Quelle: Die Rheinpfalz , 21.06.96
----------Ausschnitt----------------------------------------

Helnwein unterliegt vor Gericht

OLG Frankfurt: Der Künstler darf als Scientologe bezeichnet werden

FRANKFURT/MAINZ (boe): Der Künstler und Sammler Gottfried Helnwein darf als "Class IV Auditor", "Geistlicher" und damit als Mitglied der umstrittenen Scientology-Organisation bezeichnet werden. Zu diesem Ergebnis kam gestern das Oberlandesgericht Frankfurt in einem noch nicht veröffentlichten Urteil (Aktenzeichen I6 U 163195).

Dies erklärte die Pressestelle des OLG auf Anfrage der RHEINPFALZ. Zulässig ist auch die Aussage: Helnwein gehöre einer "Gruppe der absoluten Laien an, die in einem zwangshypnotischen Verfahren unter Zuhilfenahme eines Lügendetektors die Psyche von Menschen zerstören, um sie unter Bewußtseinskontrolle zu stellen." Das OLG untersagte nach Auskunft seines Pressesprechers lediglich die Verbreitung einer vierten Behauptung, daß der Erlös einer Helnwein-Lithographie nachweislich dem scientologischen Geheimdienst OSA zufließe. In den drei übrigen Punkten wies es die Klage ab. Helnweins Rechtsanwalt hatte zu dem OSA-Vorwurf vorgetragen, daß Geld aus dem Verkauf einer Lithographie ausschließlich "Narconon", nicht aber OSA, zufließen solle. Narconon ist eine ebenfalls umstrittene Scientology-Organisation zur Rehabilitierung Drogenabhängiger.

(...)

In Frankfurt war es um einen offenen Brief vom März I994 gegangen, in dem die Vorsitzende des "Vereins für die Interessen tyrannisierter Mitmenschen" (Vitem) und Scientology-Aussteigerin Jeanette Schweitzer und die Vorsitzende des Vereins für Friedenserziehung im Saarland, Christa Jenal, Helnwein vorgeworfen hatten, "Werbeträger einer kriminellen Vereinigung" zu sein, "der in unzähligen Veröffentlichungen für Scientology wirbt" und "Auditor", also "Geistlicher", der Scientologen sei. In erster Instanz war Schweitzer und Jenal untersagt worden, diese und weitere Aussagen über Helnwein zu verbreiten. In der Berufung hat ihnen das OLG nun weitgehend Recht gegeben. Ob Revision zugelassen wird, war gestern nicht zu klären.

Der Frankfurter Rechtsanwalt Schweitzers und Jenals, Christoph Heine, wertete die Entscheidung als Erfolg. Helnwein habe sich nicht klar genug dagegen gewehrt, daß Scientology mit ihm geworben habe, und er habe die Behauptungen seiner Mandantinnen offenbar nicht widerlegen können.