RON DER "KRIEGSHELD"
L. RON HUBBARD UND DIE U.S. NAVY, 1941-50

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Kapitel 2 >
L. Ron Hubbard: Sein Ringen mit der Wahrheit

1.   Einleitung

1941 bis 1945 waren entscheidende Jahre in der Geschichte der Vereinigten Staaten, als die Nation frühe verhängnisvolle Niederlagen bewältigen musste um eine der beiden grossen Supermächte zu werden, die die Nachkriegswelt dominierten. Die gleiche Zeitspanne war auch für eine weniger tiefgreifende Entwicklung wichtig - einer der von diesem Konflikt Betroffenen war L. Ron Hubbard, ursprünglich ein trivialer Science Fiction Schriftsteller, der aber bald zum Gründer und Führer der umstrittenen Scientology Kirche werden sollte. Von seinen Kriegserfahrungen wurde lange behauptet, dass sie der Katalysator für die von ihm entwickelten mentalen Therapien waren aus denen schliesslich Scientology hervorging.

Trotzdem ist es befremdend, die Scientology Kirche selbst hat scheinbar keine klare Meinung, was Hubbard im Krieg machte. Sie hat zahlreiche Darstellungen der Lebensgeschichte von Hubbard gedruckt. Alle behandeln übereinstimmend das Thema von Hubbards Heldentum im Kampf, seine Empörung über den Krieg und seine wundersame Genesung von ernsthaften Kriegsverletzungen durch die Anwendung seiner eigenen revolutionären mentalen Techniken. In den Details weichen die verschiedenen Darstellungen jedoch deutlich voneinander ab, oft widersprechen sie einander.

Von einer endgültigen offiziellen Biographie wird gesagt, gegenwärtig unterwegs zu sein, trotzdem muss man sich wundern, wann (falls überhaupt) sie je erscheinen wird; ein "LRH biographisches Projekt" war seit den frühen 80er Jahren angesagt, bis jetzt ohne ein Anzeichen dafür, dass das magnum opus je abgeschlossen wurde.

Inoffizielle Biographen kamen dem stets zuvor. In den Jahren seit Hubbards Tod im Januar 1986 benutzten sie die Aufzeichnungen der US Navy (durch den Freedom of Information Act FOIA zugänglich gemacht) um ein viel weniger schmeichelhaftes Bild von Lt. L. Ron Hubbard zu zeichnen - gemäss ihnen war er kein Kriegsheld, jedoch ein unfähiger Simulant der seine Krankheiten zum Beschwindeln der Behörden hochspielte um zu einer grosszügigere Rente zu kommen.

Jede Untersuchung von Hubbards Aufzeichnungen aus dem Krieg muss folgende Schlüsselfragen stellen: was machte er genau, wo und wann? Die Angelegenheit verkompliziert sich durch die beanstandete Wahrheitstreue der entscheidenden Beweisstücke, seinen Dienstakten. Zusätzlich zum lediglichen Katalogisieren der Inhalte von diesen Aufzeichnungen muss man deren Wahrheitsgehalt sorgfältig überprüfen bevor irgendwelche einwandfreie Schlüsse ziehen kann.

Das Stellen solcher Fragen an erster Stelle führt garantiert zu Kontroversen, bedingt durch die Hochachtung die Scientologen ihrem spirituellen Führer entgegenbringen. Trotzdem, ein einfacher Versuch die aufgestellten Behauptungen zu überprüfen sollte nicht dahin ausgelegt werden, gegen Scientology oder gegen Hubbard zu sein, obwohl einige der Antworten Dinge aufzeigen, bei denen die Scientology Kirche zweifellos vorziehen würde wenn darüber Stillschweigen bewahrt würde. Einen genauen Bericht zu schreiben erfordert Unvoreingenommenheit und die Bereitschaft, Klischees zu durchschauen (pro oder kontra). Unglücklicherweise macht gerade das viele - vielleicht die meisten - Scientologen für die Aufgabe schlecht geeignet. Ihre Ehrerbietung vor Hubbards Vermächtnis und Zurückweisung von jeglichem "Entheta" (alles was "unbeständig" oder "destruktiv" gegenüber Scientology und/oder L. Ron Hubbard ist) verringert ihre Fähigkeit stark, Hubbard leidenschaftslos zu beurteilen. Ein Scientology, der einen allzu freizügigen Bericht über Hubbards Leben schreibt würde sich bald den reinigenden disziplinarischen Vorschriften von "Ethics" der Scientology Kirche ausgesetzt sehen. Die erwartete offizielle Biographie wird bestimmt eine uneingeschränkte Heiligenlegende sein.

Geschichte, schreibt der irische Historiker T.W.Moody, ist "eine ständige forschende, kritische Suche nach Wahrheit über die Vergangenheit".1 Die Scientology Kirche ist zurecht kritisch gegenüber denjenigen, die ihre Tätigkeit auf der Basis von Vermutungen und unbelegten Aussagen kommentieren. Es ist nur rechtens und richtig, dass ihre eigenen Darstellungen über L. Ron Hubbard einer gleichen genauen Prüfung ausgesetzt werden. Der einzige Grund, der zur Herstellung dieses Berichtes führte, war der Wunsch die Wahrheit über die Kriegsjahre von Hubbard zu entdecken - ein Wunsch, der sich als komplexer erwies als üblicherweise geschildert, entweder durch die Scientologen oder ihre härtesten Kritiker.

CHRIS OWEN,
Juli 1999


Anmerkungen

1 Moody, "Irish History and Irish Mythology"

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