Mittwoch, den 23. September 1998
"Zwischenfall auf dem Flughafen Columbus" und
"Keine Scientologen am Flughafen von Seattle"


Sonntag, 20. September 1998

Bericht aus Toronto

Unsere Demonstration vom Samstag 19. September in Toronto wurde zum grossen Erfolg. Als einer der besten Teile zeigte sich die Gelegenheit sämtliche Mitglieder des ARSCC Toronto kennenzulernen, angeführt vom ARSCC Toronto Grossmeister Gregg Hagglund, der hier in Toronto Scientology offensichtlich vollständig unter Kontrolle hat.

XENU Air Bob Minton und ich kamen am Freitagabend an, vorbereitet mit Kameras und Demonstrationsplakaten falls wir von den Scientologen empfangen würden. Aber stattdessen war Gregg dort, mit einem "XENU Air" Schild damit wir ihn sicher erkennen konnten. Scheinbar erwarteten uns auch zwei Scientologen dort, aber als Gregg sein "XENU Air" Schild hochhielt kehrten sie um und rannten aus dem Flughafen. Wir schüttelten unsere Köpfe, bestürzt dass die Scientologen ein so tiefes Konfrontationsniveau hatten und in der Hoffnung, dass dies kein Zeichen über die Art des Empfangs war für unsere Demonstration am nächsten Tag.

Nach einem Nachtessen mit einem Teil des ARSCC Untergrunds von Toronto, begleitete und am nächsten Morgen Artemis, ein charmantes Mitglied des ARSCC Toronto aus Schottland, zum offiziellen Treffpunkt der Demonstranten. Aus Seattle stammend, war ich entzückt festzustellen, dass der Treffpunkt ein "Starbuck" war. Wir sassen alle Espresso schlürfend herum bis es Zeit war, unsere Demonstrationstafeln bereitzumachen. Als wir um 10 Uhr zur Org kamen waren wir etwa zwölf Demonstranten.

Stress Test Der Buchladen der Toronto Org ist gleich an der Ecke Yonge Street und St. Mary Street. Sie hatten bereits einen Tisch mit einem E- Meter aufgestellt damit sie Stresstests durchführen konnten. Eine Frau mit französischem Akzent hielt eine Grafik des OCA Tests hoch und wollte die Leute dazu bewegen, zu ihr hinüber zu kommen. Sie versuchte dem Stresstester Leute zuzuführen. Eine andere Frau stand vor dem Eingang zur Org, die gleich neben dem Buchladen liegt, und verteilte Broschüren.

Maureen Und siehe da, kurz nachdem wir mit der Demonstration begannen, kam Maureen O'Keefe heraus! Bob zeigte sich sichtlich berührt, dass sich Maureen die Mühe nahm den weiten Weg hinauf nach Toronto zu machen nur weil sie hörte, er werde dort sein. Aber wir waren alle überrascht, dass Scientology in Toronto offensichtlich so schwach war dass Maureen von Boston herfliegen musste um sich um das Geschäft zu kümmern, ganz nach OSA Art. Maureen stand nahezu den ganzen Tag vor dem Eingang zur Org, in erster Linie Bob überwachend, der während unserer ganzen Demonstration mit einem steten Schwall von "verbal tech" beschäftigt war.

Grady und Jesse hatten mir befohlen, Bob nie aus den Augen zu lassen und warnten mich, falls Bob in Toronto in irgendwelche Schwierigkeiten gerate würden sie mich persönlich verantwortlich halten. So hielt ich ihn ständig im Auge, wachsam auf jeden Scientologe der sich auf ihn zu bewegte. Ich wandte mich kurz einem der Scientologen zu, um zuzuhören wie er einem ahnungslosen jungen Mann erzählte er könne weiterhin Katholik bleiben auch wenn er sich Scientology anschliesse, und als ich mich umdrehte um Bob zu kontrollieren war er verschwunden. Ich sagte es Gregg, und wir verbrachten einige verzweifelte Augenblicke mit der Suche nach Bob. Natürlich dachte ich das Schlimmste - dass die Scientologen ihn gekidnapped hatten oder ähnliches - aber bald erschien Bob wieder auf dem Gehsteig, ein breites Grinsen auf seinem Gesicht, eine faustvoll Deutsche Mark haltend und rufend: "Scientology behauptet ich arbeite für die Deutsche Regierung! Holt hier eure Deutsche Mark! Druckfrisch aus Deutschland!"

Als er verschwand war er offenbar in einem naheliegenden Wechselbüro und wechselte einige Kanadische Dollars in Deutsche Mark. Er hatte ein riesiges Vergnügen daran, den örtlichen Scientologen Deutsche Mark anzubieten, falls sie Geld für den Morgenkaffe oder so benötigten. Maureen O'Keefe erhielt einen besonders grossen Anteil aus Bob's Kapriole mit den Deutsche Mark.

Einige Schaufenster weg von der Org war ein kleiner Laden an dem wir jedesmal vorbeikamen wenn wir auf unserem Protestgang waren. Im Fenster war eine besonders gruselige Maske, sie war aus Gummi gemacht und wurde über den ganzen Kopf gestülpt. Das Gesicht war eine Art grüne Kotze mit grossen, hässlichen verfaulten gelben Zähnen, riesigen weissen Augen mit roten Pupillen, grossen grünen abstehenden Ohren, einem Knochen durch die Nase und einem aus der Stirne herausragenden Vogelkopf. Sie hatte Fransen aus falschem Pelz als Bart und als Haare. Sie war wirklich sehr hässlich.

True Face Bob bewunderte die Maske jedesmal wenn wir vorbeikamen und schliesslich konnte er nicht länger widerstehen. Er schlüpfte in den Laden und kam kurze Zeit später heraus, mit einer Hand diese scheusslich aussehende Maske hochhaltend und sein Demonstrationsschild in der anderen, indem er rief "Das ist das wahre Gesicht von Scientology!" Alle vorbeigehenden Leute fanden daran grosses Vergnügen, selbst die Scientologen schienen sich zu amüsieren. Alle ausser Maureen, die ihren Kopf schüttelte und gluckste als sie das sah. Nach einiger Zeit hielt Bob die Maske mit der gleichen Hand wie sein Stock und rief: "Der Kopf von L. Ron Hubbard steckt auf meinem Stock!" Dazwischen sagte er zu einer vorbeilaufenden Person: "Das ist das beste von L. Ron Hubbard! Gehen sie hinein in die Org und lesen sie das schlechteste von L. Ron Hubbard!"

Die Maske war wirklich eine grosse Bereicherung für unsere Demonstration. Sie ist nun Teil unserer Ausrüstung und wird werden sie bei allen unseren zukünftigen Demonstrationen gebrauchen. Mehrere ARSCC Mitglieder verteilten während der Demonstration Flugblätter. Artemis hatte einige grossartige, die er mit selbsteingewickelten "mints" überreichte, während er stets betonte: "Scientology kostet 'a mint'!" (einen Haufen Geld). Er gab alle Ehre für diese geniale Marktstrategie an Kristi in San Francisco. Ich sah sie selbst in Aktion als wir vor einigen Wochen ind San Francisco demonstrierten, und sie arbeitet mit Sicherheit um einiges besser als alle die ich je zuvor sah. Ein anderes ARSCC Mitglied, Witling, verteilte Kopien von Vaughn's Bericht, in dem er einzeln darlegte was Scientology vor einem Jahr alles unternahm um zu versuchen alle Katzen im Katzenheim umzubringen. Gregg überreichte auch Flugblätter, und wir stellten fest, dass viele Scientology Broschüren auf dem Gehsteig herumlagen während unsere Literatur von den Leuten beim weitergehen fleissig gelesen wurde.

Nan Um 12.30 Uhr machten wir einen Unterbruch für den Lunch und gingen um die Ecke an den Ort, wo ARSCC Toronto stets den Lunch nimmt wenn sie demonstrieren - ein Restaurant mit dem Namen "The Artful Dodger". Wir waren sechzehn Personen als wir zum Lunch gingen, eingeschlossen Nan McLean, die etwa um elf zu uns stiess. Ich traf Nan noch nie zuvor, obwohl wir einige mal am Telefon miteinander sprachen. Sie ist eine kleine Frau, vielleicht anderthalb Meter gross wenn sie glücklich ist, aber wieviel Mumm in ihr steckt! Aufgrund eines Zurückhaltungsbefehls irgendwelcher Art ist es ihr nicht erlaubt etwas über Scientology zu sagen. Aber demonstrieren wurde ihr nicht untersagt, als demonstrierte sie den ganzen Tag mit uns, natürlich ohne je ein Wort zu sagen.

Artful Dodger Wir sassen alle im Freien und schoben fünf Tische zusammen damit wir zusammen sitzen konnten. Mehrere Leute riefen uns an um uns Erfolg zu wünschen, so Kady, Rod Keller und Jesse Prince, und sie lernten alle ARSCC Toronto Leute am Telefon kennen. Ich fragte jeden, wie sie dazu kamen sich an Demonstrationen gegen Scientology zu beteiligen und war überrascht zu hören, dass ausser Nan und mir keiner je persönlich in Scientology war. Der Rest erfuhr über das Internet von den Missbräuchen von Scientology und empfand das Grund genug um selbst aktiv zu werden, ihren Teil dazu beitragend um die Versuche von Scientology aufzudecken, die Redefreiheit zu unterdrücken und die zivilen Rechte ihrer Mitglieder zu zerstören.

Die Geschichte jeder einzelnen Person war faszinierend, Richard jedoch erzählte eine Geschichte die ich besonders interessant fand. Er hatte bereits von einem Nachbarn, der in der Sea Org war, von Scientology gehört. Der war in den frühem 70ern auf der Apollo und beteiigte sich offensichtlich an einer Art von philosophischer Diskussion über einige Aspekte von Scientology. Das ist selbstverständlich streng verboten, darum wurde der Mann am nächsten Morgen als die Apollo in Marokko anlegte einfach vom Schiff herausgeworfen. Das Problem war, dass er in Marokko zurückgelassen wurde ohne Pass und ohne irgendwelche Ausweise, darum verbrachte er drei Monate in einem marokkanischen Gefängnis bis die kanadische Regierung in der Lage war seine Identität nachzuweisen und ihn frei bekam.

Aber Richard sagte, dass ihm eine Erfahrung die er vor mehreren Jahren hatte im den besten Einblick in Scientology gab. Er sass in einem Restaurant das auf der anderen Strassenseite gegenüber einer der Scientology Orgs lag, die es damals in Toronto gab (Offensichtlich gab es damals mehrere Orgs, aber Scientology verlor so stark ihre Beliebtheit in Toronto, dass sie sich auf einen kleinen Laden an der Yonge Street reduzierte).

Eine sehr attraktive Frau sass am Tisch nebenan. Ihr gegenüber war ein Mann den man nur als ein Verlierer beschreiben konnte - dickbäuchig, dürftig, fettes Haar, zerknittertes Hemd und Hose - und dieser Mann erzählte dieser Frau eine grauenhaft traurige Geschichte über all das Schlechte das er erfahren hatte in seinem Leben. Gelegentlich unterbrach die Frau die Erzählung des Mannes, und Richard sagte, dass ihm dabei allmählich bewusst wurde dass die Frau den Mann nur unterbrach um ihn über seine finanzielle Situation zu befragen. Einmal fragte sie: "Wieviele Bankkonten haben sie?". Wenige Augenblicke später fragte sie: "Haben sie ein Treuhandvermögen, und können sie daruaf zugreifen?" Als nächstes sagte sie: "Und was ist mit Kreditkarten? Wieviele haben sie?" Aus einer ihrer Äusserungen realisierte Richard, dass sie eine Scientologin war und darauf bedacht war, ihn dazu zu bringen all sein Geld an Scientology zu überweisen.

Richard konnte dies schliesslich nicht mehr ausstehen. Er erhob sich und sagte zu dem Mann: "Merken sie denn nicht was sie tut? Alles was sie will ist ihr Geld!" und stürmte aus dem Restaurant. Richard berichtete wie er wegen dieser Frau (die zweifelsohne eine Registrarin war, so wie sie beschrieben wurde) als er später im Internet auf Scientology stiess beschloss, ein aktiver Kritiker zu werden.

Jeder hatte unterschiedliche Erfahrungen die ihn davon überzeugten, etwas gegen Scientology zu unternehmen. Was ich äusserst berührend fand, war dass alle diese Leute sich wissentlich in die Schusslinie von Scientology begeben, nur weil sie finden, Scientology dürfe nicht weiterhin erlaubt werden Leute so zu behandeln. Keiner dieser Leute will selbst ein Held sein. Sie machen nur das, was sie für richtig finden.

Eine Sache habe ich vergessen zu erwähnen, eine Gruppe von Scientologen die als unsere "Handhaber" bei der Org agierten sassen im "Artful Dodger" alle an einigen Tischen nahe bei uns. Als wir mit unserem Lunch beinahe fertig waren zog Bob die Kellnerin zur Seite und erklärte ihr, wenn die Scientologen nach ihr rufen um zu bezahlen, soll sie ihnen einfach sagen "Mr. Minton kümmerte sich um eure Rechnung."

Ich beobachtete wie sie die Kellnerin riefen und ich konnte erkennen, als sie ihnen erzählte dass Bob ihre Rechnung bezahlt hatte weil sie alle grosse Augen machten und einige zu ihm hinüber blickten. Als sie nach uns weggingen, blickte einer der Scientologen Bob in die Augen und sagte "Thank you". Ein anderer gab ihm ein "high" Zeichen. Der Rest sagte kein Wort. Ich vermute sie wussten nicht wie zu reagieren wenn die Suppressive Person Nummer eins auf dem Planet ihnen etwas nettes zukommen liess. Wer weiss, vielleicht gab ihnen das einigen Stoff zum Nachdenken.

Org Nach dem Lunch gingen wir zurüch und hatten noch viel Vergnügen mit demonstrieren für den Rest des Tages. Maureen vollendete schliesslich ihr Werk und holte stapelweise Flublätter über Bob und mich heraus, mit Bildern von Bobs Verhaftung in Boston. (Diese Flugblatt wurde bereits letzte Nacht auf alt.binaries .scientology und von Rod Fletcher bereits als Text auf a.r.s gepostet so dass wir uns hier nicht wiederholen möchten.) Es war echter Dreiring-Zirkus an diesem Nachmittag, mit den unsere Flugblätter verteilenden Demonstranten, die Scientologen mit den Flugblättern über uns sowie Bob mit seiner das "Wahre Gesicht von Scientology" Maske und mit den Deutschen Mark winkend. Wir hatten durchwegs viel Vergnügen, selbst Maureen schien viel Spass daran zu haben.

Ich plauderte lange Zeit mit einem Polizist von Toronto der dazu kam und meine Meinung über Scientology hören wollte. Ich erfüllte diesen Wunsch natürlich gerne. Ich zeigte ihm das Flugblatt über Bob und mich. Er las das ganze durch und wie er damit fertig war stiess Bob zu uns. Ich stellte sie einander vor und der Polizist meinte zu Bob: "Nun gut, sie scheinen mir ein netter Kerl zu sein. Nach dem was diese Dinge über sie erzählen, nehme ich an dass sie ziemlich verrückt sein müssen um auf diese Weise Geld zu verdienen wie sie es machten. Ich wünschte sie könnten mir beibringen wie man so verrückt werden kann!"

Alles in allem, jeder glaubte das die Demonstration äusserst gut verlief. Ich war insbesondere zufrieden dass kein Angriffe auf Bob erfolgte, dank (wie ich sicher war) meiner Bereitschaft ihn den ganzen Tag zu bewachen. Es gab nur eine Herausforderung, als eine massive Frau in einer violetten Bluse begann Bob zu belästigen, Fragen schreiend wie: "Wie oft wurden sie schon verhaftet?" und Dinge wie "Ehebruch" und "psychiatrische Behandlung" rufend. In Kanada ist es nicht erlaubt, Demonstraten so herauszufordern, darum rannte ich herum und holte ein paar Polizisten die zu unserem Schutz anwesend waren. Sie gingen hinüber und brachten sie zum Schweigen, nachher waren wir in der Lage unsere Demonstration friedlich zu beenden.

Hinterher hatten Bob und ich ein Essen in unserem Hotel mit der vollständigen ARSCC Toronto, anschliessend sassen wir in der Bar und plauderten bis wir zu müde waren um noch länger aufzubleiben. Als wir alle zu ihren Wagen hinausbegleiteten entdeckten wir mehrere Scientologen die von den Fenstern des Hotels wegeilten. Ich versuchte mit einem von ihnen zu reden, was er aber aus irgend einem Grund weigerte er sich mit mir ein Gespräch zu führen. Alles was ich wissen wollte war sein Name. Ich meine, ich war bereit ihm den meinen bekanntzugeben, nach alledem. Aber möglicherweise war er einfach zu schüchtern.

Es gibt eine Menge Fotos von der Demonstration, den Mitgliedern des ARSCC Toronto und von unseren Scientology-Handhabern auf alt .binaries.scientology. There are lots and lots of photos of the picket, the members of ARSCC Toronto, and our Scientology handlers on alt.binaries.scientology. Soeben postete Bob aus Versehen 70 davon auf a.r.s., aber Rod Keller brachte ihm bei wie man sie wieder löschen kann, damit hoffentlich die meisten von euch durch diesen unabsichtlichen Fauxpas nicht belästigt werden. Der Grund ist, dass er von Grady neue autoposting Software bekam und er nun damit umzugehen lernt...jedenfalls seht in alt .binaries.scientology nach und lasst euch überraschen!

Übrigens haben wir entschieden, von nun an jährlich eine grosse "Auditor's Day" Demonstration in Toronto zu veranstalten. Notiert also folgende Daten: 13. März - Los Angeles; 19. September - Toronto; 5. Dezember - Clearwater.

Oh, und vielleicht sollten wir auch jedes Jahr am 10. September in Boston eine "Bob Minton Verhaftungs-Gedenkdemonstration" durchführen...na, nur um zu scherzen. Ich glaube kaum dass Maureen uns alle handhaben könnte auf ihrem Heimplatz.

Stacy Brooks Young