dawn" (dt. etwa: "goldene
Morgendämmerung") übernahm und später veröffentlichte, und machte sich
gegen Ende der vierziger Jahre daran, den Traum eines Weltimperiums zu
verwirklichen.
Schließlich verband Hubbard mit seinem Wahn vom Sendungsbewußtsein
luziferischer Art (67) den Anspruch, die Welt vom angeblichen Joch der
Sklaverei kosmischer Tyrannen zu befreien. Dabei sollte seine
Gefolgschaft gemeinsam mit ihm, dem Lichtbringer, am Ende den Jüngsten
Tag begehen. (68) So ernannte sich Hubbard selbst zum prophetischen Guru
eines Endzeitkults. Zwar offenbarte er im gleichen Atemzug seinen
Anhängern, daß er "nicht als religiöser Führer, sondern als politischer"
(69) auf die Erde zurückkehren werde. Die endzeitliche Sichtweise rückt
Hubbard aber umso mehr in die Nähe Hitlers, der die apokalyptische Vision
vom "Sieg oder Untergang des deutschen Volkes" (70) ebenfalls bis zu
seinem Tod beibehielt.

Magische Symbole
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Gebrauch von Hakenkreuz und Sig-Runen
sowie der Glaube an die "göttliche Bestimmung der Deutschen" nicht mehr
opportun: Die den Völkermord versinnbildlichenden nationalsozialistischen
Symbole wurden allenfalls sporadisch in Kreisen abgetauchter Altnazis in
Frankreich, Südamerika, Kanada oder den USA benutzt. Doch die Fraktion
der überlebenden SS- und Thule-Mitglieder erinnerte sich an etliche
weitere mystische und kabbalistische Symbole, die der völkisch-okkulte
Orden Anfang der zwanziger Jahre in München gesammelt hatte. Das
Hakenkreuz blieb in der geschichtlichen Schublade, doch die Ideen, für
die es stand, verbergen sich heute hinter anderen Zeichen, die
zahlreichen neu-rechten, post-nationalsozialistischen Gruppen und
politischen Sekten als Erkennungsmerkmale dienen. (71)
Hubbard, dessen ideologische Wurzeln in demselben Boden wuchsen wie die
der esoterischen Nationalsozialisten, griff bei der Auswahl der Insignien
für etliche Unterorganisationen seines Apparats ebenfalls auf Bekanntes
aus der mystisch-völkischen Szene zurück, weil er sich der vermeintlich
"magischen Anziehungskraft" der Symbole bewußt war: So ist das
scientologische Kreuz nahezu identisch mit dem von Crowley verwendeten,
und das Scientology-Logo (zwei charakteristisch überlagerte
gleichschenklige Dreiecke, die von dem Buchstaben S durchzogen werden)
ist vermutlich in Anlehnung an ein schwarzmagisches Symbol gestaltet
worden, das eine S-förmige Schlange mit zwei solchen Dreiecken zeigt.
Analog zu einem auf dem Kopf stehenden christlichen Kreuz symbolisieren
die beiden Dreicke einen demontierten Davidsstern und sollen die
Teufelsanbetung versinnbildlichen. (72) Das Theta-Symbol von Scientology
wurde vom Ordo Templi Orientis für die Darstellung des Wortes "Thelema"
benutzt, das in Crowleys Schriften den Begriff "Willen" ersetzt.
Auch die von den Nationalsozialisten verwendete Sig-Rune taucht bei
Scientology auf: etwa im Logo der "Scientology International Management
Association", einem roten Quadrat, in dessen Mitte ein weißer Kreis
steht, der von vier Sig-Runen begrenzt wird. In dem Kreis befindet sich
das Scientology-Logo. Außerdem werden im Signet des "Religious Technology
Centers", der 1981 inkorporierten Organisationszentrale mit Sitz in Los
Angeles, Sig-Runen als Gestaltungselemente verwendet.

Fußnoten

1  Diese Geschichte entwickelte Hubbard zwischen 1966 und 1968. Sie ist
Bestandteil des Kurses "Operating Thetan III" (OT III), der von Hubbard
auch als "Wall of Fire" (dt.: Feuerwand) bezeichnet wurde. Eine Analyse
liefern: Jeff Jacobson, The Hubbard is Bare, o.O. 1992, (im folgenden:
Jacobson, Bare) und Peter Forde, Scientific Scrutiny of OT III, Cheshire
1995. Forde hat die Angaben Hubbards, die sich auf die erdgeschichtliche
Entwicklung beziehen, paläogeologisch untersucht und konnte nachweisen,
daß fast alle wissenschaftlich unhaltbar sind. Vgl. ferner: Haack, Magie,
S. 137 ff.
2  vgl. Hubbard, Earth.
3  vgl. ibd.
4  vgl.: Linus Hauser, Scientology und Science Fiction, in: Friederike
Valentin/Horand Knaup, Scientology - der Griff nach Macht und Geld, 2,
Aufl., Freiburg i.B. 1992, S. 59 ff. (im folgenden: Hauser, SF).
5  vgl.: Church of Scientology International (Hg.), L. Ron Hubbard - der
Autor und sein Werk, o.O. 1990, S. 36.
6  vgl.: Pheme Perkins, Gnosticism and the New Testament, Minneapolis
1993.
7  Eine umfassende Darstellung gnostischer Glaubensmodelle und eine
Auswahl ihnen zugrundeliegender Schriften liefert: Werner Hörmann (Hg.),
Gnosis, Augsburg 1995.
8  vgl.: Atack, Blue Sky, S. 376.
9  Valentinus zählt zu den Gnostikern. Er lebte im 2. Jahrhundert n. Chr.
Vgl.: Jacobson, Bare, der Valentinus wie folgt zitiert: "For many spirits
dwell in it [the body] and do not permit it to be pure; each of it brings
to fruition its own works, and they treat it abusively by means of
unseemly desires."
10  Edward Alexander ("Aleister") Crowley (*1875, ²1947) trat 1898 in den
magischen Geheimorden "Hermetic Order of the Golden Dawn" ein.
Meinungsverschiedenheiten führten zu seinem Ausschluß, und 1907 gründete
er seinen eigenen Orden "Argentum Astrum" [dt.: Silberner Stern]. 1912
wurde Crowley von Theodor Reuß, dem damaligen Oberhaupt des "Ordo Templi
Orientis" (O.T.O.), zum Leiter dessen britischer Dépendance. Später
übernahm Crowley die Gesamtleitung des O.T.O. Sein "Liber al vel Legis"
(dt.: Buch der Gesetze) wurde zur Grundlage des Ordens. 1929 kam Crowley
nach Berlin und wollte sein "Wissen" in den Reihen der esoterischen
Nationalsozialisten verbreiten. Vgl.: Guido und Michael Grandt,
Schwarzbuch Satanismus, Augsburg 1995, S. 56 ff. (im folgenden: Grandt,
Satanismus); und: Atack, Occult.
11  Der "Ordo Templi Orientis" (O.T.O.) wurde 1906 von Franz Hartmann und
Karl Kellner gegründet. Wenig später stieß Theodor Reuß hinzu. Durch ihn
wurde der  O.T.O. "zum Sammelbecken aller möglicher Traditionen" (Haack,
Magie, S. 36). Seine Mitglieder waren vor allem Schriftsteller,
Buchhändler und Okkultisten; zu den bekannteren O.T.O.-Jüngern zählten
Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie [hier liegt ein Irrtum
vor, Steiner war nie Mitglied im O.T.O.; siehe
<http://www.cyberlink.ch/~koenig/steiner.htm>],
und L. Ron Hubbard, der 1945 an Sitzungen des US-Ablegers teilnahm.
Einige Nationalsozialisten, etwa Alfred Rosenberg und Heinrich Himmler,
freundeten sich ebenfalls mit dem okkulten Gedankengut an, doch 1935
wurde der O.T.O. von den Nationalsozialisten verboten. Vgl.: Gerald
Eberlein, Kleines Lexikon der Parawissenschaften, München 1995, S. 50
(im folgenden: Eberlein, Parawissenschaften); Haack, Magie, S. 36 ff.;
Grandt, Satanismus, S. 56 ff. Hubbards Verwicklung in den O.T.O. und
dessen Rituale sind ausführlich beschrieben in: Atack, Blue Sky, und
Atack, Occult.
12  Helena Petrovna Blavatsky gründete 1875 in New York die Theosophical
Society, ein Jahr später in London die British Theosophical Society. Ihre
Anschauung legte sie in Isis Unveiled, London 1877, dar. Ein zentrales
Element der Theosophie ist der Glaube an die Reinkarnation. Teile des
Gedankenguts von Blavatsky wurden in rassistischen Ideologien verwendet.
Vgl.: Mosse, Rassismus, S. 119.
13  vgl.: Atack, Occult.
14  In den sechziger Jahren, als der öffentliche Druck gegen Scientology
in den USA spürbar größer wurde, zog es Hubbard vor, sich in
internationale Gewässer zurückzuziehen. Vgl.: Atack, Blue Sky.
15  vgl.: Giovanni Filoramo, Gnosticism, Cambridge/MA 1990, S. 40.
16  vgl.: Jacobson, Bare.
17  vgl.: Atack, Occult.
18  vgl.: Miller, Messiah.
19  vgl.: L. Ron Hubbard: Role of Earth, Vortrag (Tonbandaufzeichnung) ,
Edinburgh: In diesem Vortrag beschrieb Hubbard die Rolle der Erde in dem
von ihm fantasierten Szenario eines kosmischen Konflikts verfeindeter
außerirdischer Wesen. Danach seien die Menschen auf der Erde "bodies in
pawn (dt. etwa: Voodoo-Puppen) of the 4th Invader Force" und hätten als
"Preclears" keine Chance, diesem Schicksal zu entrinnen. (im folgenden:
Hubbard, Earth).
20  Das Liber Al vel Legis (dt.: Buch des Gesetzes) gilt als Fundament
der Lehre Aleister Crowleys.21  Jack Parsons war damals Ingenieur am Jet
Propulsion Laboratory in Pasadena/USA. Er leitete die Agape-Loge, eine
Niederlassung des O.T.O. in den USA. Vgl. Atack, Blue Sky
22  vgl.: Atack, Blue Sky, S. 94 ff.
23  vgl.: Wilson, Okkult, S. 521
24  vgl.: Atack, Occult.
25  vgl.: Roland Edighoffer, Die Rosenkreuzer, München 1995, S. 81 f. (im
folgenden: Edighoffer, Rosenkreuzer).
26  ibd.
27  ibd.
28  Wilfried Daim, Der Mann, der Hitler die Ideen gab, Wien 1985.29  Jörg
Lanz von Liebenfels, Theozoologie oder die Kunde von den Sodomsäfflingen
und dem Götter-elektron, Wien/Leipzig/Budapest 1906, (im folgenden:
Liebenfels, Theozoologie).
30  vgl.: Friedrich Paul Heller/Anton Maegerle, Thule - vom völkischen
Okkultismus bis zur Neuen Rechten, Stuttgart 1995, S. 22 f., (im
folgenden: Heller/Maegerle, Thule).
31  vgl.: Mosse, Rassismus, S. 123.
32  Liebenfels sah den O.N.T. als Wiederbelebung des Templerordens aus
dem 12. Jahrhundert. Dieses mittelalterliche Vorbild war ein
"Kreuzritterorden mit selbständigem Staatswesen, Militär, Polizei und
Gerichten" (Heller/Maegerle, Thule, S. 23), der von Papst Clemens V. auf
Drängen des französischen Königs im Jahre 1312 aufgelöst wurde.
33  Fritsch gilt als der "wichtigste Antisemit vor Hitler". Vgl.: Robert
Waite, The Psychopathic God Adolf Hitler, New York 1977, S. 98 (im
folgenden: Waite, Psychopathic God).34  Die Thule-Gesellschaft enstand
1918 als Splittergruppe des Germanenordens, in dem sich seit 1912 die
Befürworter einer radikal-völkischen Politik zusammengefunden hatten. Sie
wurde auf Betreiben des Germanenordenmitglieds Rudolf von Sebottendorf
von den Studenten Walter Nauhaus und Walter Deicke in München gegründet,
womöglich um die Münchener Räteregierung zu täuschen, die den
Germanenorden observiert hatte. Die Mitglieder der Thule-Gesellschaft
erhielten eine Anstecknadel, auf der ein von zwei Speeren durchkreuztes
Hakenkreuz zu sehen war. Im Juni 1919 wurde die Gesellschaft ins
Münchener Vereinsregister eingetragen. Zur gleichen Zeit kaufte
Sebottendorf die Zeitung Münchener Beobachter, die später in Völkischer
Beobachter umbenannt und zum Kampfblatt der NSDAP wurde. Bereits im
Oktober 1918 hatte das Thule-Mitglied Karl Harrer einen "Deutschen
Arbeiterverein" gegründet, der am 5. Januar 1919 zur Deutschen
Arbeiterpartei (DAP) und schließlich zur NSDAP mutierte. DAP-Mitglieder
wurden vor allem aus der Thule-Gesellschaft rekrutiert, darunter Ernst
Röhm, Alfred Rosenberg, Dietrich Eckart, Rudolf Heß und Adolf Hitler, der
bei einigen Treffen der Gesellschaft dabei war. Im Sommer 1919 verließ
Sebottendorf Deutschland, und die Thule-Gesellschaft schlief
vorübergehend ein. Nach dem gescheiterten Putsch vom 9. November 1923 und
dem anschließenden Verbot der NSDAP erlebte sie einen zweiten Frühling,
wurde aber im Juli 1930 durch Verfügung des Reichsregistergerichts
formell aufgelöst. Als 1933 Sebottendorf nach Deutschland zurückkehrte,
fand erneut eine Gesellschaftsversammlung statt; Leiter der Vereinigung
wurde am 18. August 1933 Franz Dannehl, der bereits die DAP mitbegründet
hatte. Am 20. Juli 1937 erlosch die Thule-Gesellschaft durch den Erlaß
zur Auflösung von Logen und ähnlichen Organisationen. Sebottendorf
verließ Deutschland und soll sich zeitweilig in der Türkei, in Südamerika
und den USA aufgehalten haben. Weitergehende Recherchen zur
Thule-Gesellschaft in: René Freund, Braune Magie, Wien 1995; Hermann
Gilbhard, Die Thule-Gesellschaft, München 1994; Nicholas Goodrick-Clarke,
The Occult Roots of Nazism, London/New York 1992; Detlev Rose, Die
Thule-Gesellschaft, Tübingen 1994; Rudolf von Sebottendorf, Bevor Hitler
kam, München 1933; sowie in: Heller/Maegerle, Thule.
35  vgl. Heller/Maegerle, Thule, S. 31.
36  Zit. in: Heller/Maegerle, Thule, S. 32.
37  vgl.: Rudolf Mund, Jörg Lanz von Liebenfels - Der Rasputin Himmlers
38  vgl.: Gerald Suster, Hitler and the Age of Horus, Glasgow 1981 (im
folgenden: Suster, Horus).
39  Hanns Hörbiger, Glazial-Kosmogonie, Kaiserslautern 1913.
40  Die Marcioniter haben ihren Ursprung im zweiten Jahrhundert n. Chr.
und berufen sich auf die Lehren des damaligen Bischofs Mrcio, der das
Alte Testament nicht in den biblischen Kanon aufnahm. Die modernen
Marcioniter sind meist Antisemiten.
41  Der Name der Zeitschrift ist von der germanischen Frühlingsgöttin
Ostara abgeleitet.
42  vgl.: Mosse, Rassismus, S. 122
43  vgl.: Rupp, Hitler, S. 4.
44  Zit. nach einer Rede Hitlers vor dem Reichsparteitag am 30. Januar
1939. Vgl.: Walther Hofer, Der Nationalsozialismus, Dokumente 1933-1945,
überarb. Neuausg., Frankfurt/M. 1982, S. 277, (im folgenden: Hofer,
Dokumente).
45  vgl.: Jan van Helsing, Geheimgesellschaften, Playa del Inglés 1995,
S. 118 f. (im folgenden: Helsing, Geheimgesellschaften).
46  ibd., S. 119.
47  ibd., S. 110.
48  ibd.
49  ibd.
50  vgl.: Michael Baigent/Richard Leigh, Geheimes Deutschland, München
1994, S. 329 f. (im folgenden: Baigent/Leigh, Deutschland).51  Lyttons
bekanntestes Werk ist Die letzten Tage von Pompeji. Aus seiner Feder
stammt aber auch der Rosenkreuzer-Roman Zanoni, der im viktorianischen
England viele Leser fand, etwa Aleister Crowley.52  vgl.:
Heller/Maegerle, Thule, S. 146.53  vgl.: Colin Wilson, Das Okkulte,
Wiesbaden 1988, S. 475, (im folgenden: Wilson, Okkult).54  ibd.55  vgl.:
Edward Conze, Eine kurze Geschichte des Buddhismus, Frankfurt/M. 1986, S.
32, (im folgenden: Conze, Buddhismus)
56  vgl.: G. Trobridge, Swedenborg Life and Teaching, London 1945, S.
186.57  vgl. Mosse, Rassismus, S. 119.58  ibd.59  Rudolf Steiner gründete
1913 in Berlin die "Anthroposophische Gesellschaft" und verband darin
Spiritualismus mit Freiheit und Universalismus. Auf ihn gehen die heute
in aller Welt tätigen Waldorf-Schulen zurück. Steiners Mitgliedschaft im
Ordo Templi Orientis (s.o.) war nur von kurzer Dauer. Eine Erklärung für
seinen Austritt bieten Baigent und Leigh: Sie bezeichnen Steiners
Anthroposophie als "Weiße Magie", die dem guten Zweck diene, wo hingegen
"den ariosophischen Sekten die Rolle der ,Schwarzen Magie' zufällt".
Vgl.: Baigent/Leigh, Deutschland, S. 334. Neuere Forschungen haben indes
ergeben, daß die anthroposophisch geführte Firma Weleda während des
NS-Regimes offenbar stärker als bislang zugegeben in medizinische
Menschenversuche verwickelt war.
60  vgl. ibd., S. 331.
61  Michael Kater, Das "Ahnenerbe" der SS, Stuttgart 1974, S. 224
62  vgl.: Raul Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden, Berlin
1982, S. 640
63  Fest, Gesicht, S. 171
64  Zit. nach: Michael Baigent/Richard Leigh, Geheimes Deutschland,
München 1994, S. 266 f. (im folgenden: Baigent/Leigh, Deutschland).
65  vgl.: Heller/Maegerle, Thule, S. 64.
66  vgl.: Atack, Occult.
67  vgl.: HCO B 050580: "No doubt you are familiar with the Revelation
section of the Bible, where various events are predicted. Also mentioned
is a brief period of time in which an arch-enemy of Christ, referred to
as the anti-Christ, will reign and his opinions will have sway. [...]
This anti-Christ represents the forces of Lucifer, [...] being a mythical
representation of the forces of enlightenment, the Galactic Confederacy.
My mission could be said to fulfill the biblical promise represented by
this brief anti-Christ period. [...] The Second Coming is designed, among
other things, to trigger a rapid series of destructive events."
68  ibd.: "But my return depends on people like you doing these materials
[gemeint ist der Kurs OT VIII, d. Verf.] thoroughly and completely so
that there will be a genetically uncontaminated body for me to pick up
and resume where I left off. A body free of religious mania, right/wrong
dichotomy and synthetic karma."
69  ibd.: "I will not return as a religious leader, but as a political
one."
70  vgl.: Joachim Fest, Das Gesicht des Dritten Reiches, 11. Aufl.,
München 1994, S. 98
71  vgl.: Heller/Maegerle, Thule, S. 9
72  vgl.: Atack, Occult.