mit freundlicher Erlaubnis aus:

    TAXI

    Magazin für Soziales und Kultur
    2001 Nr. 9


... und schon wieder die Scientologen!

Milna Nicolay

Nachdem das Gespräch im TAXI Nr. 6 und Nr. 7 mit der Sekten- und Lebensberaterin Lucia Krähenbühl erschienen war, setzte auf der Redaktion ein unwahrscheinliches - von uns als Telefonterror empfundenes - Dauer-Geklingel ein. Anders kann ich das nicht nennen, denn es führte dazu, dass wir das Telefon nicht mehr abnahmen, weil irgend welche ScientologInnen dran waren. Doch das war nicht alles. Briefe trafen auf der Redaktionsadresse und bei der Druckerei ein. Was für furchtbare Lügen die Sektenaussteigerin verbreiten würde, und sie setzten uns Ultimaten, respektive "Termine", um ein Gegeninterview mit einer Person von ihnen zu machen. Den ersten Brief schickte ich zurück, mit dem Vermerk "Kein Interesse". Oha Lätz! Jetzt gings aber erst recht los. Der Ton der folgenden Briefe und Telefonate wurde jedesmal klagender und unterschwellige Drohungen schlichen sich ein. Mit Beschwerde beim Presserat und unangenehmen Konsequenzen für uns wurde argumentiert. Dass weder ich noch jemand anders von der Redaktion mit ihnen reden, also keine Pro-Scientology-Psychosekten-Werbung veröffentlichen wollte, konnten sie nicht akzeptieren. Deshalb nochmals klipp uns klar:
Vom TAXI-Magazin ist niemand an Geschichten und "Wahrheiten" aus der Scientology-Küche, also aus der Ecke einer bekannten Psychosekte interessiert. Es reicht schon was unzählige von AussteigerInnen zu erzählen haben.

Aktuelles Beispiel sind die Recherchen aus dem Beobachter Nr. 23 und dem K-Tipp.

Wer mit UPS Pakete schickt, unterstützt Scientology.

Auch in diesem Bericht wird gezeigt, dass bis zum letzten gelogen wird. Ein vom Gericht festgestellter Tatbestand wurde von Scientologen munter weiter geleugnet. Hohe Regierungsleute in den USA wurden gekauft und für die eigenen Zwecke manipuliert. Unter anderem wurde eine Resolution verabschiedet, die Deutschland die Diskriminierung von religiösen Minderheiten - vor allem von ScientologInnen - vorwarf.

Es ist nicht weit hergeholt, zu vermuten, dass Scientologen es darauf anlegen, wirtschaftlich und politisch in Machtpositionen zu gelangen. Was wir - das auflagenmässig unbedeutende TAXI-Magazin die letzten Wochen mit ScientologInnen erlebt haben, lässt ahnen, was andere aus zu halten haben. Doch ist das richtig? Dass eine Organisation die Geld und Einfluss hat, sich mit ihrem ganzen Gewicht auf Kleine stürzt, sobald diese sich mit ihnen befassen? Ist es richtig, dass eine Organisation die Geld und Macht hat, sofort mit allen Mitteln versucht Kritikerinnen als unglaubwürdig hin zu stellen?

Das Ergebnis wäre nämlich, dass sich niemand mehr traut, den Mund auf zu tun, weil sie den Druck nicht aus halten, weil sie die nötigen Finanzen und das KnowHow (zum Beispiel bei Prozessen) nicht haben.

Wie kürzlich in einem Bericht des Tages-Anzeiger zu lesen war, tun sich auch die Leute der VPM mit Kritik und Wahrheit schwer. Da hagelt es nicht nur Prozessen-(drohungen), da werden gleich noch alle Zeitungen aus den Briefkästen vom Dorf resp. dem Quartier geklaut.

Die TAXI-Nr. 7 ist mittlerweile ausverkauft - nicht geklaut. Wir erhielten etliche Anfragen die Ausgabe zu schicken und konnten bloss noch Fotokopien des Artikels liefern.


Gemäss Medienrecht darf immer eine Gegendarstellung verlangt werden. Ob diese dann wahr ist oder nicht, ist egal. Von der Psychosekte Scientology haben wir eine Gegendarstellung erhalten, die wir hier vollumfänglich abdrucken.

Betr.: Suppressive Person Teil 2 Gegendarstellung

Sehr geehrte Damen und Herren
Obigen Artikel erhielten wir vor ein paar Tagen via den Medienauszugsdienst. Er war uns bisher nicht bekannt. Wir bitten Sie, folgende Gegendarstellung gemäss OR abzudrucken. Wir bitten Sie, uns innert einer Woche zu bestätigen, dass dies abgedruckt werden wird, ansonsten wir weitere Schritte einleiten müssten.
(OR28i: "...das Medienunternehmen teilt dem Betroffenen unverzüglich mit, wann es die Gegendarstellung veröffentlicht oder weshalb es sie zurückweist")

1. Es wird behauptet, dass sich wöchentlich die Preise für Seminare um 5% erhöhten. Es gab keine wöchentliche Beitragserhöhungen, weder von 5% noch mit anderen Prozentzahlen.
2. Es wird behauptet, dass eine Stunde Beratung 600 Sfr gekostet habe. Auch damals traf dieser Betrag nicht zu. Der Betrag für eine durchschnittliche Beratungsstunde lag weit unter diesem Betrag.
3. Entgegen der Aussage von Frau Krähenbühl gab es keine Kellerverliesse oder Aktivitäten, bei denen nie Pause gemacht werden konnte. Auch die Aussage bezüglich Essen, Rennen etc. entsprechen nicht den Tatsachen.
4. Es ist falsch, dass in Scientology die Welt "draussen" nur schlecht oder abartig ist. Eine deraertige Einstellung besteht nicht. Es ist auch falsch, dass es sich bei Scientology um eine totalitäre Gruppierung handelt.
5. Bei einem Vertragsbruch wird keine Strafe bezahlt, sondern das vertragsbrüchige Mitglied wird aufgefordert, die unentgeltlich bezogenen Dienste zu erstatten.
6. Es ist falsch, dass Aussteiger bedroht wurden, um sie zurückzuholen oder zu bestrafen. Die Teilnahme an Scientology funktioniert nur, wenn sie vollumfänglich freiwillig ist.
7. Es ist falsch, dass die Leute bleiben sollen wegen Umsatz und Kursverkauf. Scientology als Religion strebt religiöse Befreiung an und glaubt an diesen Befreiungsweg. Nur aus diesem Grund bemüht sie sich um ihre Mitglieder,
8. Entgegen der Behauptung im Artikel können und sollen in der Scientology Kirche kritische Gedanken ausgetauscht werden ohne dass man negative Reaktionen darauf erhält.
9. Es wird behauptet, dass jemand, der aussteigen will nicht mehr in Ruhe gelassen wird bis er sich anders entscheidet, was dann sogar zu Suizid führen könnte. Diese Behauptung ist auch angesichtes der ca. 50'000 Personen, die mal einen Kurs gemacht haben und nicht mehr Scientologen sind, falsch.
10. Es ist inkorrekt zu behaupten, dass es nicht zugelassen wird, dass jemand seinen eigenen Weg geht. Im Gegenteil wird darauf geachtet, dass sich die einzelne Person entfalten kann und seine persönlichen Ziele erreicht.
11. Das Ziel von Scientology ist entgegen der Behauptung von Krähenbühl eine Welt ohne Krieg, Kriminalität und Wahnsinn.
12. L. Ron Hubbard hat tatsächlich verschiedenste Auszeichnungen und Titel der US Navy erhalten, seine Forschungen in Mittelamerika sind ausgewiesen, er hat Fronteinsätze hinter sich. Andersweitige Aussagen sind falsch.
13. Das Dianetik Buch wird nicht allen Neueinsteigerinnen verkauft. Einer interessierten Person wird dasjenige Buch angeboten, das am meisten Information zum von ihr geäusserten Interessensgebiet enthält.
14. Es gibt in Scientology keine "Therapien", es handelt sich um geistliche Beratung, deren Ziel nicht Heilung, sondern höheres spirituelles Bewusstsein ist.
15. Es gibt keine Behauptungen, die aussagen, dass die christliche Kirche die Menschen nur versklave.
16. Scientology und Scientologen vertreten in keinster Weise, dass der Zweck die Mittel heilige und entsprechend Gesetze verletzt werden können. Eine der wichtigsten Regeln in Scientology besteht darin, die Gesetze einzuhalten.
17. Ebenfalls ist es falsch zu behaupten, dass die Einstellung bestehe, dass man Menschenrechte verletzen kann. Die Menschenrechte werden in Scientology hoch gehalten.
18. Entgegen Ihrer Behauptung finden sich Scientologen in allen möglichen Parteien und haben ihre eigenen politische Vorstellungen.
19. Die Angaben über Beiträge sind inkorrekt. Ohne im Detail alles zu widerlegen, kann z.B. ein E-Meter für einen Betrag von 900 Sfr erworben werden, Bücher gibt es ab 15 Sfr und auch die Beiträge für Einführungskurse bewegen sich meist unter 10 Sfr.
20. Die Liste von Promis, die sich angeblich zu Scientology bekennen, enthält zahlreiche Namen, die keine Scientologen sind.

Mit freundlichen Grüssen.
J. Stettler, Scientology
Kirche Zürich