RON DER "KRIEGSHELD"
L. RON HUBBARD UND DIE U.S. NAVY, 1941-50

< Kapitel 3.1
Der Standpunkt der Navy

Kapitel 3.3 >
Im Geheimdienst der Marine

3.2 Eintritt in die Navy

Anything you can do for Mr Hubbard will be appreciated.

- Representative Warren G. Magnuson (April 8, 1941)

Obwohl Sohn eines Marineoffiziers, die US Navy war nicht Hubbards erste Anlaufstation als sich der Krieg in Europa abzeichnete. Anfangs der 30er Jahre schloss er sich dem US Marine Corps an. Am 1. Mai 1930 wurde er in das 20th Marine Corps Reserve eingezogen, eine mit der George Washington Universität in Washington, D.C. verbundene Ausbildungseinheit der Reserve. Seine Verpflichtung war äusserst unbedeutend: Am Tag seines Eintritts wurde er in inaktiven Stand versetzt, in den folgenden 18 Monaten leistete er nur etwa fünf Wochen Aktivdienst (zur Ausbildung)(DOKUMENT A). Am 22. Oktober 1931 wurde Hubbard ehrenvoll aus der Marine Reserve entlassen. Von anderer Hand wurde darunter geschrieben "nicht wieder einziehen". Es gibt keine Erklärung für diese Anordnung. Sie hatte jedoch zur Folge, dass Hubbard von jedem weiteren Dienst mit dem USMC ausgeschlossen wurde. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, ob je wieder versuchte wurde ihn anzuwerben.

Hubbards nächste Berührung mit dem Militär war mit dem US Army Air Corps, kein unerwarteter Schritt für einen Mann, der in den frühen 30ern ein leidenschaftlicher Segelflugpilot war. Der stellvertretende Redaktor des National Aeronautics Magazins, H. Latane Lewis III, in dessen Haus Hubbard damals erschien um zum Fliegen zu kommen, schrieb an Brigadier General Walter G. Kilner und empfahl Hubbards Dienste. Lewis war des Lobes voll über "Captain Hubbard", der wie er sagte ein Mitglied des Explorers Clubs war, ein häufiger Sprecher an der Havard und George Washington Universität und Inhaber von zwei Flugrekorden. Dabei kam nichts heraus; vielleicht entdeckte das Air Corps, dass Hubbard kein Captain war, kein Mitglied des Explorers Club, kein Dozent, keine Flugrekorde hielt und nie an Havard eingeschrieben war (wenigstens nie in offizieller Form).

Im folgenden Jahr, am Tag als Hitler in Polen einfiel, bewarb sich Hubbard beim Kriegsministerium:

Aufgrund der Möglichkeit, dass sich unsere Nation in nächster Zukunft selbst im Kriegszustand befinden könnte und weil mir die Schwierigkeit gut bekannt ist, ausgebildete Männer auf dem Höhepunkt einer solchen Krise zu finden, erlaube ich mir, meiner Regierung meine Dienste anzubieten, in welcher Form sie auch immer die grössten Nutzen bringen...
(Quelle: Brief von Hubbard an das Kriegsministerium, 1. September 1939)

In welcher Beziehung Hubbard "ausgebildet" sein sollte ging daraus nicht hervor. Einmal mehr wurde er jedoch abgelehnt.

Im März 1941 versucht er ein erstes Mal sich der US Navy anzuschliessen, seine Freunde auffordernd für ihn Empfehlungsbriefe zu schreiben. Jimmy Brittan, der Besitzer KGBU Radio in Alaska, lobte Hubbard am 15. März als "ein intelligenter, mutiger Mann mit guter Bildung wie auch eine der vielseitigsten Persönlichkeiten, die er je kannte". Brittan erwähnte auch die hervorragende Leistung die Hubbard erbrachte indem er "einen deutschen Saboteur, der ausgedacht hatte, im Kriegsfall die Verbindung von Alaska mit den Vereinigten Staaten durch Sabotage der Nachrichten der Fernmeldetruppen zu unterbrechen".(DOKUMENT B) Dieser besondere Vorfall konnte durch Hubbards eigene Berichte nie sicher bestätigt werden.

Zehn Tage später fügte Commander W.E. McCain, ein Freund der Hubbard Familie, der den jungen Hubbard 1927 bei einem Besuch in Manila herumführte, seine Empfehlung bei:

Hiermit bestätige ich, dass ich Mr. L. Ron Hubbard seit zwanzig Jahren persönlich kenne. Ich hatte mit ihm als heranwachsender Junge Verbindung und beobachtete ihn genau. Er hat einen hervorragenden Charakter, ist aufrichtig, ehrgeizig und stets darauf bedacht, selbst besser zu werden um sich als nützlicher Staatsbürger zu erweisen... Ich zögere nicht, ihn jedermann zu empfehlen, der die Dienste eines Mannes mit seinen Fähigkeiten benötigt.
(DOKUMENT C)

Inzwischen hatte Hubbard auch die Hilfe seines Abgeordneten Warren G. Magnuson gewonnen, der Mitglied des Committee on Naval Affairs war. Er schlug Magnuson vor, dass die US Navy eine eigene Informationsstelle schaffen sollte um die Öffentlichkeitsarbeit der Navy zu verbessern und gleichzeitig der "defätistischen Propaganda" über Marineangelegenheiten etwas entgegenzusetzen, die nach seiner Meinung "die Presse überfluten". Magnuson war von diesem Vorschlag positiv beeindruckt. Ein angeblich von Magnuson stammender Brief wurde auch an keine geringere Persönlichkeit als Präsident Roosevelt gesandt, Hubbard in auffälliger Weise rühmend:

Darf ich ihnen einen Ehrenmann vorstellen? L. Ron Hubbard ist ein bekannter Schriftsteller, unter fünf verschiedenen Pseudonymen schreibend. Er ist ein anerkannter Forscher, was Captain Bryan, Hydrograph der Navy, bestätigen wird.

Mr. Hubbard wurde in die Navy hinein geboren. Er hat für mehr Schiffstypen ein Kapitänspatent der Marine als sonst jemand in den Vereinigten Staaten.

Er schrieb für Hollywood, Radio und Zeitungen und veröffentlichte in Novellen und nationalen Magazinen unzähliges an Fakten und Erdichtetem. Er ist eine Schlüsselfigur in den Organisationen der Schriftsteller, was ihn national politisch einflussreich macht.

Ein faszinierender Charakterzug ist seine Abneigung für persönliche Publizität. Er ist diskret und einfallsreich wie seine Akten zeigen sollten.

Alles was sie für Mr. Hubbard tun können wird geschätzt werden...
(Quelle: Brief von Senator Warren G. Magnuson an Präsident Franklin D. Roosevelt)
(DOKUMENT D)

Warum "angeblich"? Der Grund ist, dass Hubbard bekanntermassen mindestens einen seiner Empfehlungsbriefe gefälscht hatte. Ein alter Freund aus dem Staat Washington, Robert M. Ford, war damals Abgeordneter und Hubbard suchte seine Unterstützung für den Eintritt in die Navy. Das Schreiben von Empfehlungsbriefen war Ford bezüglich Form und Usanzen offensichtlich nicht besonders geläufig. Jahrzehnte später erinnerte er sich:

Er wünschte einen Brief und ich gab ihm einen Briefbogen mit Kopf und sagte "Du willst einen Brief? Verdammt, du bist der Schriftsteller, schreib ihn selber". Ich weiss nicht wozu er ihn benötigte.
(Quelle: Russell Miller, Interview mit Robert MacDonald Ford, Olympia, Washington, 1. September 1986)

Hubbard übte sich bei seinem Selbstlob nicht gerade in Bescheidenheit, er gebrauchte zudem auffallend ähnliche Begriffe, die denen im angeblich vom Abgeordneten Magnuson verschickten Brief entsprachen:

Hiermit wird einer der genialsten Männer vorgestellt den ich je kannte: Captain L. Ron Hubbard.

Er schreibt unter sechs Namen in vielfältigen Bereichen von der Volkswirtschaft bis zur Science Fiction und falls er auch nur einen seiner Namen bekannt geben würde, hätte er ohne grosse Schwierigkeiten überall Zutritt. Er veröffentlichte eine grosse Menge Literatur und etwa vierzehn Filme.

Auf Forschungsreisen trug er ehrenvoll die Flagge des Explorers Club und erweiterte die geographischen und geologischen Kenntnisse. Er ist in vielen Teilen der Welt wohlbekannt und hat beträchtlichen Einfluss in der Karibik und in Alaska.

Als Schlüsselfigur in Schriftsteller Organisationen geniesst er erhebliches politisches Ansehen und im Nordwesten hat er mächtigen Einfluss.

Ich habe ihn seit Jahren gekannt und fand ihn diskret, ergeben, ehrlich und beim schnellen Ausführen von Dingen ohnegleichen.

Wenn Captain Hubbard um Hilfe bittet, versichere ich ihnen dass andere damit mehr begünstigt werden als er selbst.

In Hinsicht auf Mut und Können kann ich ihn nicht stark genug empfehlen.
(Quelle: Brief von L. Ron Hubbard (Rep. Robert MacDonald Ford) an den Minister der Navy, 1. Mai 1941)(DOKUMENT F)

Der ehemalige Professor von Hubbard, der Dekan der School of Civil Engineering an der George Washington Universität, beteiligte sich mit einem grosszügigen Brief am Lob von Hubbards Führungsfähigkeit, Einfallsreichtum, Findigkeit und Persönlichkeit. Sein Versagen beim Abschluss und seine schwachen Noten waren ein unumgängliches Thema, wurden jedoch heruntergespielt zur "offensichtlichen Tatsache, dass er im falschen Beruf startete. Sie widerspiegeln seine grossen Fähigkeiten nicht". (DOKUMENT G)Der legendäre Science-Fiction Verleger John W. Campbell, ein Freund und gelegentlicher Käufer von Hubbards Kurzgeschichten, schrieb ebenfalls, er beschränkt sich hauptsächlich darauf Hubbards Fähigkeit zu loben, eine Story rechtzeitig abzuliefern, fügt noch bei: "In persönlicher Hinsicht habe ich eine hohe Meinung von ihm als einem durchwegs amerikanischen Gentleman".

Gleichzeitig beschäftigte sich Hubbard damit zu demonstrieren, dass er ein Mann mit grossen strategischen Visionen war. Im Verlauf des Juni 1941 schrieb er an Senator Pat McCarran wegen einem Plan eines Flugdepartements und einer United States Air Force - wohl kaum eigene Vorschläge - die der Senator in einen verbindlichen Gesetzentwurf einbrachte, S.1635. Er schrieb auch an die War Department General Staff eine "Anleitung zur Vorbereitung vor dem Kampf", vielleicht die "bahnbrechenden" psychologischen Theorien heranziehemd, die er in seinem Brief von 1939 an das Departement erwähnt hatte. Es wurde höflich entgegengenommen, aber es gibt keinerlei Hinweise, dass sein System je realisiert wurde.

Es war für Hubbard ohne Zweifel eine grosse Enttäuschung als er trotz soviel Unterstützung war bei der ärztlichen Musterung durchfiel. Sein Sehvermögen war ungenügend und er wurde im April 1941 aus medizinischen Gründen zurückgewiesen. Er gab jedoch nicht auf. Die Umstände sprachen für ihn, da sich der Krieg in Europa verschärfte. Am 27. Mai 1941 rief Präsident Roosevelt den unbefristeten nationalen Notstand aus als Antwort auf das Blutbad, das deutsche U-Boote im Nordatlantik anrichteten. Der Eintritt der Vereinigten Staaten in den 2. Weltkrieg war nun ganz klar nur noch eine Frage der Zeit; zwei Jahrzehnte isolationistischer Politik hinterliessen jedoch die Navy in einem äusserst geschwächten Zustand und dringendem Bedarf an Arbeitskräften. Der Geheimdienst der Marine war in einem besonders desolaten Zustand.

Eine Woche nach der Erklärung des Präsidenten wurde Hubbards Bewerbung erneut durch den Washington, D.C. Navy Yard überprüft. Der ständige Geheimdienstoffizier des Yards schrieb:

Obwohl die vorliegende Bewerbung im Hinblick auf die akademische Bildung mangelhaft ist, kann erwogen werden, dass seine berufliche Erfahrung im Zeitungswesen und Reisen seinen Mangel im akademischen aufwiegt.
(Quelle: Memo von Cdr Lucius C. Dunn, 4. Juni 1941) (DOKUMENT H)

Entscheidend für Hubbard war, dass auch entschieden wurde nicht auf seine körperlichen Mängel einzutreten. Er hatte sich um die Stellung eines Lieutenant Senior Grade in der Reserve der Marine beworben, war aber im Alter von 30 Jahren zu jung für diesen Rang. Stattdessen wurde im die Ernennung zum Lieutenant (junior grade) angeboten - er sagte zu. (DOKUMENT I) Am 2. Juli 1941 erhielt er seine Ernennungsurkunde, ausgestellt im Namen des Präsidenten und in grossartig klingenden Worten abgefasst:

Ich erkläre, dass ich, beruhend auf dem aussergewöhnlichen Glauben und Vertrauen auf den Patriotismus, Tapferkeit, Treue und Fähigkeit von LAFAYETTE RONALD HUBBARD, ihn zum LIEUTENANT (JUNIOR GRADE) der Reserve der Marine von der United States Navy ernenne, wirksam vom fünfundzwanzigsten Tag des Juni 1941 an.(DOKUMENT J)

Der Patriotismus, die Tapferkeit und Treue von Hubbard standen nicht in Zweifel, aber die folgenden vier Jahre sollten seine Fähigkeiten bis an ihre Grenzen - und darüber - belasten.


Quelldokumente

A. Notiz auf Hubbards USMC Akte, 23. Oktober 1941

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B. Brief von Jimmy Brittan, KGBU Radio, 15. März 1941

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C. Brief von Cdr W.E. McCain, 25. März 1941

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D. Brief von Sen. Warren G. Magnuson, 8. April 1941

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E. L. Ron Hubbard Ernennungsantrag, 18. April 1941

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Seite 3
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F. Brief von Rep. Robert M. Ford/L. Ron Hubbard, 1. Mai 1941

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G. Brief von Prof. Arthur F. Johnson und Aufzeichnungen von Interviews mit Prof.Johnson und Prof. Douglas Bement

Brief
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Johnson Interview
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Bement Interview
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H. Memo von Cdr Lucius C. Dunn, 4. Juni 1941

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I. Entscheid durch Geo. Pettengill, 10. Juni 1941

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J.  L. Ron Hubbard Ernennungsdokument, 2. Juli 1941

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