Hamburger Morgenpost

8. April 2000

Klage der Sekte gegen Innenbehörde abgewiesen - sie lächeln trotzdem

Scientology verliert den Musterprozess

Lächeln, immer lächeln: Das ist den Scientologen wichtig, wenn es Gäste zu beeindrucken gilt.

Nachdem die US-Amerikaner Bob Minton (Scientology-Feind Nummer 1) und Stacey Brooks, die neun Monate im "Besserungslager" der Sekte verbrachte, in Hamburg über ihre Erfahrungen berichteten, eröffnete die Sekte gestern am Valentinskamp eine bunte Ausstellung und verlor einen Prozess mit Pauken und Trompeten.

Knallbunte Bilder, strahlende Gesichter, Pappwände und nichts dahinter: Man solle sich selbst ein Bild machen von Scientology, heißt es in der Einladung zu der Ausstellung in einem Büro überm "Valentino's". Bis Mittwoch kann man dort unter anderem einen E-Meter begutachten, wie er beim sektentypischen "Auditing", dem Seelenstriptease, benutzt wird: Der Proband hält Zylinder in der Hand. Wenn die "geschulte Fachkraft" ihn kneift, schlägt eine Nadel aus. Laut Scientology lassen sich mit dem Gerät nicht nur Kniffe sondern auch "Wurzeln spiritueller Barrieren aufspüren."

Im wahren Leben gab's gestern eine herbe Niederlage für Scientology. Vor dem Verwaltungsgericht wurde eine Klage der Geldsekte gegen die Innenbehörde mangels Zulässigkeit abgewiesen. Scientology war auf die Klage zweier Betreiberinnen eines "Wickelstudios" aufgesprungen. Den Damen, die mit ihrer Methode das Abnehmen erleichtern wollen, war ein "Technologiepapier", wie es die "Arbeitsgruppe Scientology" der Innenbehörde gestaltet hatte, vorgelegt worden. Darauf sollten sie unterschreiben, dass sie nicht nach den Lehren des Sektengurus L. Ron Hubbard praktizierten. Das Gericht wies die Klage der Damen ab, die der Scientologen auch. Keiner zweifelt allerdings daran, dass Scientologen-Anwalt Wilhelm Blümel und Deutschland-Chef Helmut Blöbaum in Berufung gehen. Das Prozessieren hat Methode: "Auf diesem Weg wollen wir Religionsfreiheit in Deutschland durchsetzen", sagen die Meinungsführer. Schließlich werde man seit langem schikaniert. So habe man anders als behauptet, das Haus am Steindamm nicht mit Mietschulden verlassen. Und die Ex-Mitglieder, die Schlechtes über Scientology erzählten, so Hamburg-Sprecher Frank Busch, "sind doch immer dieselben. Die werden herumgereicht. Auch andere Unternehmen haben unzufriedene Aussteiger." Unternehmen, die sich "Kirche" nennen, gibt es indes nur sehr wenige.

jel