FOCUS

Nummer 36 vom 1. September 1997

SEKTEN

Neue Strategie

Eine dubiose Menschenrechtsorganisation fragt deutsche Unternehmen über Scientology aus.

Der Name klingt beeindruckend, das Anliegen ist ernst. Um die "Menschenrechte" sowie den "sozialen Frieden und Stabilität" in Deutschland sorgt sich das "Oslo International Peace Committee". Schriftlich wandte sich das "Friedenskomitee" Ende Juli an Vorstandsvorsitzende verschiedener deutscher Konzerne. Inhalt des auf englisch verfassten Schreibens: Fragen zum Umgang mit Scientology (SC). Ob das Unternehmen sich weigere, mit Scientologen Geschäfte abzuschliessen, oder Anti-SC-Massnahmen unterstützt würden, will das Komitee wissen.

Den Grund ihrer Anfrage lieferten die Osloer Menschenrechtler gleich mit: "Wichtige amerikanische Buerger - Mitglieder der Scientology-Kirche -, die mehrere tausend Unternehmen im Ausland repräsentieren", hätten sich wegen der "andauernden Diskriminierung" von Scientologen an das Komitee gewandt. Die US-Bürger wollten verhindern, dass sie "die Diskriminierung ihrer deutschen Freunde" wirtschaftlich unterstützten. Tonfall und Inhalt des Schreibens erinnern an SC-Attacken gegen Deutschland. Kein Zufall: Der Vorsitzende des Komitees, Dan Viggo Bergtun, wird in einem Artikel der SC-Zeitschrift "Impact" als norwegisches "Mitglied auf Lebenszeit" erwaehnt. Die SC-Zeitung "Good News" lobt Bergtuns Einsatz als "Honorary PRO" - als ehrenamtlicher Public-Relations-Offizier.

Besonders frech: In dem Schreiben bezeichnet sich Bergtun als "Inhaber der Friedensnobelpreis-Medaille". Aber weder er noch seine Organisation haben nach Auskunft des Nobelkomitees je diese Auszeichnung erhalten. Gegenüber FOCUS erklärte Bergtun, als Ex-Mitglied der UN-Friedenstruppen, denen der Preis 1988 verliehen wurde, habe er "ehrenhalber" die Medaille erhalten. Dazu der Kommentar des Nobelkomitees: "Unsinn".

Die SC-Expertin des Hamburger Senats, Ursula Caberta, sieht im Schreiben aus Oslo eine "infame Strategie", an Informationen zu gelangen, die SC dann wieder gegen Deutschland verwenden könne. Ihr Rat an alle Unternehmen:
"Ignorieren."

THOMAS ROELL