RON DER "KRIEGSHELD"
L. RON HUBBARD UND DIE U.S. NAVY, 1941-50

< Kapitel 1
Einleitung

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Der Standpunkt der Navy

2. L. Ron Hubbard:
Sein Ringen mit der Wahrheit

If I'm going to have a past, I prefer it to be multiple choice.

- The Joker, Batman: The Killing Joke (1989)

L. Ron Hubbard wurde vor dem Krieg in die Navy einberufen ("Eine kurze Biographie von L. Ron Hubbard" 1960) oder alternativ beim Ausbruch als Leutnant (junior grade) ("Was ist Scientology?" Ausgabe 1992). Beim Eintritt der US in den Krieg wurde er auf die Philippinen beordert ("Was ist Scientology?" Ausgabe 1978). Zur Abwechslung wurde er von der USS Edsall, auf der er Geschützoffizier war, an der Nordküste von Java an Land gebracht, am selben Tag als die Japaner Pearl Harbor angriffen. Wie auch immer, er wurde im Februar 1942 bei Surabaya durch eindringende japanische Streitkräfte abgeschnitten und nachdem er sich an die Südküste durchschlug, kletterte er in ein Gummifloss und segelte über die Timorsee bis ihn einige hundert Meilen vor der Australischen Küste ein befreundeter Zerstörer rettete (Scientology Kirche vs. Armstrong, 21. Mai 1984; ebenfalls Dan Sherman, Biograph von LRH, zitiert in der 'Freiheit' im Frühjahr 1997).

Als weitere Variante leistete er erst Dienst in Australien, wo er die Geheimdienstaktionen der Marine koordinierte und ranghöchster Offizier an Land war ("L. Ron Hubbard - Eine Chronik" 1990). Er kam dann als Offizier zur Gegenspionage nach Java um den Entsatz der belagerten amerikanischen Truppen auf Bataan zu organisieren ("Ron der Poet/Lyriker" 1996).

Bei der Flucht vor den Japanern auf Java erlitt er schwere Rückenverletzungen durch Maschinengewehrschüsse (Scientology Kirche vs. Armstrong, 21. Mai 1984). Alternativ dazu brach er sich einen Knöchel beim Zurückweichen vor den Japanern ("Ron der Poet/Lyriker" 1996). Er wurde mit dem Privatflugzeug des Navy-Ministers als der erste Verwundete der US im Fernen Osten heimgeflogen (Hubbard "Die Geschichte von Dianetik und Scientology", Bandvortrag von 1958).

Ein weiterer Bericht hält fest, dass er 1941-42 in Brisbane als Verbindungsoffizier Dienst leistete und die einzige Flugabwehrbatterie in Australien bemannte ("Ein am 10. Januar 1963 in Saint Hill Manor der australischen Presse gewährtes Interview ... von L. Ron Hubbard"). Sein Einsatz endete, als er durch fünfzehn ranghohe Offiziere abgelöst wurde ("Mission into Time" 1973). Eine andere Version berichtet, dass er im Pazifik ein Kanonenboot kommandierte. Einmal fuhr er direkt in den Hafen einer von den Japanern besetzten Insel in holländisch Ostindien ein. Sein Standpunkt war, dass wenn man seine Flagge einzieht die Japaner das Boot nicht von den anderen unterscheiden können, so legte er am Dock an, ging an Land und wanderte alleine während drei Tagen herum (A.E. van Vogt, Interview am 22. Juli 1986). Jetzt noch eine andere Variante, 1941 überarbeitete er die Hydrographic Office Publications für die US Navy (Hubbard "Autobiographische Notizen für Peter Tompkins" 6. Juni 1972).

Zurück in den US im März 1942, war der Mangel an qualifizierten Offizieren derart, dass er nach einer Woche im Spital sofort zum Kommando einer Korvette im Nord Atlantik befohlen wurde (Hubbard "Die Geschichte von Dianetik und Scientology", Tonbandvortrag von 1958), es war eine ehemalige britische Korvette, die Mist. Er verrichtete für den Rest dieses Jahres seinen Dienst mit britischen und amerikanischen Anti-UBoot Schiffen im Nord Atlantik ("Eine kurze Biographie von L. Ron Hubbard"; 1960). Schliesslich stieg er auf zum Kommando über die Fourth British Korvetten Geschwader ("Eine kurze Biographie von L. Ron Hubbard", The Auditor Magazine Ausgabe 63). Andererseits kommandierte er den UBootjäger USS YP-422 (die USS Mist) und verwandelte dessen Mannschaft - ausnahmslos alles hartgesottene Verbrecher aus dem Portsmouth Naval Gefängnis - in die beste Crew der Flotte (L. Ron Hubbard: Der Menschenfreund 1996).

1943 wurde er in den Nord Pazifik versetzt und zum Admiral des Korvettengeschwaders befördert ("Tatsachen über L. Ron Hubbard - Dinge die sie wissen sollten" Flag Divisional Directive 69RA vom 8. März 1974, revidiert 7. April 1974). Er bekämpfte und versenkte im Mai ein oder, alternativ, zwei feindliche UBoote vor der Küste von Oregon ("L. Ron Hubbard - Eine Chronik" 1990; "Ron der Poet/Lyriker" 1996; "L. Ron Hubbard als Marineoffizier", von der Scientology Kirche verbreitetes Aufklärungsblatt unbekannten, jedoch neueren Datums).

In den folgenden Jahren, von 1944-45, arbeitete er als Instruktor in einem Ausbildungszentrum für kleinere Boote in San Pedro, Kalifornien ("L. Ron Hubbard - Eine Chronik" 1990). Nachträglich leistete er mit amphibischen Truppen ("Ein Bericht über Scientology an Mitglieder des Parlaments" 1968) als Navigationsoffizier an Bord der USS Algol ("L. Ron Hubbard - Eine Chronik" 1990), ein Schiff von dem er schrieb, "mit ungefähr 700 Männer an Bord ... mitten im pazifischen Ozean" ("Die Geschichte von Dianetik und Scientology"). An Bord schrieb er ein revolutionäres Lehrbuch über Navigation, diese Kunst stark vereinfachend ("L. Ron Hubbard: Meister-Seefahrer/Segler" 1996). Einige seiner Abenteuer an Bord der USS Algol wurden später zu einem Hollywood Film, Mr. Roberts, durch seine Freunde unter den Drehbuchautoren ("Eine kurze Biographie von L. Ron Hubbard" 1960; ebenfalls Hubbard, "Autobiographische Notizen für Peter Tompkins" 6. Juni 1972).

Später besuchte er als Nachgraduierter die Princeton Universität ("Ein Bericht über Scientology an Mitglieder des Parlaments" 1968) oder, zur Auswahl, besuchte die US Navy Verwaltungsschule in Princeton als Student ("Who's Who im Süden und Südwesten" ca. 1963 - Eintrag über Hubbard; ebenfalls "L. Ron Hubbard - Eine Chronik" 1990). Als weitere Möglichkeit sah er Ende 1944 bei den Aleuten an Bord eines Zerstörers Aktionen zu (Jack Williamson, Kind des Wunders: Mein Leben in Science Fiction, 1984).

Hubbard beendete den Krieg (1944 oder auswahlsweise auch 1945) verkrüppelt und erblindet durch einen Blindgänger, der auf dem Deck seines Schiffes landete und der vor ihm explodierte als er ihn über Bord werfen wollte (Brief an Hubbards Familie, zitiert von L. Ron Hubbard jun. in einem Brief vom 26. Januar 1973). Eine andere Version sagt, dass er früher im Krieg während seinem Dienst als Geschützoffizier an Bord der USS Edsall Verletzungen durch eine Stichflamme erlitt, die dazu führten, dass er als "rechtmässig blind" erklärt wurde (Scientology Kirche vs. Armstrong, 21. Mai 1984; ebenso "Ron - Briefe und Tagebücher" 1997). Noch eine andere Darstellung ist, dass er linksseitig gelähmt wurde durch Schrapnellteile in Hüfte und Rücken ("Ron - Briefe und Tagebücher" 1997). Er wurde ins Oak Knoll Marine Spital in Kalifornien eingeliefert, wo er wegen seinen verletzten Sehnerven und Körperverletzungen an seiner Hüfte und am Rücken behandelt wurde. Es wurde ihm offiziell bestätigt, "keine neurotischen oder psychotischen Tendenzen oder irgend etwas ähnliches" zu haben (Hubbard "Meine Philosophie" 1965).

Hubbards lange und heldenhafte Dienstzeit führte ihn auf alle fünf Schauplätze des Zweiten Weltkriegs, dafür wurde er mit 21 Medaillen und Palms ausgezeichnet ("Tatsachen über L. Ron Hubbard - Dinge die sie wissen sollten" 1974), oder zur Abwechslung 27 Dekorationen (Flag Operations Liaison Memo vom 28. Mai 1974) oder sogar 29 ("Die Scientology Kirche: 40. Jahrestag" 1994). Durch die Anwendung seiner eigenen revolutionären mentalen Therapien, die später zur Grundlage von Scientology wurden, konnte er sich so vollständig erholen dass ihm volle Einsatzfähigkeit attestiert wurde zum Erstaunen der Marinebehörden ("Mission into Time"). Er verbrachte ein volles Jahr im Oak Knoll Marine Spital in Kalifornien und war 1947 wieder vollständig hergestellt ("Forschung und Entdeckung Serie" Band 1, 1980), als Resultat davon verlor er seine ganze Austrittsrente (Hubbard "Alles über Strahlung" 1979). Als weitere Variante, sein letzter Posten in der US Navy war als Kommandant der Militärpolizei 1945 in Korea ("Ein Bericht über Scientology an Mitglieder des Parlaments" 1968).

Hubbard war nicht der Mann, der den Krieg genoss und sah das Töten ausreichend für sein ganzes verbleibendes Leben ("Was ist Scientology" Ausgabe 1992). Er zog es vor, von seinen Chargen zurückzutreten und nicht der Regierung bei Forschungsprojekten behilflich zu sein, stattdessen veröffentlichte er 1948 seine "ursprüngliche These" von seinen Entdeckungen über den Verstand (FSM Magazin, Band 1 Nr. 1, 1968).


Verwirrt? Die Scientology Kirche ist es bestimmt. Dieser unmögliche und widersprüchliche Text wurde aus nicht weniger als 27 verschiedenen Quellen zusammengesetzt, 24 davon wurden von der Scientology Kirche selbst veröffentlicht. Die eigenen Webseiten von Scientology präsentieren mindestens drei unterschiedliche Versionen von Hubbards Militärdienstkarriere.1

Wie dies zeigt, waren die Anhänger von Hubbard stets unfähig, ein zusammenhängendes Bild davon vorzulegen, was er im Krieg tatsächlich machte. Das ist bemerkenswert, weil jeder offizielle Bericht die Erfahrungen von Hubbard im Krieg als den eigentlichen Katalysator für die Entwicklung seiner "Wissenschaft des Verstands" erwähnt. In Beachtung der grundlegenden Wichtigkeit dieses Zeitabschnittes für den Ursprung von Scientology ist es äusserst eigenartig, dass die von Hubbard gegründete Organisation nicht fähig war, sich auf einen übereinstimmenden Bericht zu einigen.

Es ist unklar, ob Hubbard tatsächlich alle diese biographischen Berichte schrieb - die einzigen die direkt ihm zugeschrieben werden sind die "Die Geschichte von Dianetik und Scientology" Vorträge, "Meine Philosophie", seine "Autobiographischen Notizen für Peter Tompkins" und die "der australischen Presse zugestandenen Interviews" und möglicherweise auch die von Thomas Moulton im Fall Scientology Kirche gegen Armstrong zitierten Berichte von 21. Mai 1984 sowie Jack Williamson in "Kind des Wunders". Die beiden letzteren wurden auch nie verleugnet (tatsächlich, Moulten fungierte als Zeuge für Scientology und die von ihm aufgestellten Behauptungen, die er als von Hubbard stammend ausgab, wurden in den vergangenen Jahren von Scientology wiederholt und bestärkt). Obwohl die zitierten Bücher und Publikationen von Scientology in den meisten Fällen dem Copyright von Hubbard unterstehen war dies die allgemeine Praxis von Scientology, sogar wenn irgendein anderer als der Autor galt. Gemäss dem ehemaligen Scientology Archivar Gerry Armstrong könnte Hubbard auch einige der in der dritten Person verfassten Berichte geschrieben haben, die formal nicht ihm zugeschrieben werden. 2

Es bestehen jedoch nur wenig Zweifel darüber, dass Hubbard den meisten, wenn nicht allen zustimmte. Alle wurden von der Scientology Kirche veröffentlicht. Die für nichtautorisiertes Veröffentlichen ("squirrel") angedrohten drakonischen Strafen sollten sicherstellen, dass die Mitarbeiter auf den höchsten Stufen ihre Publikationen genehmigen lassen und möglicherweise über Hubbard selbst abrechnen mussten. Er war bestimmt die Originalquelle für die Informationen. Es gab ganz einfach keine andere Quelle - bis 1979, als die Navy seine Dienstaufzeichnungen an eine Agentur ausserhalb freigab (die Kirche selbst). Die Behauptung, dass er 21 Medaillen erhielt stammte zweifellos von ihm, wie ein im Mai 1974 in seinem Namen verfasster Brief zeigt. Seine persönlichen Unterlagen enthielten ein Formular der US Navy, das dazu dienen soll aufzuzeigen, dass er tatsächlich diese Medaillen erhielt.

Wie die obige Zusammenstellung von Berichten zeigt, vernachlässigte die Scientology Kirche (das heisst eigentlich Hubbard selbst) die Folgerichtigkeit in den publizierten biographischen Berichten. Das war nicht wirklich wichtig, da die Leute keinen Zugang zu seinen Dienstaufzeichnungen hatten, die von der Navy eifersüchtig vor Nachforschungen beschützt wurden. Ohne die Bevorteilung durch diese Akten konnte die Autorin von 'Der Skandal von Scientology', Paulette Cooper, noch schreiben "er wurde im Krieg schwer verletzt (und verbrachte tatsächlich viele Tage in einem Rettungsboot, sein Körper und seine Augen schwer schädigend durch die brennende Pazifiksonne)". Sie hatte einfach keine besseren Informationen.

Als 1973 der Freedom of Information Act angenommen wurde (für den sich die Scientologen ironischerweise einsetzten) begannen sich die Schleusentore zu öffnen. Obwohl die persönlichen Akten von Hubbard bis zu seinem Tod 1986 verschlossen blieben, wurden andere Dokumente - wie die Logbücher seiner Schiffe und zuvor vertraulich ausgelesene Einsatzberichte - öffentlich verfügbar. Ein Amateurforscher, Michael Shannon, hatte bis 1979 "einen Berg von Material, der Kopien von einigen Akten enthielt, die sonst noch niemand erhalten hatte - zum Beispiel die Logbücher der Navy Schiffe auf denen Hubbard Dienst geleistet hatte und die Navy Akten seines Vaters" angehäuft. Kopien der Dokumente von Shannon gelangten zu Gerry Armstrong, dem offiziellen Archivar von Scientology.

Das rosige Bild von Hubbards heldenhaftem Dienst im Krieg wurde durch die US Gerichte endgültig zerstört. Gerry Armstrong wurde damals zur "Unterdrückerischen Person" erklärt und von Scientology ausgeschlossen weil er darauf beharrte, dass die Lebensgeschichte von Hubbard über all die Jahren hinweg äusserst falsch dargestellt wurde. Er nahm eine grosse Zahl höchst sensitiver Dokumente mit, eingeschlossen Material aus Hubbards Navy und Veterans Administration Akten. Er wurde nachträglich von Scientology vor Gericht gebracht in einem Fall, der im Mai 1984 verhandelt wurde. Ein Grundstein von Armstrongs Verteidigung war seine Auseinandersetzung, dass er mit der Unrichtigkeit der publizierten Lebensgeschichten von Hubbard recht hatte. Zur Verteidigung holte Scientology den zeitweiligen Stellvertreter von Hubbard, Lt. Thomas Moulter, in den Zeugenstand um die Kriegsjahre von Hubbard zu bezeugen. Das folgende Kreuzverhör erwies sich vernichtend für die Scientology Kirche, die in diesem Fall verlor. Moultons Zeugenaussage wird anderswo auf diesen Seiten vollständig dokumentiert.

Hubbards Tod im Januar 1986 ermöglichte schliesslich die Veröffentlichung seiner Dienstakten. Die Los Angeles Times bekam offensichtlich als erste den vollständigen Bericht, gefolgt vom britischen Autor Rusel Miller, der 1987 mit seinem Buch 'Bare-Faced Messiah' einen Verlegenheit hervorrufenden Bericht von Hubbards Navy Karriere veröffentlichte. Ein anderer britischer Autor, Jon Atack, publizierte mit 'A Piece of Blue Sky' (1992) eine leicht erweiterte Darstellung. Diese Webseite strebt an, eine endgültige Darstellung zu bringen, durch eine Online-Kopie der bedeutsamsten Teile seiner US Navy and Veterans Administration Akten zusammen mit einer ausführlichen Analyse von Hubbards Karriere, seinen nachträglichen Behauptungen und diesbezüglichen Gesichtspunkten.


Anmerkungen

1 See "L. Ron Hubbard - Eine Chronik" (http://www.lronhubbard.org/asi/chrono.htm); "Ron der Poet/Lyriker" (http://www.ronthepoet.org/p_jpg/thewar1.htm); und biographische Entwürfe aus "Was ist Scientology?", Ausgabe 1992 (http://www.aboutlronhubbard.org/eng/wis3_1r.htm).

2 Hubbard machte das sicher bei bestimmter Gelegenheit - eine Stellungnahme in der dritten Person, herausgegeben und gedruckt 1969 von der London Sunday Times, mit der die Beschuldigung seiner Verwicklung in rituelle Sexmagie in den 40ern abgestritten wurde, die sich später (während dem Gerichtsverfahren Scientology Kirche vs. Armstrong 1984) als von Hubbard selbst geschrieben erwies.

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