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SZ vom 10.01.1997


Katholische Kirche empört

Falsche Sternsinger warben für Scientology

Als Sternsinger verkleidete Mitglieder der Scientology-Organisation haben nach Informationen des Erzbischöflichen Ordinariates am Dreikönigstag Werbematerial an Passanten in der Fußgängerzone verteilt und damit die Katholiken massiv verärgert: 'Etikettenschwindel und Mißbrauch einer guten Sache' wirft Hans Liebl, Beauftragter für Weltanschauung im Ordinariat, den Scientologen vor. Die 'totalitäre und pseudoreligiöse Organisation', die 'nur auf Geld und Macht aus sei', habe damit die Sympathien, die die Sternsinger wegen ihres Engagements für Kinder in der dritten Welt in der Bevölkerung genössen, schamlos für ihre eigenen Zwecke ausgenutzt. Bereits in der Vergangenheit sei Scientology dadurch aufgefallen, daß sie mit verdeckter Werbung auf Kundenfang gehe, so der Theologe. Dabei versuche die Organisation immer wieder, sich als Weltanschauung darzustellen, obwohl das Bundesarbeitsgericht ihr bereits 1995 die Eigenschaft einer religiösen Gemeinschaft abgesprochen habe, kritisierte der Sprecher des Ordinariates, Winfried Röhmel. Das Flugblatt mit der Überschrift 'Gute Vorsätze für das Jahr 1997 - Helfen Sie Menschen in Not' war unterzeichnet von den 'ehrenamtlichen Geistlichen der Scientology- Kirche Bayern'. Rechtlich belangt werden kann die Organisation für die 'Sternsinger-Fälschung' aber vermutlich nicht: Denn bei 'einfachem Zettelverteilen' greift nach Ansicht des Kreisverwaltungsreferates die Sondernutzungsregelung für die Fußgängerzone nicht. Sie verbiete lediglich Nötigung und gewerbliche Betätigung.
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