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"Deutschland muß endlich aufwachen"

Die Pressesprecherin von Scientology Deutschland zur Kritik an ihrer Organisation

taz: In Ihrer aktuellen Anzeigenkampagne vergleichen Sie die Situation des Scientology-Konzerns in Deutschland mit der Verfolgung der Juden durch die Nazis. Behaupten Sie das ernsthaft?

Gisela Hachenjos: Natürlich werden wir in Deutschland diskriminiert. Lesen Sie die Menschenrechtsberichte der UNO, der OSZE und des US-Außenministeriums.

Wie äußert sich denn diese Diskriminierung?

Der Ausschluß aus politischen Parteien, das Berufsverbot, wie es jetzt in Bayern ab 1. November gilt, der neueste Beschluß auf dem CDU-Parteitag, demzufolge wir vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollen. Uns will einfach keiner verstehen. Das ist einfach der Hammer.

Sie entscheiden auch, wen Sie aufnehmen wollen und wen nicht.

Darum geht es doch nicht. Wir sind eine Kirche; jeder, der sich nach unseren kirchlichen Richtlinien richten will, ist selbstverständlich willkommen. Wir sind Bürger dieses Landes, zahlen Steuern und werden dermaßen diskriminiert. Kinder von Scientologen werden aus Kindergärten und Turnvereinen rausgeschmissen. Lehrer, die unserer Kirche angehören, kriegen Redeverbot. Ich bezweifle, daß die Menschen wissen, was in diesem Land wirklich abgeht.

Ihre Kritiker nennen ja durchaus Gründe: die finanziellen Folgen für neue Mitglieder, die psychische Abhängigkeit.

So ein ausgemachter Blödsinn! Wer sind denn unsere Kritiker? Das ist ein Herr Blüm, Bundesarbeitsminister, der in den letzten sechzig Jahren eine so hohe Arbeitslosigkeit geschaffen hat, daß er sich besser mal ans Werk machen sollte, anstatt sich über die Scientology-Kirche zu mokieren.

Ihre Exmitglieder sprechen auch eine deutliche Sprache.

Haben Sie schon mal mit Aussteigern aus der katholischen Kirche gesprochen?

Kein ehemaliger Katholik wird behaupten, daß seine Kirche in Wahrheit ein Konzern ist, der die Weltmacht anstrebt.

Ja, manche Ex-Scientologen behaupten das. Aber fragen Sie doch mal die über 30.000 zufriedenen Mitglieder, warum sie Scientologen sind.

Wir befragen Sie jetzt aber zu den Vorwürfen.

Ich bin 16 Jahre Scientologe, ich bin nicht finanziell ruiniert, und ich weiß, daß Scientology nicht die Weltherrschaft anstreben will. So ein Blödsinn! Das wird nur behauptet und nicht bewiesen.

Es ist doch bewiesen, daß viele Neueinsteiger sich komplett verschulden, um an Hubbards Lehren teilhaben zu können. Sie empfehlen ja auch gleich die passenden Kredite dazu.

Ja und?

Sie sollten als Kirche doch am Wohl Ihrer Gläubigen, nicht an Ihrer finanziellen Ausbeutung interessiert sein.

Blödsinn! Wir werden nicht finanziell ausgebeutet. Ich will Beweise. Ich bin nicht daran interessiert, kritische Fragen zu beantworten. Sie sollten darüber berichten, was in diesem Land passiert. Das ist Menschenrechtsverletzung.

Sie empfinden kritische Äußerungen über Scientology als Menschenrechtsverletzungen?

Ja, natürlich.

Was haben Sie gegen Meinungsfreiheit? Sie gehen mit ihren Gegnern ja auch nicht zimperlich um.

Wer war denn zuerst da, die Henne oder das Ei? Wir haben hier in Deutschland seit 25 Jahren ganz friedlich unsere Mitgliederzahlen vergrößert, vergrößert und vergrößert. Wir haben was gegen Kritiker, die nicht mal wissen, wovon sie sprechen.

Die große Zahl der Aussteiger weiß das ganz genau.

Wir sind eine Kirche, wir sind eine Religion. Schauen Sie nach Amerika. Die Deutschen müssen endlich aufwachen. Aus, Schluß, Ende!

Interview: Clemens Heidel

TAZ Nr. 5060 vom 24.10.1996
Interview Clemens Heidel

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