Scientology schiesst sich in den Fuss

Le Soir, 22. Februar 2002
Von Frédéric Soumois

Beschlagnahmte Aufzeichnungen sind illegal

Die belgischen Scientologen waren mit Sicherheit schlecht beraten. Um die durch einen Untersuchungsrichter seit 1999 in 25 Razzien im Rahmen einer Untersuchung in einer Betrugsangelegenheit beschlagnahmten Tausende von persönlichen Dossiers ihrer Anhänger zurück zu bekommen, liessen sie sich nicht davon abhalten, gleich eine Serie von Verfahren einzuleiten.

Einerseits forderten Mitglieder ganz privat ihre Dossiers zurück. Andererseits forderte die Sekte diese gesamthaft vollständig zurück, weil sie ihr Eigentum seien. Ferner legte sie von Anhängern unterzeichnete Vollmachten vor. Ein doppeltes Spiel, das ein wenig selbstmörderisch war.

Die Anklagekammer von Brüssel konnte nur feststellen, wie uns die Kollegen der "La Libre Belgique" bestätigten, dass der Inhalt dieser Dateien im Widerspruch zum Gesetz über den Schutz persönlicher Daten steht: ausführliche medizinische Informationen, Berichte über das intime Leben und sexuelle Verhalten, Angaben über die Familie und Berichte von Geständnissen, welche unter Anwendung des Elektrometers erreicht wurden (der Wundermaschine der Scientologen). Daten, deren Besitz der Organisation selbst bei einer schriftlichen Vereinbarung mit den Interessenten nicht erlaubt wäre. Ausserdem ist den Interessenten der Zugang zu den Daten sowie das Recht auf Korrektur verwehrt.

Es war also mehr als logisch, dass die Anklagekammer am 30. Januar beschloss, die Herausgabe dieser Dossiers abzulehnen, da sie der Meinung ist, dass diese Angaben dazu dienen, die Anhänger zu betrügen. Es muss auch daran erinnert werden, dass 1997 das belgische Parlament die Aktivitäten der Scientology "Kirche" als "gefährlich" gebrandmarkt wurden.

Zudem enthüllte "La Libre Belgique", dass sich die Aufzeichnungen der Sekte nicht nur ihre Mitglieder beschränkt, sondern auch Beamte der Ordungskräfte sowie politische Persönlichkeiten und Journalisten umfasst, die alle nach dem Grad ihrer Gefährlichkeit für die Sekte klassifiziert wurden.

Unabhängig davon hat das Berufungsgericht bezüglich dieser Entscheidung soeben festgestellt, dass keine Irreführung durch den Untersuchungsrichter Jean-Claude van Espen vorliegt, der diese Aufzeichnungen als illegal und gefährlich eingeschätzt hat.

Von da her ist anzunehmen, dass er seinen Auftrag bis zum Abschluss behält.