Interreligiöse Koalition für Religionsfreiheit

Am 10. August 1998 endete ein durch ganz Europa führender, von Scientology in heuchlerischer Weise als Hinweis auf das 50jährige Jubiläum der Menschenrechtserklärung organisierter "Marsch" mit einer Demonstration in Frankfurt. Die Route des am 25. Juli in England gestarteten Marsches soll auch durch die Schweiz geführt haben, was allerdings weder in die Medien noch durch die Bevölkerung angemessen Beachtung fand, einzig die Behörden von Genf teilten mir mit, dass sie sich offiziell von diesen Machenschaften distanzieren. In der Folge wurde in Frankfurt eine "Koalition Deutscher Religionsgemeinschaften für religiöse Toleranz" proklamiert. Was es mit diesem nur in der Phantasie wahnhafter Fanatiker existierenden Schwindel aufsich hat, zeigen die folgenden Briefe.


Zur Erinnerung hier der "Offene Brief der Kultkoalition" mit den Unterzeichnern.

Deutsche Religionsgemeinschaften für religiöse Toleranz

Juden, Moslems, Sikhs, Scientologen und Vereinigungskirche bilden Koalition

Frankfurt/Wien (OTS) - Im Zuge eines Protestmarsches, der am 10. August in Frankfurt stattgefunden hat und bei dem mehrere Tausende Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen teilgenommen haben, veröffentlichten Vertreter anerkannter und nicht-anerkannter Religionsgemeinschaften einen Offenen Brief, in dem Sie die Gründung einer "Interreligiöse Koalition für Religionsfreiheit" in Deutschland ankündigten.

Die Koalition, die von Scientologen, Moslems, Juden, Sikhs und der Vereinigungskirche gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, der Ausbreitung des Klimas der religiösen Intoleranz in Deutschland zu beenden und ein Zeichen für eine bessere Zukunft auf der Basis gegenseitiger Achtung und Toleranz zu setzen.

Die Koalition weist in dem Offenen Brief daraufhin, daß "diese Problematik bei weitem nicht nur jene Religionsgemeinschaften betrifft, die gemeinhin als "Sekten" diffamiert werden, sondern auch jene Religionen, die gemeinhin als Weltreligionen Anerkennung genießen".

Offener Brief (in voller Länge):
Sehr geehrte Damen und Herren

Am 10. August 1998 haben sich in Frankfurt Religionen verschiedenen Hintergrunds gemeinsam zu einem friedlichen Protestmarsch für Religionsfreiheit zusammengefunden.

Anlässlich des 50, Jahrestages der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen wollten wir, die Unterzeichner, auf das sich ausbreitende Klima der Intoleranz, der Diskriminierung und der Ungleichbehandlung religiöser Minderheiten in Deutschland aufmerksam machen. Gleichzeitig möchten wir ein Zeichen für eine bessere Zukunft auf der Basis gegenseitiger Achtung und Toleranz setzen.

Wir möchten an dieser Stelle klarstellen, dass diese Problematik bei weitem nicht nur jene Religionsgemeinschaften betrifft, die gemeinhin als "Sekten" diffamiert werden, sondern auch jene Religionen, die gemeinhin als Weltreligionen Anerkennung genießen, in Deutschland aber dennoch eine Minderheit darstellen und daher mit ähnlichen Vorurteilen und Mechanismen konfrontiert werden, wie die neueren Religionsgemeinschaften.

Es ist uns ein Anliegen, Religionsfreiheit und die Ideale des deutschen Grundgesetzes auf einer breiten Ebene zu verwirklichen. Die Bundesrepublik sollte in Bezug auf Freiheitsrechte nicht nur in Europa sondern auch international Vorbild sein.

Aus diesem Grund haben sich die Unterzeichner entschlossen, die "Interreligiöse Koalition für Religionsfreiheit" zu gründen.

Frankfurt, 11. August 1998
Dr. Mohammed Herzog, Islamische Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime
Eli Gampel, Zentrale Gemeinschaft orthodoxen Juden
Surinder Singh Bhinder, Deutsche Sikh Gemeinschaft
Andreas Rath, Vereinigungskirche Deutschland
Helmuth Blöbaum, Scientology Kirche Deutschland
Rückfragehinweis:
Scientology Kirche Österreich
Andreas Böck Tel.: (01) 522 36 18


In einer Mitteilung des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland vom 14.9.1998 heißt es zu dem SO-Koalitions-Unterzeichner Eli Gampel, Zentrale Gemeinschaft orthodoxer Juden:

Eine solche Gemeinschaft gibt es nicht, allenfalls besteht sie aus Herrn Eli Gampel, der vorübergehend - durch eine nicht korrekte Wahl - zum Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Halle "gewählt" wurde.
Inzwischen wurde Herr Gampel abgesetzt und gegen ihn laufen verschiedene Strafanzeigen wegen Betruges, sowohl von der Jüdischen Gemeinde als auch von Privatklägern.

Herr Gampel hat auch bereits einige Male eine eidesstattliche Versicherung abgegeben.

Ich brauche nicht zu betonen, daß der Zentralrat der Juden in Deutschland mit Scientology nichts zu tun haben will und diese schon gar nicht als Kirche ansieht.

Mit freundlichen Grüßen

Ignatz Bubis


Der Zentralrat der Muslime in Deutschland schreibt zur Sache mit Datum vom 2.9.98:

Betr: "Interreligiöse Koalition für Religionsfreiheit"

Ihr Schreiben vom 26.08.1998

Sehr geehrter Herr Gandow,

ich danke Ihnen für Ihre o.g. Anfrage und teile Ihnen folgendes mit:
Die Teilnahme von Herrn Mohammed Herzog an der Veranstaltung in Frankfurt, seine Unterzeichnung des Offenen Briefes, und die Bildung einer "Interreligiösen Koalition für Religionsfreiheit" mit der Scientology erfolgte weder mit Wissen, noch im Auftrag des ZMD.

Solche Verbindungen mit der Scientology finden nicht die Unterstützung des ZMD und stehen im glatten Widerspruch zu seinen Prinzipien und Grundsätzen.

Wir sind der Meinung, daß Kontakte mit dieser Organisation, die wegen verfassungsfeindlichen Aktivitäten und der Anwendung menschenverachtender Methoden bei der Gewinnung und Beibehaltung ihrer Mitglieder beobachtet wird, das Gesicht des Islam verfälschen, die Vorurteile gegen seine Lehre stärken und den ZMD in die Nähe von Staats- und verfassungsfeindlichen Gruppierungen bringen.

Dies dient nicht den Interessen des Islam und der Muslime in Deutschland und steht im Widerspruch zur Präambel unserer Satzung.

Weder die Verbindungen zu Scientology noch die Mitgliedschaft in einer interreligiösen Koalition mit ihr sind mit der Mitgliedschaft im ZMD vereinbar.

Der ZMD bat deshalb seine Mitgliedorganisation, die "lslamische Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime & Freunde des Islam Berlin", um öffentliche Klarstellung, Distanzierung und Rücktritt aus dieser "Interreligiösen Koalition für Religionsfreiheit".

Von diesen Schritten wird die Weiterführung der Mitgliedschaft der Islamischen Gemeinschaft beim ZMD abhängig gemacht.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dr. Nadeem Elyas
Vorsitzender


Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.

Köln, den 25. Oktober 1998

Betr: "Interreligiöse Koalition für Religionsfreiheit"

Sehr geehrter Herr Gandow,
in o.g. Angelegenheit möchte ich Ihnen mitteilen, daß die "Islamische Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime & Freunde des Islam Berlin" unsere Forderung nach öffentlicher Klarstellung, Distanzierung und Rücktritt aus der "Interreligiösen Koalition für Religionsfreiheit" mit Scientology nicht erfüllt hatte. Daraufhin sah sich der Vorstand gezwungen, ein Ausschlußverfahren einzuleiten und dieses durch die Vertreterversammlung am 01.11.1998 durchfuhren zu lassen. Die IGDM zog dann selbst die Konsequenz und erklärte ihren Rücktritt vom ZMD.
Beigefügte Presseerklärung verschickten wir mit heutigem Datum an ca. 200 Medienanstalten, Politiker, Religionsgemeinschaften und Islamische Organisationen. (...)

Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.
Vogelsanger Str. 290, D-50825 Köln

Presse-Information
Ausschluß eines ZMD-Mitglieds wegen Verbindungen zur Scientology

Auf der Vertreterversammlung des ZMD am 1. November 1998 sollte das Ausschlußverfahren gegen das ZMD-Mitglied "Islamische Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime & Freunde des Islam Berlin" abgeschlossen werden. Das Verfahren wurde vom ZMD-Vorstand am 13. September 1998 wegen Bildung einer Koalition mit der "Scientology Kirche Deutschland" mit folgender Begründung eingeleitet:

"Kontakte mit dieser Organisation, die wegen verfassungsfeindlichen Aktivitäten und der Anwendung menschenverachtender Methoden bei der Gewinnung und Beibehaltung ihrer Mitglieder beobachtet wird, verfälschen das Gesicht des Islam, stärken die Vorurteile gegen seine Lehre und bringen den ZMD in die Nähe von Staats- und verfassungsfeindlichen Gruppierungen.
Dies dient nicht den Interessen des Islam und der Muslime in Deutschland und steht im Widerspruch zur Präambel unserer Satzung."
"Dieser Sachverhalt stellt somit nach der ZMD-Satzung einen groben Verstoß gegen die Satzung und die Interessen des Vereins dar."
"Weder die Verbindungen zu Scientology noch die Mitgliedschaft in einer interreligiösen Koalition mit ihr sind mit der Mitgliedschaft im ZMD vereinbar."

Am 18. Oktober 1998 zog die "Islamische Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime Freunde des Islam Berlin" selbst die Konsequenz und erklärte ihren Rücktritt vom ZMD.

Köln, den 25. Oktober 1998

(Vorsitzender des Zentralrats: Dr. Nadeem Elyas,
Tel. und Fax: 02403/24434) (Best.-Nr.: PM.18)
ZMD-Geschäftsstelle:
Vogelsanger Str. 290,
D-50825 Köln
Tel. und Fax: 02 21/2 22 95 67