RON DER "KRIEGSHELD"
L. RON HUBBARD UND DIE U.S. NAVY, 1941-50

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Der Kampf am Cape Lookout

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"Mister Roberts" und die USS Algol

3.7 Der Coronados Zwischenfall

This officer [is] lacking in the essential qualities of judgment, leadership and cooperation. He acts without forethought as to probable results.

- Rear Admiral F.A. Braisted, July 15, 1943

Nach Hubbards Kampf mit zwei vermeintlichen japanischen Unterseebooten - von der Navy allerdings als magnetische Ablagerung unter Wasser bestimmt - wurde ihm befohlen, sein Schiff, die USS PC-815, nach Süden in den Marinestützpunkt in San Diego zu bringen und unterwegs die Testfahrt durchzuführen. Hubbards Gesuch zur Suche nach den Wracks wurde abgelehnt; es musste ein frustrierendes Erlebnis gewesen sein an jenem Ort vorbeizufahren wo der "Kampf" stattfand, ohne Erlaubnis zu haben anzuhalten und nach dem Beweis zu suchen.

Die USS PC-815 legte am 28. Mai 1943 in Seattle ab, aber ihre Befehle wurden am gleichen Tag dahin geändert, erst den Hafen von Alameda anzulaufen, gegenüber der Bay von San Francisco. Dort traf sie sich mit der USS Croatan (CVE-25), einem kurz zuvor in Dienst gestellten Flugzeugträger für den Geleitschutz, den sie am folgenden Tag nach San Diego zu begleiten hatte. Die beiden Schiffe erreichten den südkalifornischen Hafen am 2. Juni. Hubbards Stellvertreter Lt Thomas Moulton verliess dort das Schiff um nach Seattle zurückzukehren (und bekam bald sein eigenes Kommando).

Für die PC-815 begann in San Diego ein Einsatz, der zweieinhalb Jahre dauern sollte. Eine neue Ausrüstung wurde montiert, ein nach vorn feuernder "Mousetrap" Wasserbombenwerfer ersetzte die veralteten Wasserbomben Racks. Die Schiffsmannschaft hatte nur wenig Zeit um Versuche durchzuführen, wegen dem Verkehrsstau auf der Marinebasis. Ende Juni 1943 wurde das Schiff wieder auf See geschickt um Anti-U-Boot Ausbildung in den Gewässern vor San Diego durchzuführen. Es war zu diesem Zeitpunkt, dass Hubbards Begeisterung einmal mehr von ihm Besitz ergriff. Anders als der peinliche aber wohlbeabsichtigte "Kampf" im vorhergehenden Monat war sein letzter Mangel an Urteilsvermögen viel schwerwiegender und er zeigte für ihn Auswirkungen auf seine Karriere.

Das am 28. Juli durch das Fleet Operational Training Command angeordnete Training endete bereits früh, schon um 16.00 Uhr. Hubbard entschied die Gelegenheit zu nutzen und mit der 3" Kanone der PC-815 einen Schiessdrill abzuhalten, drei Ladungen Übungsmunition abfeuernd. Als Zielpunkt wurde ein treibendes Ziel benutzt, das bereits für die früheren Übungen an diesem Tag gebraucht wurde. Das Schiff fuhr dann zu einer naheliegenden Insel, wo es die Nacht durch in 7 Faden tiefem Wasser ankerte. Es wurde auch ein Drill mit leichten Waffen durchgeführt, wobei ungefähr 120 Schuss Munition aus .30 Gewehren und .45 Pistolen angefeuert wurden. Die Mannschaft fischte noch bevor sie sich für die Nacht zurückzog. Um 7.00 Uhr am folgenden Morgen kehrte Hubbard nach San Diego zurück - und mit ihm eine heisse Angelegenheit.

Die PC-815 ankerte auf Hoheitsgebiet von Mexiko, gerade vor South Coronados Island. Die Coronados Islands (Islas los Coronados) sind eine sonst bedeutungslose Gruppe von vier kleinen, felsigen Inseln gerade noch innerhalb mexikanischen Gewässern, etwa 8 km südlich der Seegrenze zwischen den US und Mexiko. Sie wurden nie dauernd besiedelt, da sie zu trocken und rauh sind, trotzdem führte ein kurzlebiger "Coronados Yachting Club" ein Hotel - eigentlich eine küstennahe Saufinstitution - während den letzten zwei Jahren der Prohibition in den Vereinigten Staaten.

Während dem 2.Weltkrieg, in den Mexiko am 22. Mai 1942 eintrat, waren die Inseln Schauplatz von mexikanischen und US Militärmanövern. Am Tag von Hubbards Besuch waren sie zuvor Ziel von Bombenangriffsübungen der US Army Air Force, mit dem Einverständnis der mexikanischen Behörden. Die Inseln sind jedoch von einem kleinen Detachement der mexikanischen Navy belegt, das überrascht beobachten musste, wie die PC-815 beidrehte und eine improvisierte Schiessübung in der Nähe der Inseln abhielt. Es waren wahrscheinlichdiese Beobachter, die Hubbards Schiff vor Anker sahen, wie es in Küstennähe schoss. Eine offizielle Beschwerde wurde den US Behörden vorgebracht und innert weniger als 48 Stunden nach der Rückkehr nach San Diego wurden Hubbard und seine Mannschaft vor Gericht gestellt um sich zu verantworten.

Die Fakten waren in diesem Fall unbestreitbar - es wurde kein Versuch unternommen abzuleugnen, dass das was berichtet wurde sich auch tatsächlich ereignete. Stattdessen verteidigte sich Hubbard, wie seine einleitende Darstellung vor dem Board of Investigation zeigt, mit einer Mischung aus Ignoranz und Einfalt:

Q. Erklären sie die Bewegungen und Operationen der PC-815 am 26. Juni 1943 zwischen 15.00 und 17.00 Uhr

A. Die Operation während dieser Zeitperiode war, nach meinem besten Wissen und Gewissen, dass das Schiff um 16.00 Uhr herum die Erlaubnis vom OTC bekam das Training abzuschliessen. In Anbetracht der Tatsache, dass es erst 16.00 Uhr war und in Anbetracht der Tatsache, dass dieses Schiff informiert wurde jede Möglichkeit wahrzunehmen um seinen Testlauf zu vervollständigen, was bisher nur selten möglich war aufgrund der Verzögerung durch Ausbesserungen auf der Zerstörerbasis in San Diego, Kalifornien, ordnete ich höchste Alarmbereitschaft an sowie Übungen bei höchster Alarmbereitschaft. Das Schiff erreichte die höchste Alarmbereitschaft und da sich ein von Flugzeugen für Bombenabwurfübungen benutztes Ziel in der Nähe befand befahl ich vier Ladungen Munition auf das Ziel abzugegeben nachdem ich den Bereich auf die Abwesenheit von anderen Schiffen überprüft hatte. Der Befehl zum Eröffnen des Feuers wurde gegeben. Die Übung wurde beendet, die Nacht brach neblig herein und da dieses Schiff über keine genaue Navigationseinrichtung verfügt und ich ausserdem einen sehr anstrengenden Tag verbrachte und noch nicht in der Lage war meine Offiziere im zuverlässigen Lotsen auszubilden, fuhr ich bis zum Ufer an der Ostseite der South Coronado Island und ging dort in einer Wassertiefe von 7 Faden vor Anker nachdem das Schiff in Richtung 182 Grad zum Südpunkt und 336 Grad zum Nordpunkt der South Coronado Island gewendet wurde, angegeben in Graden des Kreiselkompasses.

Das Schiff wurde gesichert und die Männer fischten nach allem was sie fangen konnten. Die Offiziere der Kanoniere und andere Leute der Landungsgruppe feuerten auf der Steuerbordseite des Hecks mit leichten Waffen auf ein vom Schiff ausgeworfenes Ziel. Die Schüsse gingen ostwärts und es konnten keine Schüsse möglicherweise in die Coronados hinein abprallen, da ich es persönlich überwachte. Eine kleine Menge Munition wurde gebraucht, da ich meine Offiziere mit dem sicheren Umgang mit einer .45 vertraut machen wollte.

Zu keiner Zeit war ich mir bewusst, in mexikanische Gewässer eingedrungen zu sein und ich hatte überhaupt nie die Absicht, an mexikanischem Eigentum Schaden zu verursachen oder der mexikanische Bevölkerung Angst zu machen.

Während der Nacht näherte sich ein Skiff dem Schiff, offenkundig vom Ufer, und der Mann darin bat um 40 Liter Benzin um ans Festland zu kommen, mein Executive Officer fand sich nicht bereit, dieses Benzin herauszugeben. Es waren auch verschiedene Fischerboot dort, die Namen wurden nicht notiert, die zwischen uns und dem Ufer lagen und auch Verbindung hatten. Nie bezog sich jemand darauf, auch nicht zufällig, dass die Insel beschossen wurde.

Meine Aktionen während dieser Periode gründeten auf: (1) der Notwendigkeit die Besatzung an den Kanonen zu jedem möglichen Zeitpunkt auszubilden (2) der inoffiziellen Anweisungen an mich durch Commander Ferguson anlässlich der Konferenz am Samstag, dass es in Ordnung wäre mich mit den Flugzeugen zu arrangieren, wobei ich annahm, dass dies auch die Erlaubnis zur Durchführung nichtgeplanter Schiessübungen beinhaltete; und (3) dem Versuch, zu genügend Erholung für mich zu kommen um am folgenden Tag meine Offiziere kompetent im Schiessen mit der Mousetrap und der Anti-U-Boot Kriegsführung auszubilden.

Dies ist die Antwort auf die Fragen des Ausschusses nach meinem besten Wissen und Gewissen.
(Quelle: Abschrift Untersuchungsausschuss über die Umstände betreffend dem Abfeuern von 3 Schüssen von der USS PC-815, 30. Juni - 3. Juli 1943)

Eine Reihe von Augenzeugen von der Mannschaft der PC-815 wurde aufgerufen um als Zeugen auszusagen. Der Navigationsoffizier gab zu, dass dies das zweite Mal war dass die PC-815 vor den Coronados ankerte, dass er glaubte die Coronados gehörten zu den Vereinigten Staaten und dass er die Navigationsanleitungen vor dem Ankern des Schiffes nicht zu Rate zog. Die anderen Zeugen wurden im Detail einem Kreuzverhör über die Umstände des eigentlichen Schiessens unterworfen. Die Durchführung der Übungen und die Frage, ob die Geschosse tatsächlich an Land einschlugen wurde in allen Einzelheiten untersucht. Der Beweis des letzten Punktes blieb ergebnislos - einige sagten, dass alle vier abgefeuerten Geschosse ins Wasser fielen, aber andere berichteten, Einschläge an Land gesehen zu haben. Einer der vernichtendsten Punkte der aufgegriffen wurde war aus Hubbards Sicht, dass seine Befehle ihm keine Erlaubnis zum Ankern nach eigenem Ermessen zugestanden, insbesondere nicht auf mexikanischem Territorium:

Übung 54-2. Zur Sonarschulung vorgesehene Schiffe bleiben am folgenden Tag auf See. Sie operieren in den Sonarschulungsbereichen zusätzlich 4626, 4726, 4826, 4825, 4725, 4625 [offensichtlich Planquadrate] bis andere Bereiche zur Fahrt in der Nacht und für Übungen zugeteilt werden. Andere Schiffe, soweit keine weiteren Übungen geplant, kehren nach Beendigung der Arbeit mit der Sonarschulung vor Einbruch der Dunkelheit in den Hafen zurück.
(Quelle: Abschrift Untersuchungsausschuss über die Umstände betreffend dem Abfeuern von 3 Schüssen von der USS PC-815, 30. Juni - 3. Juli 1943)

Mit anderen Worten, Hubbard war ausdrücklich auf einen bestimmten Bereich vor San Diego beschränkt. Sein neuer Stellvertreter Lt (jg) George Asmann gab zu, dass die Befehle keine Befugnis zum Ankern nach Wunsch und Laune umfassten. Er gab auch zu, obwohl ihm bekannt war, dass die Coronados Islands mexikanisches Territorium sind, "kam es mir nicht in den Sinn, dass es mexikanische Inseln sind" und dass er angenommen hatte, dass sie in die Operationsbereiche zur Sonarschulung eingeschlossen waren. Nachdem der die Untersuchung führende Offizier Druck auf ihn ausübte, gab Asmann zu, dass er während dem Schiessen in der Steuerkabine der PC-815 war "weil es draussen kalt und nass war und dass [er] lieber im Warmen und Trockenen bleiben wollte".

Erneut als Zeuge aufgerufen versuchte Hubbard - wenig galant - die Schuld der Unerfahrenheit seiner Mannschaft zuzuschieben:

Q. Kapitän, warum ankerten sie am 28. Juni an der durch die Zeugenaussage aufgezeigten Position bei den Coronados Islands?

A. Weil mir kein Offizier mit mehr als dreieinhalb Monaten Erfahrung als Offizier an Deck von Schiffen der Marine zur Verfügung stand und weil es neblig war und Seetangbeete in meinem bezeichneten Operationsbereich die Schiffahrt behinderten, den ich nie verliess. Wenn ich trotzdem ausgelaufen wäre, hätte ich die ganze Nacht auf der Brücke verbringen müssen, etwas was ich zuvor auf dem Schiff schon oft gemacht habe. Bei drei verschiedenen Gelegenheiten, bei denen ich meine verantwortlichen Offiziere sich selbst überliess, fühlten sie sich verloren, ein Umstand der für die Sicherheit des Schiffes gefährlich war. Ich bin beim Versuchen ihrem Mangel an Erfahrung so rasch wie möglich Abhilfe zu verschaffen, aber zur fraglichen Zeit dachte ich, dass kein kommandierender Offizier mit Verantwortungsbewusstsein für die Sicherheit seines Schiffes garantiert hätte ausser er benutze einen bestehenden Ankerplatz. Es machte keinen Sinn in diesen Gewässern die Nacht durch weiterzufahren.
(Quelle: Abschrift Untersuchungsausschuss über die Umstände betreffend dem Abfeuern von 3 Schüssen von der USS PC-815, 30. Juni - 3. Juli 1943)

Nachdem während 13 Stunden Zeugenaussagen angehört wurden, schloss der Ausschuss seine Anhörungen am Samstag 3. Juli 1943 ab und erarbeitete achtzehn Befunde von Tatsachen(DOKUMENT A):

1. Dass die U.S.S. PC 815 am 28. Juni 1943 etwa um 16.19 Uhr mit der an Bord montierten Kaliber 3"/50 Kanone 4 Ladungen Geschützmunition vom Kaliber 3"/50 abfeuerte.

2. Dass keine Navigationsdaten verfügbar waren um die Position oder den Kurs der PC-815 zu bestimmen zur Zeit als die Schüsse am 28. Juni 1943 etwa um 16.19 Uhr abgefeuert wurden.

3. Dass die allgemeine Position des Schiffes nordöstlich der South Coronados Island in einer unbestimmten Distanz war.

4. Dass zur Zeit des Schiessens Land in der Sichtlinie war und dass dieses Land ein Teil der Coronados Island war.[sic].

5. Dass weder ein Sicherheitsoffizier noch ein Beobachter zur Kontrolle bei der Kanone postiert war.

6. Das das Niedergehen aller 4 von der Kaliber 3"/50 Kanone abgefeuerten Schüsse wurde durch keinen der Offiziere auf dem Schiff beobachtet.

7. Dass im Wasser in Richtung der Land während dem Schiessen eine unbestimmte Anzahl von Spritzern beobachtet wurde.

8. Dass während dem Durchführen des Schiessens von zwei unterschiedlichen Stellen Nachweise für Geschosseinschläge in den Boden oder auf Fels beobachtet wurden.

9. Der Nachweis eines Geschosseinschlags in der Feuerlinie in den Boden oder auf Fels am nördlichen Ende der South Coronados Island oder in den Boden hinter dem nordöstlichen Ende der South Coronados Island wurde durch eine dritte Instanz während der Durchführung des Schiessens beobachtet.

10. Dass das Schiff zur Zeit des Schiessens mit einem Drittel Maschinengeschwindigkeit, um die 9 Knoten, in Fahrt war.

11. Das keine Anweisung der U.S. Marine gestattete, dass die PC-815 in irgend einem Gebiet am 28. Juni 1943 mit Kanonen irgend eines Kalibers schiesst.

12. Dass nach Beendigung des Schiessens mit Kaliber 3"/50 Kanonen die PC-815 ihre Fahrt mit verschiedenen Kursen und Geschwindigkeiten fortsetzte und am 28. Juni etwa um 17.06 Uhr rund 450 m vor der östlichen Küste der South Coronados Islands vor Anker ging in 7 Faden tiefem Wasser mit 65 Faden Kette bis zum Steuerbordanker, zum Leuchtturm auf dem nordöstlichen Sektor der South Coronados Island mit etwa 326 Grad absolut und zur linken Tangente der South Coronados Island mit etwa 185 Grad absolut (magnetische Kompassabweichung zur Erdachse korrigiert).

13. Dass nach dem Ankern am Nachmittag des 28. Juni 1943 in der Periode ab etwa 17.30 Uhr bis irgendwann nach Sonnenuntergang durch bestimmte Offiziere und Mitglieder der Mannschaft auf dem Heck und der Steuerbordseite ein Schiessen mit Waffen des Kalibers .30 und .45 durchgeführt wurde.

14. Dass ungefähr 80 Schuss mit Munition vom Kaliber .30 und 40 Schuss .45 abgegeben wurden, davon wurden einige ins Wasser in Richtung der South Coronados Island gefeuert.

15. Dass keine Schüsse aus leichten Waffen beobachtet wurden, die auf der South Coronados Island einschlugen.

16. Dass das Schiff die ganze Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1943 vor Anker blieb.

17. Dass das Schiff am Nachmittag des 27. Juni in der Nähe der South Coronados Island blieb und über Nacht in ungefähr der selben Position blieb in der das Schiff am 23. Juni 1943 verankert war.

18. Dass es keine Anweisung der U.S. Marine gab, die der PC-815 gestattete am 27. und 28. Juni 1943 in der Nähe der Coronados Islands zu ankern.
(Quelle: Abschrift Untersuchungsausschuss über die Umstände betreffend dem Abfeuern von 3 Schüssen von der USS PC-815, 30. Juni 1943)

Konteradmiral Frank A. Braisted, Kommandant des Fleet Operational Training Command im Pazifik, bestätigte die Befunde der Untersuchung und verkündete sein Urteil für die Schuldigen. In erster Linie wurde Hubbard für verantwortlich erachtet und von seinem Kommando enthoben, zudem wurde ihm ein offizielles Ermahnungsschreiben überreicht; Lt (jg) George Asmann, sein Executive Officer erhielt ebenfalls ein Ermahnungsschreiben(DOKUMENT B). Mit diesem Brief orientierte der Konteradmiral Hubbard(DOKUMENT C):

1. Die Fakten und Zeugenaussagen ... weisen darauf hin, dass sie am 28. Juni 1943 während dem Dienst als kommandierender Offizier der U.S.S. PC 815:

(a) Befehle missachteten indem sie mit dem unter ihrem Kommando stehen Schiff Schiessübungen ohne ordnungsgemässe Befugnis durchführten; und

(b) Befehle missachteten indem sie ohne ordnungsgemässe Befugnis in Gewässern auf mexikanischem Territorium ankerten.

2. Das Oberwähnte führte zum Einreichen einer Beschwerde gegen das Schiff unter ihrem Kommando durch die mexikanischen Behörden.

3. Aufgrund der kurzen Zeit während der sie das Kommando ausübten und der Dringlichkeit ihrer Dienstleistung wird dieser Ermahnungsbrief geschrieben anstelle von anderen drastischeren disziplinarischen Massnahmen, die unter normalen Bedingungen in Friedenszeiten ergriffen worden wären.
(Quelle: Brief der Verwaltung an Lt L. Ron Hubbard, Rear Adm F.A. Braisted, 15. Juli 1943)

Die USS PC-815 nach Hubbard

Für den Rest des Krieges dient die USS PC-815 als Küstenpatrouillenboot in den Gewässern vor San Diego. Die Aufzeichnungen belegen, dass sie zwei weitere Schiffe eskortierte, die Unterseeboote MV Tinosa und Cod. An 2. November 1945 ging eine Periode der Inaktivität zu Ende als das Schiff wieder zum Aktivdienst mit der Pazifikflotte eingesetzt wurde.

Am 11. November kollidierte sie mit dem Zerstörer USS Laffey vor San Diego und sank innert zwei Minuten. Ein Mann (anscheinend von der PC-815) wurde als vermisst gemeldet, vermutlich ertrunken. Taucher der Navy zerlegten das Wrack anfangs November 1945

Wie der Konteradmiral klar machte, rettete ihn nur der Bedarf an Navy Personal zur Kriegszeit und Hubbards eigene Unerfahrenheit vor strengeren disziplinarischen Massnahmen; in Friedenszeiten hätten die begangenen Verstösse bestimmt ein Verfahren vor Militärgericht nach sich gezogen, mit der Folge einer Degradierung oder möglicherweise sogar einer unehrenhaften Entlassung. Der Verlust seines Kommandos jedoch war das Geringste was erwartet werden konnte und so geschah es am 7. Juli 1943 nach nur achtzig Tagen im Kommando, dass Hubbard seinen letzten Eintrag im Logbuch der PC-815 machte: "13.45 Uhr, unterschrieben zur Ablösung, L. R. Hubbard". Er wurde vorübergehend zum Dienst an Land im Issuing Office, Headquarters, Eleventh Naval District in San Diego versetzt, während er einen anderen Auftrag erwartete, von dem er hoffte im Südpazifik zu sein.

Eine entscheidende Konsequenz aus dieer Affäre war ein schmerzender Eignungsbericht über Hubbards ausgestellt durch Konteradmiral Braisted (DOKUMENT D). Der Konteradmiral bemerkte, dass er es "vorziehen würde ihn nicht unter seinem Kommando zu haben" und stufte Hubbard insgesamt als "unter dem Durchschnitt" ein. In seinen abschliessenden Bemerkungen erklärte Braisted:

Es ist bei diesem Offizier das Fehlen der wesentlichen Qualitäten von Urteilsvermögen, Führung und Zusammenarbeit in Betracht zu ziehen. Er handelt ohne Voraussicht auf mögliche Resultate. Er ist überzeugt, mit seinen Bemühungen aufrichtig gewesen zu sein, sein Schiff wirkungsvoll und bereit zu machen. Er wird derzeit als nicht qualifiziert für ein Kommando oder eine Beförderung betrachtet. Empfohlen wird Dienst auf einem grossen Schiff, wo er in geeigneter Weise überwacht werden kann.
(Quelle: L. Ron Hubbard Eignungsbericht, 29. Mai 1943-7. Juli 1943)

Eine gleiche Empfehlung wurde im Jahr zuvor vom US Naval Attaché in Melbourne abgegeben, aber es wurde nicht entsprechend gehandelt. Diesmal wurde davon Kenntnis genommen; Braisted war der ranghöchste Offizier der über Hubbard während seiner gesamten Navy Laufbahn Bericht erstattete und seine Anmerkungen waren vernichtend für Hubbards Aussichten. Berichte über den Fall fanden den Weg hoch zum Navy Minister und dem Generalstaatsanwalt des Militärs, einen dauerden schädlichen Einfluss auf Hubbards Karriere ausübend. In den verbleibenden sieben Jahren seiner Dienstzeit in der Reserve der Marine der Vereinigten Staaten kommandierte Hubbard nie mehr ein weiteres Schiff.


Quellen

A. Befunde, Untersuchungsausschuss über die Umstände betreffend dem Abfeuern von 3 Schüssen von der USS PC-815, 3. Juli 1943

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B. Protokoll der Ermahnung der Lts L. Ron Hubbard und George M. Asmann, 13. Juli 1943

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C. Ermahnungsbrief von Lt L. Ron Hubbard, 15. Juli 1943

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D. L. Ron Hubbard Eignungsbericht, 29. Mai 1943-7. Juli 1943 

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