Hamburger Morgenpost
25. April 2000 Ursula Caberta: "Millionenschwere Hilfe für Hamburger Organisation ist eine Kampfansage"

"Scientology immer aggressiver"

Die Scientology-Organisation in Hamburg tritt nach Einschätzung der Arbeitsgruppe der Innenbehörde immer aggressiver auf. "Die millionenschwere Hilfe für die Hamburger Scientologen war eine Kampfansage aus den USA", sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe, Ursula Caberta.

"Scientology-Einheiten gelten als erfolgreich, wenn sie der Zentrale möglichst viel Geld und Leute bringen", meinte Caberta. Hamburg sei dabei bis Anfang der 90er-Jahre die "weltweit erfolgreichste Gruppe" gewesen. Nach zahlreichen Austritten auch zahlungskräftiger Mitglieder sei Scientology in der Hansestadt "wirtschaftlich praktisch am Ende". Für ein neues Gebäude der Organisation in der Innenstadt habe die Zentrale in Los Angeles rund 20 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. "Bis dahin war es noch nie vorgekommen, dass aus den USA eine Pleiteeinheit finanziert wurde, bisher floss das Geld immer nur in eine Richtung", so Ursula Caberta. "Derzeit geht es Scientology in Deutschland bestimmt nicht gut, aber man darf nicht aufhören, diese neue Form des politischen Extremismus zu bekämpfen."

Die seit 1992 bestehende Arbeitsgruppe Scientology der Innenbehörde ist laut Caberta in dieser Form die bundesweit einzige Dienst- stelle. Aus Hamburg habe man auch Scientology-Gegner in anderen Orten beraten und in jahrelanger Sisyphusarbeit gesammelte Informationen über die Organisation den Innenministerkonferenzen zur Verfügung gestellt.

Dass Scientology in Deutschland nicht als Religionsgemeinschaft, sondern als profitorientiertes Gewerbeunternehmen gilt und vom Verfassungsschutz beobachtet wird, sei auch ein Ergebnis der in Hamburg gesammelten Informationen.