8. Juni 1999

Der Fall Woods

von Martin L. Poulter (auf ars)

Heute kapitulierte Scientology vollständig vor dem obersten Gericht in der Verleumdungsklage, den ihr ehemaliges Mitglied Bonnie Woods einreichte und schloss unter folgenden Bedingungen einen Vergleich:

  • Der Rechtsvertreter von Scientology hatte an der öffentlichen Gerichtssitzung eine Entschuldigung vorzulesen und offiziell zuzugeben, dass die über Bonnie gemachten beleidigenden Äusserungen unwahr waren.
  • Scientology muss Bonnie "beträchtliche Entschädigungen" zahlen, offenbar ein sechstelliger Betrag. Damit ist auch der Konkurs von Bonnie abgewendet.
  • Scientology stimmte einem gerichtlichen Unterlassungsbefehl zu, der sie von der Wiederholung der Verleumdungen abhält. Falls sie eine andere Hasskampagne gegen Bonnie beginnen, drohen ihnen Gefängnis und hohe Geldstrafen.
Das bedeutet einen vollständigen Sieg für Bonnie Woods in einem Fall, der sich über sechs Jahre hinzog. Gemäss informellen Schätzungen gab Scientology 5 Millionen für den Fall aus. Drei durch Scientology eingereichte Gegenklagen wurden letztes Jahr präjudizierend abgelehnt.

Dieses Resultat wurde dank Bonnies Vertretung pro bono durch die bedeutendste Anwaltsfirma der Stadt Allen and Avery erreicht.

Heute morgen um 10.30 Uhr versammelten sich Bonnie, ihr Ehemann Richard, ihr Rechtsvertretungsteam und viele Freunde und Sympathisanten im obersten Gericht um in einer äusserst kurzen Sitzung die Entschuldigung anzuhören. Der Originallaut der Sitzung wurde festgehalten und ist weiter unten zu lesen. Als wir das Gericht verliessen, verteilte der Sprecher von Scientology Graeme Wilson eine Presseerklärung, die weder die Entschuldigung noch die Entschädigungen und klar unterstellt, Bonnie habe sich gegenüber der Kirche entschuldigt (letzter Text). Vor dem Gericht wurde Bonnie von einer Menge TV- und Pressejournalisten erwartet und stand glücklich mit ihrem Mann und ihrer niedlichen kleinen Enkelin vor den Kameras. Im heutigen Daily Express ist bereits ein Artikel über den Vergleich.

Ron Lawley hielt fest, dass es ohne das Internet mit dem Fall nicht so weit gekommen wäre. Mehrere Netizens sandten Ermutigungen und finanzielle Hilfe, die Beteiligung von Allen and Overy war das Ergebnis von Dave Birds weiterleiten des Falles an das Liberty Panel.

Bonnie und Richard haben nun vor, lange Ferien zu machen, die ersten seit langer Zeit. Der Rechtsstreit mit Scientology geht trotzdem noch weiter, da Narkonon noch eine Verleumdungsklage gegen sie offen hat und erst letzte Woche ein Scientologe gegen Bonnie Klage einreichte wegen Freiheitsberaubung. (Jeder der die Woods kennt und sie zuhause besuchte weiss, wie absurd diese unbewiesene Anschuldigung ist.)

Bonnie lässt alle, die sie unterstützten, herzlich grüssen.

Mehr Einzelheiten über diesen Fall (mit Medienberichten) sind auf:

     <http://www.demon.co.uk/castle/woods.html>

Feiert alle! Das ist ein totaler Sieg!


Während Jahren machte Scientology Leuten, die sie kritisierten, das Leben zur Hölle, Scientology hat sich dafür nie entschuldigt. Bis heute morgen (Übersicht siehe oben):

(Many thanks to the Big Guy for help with transcription)

1993 W. No. 2079

IN THE HIGH COURT OF JUSTICE

QUEEN'S BENCH DIVISION

Z W I S C H E N

BONNIE LOUISE WOODS - Kläger

- und -

(1) SHEILA CHALEFF
(2) GRAHAM WILSON
(3) CATHY SPROULE
(4) CHURCH OF SCIENTOLOGY RELIGIOUS EDUCATION COLLEGE INC. - Angeklagte

Erklärung in öffentlicher Gerichtssitzung

Anwalt der Anklage:

Die Klägerin in dieser Verleumdungsaktion ist Bonnie Woods. Mrs Woods ist von Geburt Amerikanerin und lebt heute in East Grinstead. Während den 70er und frühen 80er Jahren, als sie in den USA wohnte, wurde Mrs Woods Mitglied der Scientology Kirche und vervollständigte eine Reihe von Kursen der höheren Grade. 1982 verliess Mrs Woods die Scientology Kirche und 1985 zog sie mit ihrem Ehemann Richard Woods nach England.

1991 konventierte Bonnie Woods zum Christentum. Nach einiger Zeit begannen sie und ihr Ehemann Informationen zur Verfügung zu stellen, betrieben einen Anrufdienst und boten Ratschläge über Scientology für Familien und Freunde von Mitgliedern der Scientology Kirche an.

Mrs Woods kritisierte die Scientology Kirche auch öffentlich und sprach in den Medien über ihre Erfahrungen als Mitglied der Organisation. Mehrmals beteiligte sie sich an Mahnwachen vor dem Buchladen der Scientology Kirche in East Grinstead und verteilte ein Dokument, das die Scientology Kirche sehr kritisierte.

Als Ergebnis auf ihre Aktivitäten produzierte im Juni 1993 die vierte Angeklagte (die Scientology Kirche Religious Education College Incorporated, die für die Ausbreitung und Ausübung von Scientology im United Kingdom verantwortliche Körperschaft) ein Flugblatt mit einer Foto von Mrs Woods über den Worten "Die Führer einer Hasskampagne kommen in die Stadt". Ein Gruppe von Scientologen steckte das Flugblatt in die Briefkästen aller Anwohner an Woods' Strasse und verteilten es der Öffentlichkeit auf der East Grinstead High Street während einer ihrer Mahnwachen.. Das Flugblatt beschrieb Mrs Woods als eine "Führerin einer Hasskampagne", das heisst als jemand, der durch Hass und religiöse Intoleranz motiviert ist und als eine "Deprogrammiererin" die versuchte, Leute von ihrem gewählten Glauben abzubringen. Es verbreitete auch Zweifel an der Aufrichtigkeit ihrer Aussage, eine wiedergeborene Christin zu sein.

Wie die Angeklagten nun anerkennen, waren die Behauptungen auf dem Flugblatt über Mrs Woods unwahr. Bonnie Woods hat keinen Hass auf irgendeine Religion und würde keine Schritte unternehmen, um Leute von ihrer gewählten Religion abzubringen oder andere dazu ermutigen, so zu handeln. Wenn sich die Woods bei Gelegenheit mit Scientologen und ihren Familien auf Bitte von ihren Familien trafen und mit ihnen über die Scientology Kirche diskutierten, übten sie weder auf sie noch auf die Scientology Kirche irgendwelchen Druck aus um zu verhindern, dass sie bei Scientology weitermachen. Mrs Woods ist aufrichtig in ihrem christlichen Glauben.

Die Verbreitung der unwahren Anschuldigungen unter ihren Freunden und Nachbarn in der lokalen Gemeinde war für Mrs Woods zutiefst kränkend. Um ihren Namen reinzuwaschen verklagte Mrs Woods im Dezember 1993 die Scientology Kirche Religious Education College Incorporated und die einzelnen Mitglieder, die das Flugblatt veröffentlichten, wegen Verleumdung.

Die Angeklagten haben nun zugegeben, dass die Behauptungen über Mrs Woods unwahr waren. Sie sind heute hier durch ihren Anwalt vertreten um sie zurückzuziehen und sich bei der Klägerin zu entschuldigen. Sie erklärten sich einverstanden, Mrs Wood einen beträchtlichen Geldbetrag zu zahlen in Berücksichtigung ihrer Schadenforderung wegen Verleumdung und sich gegenüber dem Gericht zu verpflichten, nicht mehr länger unwahren Anschuldigungen gegen sie zu machen.

Anwalt der Angeklagten:

Im Namen der Scientology Kirche and aller Angeklagten möchte ich mich allem anschliessen, was der Anwalt der Anklage sagte. Die Angeklagten bedauern, dass sie in der Erwiderung der Kritik von Mrs Woods an der Scientology Kirche zu weit gingen indem sie ihr ein Verhalten und Motive unterstellten, die sie nun als nicht richtig anerkennen. Sie entschuldigen sich durch mich bei Mrs Woods und verpflichten sich (gemäss den Bedingungen des Entwurfs der Anordnungen vor Eurer Lordschaft) keine solche unbewiesene Anschuldigungen mehr zu machen.

Anwalt der Anklage:

Unter diesen Umständen ist der Kläger gerechtfertigt und zufriedengestellt um die Angelegenheit ruhen zu lassen. Ich ersuche um Erlaubnis, das Protokoll zurückzuziehen.


Nachstehend die Erklärung des Sprechers von Scientology Graeme Wilson zum Vergleich im Fall Woods. Scientology hat Entschädigungen zu zahlen, entschuldigte sich und stimmte einer gerichtlichen Unterlassungsverfügung zu, nachdem sie eine Hasskampagne gegen ein ehemaliges Mitglied führte, das Verleumdungsklage einreichte. Es ist aufschlussreich, diese Erklärung mit dem offiziellen Protokoll von dem, was sich tatsächlich vor Gericht ereignete, zu vergleichen (siehe vorhergehenden Bericht). Wilson ist ein geschickter Propagandist.

(Transcribed by the Big Guy)

Church of Scientology
Saint Hill Manor, East Grinstead, Sussex, RH19 4JY

8. Juni 1999

Für weitere Information rufen sie bitte:
Graeme Wilson, 01342 318 229

Erklärung der Scientology Kirche

Das Religious Education College der Scientology Kirche beendete heute den Rechtsstreit mit Bonnie Woods mit einem gerichtlichen Vergleich.

Grund für den Prozess war ein Flugblatt, das einige Mitglieder der Kirche 1993 eines Tages als Antwort auf Angriffe von Bonnie Woods verteilten, da sie diese als Beleidigung ihrer religiösen Überzeugungen und ihres Glaubens betrachteten, was Missstimmung in East Grinstead hervorrief.

Bonnie Woods gab nun vor Gericht eine Erklärung ab, dass sie keine Religion hasse, eingeschlossen Scientology, und dass sie weder religiösen Hass noch Intoleranz anschüre, auch nicht gegen Scientologen und deren Familien. Sie erklärte auch dem Gericht, dass sie niemanden unter Druck setze, die Scientology Religion aufzugeben noch andere zu solchem Handeln ermutige. Die Kirche war sehr froh, dieses Verfahren auf der Basis dieser Erklärung beilegen zu können.

Beim Entschluss zum Vergleich zog die Kirche auch in Erwägung, dass Bonnie Woods überhaupt nicht in der Lage gewesen wäre, die enormen Kosten des Gerichtsverfahrens zu bezahlen falls die Kirche gewonnen hätte.

[End of church statement]