St. Petersburg Times vom 3. Dezember 1998

Kirche und Kritiker müssen sich die Wege teilen

Die Forderung des Rechts zur Benutzung eines Gehweges beim Fort Harrison Hotel durch Scientology wie auch durch deren Kritiker führte zu einem Durcheinander der Genehmigungen.

By THOMAS C. TOBIN

© St. Petersburg Times, published December 3, 1998

CLEARWATER -- Es scheint zur lokalen Tradition zu werden, dass die Scientology Kirche und ihre Kritiker versuchen, sich wiederum gegenseitig auszumanövrieren bei der Vorbereitung einer Reihe von Demonstrationen gegen Scientology an diesem Wochenende in der Innenstadt.

Das Ergebnis der letzten Tagen war ein ungewöhnliches Schachspiel, gespielt auf den wirklichen Feldern der öffentlichen Gehsteige der Innenstadt.

Der Wettkampf begann letzten Monat, als die Kirche Beamte der Stadt und des Staates überzeugen konnte zwei Gehwege zu sperren, die in den vergangenen Jahren von den Kritikern benutzt wurden. Die Gehwege liegen vor Scientology's Fort Harrison Hotel auf beiden Seiten der S Fort Harrison Avenue.

Einer davon wurde diese Woche durch Mitarbeiter der Kirche aufgerissen und verbarrikadiert, obwohl die Kritiker von Scientology den Gehweg im April mit einer "special events" Genehmigung der Stadt reserviert hatten. Beamte der Stadt gerieten am Mittwoch hart unter Druck als sie erklären mussten, wie es zu diesem Durcheinander kam.

"Er zeigt die Angst der Kirche vor öffentlicher Kritik" meinte Jeff Jacobsen, einer der Organisatoren der Demonstrationen, die gegen die Behandlung von Lisa McPherson durch Scientology protestieren. Lisa McPherson starb 1995 nach einer 17tägigen Isolationshaft im Fort Harrison Hotel.

Mike Rinder, ein ranghoher Vertreter von Scientology, sagte, die Kirche habe um die Schliessung der Gehwege gebeten um Platz für die Arbeit an der Festtagsdekoration des Hotels zu bekommen und wegen Bauarbeiten am grossen neuen Gebäude der Kirche auf der andern Strassenseite.

Beamte der Stadt erklärten, dass solche Bewilligungen für grosse Bauprojekte üblich sind.

Wie dem auch sei, Rinder sagte auch, die Sperrungen wären eine Möglichkeit um etwas Distanz zwischen die Mitglieder der Kirche und die Protestierenden zu schaffen.

"Sie wollen versuchen, jemand aufzustacheln um irgendeine Art von Zwischenfall herbeizuführen, und wir wollen jede Art von Konfrontation mit ihnen vermeiden" sagte er am Mittwochnachmittag. "Sie sind darüber verärgert? Tut mit leid."

Die Bewilligung erlaubt der Kirche, den östlichen Gehweg gegenüber dem Fort Harrison Hotel für Monate, vielleicht für Jahre, geschlossen zu halten, bis das neue Gebäude fertig ist. Der westliche Gehweg wird Samstags und Sonntags von 9 Uhr bis 15 Uhr gesperrt, Samstags auch von 18.30 Uhr bis 21 Uhr.

Die Zeiten überschneiden sich mit den geplanten Demonstrationen am Samstag- und Sonntagnachmittag und einer Mahnwache mit Kerzenlicht in der Samstagnacht zum Gedenken an McPherson.

Letzten Mittwoch nahm das Duell jedoch eine andere Wendung als Jacobsen kurz vor Ende der Arbeitszeit im Rathaus eine städtische Bewilligung bekam.

Die Bewilligung erlaubt den Kritikern von Scientology, am Samstag und Sonntag ihre Demonstration zwischen 15 Uhr und 18.30 Uhr durchzuführen, in der Zeit also wenn Scientology den Gehweg gemäss ihrer Bewilligung geöffnet halten muss.

Sie erlaubt den Kritikern auch, auf dem Gehweg direkt vor dem Fort Harrison Hotel zu marschieren statt wie ursprünglich vorgesehen auf der anderen Strassenseite.

"Wenn sie uns in Ruhe gelassen hätten, wären wir auf der anderen Strassenseite" meinte Jacobsen. "Nun sind wir auf ihrer Seite. Sie müssen immer in der Angriffsposition sein."

Ein überraschter Rinder sagte am Mittwochabend, dass er heute mit Beamten der Stadt reden werde. Er war der Meinung, die Bewilligung der Kirche gelte für das ganze Wochenende ohne Unterbrechungen.

Er sagte, die Kirche werde ihre Dekoration am späten Samstagnachmittag installieren wenn den Kritikern nun das Demonstrieren erlaubt sei. "So ist es nicht zu schaffen" meinte Rinder.

Polizeibeamte von Clearwater erklärten, sie würden zusätzliche Polizisten zur Überwachung der Proteste einsetzen. Wie Jacobsen bekannt gab, wird die Mahnwache mit Kerzen, die ursprünglich auf dem aufgerissenen Gehweg geplant war, zur gleichen Zeit vor der Peace Memorial Presbyterian Kirche stattfinden, gleich nördlich vom Fort Harrison Hotel.

Es werden etwa 50 Demonstranten aus allen Landesteilen erwartet, sagte Jacobsen, der aus Phoenix kommt.

Es ist die vierte Demonstration dieser Art in der Innenstadt von Clearwater und die Scientology Kirche liess nie zu, dass sie ohne Störung abliefen.

Im März 1997 umringten und konfrontierten Hunderte von Scientologyanhängern die Demonstranten und blockierten ihre Schilder. Dasselbe machten sie während den abendlichen Mahnwachen und bliesen die Kerzen der Demonstranten aus.

Letzten Dezember setze Scientology Beamte der Stadt unter Druck, die Gehwege für die Demonstranten zu sperren, indem sie behaupteten, dass diese zu Gewalttätigkeiten neigten. Als die Beamten der Stadt sich nicht erweichen liessen, unternahmen schätzungsweise 3'000 verärgerte Scientologen einen Marsch gegen das Clearwater Police Department.

Rinder erklärte, dieses Wochenende seien keine solche Gegenmassnahmen geplant.