Interview einer Ex-Mitarbeiterin der schweizerischen Scientology Kirche

(Mitglied der Scientology Kirche in Lausanne von 1987 bis 1993 )

SCHIKANIERUNG DURCH ZWANG UND KONFISZIEREN DER POST

Die Scientology Kirche von Lausanne hat mich zum besten gehalten

Als ich in die Scientology Kirche eintrat hatte ich eine schwere Operation hinter mir, fühlte mich in meiner Haut nicht wohl, ich wollte in einem Park in Lausanne spazieren gehen als ich einen Haufen Bücher mit einem Vulkan darauf sah. Ich dachte dass es Büchern von Aroun Tazief waren und näherte mich. Eine Person nahm mich am Arm und schlug mir vor, zum Gespräch in ein Kaffee zu gehen. Ich kam nicht nahe genug an die Bücher heran und nicht sehen, dass es sich nicht um ein Buch von Aroun Tazief handelte.

Mein Fehler war ein Buch zu kaufen, ich hatte kein Geld bei mir und unterschrieb einen Scheck. In der Diskussion ist es der Person gelungen, mir intimste Informationen über meinen gegenwärtigen Zustand zu entlocken. Die Tatsache dass ich einen Scheck unterschrieb zeigte ihnen, dass ich uneingeschränkt handeln konnte und dass ich über ein eigenes Konto verfügte.

In der Folge kamen sie vier Wochen später erneut auf mich zu und fragten mich, ob ich das Buch gelesen hätte. Ich gab zur Antwort, dass ich darüber enttäuscht war, dass es nicht von Aroun Tazief war. Sie haben mir gesagt "kommen Sie doch vorbei, wir werden darüber sprechen". Ich habe Briefe erhalten. Dann bin ich vorbei gegangen und habe mich für einen Kurs eingetragen. Ich dachte, dass sie mich dann in Ruhe lassen würden. Ich habe einen ersten Kurs gemacht, dessen Thema "die Hoch und die Tiefs" war. Dieser Kurs hat mir geholfen, hat mir mein Selbstvertrauen wieder gegeben, ich habe festgestellt, dass ich noch zu etwas fähig war. Von diesem Moment an liess ich micht nicht mehr aufhalten.

Scientologen an der Beerdigung meines Ehemannes ...

Mein Ehemann wurde krank, er hatte Lungenkrebs und ich pflegte ihn zu Hause. Es war eine harte Zeit. In dieser Lage hatte ich keine Zeit in die Scientology Kirche zu gehen, ich wurde während dieser Periode nicht mehr kontaktiert, jedoch an der Beerdigung meines Ehemannes waren zwei Personen von Scientology anwesend. Zwei Tage später, als meine Familie gegangen war, kamen sie zurück und sagten mir, in die Scientology Kirche zu kommen. Ich bin dorthin gegangen und ich habe Kurse gemacht.

Der Preis der Kurse erhöht sich zunehmend. Für den ersten Kurs habe ich 60 oder 80 Franken (40 Euro)bezahlen müssen. Der Preis ist dann für die folgenden Kurse auf 120 Fraken gestiegen, dann auf 200 Franken, schliesslich 700 Franken. Ich setzte mir finanziell Grenzen durch der Tatsache, dass ich einen Sohn im Studium hatte. Als ich dies gesagt habe, hat man mir erklärt, dass ich Mitglied des Personals werden könne. Ich kümmerte mich in der Kirche um die zentrale Kartei, d.h. um die Akten von jeder Person, die einen Kontakt mit Scientology hat, so die besuchten Kurse, die Rechnungen, usw.

In der Tretmühle

Ich hätte jederzeit aus der Kirche austreten können, aber ich war mir nicht bewusst, dass ich in die Tretmühle geraten war. Man hat mir vorgeschlagen nach Los Angeles zu gehen, ich wollte nicht, aber es gelang ihnen, mich zu überzeugen. Als ich in Los Angeles angekam erkannte ich gleich, dass mir das nicht gefiel und ich wollte wieder weggehen. Doch man sagte mir, dass ich aufgrund der von mir gemachten Reise mindestens drei Wochen bleiben müsste. Ich habe also einen Kurs gemacht. Das Ziel von Scientology war, dass ich mich ihrer Sea Org anschliesse.

Ich absolvierte die drei ersten Kurse, es waren Kurse wie in der Schule, aber man arbeitet selbständig mit Büchern und Kopfhörer, es handelte sich um persönliche Arbeit. Es was stets jemand im Raum anwesend, falls man Hilfe benötigte. Als ich diese Kurse begonnen habe wurden meine persönlichen Papiere der "Staff" am Ort, wo ich untergebracht war, übermittelt. Ich habe dann vorgeschlagen, meine Papiere selbst aufzubewahren, ich habe sie erhalten und ich ging weg. Ich ergriff die Gelegenheit und ich bat einen Taxifahrer mich zum nächstgelegen Flughafen zu fahren. Der Fahrer war ein Russe, der aus Russland fliehen musste. Er sagte mir, er finde, dass meine Abreise einer Flucht gleiche. Ich erklärte ihm, was mir passierte.

Die Hölle der Arbeit bei Scientology in Los Angeles

Man hat mich in Los Angeles während den letzten beiden Wochen meines Aufenthalts fast nie alleine gelassen, ich konnte mich nicht frei bewegen. Der Grund meiner Beaufsichtigung war, dass ich Geld bedeutete, war ich verwitwet und war ich ohne Verpflichtungen. Die Scientology Kirche versuchte, mich wiederholt an sie zu binden, ich war jedoch nie zufrieden mit diesen Rehabilitationssitzungen. Zusätzlich zum Absolvieren von Kursen musste Reinigungsarbeiten machen, dem Personal der Cafeteria helfen, die Küchen reinigen und vieles mehr. Der Tag begann um 6 Uhr 30 und endete um Mitternacht. Ich wusste nicht, dass ich das machen musste. Ich kam, um Kurse zu besuchen. Diese Situation liess mich in Panik geraten.

In Los Angeles wurde meine Post konfisziert

Ich versuchte meinen Kindern zu schreiben, aber ich bekam keine Antwort, als ich dann in die Schweiz zurückkehre stellte ich fest, dass meine Kinder nur die Briefe bekamen die ich ausserhalb des Gebäudes der Scientology Kirche aufgegeben hatte. Die Briefe, die ich im Gebäude selbst aufgab, sind nie verschickt worden.

Das Zweck der Kurse in Los Angeles war, dass ich nach der Rückkehr in die Kirche von Lausanne als Missionarin arbeiten würde indem sie mich befähigten, Kurse zu erteilen und wichtigere Funktionen in der Kirche von Lausanne einzunehmen, vor allem durch die Kirche von Los Angeles und nicht von Lausanne bezahlt zu werden..

Es gab in Los Angeles viele Leute mit dem gleichen Status wie ich. Es gibt die Leute die dies ertragen, denn sie wissen wo sie sind, aber es gibt auch Leute wie ich, die sich bewusstmachen, dass sie dies nicht wollen und sich in Sicherheit bringen. Ich erinnere mich an eine 16jährige Person, die sich der Sea Org (Seeorganisation) anschliessen musste, dies nicht wünschte, sie wurde jedoch gezwungen durch die Tatsache, dass ihre Eltern zu Scientology gehörten.

Retourbillett: Lausanne-Kopenhagen

Als ich nach zwei Monaten von Los Angeles in die Schweiz zurückkehrte, ging ich zu meinem Sohn und blieb dort zwei Wochen. Ich konnte meine alte Wohnung nicht zurückbekommen infolge der Tatsache, dass ich sie Scientologen überlassen hatte, die jedoch die Miete nicht bezahlt hatten. Als ich in die Schweiz zurückkam, begann die Kirche mich zu suchen, sie wollte, dass ich nach Kopenhagen gehe. Schliesslich, da ich der Kirche von Lausanne immer noch vertraute und ich nicht begriff, dass sie mich zum besten hielt, ging ich halt nach Kopenhagen für einen 'Rehabilitations-Kurs', damit ich alle negativen Gedanken los würde. Man hat mir gesagt, dass ich den Ethik Chef besuchen musste, allerdings hatte ich in diesem Moment nichts um ihn zu bezahlen.

Am ersten Tag, bei meiner Ankunft, sagte mir das Mädchen am Empfang, dass ich meine Tasche bei ihr lassen musste, sie sagte mir auch, dass ich mich mit der Tatsache abfinden müsse, dass der Chef nicht da war. Sie hat mir gesagt, dass ich der Cafeteria einen Schlag der Hand geben gehen konnte, der davon erwartete. Als ich zur Rezeptionistin zurückgekehrte, fragte ich sie, ob der Chef nun da war; ihre Antwort war, dass er soeben gegangen war. Ich verlangte meine Tasche zurück, sie wollte sie mir nicht geben. Andere Personen kamen dazu und ich habe geschrien, dass ich meine Tasche zurück haben wollte und machte mich davon. In der Tat habe ich eine Hin- und Rückreise gemacht.

Flucht vor den Scientologen

Nach der Rückkehr in meine Wohnung wurde ich ständig angerufen, jede Stunde klingelte das Telefon. Tag und Nacht klingelte das Tefefon, es war telefonische Belästigung. Sie sprachen sogar mit meinen Nachbarn, sie fragten sie, ob ich guten Kontakt mit ihnen habe, ob ich nicht ein bisschen komisch sei. Ich weiss, dass es Scientology war die meine Nachbarn befragte, weil ich nachfragte wie sie angezogen waren. Die Scientologen sind stets dunkelblau oder schwarz angezogen, mit einem hellblauen Hemd und einem an die Krawatte angehängten Symbol. Meine Nachbarn wussten, dass ich mein Haus an Scientologen vermietet hatte und konnten sie wieder erkennen.

Der Eigentümer des von mir gemieteten Hauses kannte mich und er hat Vertrauen zu mir, ich habe den Mietvertrag nicht verloren, er hat mir jedoch gesagt, dass er keine Scientologen mehr sehen wolle. Mein eigenes Haus hatte ich beim Tod meines Ehemannes meinen Kindern überschrieben. Ich wollte nicht mehr die Sorgen eines Hauses haben und auch den Druck von den Scientologen vermeiden. Ich hatte meinem Ehemann versprochen, dass das Haus den Kindern bleiben würde.

Schliesslich ich bin ein Jahr zu Freunden nach Frankreich gegangen, um mich von der Scientology Kirche loslösen zu können und damit man mich nicht wieder findet. Ich war im Gebiet von Digne/Provence. Ich kam ungefähr alle zwei Monate in die Schweiz zurück. Indem ich nach Frankreich ging, ist es mir gelungen, die Scientology Kirche loszuwerden.

Jedoch, damit die Belästigung aufhörte und bevor ich nach Frankreich ging, musste ich einerseits von meinem Arzt ein Attest ausstellen lassen, das von Scientology das Einstellen der telefonischen Belästigung verlangte da mich diese in einen depressiven Zustand versetzte, andererseits musste ich auch meinen Anwalt in Lausanne bitten, ebenfalls in diesem Sinn an Scientology zu schreiben.

Die Scientology Kirche von Lausanne hat mich zum besten gehalten

Ich war enttäuscht festzustellen, dass die Kirche von Lausanne mit mir nur gespielt hatte. Ich habe festgestellt, damit die Kirche von Lausanne im Dienstgrad aufsteigt war sie gezwungen, Leute zur Sea Org zu senden. Ich zog nicht in Betracht, dass ich bestimmt wurde zur Sea Org zu gehen und dass jemand anders meinen Platz in Lausanne erhielt.

Als ich erklärte, nicht zur Sea Org gehen wollen, wurde ich zum Gegenstand von Belästigungen.

Ich habe alles versucht, um nicht nach Los Angeles zu gehen. Ich bin nach Bern gegangen um ein Visum zu erhalten, dort traf ich eine Person die ich kannte, doch ich konnte ihr nicht sagen, dass ich gar kein Visum wollte, denn ich war nicht alleine in Bern, ich wurde von einer Person von Scientology begleitet.

Wenn ich von Belästigung spreche, in Wirklichkeit liess man mich nicht frei entscheiden, man versuchte nur mir alle positiven Punkte aufzuzeigen um dorthin zu gehen.

Ich wollte kein Darlehen aufnehmen, aber sie haben mich dazu gezwungen

Das, was ich für die Scientology Kirche ausgegeben habe, beläuft sich nach meinen Berechnungen auf ungefähr 120'000 Franken (75'000 Euro), davon eine Darlehen von 40'000 Franken (25'000 Euro). Ich kam durch Vermittlung der Scientology Kirche zu diesem Darlehen, über einen Treuhänder in einem Dorf in der deutschen Schweiz. Ich wollte kein Darlehen aufnehemen, aber sie haben mich dazu gezwungen. Eine Person von Scientology begleitete mich, ich habe den Scheck nicht berührt, als ich unterschrieben hatte nahm ihn die Person von Scientology gleich an sich.

Ich hatte Angst

Ich muss sagen, dass ich in der Zeit Angst hatte. Ich hatte gehört, dass Personen Probleme bekommen haben, dass die Sache nicht gut ausging, aber man bekam keine präzisen Tatsachen zu hören. Es war ein Druck, der sogar in der Kirche zirkulierte.

Wenn man einen Kurs macht, beendet man ihn nie zur Zufriedenheit, man muss stets einen anderen Kurs angeboten, um alles das, was man eigentlich gerne gewusst hätte, zu lernen.

Wie funktioniert Scientology?

Wenn Sie einen Kurs bei Scientology machen werden Sie automatisch als ein Mitglied von Scientology gehalten, eine Verhaltensweise, die die Statistik der wirklichen Zahl von Scientologen auf der Welt verfälscht.

Er ist üblich, dass die Kirche von Scientology die Leute herabsetzt, das gehört zu dem, was die schwarze Propaganda nennen. Sie sagen, dass jemand der Scientology verlassen hat jemand negativer ist, der gegen Scientology ist. Ich selbst bin eine 'unterdrückerische Person' aufgrund der Tatsache, dass ich mein Buch geschrieben habe. Das heisst, dass ich eine Person bin, der Scientologen Schaden zufügen dürfen. Ich wusste was das bedeutet seit dem Moment, als ich Mitglied des Personals wurde.

Bei Scientology darf man nicht mit jemandem ausserhalb von Scientology über sich selbst und seine Erfahrungen sprechen. Aufgrund dieser Tatsache wissen die Leute nichts von den anderen. Wenn man bei Scientology arbeitet soll man normalerweise nicht darüber sprechen .

Die Angestellten werden jede Woche entsprechend den von der Organisation während der Woche gemachten Gewinn bezahlt. Den administrativ beschäftigen Personen wird weniger bezahlt, weil sie kein Geld einbringen. Das Gehalt wird entsprechend den Statistiken bezahlt. Der Durchschnitt meines Gehalts pro Woche war zwischen 27 und 50 Franken. Der höchste mir ausbezahlte Betrag war ungefähr 220 Franken.

Offiziell soll Scientology keine medizinische Tätigkeit ausüben. Dennoch machen sie Akupunktur am Finger, sie nennen das "touch". Beim Auditing, nach meiner Meinung, machen sie psychologische Hypnose. Sie lassen Sie eine Mauer anstarren, es lassen Sie Gegensätze aufzählen, dann stellen sie Ihnen Fragen, die Sie zu Antworten anstacheln. Ich habe diese Methoden selbst mitgemacht. Indem sie dieses Auditing machen, lernen sie viele persönliche und intimste Dinge über die Personen. Ich habe bei meinem Austritt mein Dossier nicht zurückbekommen. Scientology behauptet, dass es ihr Ziel sei den Leuten zu helfen, aber meiner Meinung nach ist das Ziel sich zu bereichern.

Aus dem Inneren gesehen gibt es viele Personen, von deren man nicht weiss, was sie machen oder was sie gemacht haben. Das heisst schlecht organisiert.

Methoden, die Spuren hinterlassen

Ich erhalte manchmal Telefonanrufe bei denen ich Zweifel habe. Ich bleibe wachsam in Bezug auf Scientology. Manchmal erhalte ich auch falsche Telefonanrufe.

Persönlich bin ich durch diese Erfahrungen gereift, ich habe den Eindruck gelernt zu haben, gewissen Sachen zu misstrauen. Früher war ich oft sehr naiv, ich dachte nicht daran, dass Scientology so sein könnte.

Was mich mir am meisten weh tut ist, die Jugendlichen zu sehen, die nichts haben, man nimmt ihnen ihre Familie, ihre Freunde, ihre Wünsche weg. Man muss seine Familie verlassen um zum Personal zu gehören, oder die Familie muss folgen. In Scientology darf man nicht jemandem ausserhalb von Scientology von sich erzählen.

Ich möchte, dass man die Jugendlichen besser vor Scientology schützen kann. Für die Erwachsenen ist es jedoch schwer ihnen zu sagen, nicht dorthin zu gehen. Das was ich sagen kann, ist das, was ich beispielsweise erlebt habe.

Zum Schluss muss ich sagen, dass ich den Eindruck habe, dass ich an dem Tag als ich meinen Finger ins Getriebe gesteckt habe und damit die Kontrolle über mich verlor und eine grosse Dummheit gemacht habe. Mein Ehemann sagte mir am Anfang, dass ich je schneller desto besser wieder weggehen soll, meine Kinder sagten mir, dass bei mir etwas nicht mehr stimmte, ich habe sicher auch meine Sprache ihnen gegenüber geändert. Ich habe versucht meine Kinder zu bitten, mir jetzt zu erklären wie ich war, aber meine Kinder wollen heute nicht mehr davon sprechen.

Ich habe ein Buch geschrieben: "Hölle und Sekte - mein Leben im Herzen von Scientology" . Alles was ich geschrieben habe ist das, was ich tatsächlich erlebt habe. Ich habe meine Geschichte in Form von Märchen erzählt.