Hamburger Morgenpost Online

vom 12.02.2000

Nie zuvor bekam die umtriebige Sekte mehr Unterstützung, als derzeit vom US-Präsidenten Clinton als Scientology-Lobbyist Berlin - Die dubiosen Geschäfte von Scientology werden offenbar von US-Präsident Bill Clinton und dem Auswärtigen Amt in Washington unterstützt.

Dies behauptete am Freitag in Berlin der renommierte Scientology- Experte Professor Steven Kent bei einem Treffen mit Sektenexperten auf Einladung der SPD-Fraktion. Der Kanadier bekam dabei Schützenhilfe von Ursula Caberta, der Hamburger Scientology- Beauftragten.

Kent wies darauf hin, dass die sogenannte "Kirche" zunächst auch in den USA auf starken Widerstand der Behörden gestoßen sei. Das sei ab 1993 unter Clinton schlagartig anders geworden. Seither habe die Scientologen-Lobby für ihre weltweiten Aktivitäten volle Unterstützung aus dem Weißen Haus.

Dabei träten als prominenteste Lobbyisten der Schauspieler John Travolta und der Jazzpianist Chick Corea auf. Clinton habe auf einer Veranstaltung Travolta öffentlich versprochen, die Verbeitung der Lehren von Sekten-Gründer L. Ron Hubbard auch in Deutschland zu unterstützen. Über die Folgen kann Caberta ein Lied singen.

Nachdem die Hamburger Verwaltung den Scientologen für die Nutzung des Hauses in der Domstraße, das sie kürzlich für 20 Millionen Mark gekauft haben, die üblichen Auflagen für die Nutzung und die Bereitstellung von Parkplätzen gemacht hatte, habe bei ihr in der Innenbehörde ein Vertreter des US-Generalkonsulats angerufen und sich über die Behinderungen beschwert.

Auf ihre Frage, in wessen Auftrag sich das Konsulat verwende, wurde ihr der Name der Hamburger Scientology-Chefin genannt - eine Deutsche, für die die US-Vertretung gar nicht zuständig ist.

Scientology-Experte Kent hofft jetzt, dass Al Gore nächster US-Präsident wird. Dessen Frau ist Psychologin - nichts fürchten die Scientologen mehr.

UR