29. Juni 2004

PRESSEMITTEILUNG

Pressemitteilung des
"European-American Citizens Committeefor Human Rights and Religious Freedom" in den USA (EACC)

Leipziger Menschenrechtspreis 2004

Dr. Margaret Thaler Singer

Nach den Feierlichkeiten und der Preisverleihung 2003 traf sich, wie es seit Bestehen des Leipziger Menschenrechtspreises in jedem der vergangenen vier Jahre unsere Gewohnheit war, das Komitee und wählte von der Liste der Vorgeschlagenen den Empfänger des Preises im folgenden Jahr. Das Komitee wählte für 2004 Doktor Margaret Thaler Singer.

Kurz darauf erkrankte Dr. Singer und nach fünfmonatigem Krankenhausaufenthalt verstarb sie am 23. November 2003. Margaret hatte ein langes, hervorragendes und liebevolles Leben, sie ist unersetzlich.

Ebenfalls nach der Leipzig Zeremonie und der Komiteesitzung verstarb am 15. Juni 2003 Robert Vaughn Young, ein Unterstützer und Kandidat für den Preis. Vaughn war langjähriger hoher PR Mitarbeiter von Scientology, bevor er einer der sachkundigsten, fähigsten und wirkungsvollsten Gegner des Kults wurde.

Am 24. Juli 2003 veloren wir mit Dr. Claire Champollion ein eigenes, verehrtes Mitglied des Komitees. Als Schriftstellerin und Professorin für Linguistik waren Claire gemeinsam mit ihrem Ehegatten Dr. Guy Champollion die Gründer der "Association franšaise de défense des familles et des individus contre les sectes" (ADFI), der ersten Elternvereinigung gegen Kulte in Europa.

Und am 4. November 2003 verlor die Welt Herbert Rosedale, seit 1988 Präsident der "American Family Foundation" (AFF), der wichtigsten professionellen amerikanischen Organisation, die über Kulte forscht und lehrt. Als Rechtsanwalt half Herb vielen Menschen in rechtlichen Angelegenheiten im Zusammenhang mit Kulten und als Autorität auf diesem Gebiet half er während vielen Jahren bei der Aufklärung unzähliger.

Und dann verloren wir alle Margaret Singer.

Während wir monatelang auf ihre Genesung warteten und hofften wurde uns mitgeteilt, dass Margarets Familie nicht wünschte ihren Krankenhausaufenthalt öffentlich bekannt zu machen, darum hielten wir auch unsere Diskussion über ihre Ernennung als Preisgewinnerin vertraulich. Als Margaret leider verstarb, musste das Komitee die Pläne für den Preis von 2004 neu festlegen.

Wie unsere Charta und unser Name ausdrückt, sind wir eine transatlantische Organisation, die sich hauptsächlich auf Menschenrechte und Religionsfreiheit in den USA konzentriert sowie auf das Aufkommen des organisierten Totalitarismus. Es ist notwendig, der Angelegenheit der Menschenrechte in den US Beachtung zu schenken, gerade weil, wie auch unsere Charta bestimmt, die US eine solch starke Position einnehmen, tatsächlich eine Führungrolle, bezüglich der globalen Menschenrechte. Es ist keine Respektlosigkeit gegenüber den US zu sagen, dass die Rechte jedes Bürgers jeder anderen Nation auf der Erde gewissermassen vom Stand der Menschenrechte abhängen, wie sie von den Amerikanern ausgeübt und verteidigt werden.

Das Komitee hat erkannt, dass die private Gruppe, welche gegenwärtig als der ungeheuerlichste organisierte Missbraucher und Zerstörer dieser Rechte in den US auftritt, obgleich häufig subtil und unter Billigung der Behörden, der Scientology Kult ist. Ominös, es ist Scientology mit ihrer rechtzerstörenden "Religionsfreiheit" und ihrer Kampagne zur Anerkennung und Kontrolle in Europa, der bestimmte US Beamte die enorme Unterstützung ihrer Regierung zukommen lassen. Wir sind besorgt, nicht nur weil Scientology eine in Amerika entstandene, von dort kontrollierte und exportierte totalitäre Organisation ist oder weil die US Regierung souveräne Staaten kritisiert und bedroht, die angemessene Massnahmen ergreifen um die Rechtmissbräuche der Organisation einzuschränken oder auch aufzudecken, sondern weil die US die Rechte und Aufrufe der Opfer von Scientology ignorieren, die Amerikas eigene Bürger sind.

Der Leipziger Menschenrechtspreis begann ursprünglich als "Alternativer Karlspreis"; unter anderem um einen Kontrapunkt zum "Karlspreis" zu setzen der 2000 US Präsident Bill Clinton zugesprochen wurde. Mit dem Karlspreis, der seit 1950 jedes Jahr in Aachen, Deutschland verliehen wird, werden Personen geehrt, die Demokratie, Menschenrechte und die gemeinsamen Werte Europas fördern. Während Clintons Regierungszeit wurde Scientology Steuerbefreiung und demzufolge der "religiöse Status" gewährt; Bundesämter begannen den Kult zu fördern und bei seinen Angriffen auf Amerikas Verbündete in Europa zusammenzuarbeiten. Die Verleihung des Karlspreis an Präsident Clinton anerkannte "die enge Verbindungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und den europäischen Staaten und Völkern". Tatsächlich arbeitete Scientology, absurderweise ermutigt durch die Unterstützung durch die Regierung der US, eifrig daran die Europäisch-Amerikanische Freundschaft zu schädigen.

In unserer Charta ersuchen wir die amerikanische Regierung, sich den Verletzungen der Menschenrechte durch Scientology zu stellen, diese zu stoppen und im Land der Demokratie die wahre Freiheit des Lebens, der Rede, der Religion, der persönlichen Entfaltung und des Strebens nach Glück wieder herzustellen. Unsere Waghalsigkeit die US aufzurufen, Rechenschaft über das Versäumnis sich den Menschenrechtsverletzungen durch Scientology zu stellen während sie rund um die Welt den Kult förderten machte das Komitee und den Leipziger Preis umstrittenes und machte natürlich jeden Beteiligten zum Ziel von Scientologys bösartiger Doktrin der "Suppressiven Personen".

Jeder unserer bisherigen Preisempfänger wurde von Scientology als "SP" ins Visier genommen und der berüchtigten "fair game" Methode des Kults unterworfen, welche von zahlreichen Gerichten international gerügt wurde, die jedoch ermächtigt durch die Führung von Scientology als Behandlung von solchen "Unterdrückern" trotzdem angewendet wird. Diese mutigen Einzelpersonen - Robert Minton, pensionierter Banker und Menschenrechts-Aktivist in den US; Norbert Blüm, ehemaliger deutscher Bundesminister für Arbeit; Alain Vivien, früherer Präsidenten der "Mission Interministerielle pour la Lutte contre les Sectes" (MILS) des französischen Ministerpräsidenten und Andreas Heldal-Lund, norwegischer Informationstechnologie Fachmann und Gründer von www.xenu.net - sie alle wussten, was "fair game" ist und nahmen den Leipziger Preis trotzdem an im Wissen, dass er vermehrt Gelegenheiten zu unverdienten und grausamen Hasstiraden bietet.

Margaret Singer war auch von der unerschrockenen Seelenart, die über ein wenig mehr Scientology "black propaganda" gelacht hätte für das Empfangen eines weiteren Preises für ihre jahrzehntelange Arbeit des Studiums und Entschlüsselns von Kultsystemen und für ihre Hilfe und Ermutigung für viele Opfer von Kulten. Sie hätte Leipzig gemocht wie alle, die mit diesem Preis verbunden sind, Leipzig zu lieben begannen. Wir erinnern uns an die Zeiten, als der Preis so viele Mitkämpfer nach Leipzig gebracht hat und die unzähligen Gelegenheiten, bei denen nur unsere Gedanken in dieser reizenden und ironischen Stadt verweiltenn. Für uns ist Leipzig das geistige Zentrum der Menschenrechtsbewegung, die friedlich und ironisch die Diktatur in Ostdeutschland überwältigte und zur deutschen Wiedervereinigung führte. Margaret hätte das geschätzt, und als Psychologin hätte sie es gemocht und darüber gelacht im Wissen, dass die Scientologen Leipzig zur speziellen Verurteilung auserwählten als die Quelle von allem, was auf dem Planeten Erde schlecht ist - ihren Beruf, die "psychs" wie Scientology sie nennt!

Margaret verstand die totalitäre Natur von Scientology und durchschaute das religiöse bemänteln der tatsächlichen Philosophie, Politik und Praxis des Kults, mit denen er seine antisozialen Ziele verfolgt und jene Menschen zu zerstören versucht, jene "wogs", die diesen Zielen widersprechen oder sogar in Frage stellen. Sie war entsetzt und schrecklich enttäuscht durch die Gewährung der Steuerfreiheit und des "religiösen Status" durch die US Bundesregierung im Jahre 1990 für die Firmen von Scientology, welche sie nicht nur von ihrer beruflichen Forschung, sondern aus persönlicher Erfahrung als Opfer kannte als bösartigen, despotischen Kult. Sie beobachtete lange die Institutionalisierung von Scientology und ebenfalls das Verkaufen als Therapie, den psychologischen und körperlichen Missbrauch und das Verarmen von US Bürgern. Sie war gegen den Kult, seine organisierten menschenrechtswidrigen Missbräuche und Betrug als verfassungsmässig geschützte "Religionsfreiheit" bezeichnend und sie verurteilte die Zustimmung ihrer Regierung zu dieser Perversion. Sie war während Jahrzehnten eine echte Freundin für die Opfer und Ziele von Scientologys "fair game" und war einverstanden und glücklich, sich selbst unter uns zu wissen.

Wir waren dann alle berührt von Margaret Singers Tod, und wir waren vom Tod von Vaughn Young, von Claire Champollion und von Herb Rosedale berührt. Die sachkundigen Gegner des Totalitarismus von Scientology sind viel weniger als es die Organisation eigentlich verdient und wir möchten verraten, es ist nur eine kleine Gruppe die diese raren Mitglieder verliert. Wir werden jetzt von vielen Dingen bewegt: unsere Dankbarkeit für eine Margaret Singer, dass es überhaupt diese vier kameradschaftlichen Seelen gab, für den der Kampf an dem wir uns beteiligten und für den Kampf der weitergeht, und die Menschlichkeit von uns allen.

Das Komitee hatte wirklich keine andere Wahl als für 2004 keinen anderen Preisträger zu bestimmen, weil Margaret wirklich unersetzlich ist. Wir entschieden auch, dieses Jahr keine Feier zu veranstalten. Wir werden nun das Auswahlverfahren unter den Vorgeschlagenen für 2005 beginnen, die anfangs nächstes Jahr bekannt gegeben werden. Es ist unsere Tradition, die wir wenn immer möglich befolgen, dass ein Preisempfänger in einem Jahr den Preis dem Empfänger im folgenden Jahr überreicht. Wir laden deshalb Andreas Heldal-Lund ein, der 2003 Preisträger war, den nächsten Preis zu überreichen und zu mit uns feiern.

In jüngster Zeit, noch im Frühjahr 2004, sind die Menschenrechte, und zwar offensichtlich die von den US ausgeübten und verteidigten Menschenrechte, im globalen öffentlichen Bewusstsein und unser bescheidener Beitrag im kalten Krieg zu diesem Bewusstsein wird überschattet durch explosive weissglühende Kriegsereignisse. Die Periode dieses neuen Krieges, von vielen definiert als Krieg gegen den Terror, brachte eine gesteigerte Bedrohung der grundlegenden Menschenrechte von aussen durch die Gewalttätigkeit und von innen durch diejenigen, von denen wir abhängig sind um uns vor Gewalttätigkeit zu schützen.

Das "European-American Citizens Committee for Human Rights and Religious Freedom in the USA" schlägt vor, dass im Gedenken und zur Ehrung von Dr. Singer während diesem Jahr unsere Mitglieder und Unterstützer sich die Zeit nehmen, Menschenrechte in Beziehung auf ihr Leben zu bedenken, über den Stand der Menschenrechte irgendwo oder überall auf der Welt nachzudenken, was getan werden könnte um dann etwas zu unternehmen. Eine Revolution kann mit dem Brief von irgend jemandem oder dem Treffen von einigen Leuten beginnen. Kopien von geschriebenen Briefen oder Einzelheiten zu unternommenen Aktionen im Zusammenhang mit diesen Bemühungen um die Menschenrechte können an das Komitee geschickt werden, falls die Schreiber es erlauben, werden sie unter Beachtung von Sicherheit und Angemessenheit im Internet veröffentlicht.

Wir können nicht beeinflussen, wann jemand stirbt oder wir sterben, das Wetter oder die Gezeiten beherrschen oder ein langes Leben herbeiführen, aber wir Menschen kontrollieren bestimmt die Menschenrechte. Was ein Mensch auch immer unternimmt, egal wie klein es anscheinend ist, die Menschenrechte zu verbessern, so werden die Menschenrechte besser. Margaret hätte den Hoffnungsvollen gewürdigt, sogar die Zusicherung dieser Idee , und würde es begrüssen ihrem Namen mit diesem einfachen Projekt verbunden zu wissen, das versucht, gute Leute zu veranlassen sich für die menschenrechte einzusetzen. Das Komitee wird entscheiden, ob diese Idee ein Wettbewerb wird und ob es vielleicht einen Margaret Singer Preis gibt.

Wir danken euch allen für die Unterstützung. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit in diesem Jahr um damit weiterzumachen, die Menschenrechte im allgemeinen Bewusstsein zu halten und wir hoffen alle zusammen 2005 ein weiteres Mal zu sehen.


Der im San Francisco Chronicle veröffentlicher Nachruf für Margaret Singer: