Scientology stellt Anträge zum Einstellen der Anklagen

Mitarbeiter der Kirche waren "nachlässig" beim Tod von Lisa McPherson, aber das ist kein Grund die Kirche anzuklagen, ist die Meinung der Anträge.

Von THOMAS C. TOBIN

St. Petersburg Times, veröffentlicht 12. Mai 1999

Die Scientology Kirche in Clearwater meint, sie sei für die strafrechtliche Verfolgung wegen dem Tod von Lisa McPherson nicht zu belangen und möchte die gegen sie erhobenen Strafklagen eingestellt haben.

In einem diese Woche eingereichten langatmigen Antrag argumentieren die Anwälte von Scientology, dass die letzten November gegen die Kirche eingereichten Anklagen "überflüssig und unzulässig sind".

Mitarbeiter der Kirche leisteten McPherson, einer Mitscientologin, in den Tagen bevor sie starb "geistlichen Beistand", deshalb waren ihre Handlungen durch das "First Amendment" und das neue "Religious Freedom Restoration" Gesetz des Staates geschützt, stellt der Antrag fest.

Das Gesetz wurde in Florida letzten Juni rechtskräftig, fünf Monate bevor der Staatsanwalt von Pinellas-Pascos, Bernie McCabe, die Zweigstelle der Kirche in Clearwater wegen Missbrauchs von entscheidungsunfähigen Erwachsener und unerlaubter medizinischer Handlungen anklagte. Das Gesetz entspricht einem gleichnamigen Bundesgesetz.

Beide Gesetze wurden gemäss den Anträgen von Scientology zum Schutz religiöser Praktiken vor strafrechtlicher Verfolgung benutzt. In einem Fall wurden Strafen gegen eine Gruppe von Amischen fallengelassen, die sich weigerte, an ihren von Pferden gezogenen Wagen orangefarbige Embleme anzubringen um den Sicherheitsbestimmungen zu entsprechen.

Weder McCabe noch sein Chefbeamte, Doug Crow, waren am Dienstag für einen Kommentar erreichbar.

Die 36jährige McPherson starb am 5. Dezember 1995, nachdem sie 17 Tage im Fort Harrison Hotel von Scientology in Clearwater verbrachte. Mitarbeiter der Kirche isolierten sie in einem Zimmer und zwangen ihr Nahrung und Medikamente den Hals hinunter als sie wegen einem Nervenzusammenbruch behandelt wurde, hielten die staatlichen Ermittler fest. Die Kirche ist auch wegen "unentschuldbarer Verzögerung" der Einlieferung von McPherson in ein Spital angeklagt, als sie erkrankte.

Zwei Scientologen stellten gemäss Ermittlern die Pflege von McPherson in Frage. Einer war der Arzt von dem gesagt wurde, dass er schockiert war über ihren Zustand als er im Spital von New Port Richey ihren Tod feststellte.

Beachtenswert ist, die neuen Anträge der Kirche zeigen zum ersten Mal seit der Fall 1996 bekannt wurde, dass Scientology ausgesprochen selbstkritisch war über das, was McPherson zustiess.

Die Anträge "verurteilen" das Handeln der Mitarbeiter der Kirche, sie "nachlässige Taten" nennend die "den Schriften der Kirche entgegengesetzt" waren. Sie beziehen sich auf die Verzögerung der Einlieferung von McPherson in ein Spital als "beklagenswert, selbst wenn es durch die unglücklichen stressvollen Umstände, den diese ganze Episode schuf, erklärt werden kann".

Der Antrag hält fest, dass es der Grundsatz der Kirche ist, ihren Mitgliedern medizinische Hilfe zukommen zu lassen, falls diese benötigt wird.

Sie behaupteten auch, die Kirche selbst habe keine die Pflege von McPherson betreffende Anordnungen gegeben. Solange ein Fallsupervisor von Scientology direkt bei ihrer Pflege mithalf, befolgte er eine "religiöse Praxis" und repräsentierte nicht die Kirche als Ganzes, behaupten die Anträge.

Für den Tod von McPherson wurden keine Einzelpersonen wegen Vergehen angeklagt. Die Klage von McCabe richtet sich gegen die in Clearwater ansässige "Flag Service Organization" von Scientology. Die Anträge argumentieren gegen die Anklage der Kirche als Einheit, im Gegensatz zu einzelnen Mitgliedern, indem sie erklären, eine Klage gegen eine Kirche sei in der Geschichte der U.S. beispiellos.

Das "Religious Freedom Restoration" Gesetz erklärt "Regierungen sollten die freie Ausübung von Religion ohne zwingende Rechtfertigung nicht wesentlich belasten".

Die Anwälte von Scientology argumentieren, die Anklage einer ganzen Kirche für Handlungen, die von einzelnen Mitgliedern begangen wurden, belaste ganz Scientology und ihre Mitglieder.

Sie zitieren auch den kürzlichen Fall des Baptistenleiters Henry Lyons. McCabe entschied sich zur strafrechtliche Verfolgung von Lyons, nicht seiner Organisation, der "National Baptist Convention". Der Antrag der Kirche nennt es "beunruhigend", dass nicht der selbe Kurs mit Scientology verfolgt wurde.

Als McCabe die Kirche anklagte, "folgte er einer Stimmung öffentlicher Missbilligung", die durch "sektiererischen Unmut" der Kritiker der Kirche verursacht wurde und könnte damit gegen den "First Amendment" verstossen, meinen die Anwälte von Scientology.