Streit mit Scientology eskaliert mit Schüssen

von LUCY MORGAN und THOMAS C. TOBIN

St. Petersburg Times, vom 28. Juli 1998


Die Auseinandersetzung zwischen der Scientology "Kirche" und dem Millionär Robert S. Minton eskalierte über das Wochenende, als dieser einen Schuss in die Luft abgab nachdem er beobachtete, wie Scientology Demonstranten unerlaubterweise seine 80 ha Farm im südlichen New Hampshire betraten.

Die Polizei in Sandow, N.H., meint dass beide Seiten ihre Grenzen überschritten - die vier Scientologen durch das unerlaubte Betreten von Minton's Land nachdem man sie zum Verlassen aufgefordert hatte, und Minton weil er eine Waffe in die Luft abfeuerte.

Minton erreichte nationale Bekanntheit durch seine finanzielle Unterstützung von Aktionen gegen Scientology, eingeschlossen eine Klage in der Angelegenheit Lisa McPherson, einer Scientologin die in Clearwater unter mysteriösen Umständen ums Leben kam.

Wie Polizeichef Scott Currier am Montag bekanntgab, ist die Untersuchung des Vorfalle vom Wochenende noch nicht abgeschlossen, kriminelle Absichten könnten jedoch ausgeschlossen werden.

"Wir sind solche Angelegenheiten nicht gewohnt," meinte Currier. "Diese Leute tragen offensichtlich ernsthafte Rachefeldzüge untereinander aus. Wir wollen vermeiden, dass die ganze Stadt da mit hineingezogen wird."

Wie Currier sagte, versuchten die Scientologen und ein von ihnen angestellter Privatdetektiv in der Stadt schmutzige Angelegenheiten über Minton ausfindig zu machen. Minton hat ein Weekendhaus im ländlichen Gebiet nördlich von Bosten, wo er ein Stadthaus in Beacon Hill besitzt.

Minton, ein ehemaliger Investmentbanker, hielt sich nach eigenen Aussagen mit Stacy Young im Haus auf, einer ehemaligen Scientologin die von ihm und seiner Frau unterstützt wurde. Minton's Frau und die Töchter flogen am Freitag für einen Familienbesuch nach England.

Am letzten Samstag, während er im familieneigenen Pool schwamm, entdeckte Minton beim Aufschauen einen Mann, der auf einem Hügel neben seinem Anwesen stand und Fotos aufnahm. Der Mann schrie daraufhin Obszönitäten, mit denen er Minton und Mrs. Young unterstellte eine sexuelle Beziehung gehabt zu haben.

"Ich empfand das als zuweit gehend -- Grund genug um empört aus dem Pool zu springen, ins Haus zu gehen, meinen Arbeitsraum aufzuschliessen und ein Gewehr zu holen," meinte Minton. "Ich lud es mit einem Schuss für Fasane -- Nr.4 Buckshot -- und feuerte es in einer Entfernung von mindestens 60 Metern von ihnen in die Luft ab."

Minton erklärte, dass er nur versuchte Mrs. Young beizustehen und nie eine Beziehung mit ihr hatte.

Nachdem die Scientologen am Samstag abend "einen eher überhasteten Rückzug machten", gab Minton bekannt dass er Mike Rinder, Chef des "Scientology's Office of Special Affairs", anrief und sich bei ihm beschwerte. Er erklärte Rinder auch, er würde Details über den Vorfall im Internet publizieren.

Polizeichef Currier sagte, dass Mike Middleton, ein für Scientology arbeitender Privatdetektiv, die Polizei nach der Schiesserei am Samstag kontaktierte und berichtete, er hätte Samstag abend bei Mintons Haus Videoaufnahmen von der Demonstration gemacht.

Marty Rathbun, ein ranghoher Offizieller von Scientology, behauptete er zweifle daran, dass Scientologen Minton's Besitz unerlaubterweise betreten hätten.

Currier jedoch erklärte, dass Middleton ihm mitteilte, die Scientologen gesehen zu haben wie sie an Minton's Haustüre und dann hinter das Haus gingen. Middleton erzählte auch der Polizei, jemand gehört zu haben, der die Scientologen vom Grundstück wegwies, dass er aber beim Abfeuern des Schusses jedoch bereits weggegangen war.

Minton gab auch bekannt, dass Scientologen am Sonntag seine Frau Therese im Hause ihres Vaters besuchten, das 90 Kilometer ausserhalb von Lodon liegt. Sie hält sich dort mit den beiden Töchtern, 10 und 12 Jahre alt, auf. Die Scientologen händigten ihr einen Brief von Rinder aus.

Minton sagte, der sechsseitige Brief benachrichtigte seine Frau darüber, dass er eine sexuelle Beziehung mit Mrs. Young gehabt hätte, die dafür all sein Geld bekäme. Gemäss Minton verlangte Rinder ein Treffen mit seiner Frau mit der Behauptung, er hätte belegte Beweise für diese Beziehung.

"Wie konnte er wissen wo meine Frau und die Kinder waren?" fragte Minton am Montag.

Rathbun, der Offizielle von Scientology, behauptete am Montag dass Mrs. Young mit Minton zusammenziehen werde. Befragt woher er dies wisse, war seine Antwort es sei "allgemein bekannt".

Als er gefragt wurde, warum die "Kirche" davon betroffen sein soll, sagte Rathbun, Minton sei jüngst in Medienberichten als Kreuzritter dargestellt worden und "ich denke es spricht für seine Motive...ich denke dieser Typ ist ein scheinheiliger Heuchler."

Minton erklärte dass seine Frau vor ihrer zweiwöchigen Abwesenheit von Mrs. Young's Besuch in ihrem Haus wusste.

Letzten Herbst kauften die Mintons für 250'000 Dollars ein Haus in der Nähe von Seattle für Mrs. Young und ihren Ehemann, Vaughn, der ebenfalls ein ehemaliger Scientologe ist. Die Youngs arbeiten mit ehemaligen Mitgliedern von Scientology und dienen als Berater für Anwälte die Scientology einklagen wollen.

Vaughn Young ist unter den Experten, die den Anwalt Ken Dandar in Tampa bei einer Zivilklage unterstützen, die durch die Familie von Lisa McPherson eingereicht wurde, einer 36jährigen Frau die 1995 im Fort Harrison Hotel ums Leben kam.

Alle erzählten, Minton habe mehr als 1,7 Millionen Dollars für Aktionen gegen Scientology aufgebracht.

Scientology Demonstranten verteilten Flugblätter vor Minton's Haus in Boston, in denen er beschuldigt wurde, einer dem Ku Klux Klan ähnlichen Organisation anzugehören. Gleiche Flugblätter wurden bereits früher in diesem Jahr auf der Insel St. Kitt in der Karibik verteilt als er in jener Gegend mit seiner Familie Ferien machte.

Auf NBC's Dateline äusserte sich Rinder letzten Monat dahin, er glaube dass Minton ein Krimineller sei und verglich ihn mit Timothy McVeigh, dem Bombenleger von Oklahoma City.

Minton sagte, er plane seinen Kreuzzug gegen Scientology fortzusetzen, den er vor etwas mehr als einem Jahr startete als er von den Bestrebungen der Organisation vernahm das Internet zu zensieren.

"Sie sind wie die kleinen Angeber in 'Der Herr der Fliegen'", meinte Minton. "Sie sind kindisch, wollen jedoch, dass jedermann denkt sie wären allmächtig."

Minton sagte, Rinder und Rathbun hätten versucht ihn dazu zu bewegen, sich der Scientology "Kirche" anzuschliessen.

"Ich hatte eine längere Unterredung mit diesem Typ," erklärte Rathbun. "Er ist, um es milde auszudrücken, angeschlagen."

Minton ist überzeugt: "Ich bin vollkommen qualifiziert ein Scientologe zu sein. Ich habe Geld und sie sind willens, dies zu ändern."