BerlinOnline
Datum: 27.01.1997, Berliner Zeitung
Ressort: Nachrichten
Autor:

Axel Kintzinger

Gottfried Helnwein soll vor Gericht
Scientology-Kritiker erstattet gegen den Maler Strafanzeige wegen Prozeßbetrugs

Für den Bonner Sektenkritiker Ingo Heinemann ist Gottfried Helnwein "der prominenteste Künstler, mit dem Scientology im deutschsprachigen Raum werben kann". Bislang aber verwahrte sich der bei Koblenz lebende Maler, als Mitglied der Psycho-Sekte bezeichnet zu werden. Er hatte in den letzten Jahren zahlreiche Prozesse gegen Zeitungen, Fernsehsender, Parteigruppen und Einzelpersonen angestrengt, um seine Kontakte zu der Organisation dementieren zu lassen. Bei diesen Bemühungen erhielt er sogar hohen politischen Beistand: Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne) nahm Helnwein mehrfach vor seinen Kritikern in Schutz.

Nun soll der Maler selbst vor Gericht. Scientology-Kritiker Heinemann, als Jurist im Vorstand einer bundesweiten Selbsthilfe-Organisation tätig, stellt Strafanzeige wegen des Verdachts auf Prozeßbetrug. Und in Hamburg prüft der Rechtsanwalt Ralf Burmester derzeit, ob Helnwein vor Gericht zu bringen ist, weil er eine falsche eidesstattliche Erklärung in einem Verfahren gegen die saarländische Scientology-Kritikerin Jeannette Schweitzer eingebracht habe. Helnwein hatte diesen Prozeß im vergangenen Sommer vor dem Oberlandesgericht Frankfurt a. M. zwar verloren, aber Heinemann und Schweitzers Anwalt Burmester wollen die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Der Hintergrund dieser Affäre entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Denn Helnwein scheint nun ausgerechnet über die Pressepolitik seiner Sektenfreunde zu stolpern. Die "Church of Scientology International", outete den Künstler in einem Bulletin: "Gottfried Helnwein besucht Washington D.C., um US-Behörden aus erster Hand über die schockierende und schmerzhafte Diskriminierung Bericht zu erstatten, der er, ein Scientologe, in Deutschland ausgesetzt" sei. Helnwein hatte Mitte Januar in der US-Hauptstadt vorgesprochen, um dort gegen angebliche Menschenrechtsverletzungen zu protestieren, denen Scientologen in Deutschland sich zu erwehren hätten. In den USA genießt die Situation von Scientologen in Deutschland vor allem seit der Erklärung zahlreicher Hollywood-Größen wie dem Schauspieler Dustin Hoffman einen großen Stellenwert. Die Schauspieler und Regisseure hatten in einem offenen Brief an Bundeskanzler Helmut Kohl eine Parallele zwischen der Judenverfolgung im Nationalsozialismus und der heutigen Kritik an Scientology gezogen. Helnwein, der seine Scientology-Verbindung nicht bekennen mag, wurde immer wieder in Publikationen der Sekte abgebildet und zitiert. Als 1986 der Scientology-Guru L.Ron Hubbard starb, kondolierte der Maler in einer Zeitungsanzeige mit dem Text: "Hubbard hat nicht nur Künstler inspiriert, sondern auch das Leben vieler Menschen bereichert."

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