AFP
10.12.1999

Der Scientology-Organisation ist in England die Anerkennung als Wohltätigkeitsorganisation verweigert worden. Eine zuständige Kommission verkündete am Donnerstagabend ihre Entscheidung, Scientology diene nicht der öffentlichen Wohlfahrt. Die Organisation kündigte juristische Schritte gegen die Ablehnung an. Scientology hatte den Status der Wohltätigkeitsorganisation mit der Begründung beantragt, die Organisation sei zur Förderung der Religion und zur "Verbreitung von Moral und spiritueller Wohlfahrt" sowie zur "Verbesserung der Gemeinschaft" gegründet worden. Die britische Wohlfahrts-Kommission wies sämtliche Argumente zurück.

Die Kommission erklärte, nach ihren Erkenntnissen konzentrierten sich die Kernaktivitäten der Scientologen, nämlich Psychotechniken, auf den privaten Bereich. Die Organisation könne daher unabhängig von der Frage, ob sie eine Religion sei oder nicht, nach englischen Gesetzen nicht als wohltätig eingestuft werden. Scientology wies die Entscheidung als diskriminierend zurück und kündigte an, vor Gericht Einspruch dagegen einzulegen. In den USA ist Scientology als Kirche anerkannt. In Deutschland wird die Organisation dagegen als Wirtschaftsunternehmen mit totalitären Zielen angesehen und vom Verfassungschutz einzelner Länder beobachtet.

Wohltätigkeitsstatus wird Scientology in Grossbritannien verweigert

©Associated Press

LONDON (AP) -- Regierungsbeamte verweigerten der Scientology Kirche am Donnerstag den Wohltätigkeitsstatus mit der Begründung, dass sie keinerlei diesbezügliche öffentliche Dienste anbiete.

Die Scientologen erklärten, dass sie gegen die Entscheidung appellieren werden, die durch die Charity Commission bekanntgegeben wurde, welche für die Wohltätigkeit ind England und Wales zuständig ist.

Die Kommission erklärte, die Kirche entspreche nicht der wesentlichen Voraussetzung für den Wohltätigkeitsstatus -- "der Öffentlichkeit Wohltätigkeit zukommen zu lassen". Sie sagte, dass die von Scientology erbrachten Tätigkeiten "von privater Natur und Nutzen" sind.

Graeme Wilson, der Direktor der Scientology Kirche für öffentliche Angelegenheiten in Grossbritannien nannte die Entscheidung "falsch nach dem Gesetz und falsch nach den Fakten".

"Falls die gleiche Logik auf alle angewendet würde, müssten mehrere Hundert anerkannte wohltätige Organisationen im U.K. ihren Status verlieren, unter ihnen Minderheitsreligionen wie die Buddhisten, Jainisten und Mormonen", meinte er.

Etwa 180'000 wohltätige Organisationen sind von der Kommission registriert -- einschliesslich viele mit Religionen verbundene, allgemein anerkannte und andere. Registrierte wohltätige Organisationen erhalten Steuervorteile.

Die Scientology Kirche, die angibt in Grossbritannien 15'000 Anhänger zu haben, sah sich in Grossbritannien nicht den Auseinandersetzungen mit der Regierung ausgesetzt, die sie in anderen europäischen Ländern erfuhr.

Die deutsche Regierung stellte die Organisation als ein Sicherheitsrisiko unter Überwachung und verweigert ihr den Status einer Religion. Die Scientologen beschuldigen Deutschland der religiösen Verfolgung.