RON DER "KRIEGSHELD"
L. RON HUBBARD UND DIE U.S. NAVY, 1941-50

< Kapitel 4.1
Enthüllung der Beweise

Kapitel 4.3 >
Überprüfen der Beweise

4.2 Die Geheimdienst Verbindung?

1984 wurden die Dienstakten von L. Ron Hubbard im Verlaufe des Verfahrens seines früheren Archivisten Gerry Armstrong einer genauen Überprüfung unterzogen. Zeugen wurden über die dokumentierten Angelegenheiten dem Kreuzverhör unterzogen und Scientology selbst brachte den ehemaligen Stellvertreter Hubbards, Thomas Moulton, in den Zeugenstand. Die Resultate waren vernichtend für Scientology. Sie verlor den Fall und der Richter hielt fest, dass Hubbard über seine Vergangenheit systematisch gelogen hatte. Die Akten selbst wurden schliesslich entweder im Verfahrensprotokoll verwendet oder als Beweisstücke zum Fall eingereicht. Durch beide Lösungen wurden viele der meist belastenden Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich.

Die alternative Erklärung

Die Antwort von Scientology war, an einem Kommentar von Thomas Moulton festhaltend, der offensichtlich einige der ihm von Armstrongs Anwalt vorgelegten Akten schwer zu glauben fand. Es war durchaus möglich, sagte Moulton im Kreuzverhör, dass die Akten gefälscht wurden um Hubbards Geheimdiensttätigkeit zu tarnen:

Moulton: [Dieses Dokument] nennt den 16. Januar; dies könnte jedoch bedeutungslos sein. Man kann sich nicht darauf verlassen. Falls etwas, was sie soeben gesagt haben wahr ist - wie erwähnt, er war ein Geheimdienstoffizier, glaube ich - falls dies so ist, wäre es bedeutungslos.

Michael Flynn, Anwalt: Das könnte gefälscht sein?

Moulton: Nicht gefälscht, aber ein Geheimdienstoffizier, soviel ich weiss, hat jede Art von unechten Briefen die bestätigen, wohin er geschickt wurde, wenn er dort geschnappt wird. Ich wusste nicht, dass er ein Geheimdienstoffizier war. Aber wenn er es war, wäre dies bedeutungslos.
(Quelle: Moulton Zeugenaussage, Scientology Kirche v. Armstrong, 21. Mai 1984)

Nicht lange danach, anfangs 1985, wurden in einem von Julie Christofferson Titchbourne aus Portland in Oregon gegen die Scientology Kirche eingereichten Fall Hubbards Marineakten erneut unter die Lupe genommen. In einem Versuch die Akten als Thema zu entschärfen, wendeten sich die Anwälte von Scientology an eine alte Kontaktperson, Ex-US Air Force Colonel L. Fletcher Prouty (rechts). Sie baten ihn, zu Hubbards Militärakten Unterstützung als "Gerichtsexperte" zu gewähren und im Februar 1985 legte er eine verbindliche eidesstattliche Erklärung vor,

um den Beweis zu der Tatsache zu liefern, dass die von der U.S. Navy (USN) und anderen Regierungsstellen vorgelegten Akten, Daten und zugehöriges Material, die alle erwähnten, die vollständigen Aufzeichnungen und Akten über die Militärdienst, aktiv und inaktiv, von Mr. L. Ron Hubbard, ehemals Lt. Commander der U.S. Navy Reserve, unvollständig sind ... [und] um die Tatsache zu bescheinigen, dass diese vorgelegten Materialen und Akten reichlich die Existenz von anderen Akten beweisen, die versteckt, zurückgehalten oder übersehen wurden.
(Quelle: Affidavit von Prouty, 1. Februar 1985)

Der Affidavit ist in verallgemeinernden Begriffen abgefasst und beabsichtigte vielleicht den Auftakt eines Prozesses gegen die Navy, obwohl bisher keine solche Klage erfolgte. Col Prouty griff im November 1985 erneut ein (anscheinend erneut durch Scientology veranlasst) als er erfuhr, dass das '60 Minutes' Program der CBS einen Film über Hubbard zeigen wollte, einschliesslich seiner strittigen Karriere in der Marine. Bei dieser Gelegenheit schickte er dem Produzenten der Show zwei Briefe. Wiederum wurden seine Dienste im Oktober 1987 verlangt, als er dem Verleger von 'Bare- Faced Messiah', einer unautorisierten Biographie von Hubbard, schrieb, um irgendwie zu einer Kopie des Manuskript vor der Veröffentlichung des Buches zu kommen. Scientology wiederholte die Behauptungen von Prouty, veröffentlichte seinen Brief von 1987 erneut auf dem Internet und erinnerte in einem Interview 1985 an seine "Befunde":

EARLE COOLEY: Sind sie sich der Tatsache bewusst, dass es mehr als einen Satz von Militärakten von Mr. Hubbard gibt?

Kommentator: Earle Cooley, der Anwalt der Kirche erklärt, dass die offiziellen Militärakten von L. Ron Hubbard in Wahrheit Fälschungen sind.

COOLEY: On - dass seine Akten, seine Militärakten, manipuliert wurden? Sind sie sich dessen bewusst?

MIKE WALLACE, CBS: Durch?

COOLEY: Durch weiss Gott wen.
(Quelle: 60 Minutes - Scientology, CBS, 22. Dezember 1985)

Was die Beglaubigungsschreiben von Prouty betrifft, er behauptet, Offizier der US Army und Air Force von 1941 bis 1964 gewesen zu sein, während dieser Zeit leistete er als Pilot und als Schreibtischoffizier des Pentagons Dienst im aktiven Einsatz sowie in einer Vielzahl von administrativen und Informationsdienstposten. Er hat nie behauptet, Mitglied des Geheimdienstes der US Marine oder der Navy selbst gewesen zu sein. 1 Gerechterweise muss gesagt werden, dass der in einer Vielfalt von Themen ein unkonventionelle Ansicht hatte. Er nehauptete zum Beispiel, dass President Franklin D. Roosevelt ermordet wurde; dass 1978 der Massenselbstmord in Jonestown durch das CIA verübt wurde; dass Öl kein fossiler Brennstoff, sondern in Wahrheit ein heimlich durch die Ölgesellschaften mit Hilfe der Israelis monopolisiertes reichlich vorhandenes natürliches Mittel ist. Er ist vielleicht am besten bekannt für seine Behauptungen über den Mord von Kennedy 1965 und er war der Prototyp für den Charakter der "Mr. X" in Oliver Stones JFK Film. Er sprach auch an Konferenzen des Institute for Historical Review, einer rechtsaussen stehenden, den Holocaust leugnenden Gruppe.

Aus eigentlich nicht ersichlichen Gründen 2 gewährte das Freedom Magazin von Scientology Col Prouty für die vergangenen zwei Jahrzehnte eine Plattform. Zwischen 1985 und 1987 publizierte Freedom eine 19teilige Serie von Col Prouty, welche (gemäss dem Magazin) "eine einzigartige und höchst informative Sicht der Ereignisse vermittelt, welche zum Vietnamkrieg führten". Kürzlich deckte Freedom seine Behauptungen über die Affäre von Jonestown. Ebenso wie die Anwälte von Scientology an ihm als "Gerichtsexperte" festhalten, beschrieb sich Prouty selbst als "ein redaktioneller Berater für Publikationen der Scientology Kirche".

Proutys Behauptungen

Col Proutys grundlegende Behauptung ist, dass Hubbards Akten gefälscht wurden (oder, mit seinem malerischen Begriff, "sheepdipped") um seine Tätigkeit als Agent der Geheimdienstes der US Navy zu decken. Prouty behauptet, während seinem eigenen Militärdienst selbst solche Akten angefertigt zu haben und er deshalb mit diesem Vorgehen vertraut war. 3. Diese Unterstellung beruht auf Proutys Annahme, dass Hubbards Akten, die er überprüfte, "so uncharakteristisch sind, dass sie als erfunden bezeichnet werden könnten". Prouty liefert keinen belegten Beweis, dass eine solche Praxis je existierte, obwohl fairerweise gesagt werden muss, dass es nicht sehr wahrscheinlich ist, einen solchen Beweis vom US Militär zu bekommen.

Es muss gesagt werden, bevor man irgend etwas daraus schliesst, dass die Quelle der von Col Prouty gesichteten Akten sicherlich die Scientology Kirche war. Da Hubbard damals noch lebte war die Kirche die einzige Einrichtung ausser der Regierung, die eine offizielle Kopie der Akten haben durfte. Dies erweckt unmittelbar eine wichtige Frage zur Echtheit. Wie wir bereits in 3.10 - Hubbards Medaillen, gesehen haben, ist die von Scientology verbreitet Kopie des Entlassungsformulars höchstwahrscheinlich eine Fälschung. Col Prouty hat sich bei zumindest einer Gelegenheit darauf als Beweis für die Fälschung von Hubbards offiziellen Akten bezogen, offenbar ohne die eigene Echtheit des Dokumentes zu prüfen. Es bleibt also unklar, wie viel von den Akten Prouty tatsächlich gezeigt wurden. Da die Scientology Kirche beweisbar ein schlechte Informationsquelle für Hubbards Kriegsgeschichte ist, muss die dokumentarische Grundlage von Col Proutys Behauptungen mit Vorsicht behandelt werden.

Col. Prouty unterstreicht in seinem Affidavit und den folgenden Briefen mehrere Schlüsselprobleme, die es wert sind im Einzelnen diskutiert zu werden. Ich habe die Quelle für jede Behaupung wie folgt gekennzeichnet: ";Affidavit" (Affidavit vom 1. Februar 1985); "CBS Nr. 1" (erster Brief an CBS, datiert 4. November 1985); "CBS Nr. 2" (zweiter Brief an CBS, datiert 21. Novembe 1985); "Miller" (Brief an Michael Joseph Ltd, 4. Oktober 1987).

Das ist falsch; in Wahrheit stand die Bezeichnung "I-V(S)" für "Intelligence Volunteer (Specialist)" und ist im Register of Commissioned and Warrant Officers of the United States Naval Reserve (31. Juli 1944) als "ernannter Nachrichtenoffizier qualifiziert für Dienst als Spezialist" verzeichnet.

(CBS Nr. 2, Miller) "[Hubbards Ernennung] war von James Forrestal unterschrieben, der später unser erster Verteidigungsminister wurde ... [die] Anweisung vom 5. Juli 1941 [Ernennung Hubbards als I-V(S)] wurde von keinem Geringeren als C.W. Nimitz unterschrieben, damals Captain USN und später Fünf Sterne Admiral - die Spitzen der Flotte."

Die Dokumente sind tatsächlich im Namen von Forrestal und Nimitz unterschrieben; auf den beiden Papieren erscheinen die Unterschriften von subalternen Beamten. Dies war völlig normale Praxis, damals wie heute. Prouty erwähnte die beiden Empfehlungen, die Hubbard von entgegenkommenden Kongressabgeordneten erhielt, das eine davon wurde an Forrestal gesandt, das andere an den Präsidenten persönlich, und weist darauf hin, dass die Briefe ein wohlgewogenes Eingreifen von "der höchsten Stelle der Navy" hervorrief. Aber Prouty vergisst zu erwähnen (oder die beweisenden Dokumente wurden ihm nicht gezeigt), dass Hubbard zuerst eigentlich zurückgewiesen wurde. Im April 1941 scheiterte Hubbard aufgrund seiner ungenügenden Sehstärke und, hätte er diesen Test bestanden, dann wäre er zurückgewiesen worden, da er dem verlangten Ausbildungsstandard nicht genügte (Die Qualifikation zu Friedenszeiten war ein Collegeabschluss). Die Erklärung des Unlimited National Emergency im Mai 1941 liessen Hubbards Ungenügen entfallen.

(CBS Nr. 2) "Diese frühe Anweisung, unterschrieben NIMITZ, vom 5. Juli 1941 trägt einen anderen wichtigen Code, den ihre Akten ignorieren. In der oberen rechten Ecke befindet sich ein Korrespondenzcode "NAV-1651-EZ". Sie sollten wissen, dass alle "16-- " Reihe Korrespondenz Angelegenheiten des Geheimdienstes betreffen. Allerdings ist es manchmal ausgelassen um Sicherheitsinteressen zu schützen, wenn es gebraucht wird, bedeutet es "Geheimdienst". Ihre Quellen sagen darüber nichts obwohl diese gleiche, offizielle "16--" Kennzeichnung auf zahllosen LRH Dokumenten durch die Jahre seines Militärdienstes hindurch erscheint."

Jon Atack, Autor von 'A Piece of Blue Sky', hat diese bestimmte Behauptung kontrolliert und berichtet:

Der schwerwiegendste Fehler in Proutys Werk war seine Annahme, dass der Code '16' auf Hubbards Anordnungen bedeutete, dass er ein Mitglied des Geheimdienstes der US Navy war. In Wahrheit zeigen die Akten selbst, dass die Codenummer ganz einfach 'Naval Reserve' bedeutet und Hubbard war natürlich beauftragt als Mitglied der Reserve der Marine. Prouty bietet keine Quelle für seine drastische Unterstellung.

Ganz bestimmt nicht, da es noch mehr Beweise gibt, dass Hubbard ursprünglich tatsächlich der Öffentlichkeitsarbeit zugewiesen wurde. Am 24. April 1941 schrieb das Navy Department an das Office of Naval Intelligence um diese darüber zu informieren, dass "Mr. L. Ron Hubbard sich beim Navy Yard in Washington um eine Beauftragung in der Reserve der Marine, I-V(S), bewarb, um dem Dienst beim Public Relations Office zugeteilt zu werden". Am 21. Juli, rund drei Wochem nachdem er seine Ernennung erreichte, schrieb er an den Kongressabgeordneten Warren G. Magnuson um ihm für seine Unterstützung zu danken. Magnuson erwiderte: "Erfreut zu hören, dass ihre Ernennung durchkam. Weiss, dass sie gleich in ihrer Arbeit mit Navy Press Relations zu Hause sein werden."

Eine Woche später schrieb Hubbard wieder um dem Senator zu erzählen, "da die Press Relations gut genug voran kamen" hette er angeboten, jede Woche zwei Artikel für nationale Magazine zu schreiben mit dem Bestreben, die Öffentlichkeit mit den "American bluejacket" bekannt zu machen. Er bekam, wie er sagte, freie Hand und "weil dieses Programm etwa dreimal mehr einbringen wird als die Navy zahlt, denke ich dass es nicht mehr als rechtens ist, dass ich alles war über dem Lohn und den Auslagen liegt zur Entlastung der Navy zurückerstatte".

Die Echtheit dieser Briefe wurde nicht in Frage gestellt und die Magnuson Briefe wurden ausserhalb der Kontrolle von irgend einer Stelle der US Regierung archiviert. Natürlich ist es möglich, dass Hubbard befohlen wurde den Senator zu belügen; aber Magnuson war bereits Mitglied des Senate Armed Forces Committee und einer Arbeitsgruppe zur Klassifizierung militärischer Informationen, während diese Bettler glauben, dass Hubbard nur drei Wochen nachdem er junior, inaktiver Nachrichtenoffizier der Reserve wurde, an top- secret Aufträge beteiligt gewesen sein könnte. Andere Dokumente aus der selben Periode zeigen, dass Hubbard in Wahrheit einen Fernkurs machte, anscheinend um ihn in die Reserve der Marine einzuführen.

Ein Leitmotiv von Proutys Theorie ist, dass Hubbards Personalakten die Existenz von weiteren entsprechenden Akten aufdecken, welche nicht durch die US Navy erstellt wurden. Den Kopien der Akten der US Navy wird nachgesagt, geringfügige jedoch bedeutsame Differenzen untereinander und gegenüber den Originalen von Hubbards privaten Papieren aufzuweisen. Dies zeigt, behauptet Prouty, dass die öffentlich gemachten Akten von Hubbard in Wahrheit eine Deckung für eine geheime "Hauptakte" ist, die alle wirklichen Details von Hubbards Dienstakten, Geheimdienstarbeit und allem anderen enthalten.

Dummerweise nimmt dies keine Rücksicht auf die völlig normale Praxis in jeder bürokratischen Organisation, Dokumente für mehrere Empfänger zu kopieren. Im Verlaufe meiner eigenen Dienstzeit habe ich Adresslisten gesehen, die beträchlich länger waren als der Text der originalen Mitteilung. Ein Ereignis wie L.Ron Hubbards Beauftragung in der US Navy könnte erfordert haben, dass dies einer ganzen Reihe von Stellen gemeldet werden musste - seine Lohnabteilung, seine Personalabteilung, die Abteilung bei der er Dienst zu leisten hatte und so weiter. Diese mehrfachen Kopien können immer noch irgendwo in den Archiven der US Nayv und dem NAVY Department existieren. Aber die am leichtesten auffindbare Kopie und am ehesten aufbewahrte wird natürlich die in Hubbards Personalakten sein. Das allein könnte sie Erklärung sein, warum nur diese Kopie ans Licht kam.

Was die von Prouty bemerkten geringfügigen Anweichungen betrifft, so können diese aus einer ganzen Reihe von Faktoren resultieren - Fehler bei der Vervielfältigung (beispielsweise schlecht eingelegtes Kohlepapier oder "Störsignale" beim Fotokopieren), abweichende Anmerkungen auf verschiedenen Kopien, die an verschiedenen Orten abgelegt wurden, und so weiter. Die meisten der Unterschiede sind trivial und sollten keinen praktischen Unterschied ergeben, wenn die eine Version einer anderen vorgezogen Wurde. Es gibt nichts, was seinen Kampf, dass die Dokumente scheinbar gefälscht worden sind, stützen könnte.

Es gibt keinen Zweifel, dass in Hubbards Dienstakten Lücken bestehen. Beim Vergleichen der durch FOIA Abfragen von verschiedenen Leuten freigegebenen Akten ist festzustellen, dass einige Leute Papiere erhielten, die in anderen FOIA Herausgaben nicht vorhanden sind, obwohl die grosse Mehrheit der Papiere der verschiedenen Ausgaben identisch sind. Es gibt jedoch keinen Grund, dem üble Motive oder lückenhaften Akten zuzuschreiben. Einige der Personalakten von Hubbard bleiben zum Schutz der Privatsphäre bis heute gesperrt (die Scientology Kirche scheint die einzige Organisation zu sein, die einen vollständigen Satz erhielt). Welche Papiere zurückgehalten wurden war scheinbar vom die einzelne Anfrage bearbeitenden Offizier abhängig, was zu einem Mangel an Übereinstimmung führte. Tatsächlich beklagt ein internes Memorandum der Navy über Hubbards Akten die inkonsequente Ablage von früheren FOIA Anfragen.

Inkonsequente Ablage führte zweifelfrei zu einigen der Lücken in Hubbards Personalakten, aber der nahezu gewisse Hauptgrund ist, dass die von Prouty zitierte Art von Information - zum Beispiel Einzelheiten zu Hubbards einführendem Fernkurs oder seine Öffentlichkeitsarbeit - standen nicht an erster Stelle in seinen Akten. Als Vorgabe, eine solche Akte hätte darüber berichtet wo er arbeitete, über seine medizinische Gesundheit und seine Führungsberichte. Sie hätte nicht die feinen Einzelheiten von dem festgehalten, was er tatsächlich machte - dies wäre in den Akten der Abteilung auf der er eingesetzt war festgehalten worden.

Diese Unterstellung wird durch Tatsache ein wenig zerbeult, dass sich Hubbard bei mindestens zwei Gelegenheiten während dem Zweiten Weltkrieg "aussprach". Sein Stellvertreter Thomas Moulton bezeugte 1984, dass Hubbard ihm 1943 über geheime 'hinter den Linien' Arbeit erzählt hatte, die er anfangs 1942 auf der durch die Japaner besetzten Insel Java ausführte. Scientology hat seither diesen Bericht unterstützt. Falls diese Geschicht wahr gewesen wäre - und es gibt absolut keine Beweise dass sie es war - dann hätte Hubbard einen schwerwiegenden Verstoss gegen die Sicherheit begangen. Moulton war ein Offizierskollege der US Naval Reserve, ein Freiwilliger an Deck (Spezialist) und er hatte auf dieser Stufe keinerlei Verbindungen mit Geheimdienst Aufträgen. Folglich war er nicht berechtigt, über geheime Operationen informiert zu werden. Wenn es Senator Warren G. Magnuson vom Senate Armed Forces Committee nicht war, dann Lieutenant Thomas S. Moulton USNR ganz bestimmt nicht.

Später im Krieg, im Dezember 1944, erzählte Hubbard einer Gruppe in den US Armed Forces dienstleistenden Science-Fiction Schriftstellern, dass er "gerade von den Aleuten zurück sei" und wies hin auf "gefährliche Aktionen an Bord eines Zerstörers der Navy, Abenteuer über die er nicht viel sagen könne wegen der militärischen Sicherheit". 4 Vermutlich sollte dies eine andere seiner geheimen Heldentaten gewesen sein, da sie in seinen Personalakten nirgends vorkommt. Wenn dem so ist, dann hätte er erneut einen gravierenden Verstoss gegen die nationale Sicherheit gegangen - die anderen Anwesenden waren nicht einmal Mitglieder der US Navy.

Von Hubbard wird nicht direkt berichtet, das ist wahr, dass er seine Marinelaufbahn in grossen Einzelheiten diskutiert hatte. Trotzdem kann nur Hubbard selbst die Quelle für die vielen Berichte der Scientology Kirche gewesen sein - sie bekam die Originalakten nicht vor 1979 in ihre Hände.

Schliesslich muss man sich nur über die von Prouty selbst geforderte Diskretion wundern, angenommen dass er in den vergangenen 20 Jahre viel Zeit damit verbracht hat, angebliche Verschwörungen "aufzudecken", verübt durch seinen eigenen ehemaligen Arbeitgeber in der US Regierung!

Unglücklicherweise verstösst dies gegen einen völlig grundlegenden Punkt: die US Navy setzte in Australien keine Korvetten ein oder tatsächlich sonst irgendwo im Pazifik. Sie hatte 38 Korvetten von Grossbritannien und Kanada erhalten, die jedoch alle im Nordatlantik eingesetzt wurden, wie sie wegen der deustchen U-Boot Bedrohung am meisten benörigt wurden. Die japanische U-Bootflotte war eine weit geringere Bedrohung und beschränkte ihre Operationen zumeist auf den westlichen Pazifik. Ausserdem, Korvetten - entwickelt für den Nordatlantik - waren für tropische Bedingungen völlig ungeeignet und es wurde auf ihnen im südlichen Klima enerträglich heiss. Es gibt ganz einfach keine Möglichkeit, dass Hubbard während er in Australien war irgend etwas mit amerikanischen Korvetten zu tun haben konnte - diese Schiffe waren auf der anderen Seite des Planeten.

Die rhetorischen Floskeln mal beiseite, wie konnte der Kongressabgeordnete Magnuson dies wissen, sogar unter der Annahme dass er den Brief selber schrieb? 5 Waren Hubbards Qualifikationen tatsächlich besser als die irgend eines anderen Mannes in den Vereinigten Staaten? Auf welcher Grundlage konnte Magnuson dies sagen? Überprüfte er es mit den verantwortlichen Behörden? Kurz, eine unbeweisbare Behauptung ist selbstverständlich eine wertlose Behauptung. Prouty begeht den grundlegenden Fehler, dies für vollwertig zu halten ohne den Wahrheitsgehalt in Frage zu stellen.

Das Thema von Hubbards Medaillen wurde bereits im Detail behandelt (siehe 3.10 - Hubbards Medaillen). Das von Prouty zitierte Dokument ist mit höchster Wahrscheinlichkeit gefälscht. Die Tatsachen, die er geltend macht, sind ebenfalls zweifelhaft. Es gibt keine Akten noch irgend welche zeitgenössische Behauptungen von Hubbard, die bestätigen dass er im Kampf Verletzungen erlitt. Es gibt keine Akten, dass Hubbard je durch irgend jemand mit einer 'Citation' ausgezeichnet wurde, ganz bestimmt nicht durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Es ist etwas überraschend, dass ein "Gerichtsexperte" wie Col Fletcher Prouty nicht gewusst haben sollte, dass die "British and Dutch Victory Medals" in Wirklichkeit gar nicht existieren. Noch gibt es irgend welche Akten über eine Verleihung der 'Marine Medal' an Hubbard. Ganz bestimmt war es nicht der Fall, dass die 'Rifle and Pistol Expert Marksman' Medaillen für "Landeinsatz" verliehen wurden - sie wurden tatsächlich beim Erreichen von streng vorgeschriebenen Treffsicherheitsstandards verliehen, die im US Navy Landing Party Manual definiert sind. Hubbard unternahm die vorgeschriebenen Waffenübungen und behauptete in einem Brief von Oktober 1943, "die Anforderungen für nahezu alle leichten Waffen und Infanteriewaffen zu erfüllen". Er behauptete nicht, an Bodengefechten beteiligt gewesen zu sein.

Es gibt noch ein weiterer Punkt, den Prouty übergehen wollte: falls Hubbards Dienst während dem Krieg so geheim war, dass der Rest seiner Akten gefälscht wurde, wie kommt es dann, dass dieses einzelne Dokument die Medaillen zeigt, mit denen er angeblich für seine geheime Arbeit ausgezeichnet wurde? Es ist eher ein Verrat, könnte man denken. Gewiss wurden die Aufzeichnungen über seine Medaillen vertraulich behandelt wie alles andere? Falls nicht, warum gibt es dann in keinen anderen Akten von Hubbard eine Aufzeichnung über seine Medaillen?

Die offiziellen Akten der United States Naval Administration im Zweiten Weltkrieg offenbaren eine eher abweichende Geschichte: die Schule in Princeton, die Hubbard ab September 1944 besuchte, war nicht für "ausgewähltes Geheimdienstpersonal der Navy", sondern für Offiziere aus allen Bereichen der Navy. Hubbards Bewerbung erfolgte als Antwort auf eine allgemeine Anfrage der Navy um Bewerber "für eine intensive Ausbildung mit eventuellem Auftrag zum Dienst im Ausland als Offiziere für zivile Angelegenheiten in besetzten Gebieten". Ebenso war er, wie Prouty aus Hubbards Akten hätte ersehen können, damals kein Mitglied des Geheimdienstes der Navy, nachdem er im Mai 1942 als gewöhnlicher Freiwilliger an Deck (Spezialist) zurückgestuft wurde.

Zusammenfassung

Kurz, praktisch jede von Prouty vorgebrachte bedeutsame Behauptung scheint eine gänzlich bedrohliche Lösung zu haben, auf falschen Annahmen zu beruhen oder ganz einfach unwahr zu sein. Er hatte bereits zuvor den Ruf, keine glaubwürdige Informationsquelle zu sein; wie ein gegenüber Prouty skeptischer Kommentar meint, "unglücklicherweise hat er den Ruf, Erklärungen abzugeben die plausibel klingen, die sich aber nicht aufrecht erhalten lassen wenn man sie mit den geschichtlichen Fakten vergleicht". 6 Dies erweist sich betreffend seinen Kommentaren zu Hubbards Marinelaufbahn als wahr. In Anbetracht, dass Prouty selbsternannter Gerichtsexperte ist, ist es ein wenig verblüffend, dass er fundamentale faktische Fehler gemacht haben sollte - solche wie die nichtexistierenden Medaillen oder die Korvetten, die nie nach Australien fuhren - welche er hätte vermeiden können, hätte er nur ein klein wenig Nachforschung betrieben. Col Prouty wohnt in Alexandria, Virginia, nur wenige Meilen vom US Navy Historical Center in der Marinewerft von Washington. Überprüfte er seine Behauptungen bei der Navy? Falls nicht, warum? Da er nie in der Navy Dienst leistete, welche Kenntnisse hatte er von ihrer Tätigkeit im Zweiten Weltkrieg?

Alle diese Punkte weisen stark darauf hin, dass Col L. Fletcher Prouty kein glaubwürdiger Analytiker von Hubbards Marinelaufbahn ist. Zum Unglück der Scientology Kirche zeigte er sich als nicht gerade unabhängiger "Experte" zur Unterstützung ihrer Theorien, dass Hubbards Akten gefälscht wurden. Dies ist von erheblicher Bedeutung beim Untersuchen der entscheidenden Aspekte von Hubbards Marineakten - ihrer Wahrheitstreue.


ANMERKUNGEN

1 Weil der Zugriff auf Col Proutys Dienstakten zum Schutz der Privatsphäre durch die USAF noch eingeschränkt ist, kann dies nicht überprüft werden.

2 Col Proutys Behauptungen von geheimen Verschwörungen der US Regierung trafen sich möglichwerweise mit Scientologys eigenem Glauben, dass sie und ihr Gründer das Ziel einer weltweiten Verschwörung waren, im Hintergrund gelenkt durch Psychiater und korrupte Regierungsbeamte. In anderen Fällen hat Scientology oft die Unterstützung von was man "Weggefährten" nennen könnte gewonnen - unabhängige Einzelpersonen mit die Pläne von Scientology ergänzenden Ansichten. Der Antipsychiatrieaktivist Dr. Thomas Szasz ist ein treffendes Beispiel.

3 Wie viele von Proutys Behauptungen ist das unbewiesen und höchstwahrscheinlich unbeweisbar, durch die notwendigerweise geheime Natur von solchen vermuteten Praktiken.

4 Jack Williamson, Wonder's Child: My Life in Science Fiction, 1984. Williamson war damals selbst US Army Sergeant.

5 Der Empfehlungsbrief des Kongressabgeordneten Robert M. Ford wurde in Wahrheit von Hubbard unter dem Briefkopf von Ford geschrieben, wie Ford selbst bestätigte. Vermutlich wurde der Brief des Kongressabgeordneten Magnuson im gleichen Stil verfasst.

6 Siehe "L. Fletcher Prouty -- All Purpose Kennedy Assassation [sic] Expert?", http://mcadams.posc.mu.edu/prouty.htm.

< Kapitel 4.1
Enthüllung der Beweise

Kapitel 4.3 >
Überprüfen der Beweise