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Promis für Scientology

Scientologen seien heute Opfer wie die Juden im Deutschland der 30er Jahre

Bonn (AFP) - In einem offenen Brief an Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) haben zahlreiche US- Prominente die "Diskriminierung" der Scientology-Organisation in Deutschland angeprangert und diese mit den Praktiken im Dritten Reich gleichgesetzt. "Wir sind keine Scientologen, aber wir können nicht wegschauen, während diese erschreckende Situation andauert", heißt es in dem Brief, der gestern als ganzseitige Anzeige in der Zeitung International Herald Tribune veröffentlicht wurde. Der Brief ist von 34 Prominenten der Künstler- und Intellektuellenszene in den USA unterschrieben, unter ihnen die Schauspieler Dustin Hoffman und Goldie Hawn, der Moderator Larry King, der Schriftsteller Gore Vidal und die Regisseure Oliver Stone und Constantin Costa-Gavras.

Hitler habe in den 30er Jahren religiöse Intoleranz zur offiziellen Regierungspolitik gemacht, und die Welt habe damals schweigend zugesehen. "Wir können die Geschichte nicht ändern, aber wir können versuchen, sie nicht noch einmal zu leben", heißt es in dem Schreiben. "In den 30er Jahren waren es die Juden, heute sind es die Scientologen." Die Boykottaktionen gegen Filme mit Scientologen wie Tom Cruise und John Travolta werden in dem Brief mit den Bücherverbrennungen des Dritten Reichs verglichen.

In den USA genießt Scientology als Kirche Religionsfreiheit; in Deutschland gilt die Organisation nach Rechtsprechung zuletzt auch des Bundesarbeitsgerichts als kommerzielles Unternehmen.

TAZ Nr. 5124 vom 10.01.1997
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